Münchhausen
Geliebt hab ich sie  fast  alle
© Willem de Haan
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Wir brauchen eine Bühne und Verkleidungen

Die größte Freude habe ich der Zarin meines Herzens mit einem anderen Bild unserer Sammlung gemacht: Pieter Brueghel der Ältere hat es gemalt, sein Sohn hat das Bild kopiert, bevor es im Haus eines reichen Käufers verschwand. Es hieß „Jahrmarkt mit Theater“ und zeigte an die dreihundert Frauen, Männer und Kinder, die in einer kleinstädtischen Kulisse das Leben an einem Festtag zeigten; in der Bildmitte stand eine Bühne mit Akteuren und dicht herumdrängendem Publikum.
 
Ich ließ die Fassaden der gemalten Hauptgebäude nachbauen und besorgte die Auswahl von geeigneten Mitspielern: Wir spielten nämlich dieses Bild lebensecht in den alten Kostümen und der sorgfältig gemalten Ausstattung nach.

Katharina liebte es, mit mir als Liebespaar verkleidet in diesen Szenen unerkannt an vielen Stellen dabei zu sein. Einige Male spielten wir sogar das mit derbem bäurischem Klamauk agierende Liebespaar auf der Theaterbühne. Das Publikum schrie begeistert auf, wenn ich ihr an die Brüste und sie mir an die Hose griff. Die Dialogtexte wurden uns von den Souffleusen zugerufen, aber oft auch aus dem Publikum.

Im Sommer spielten wir dieses Stück für Hunderte ausgewählter Zuschauer, die sich zeitgerecht kleiden und einen hohen Eintrittspreis bezahlen mussten. Es war aufwendig, aber es war ein Ereignis ohne Beispiel in der europäischen Theatergeschichte, und vor allem hat es der Zarin gefallen.

Übrigens hatte sie besondere Freude an der unübersehbaren Ausbuchtung in der mittelalterlichen Hosentracht der Männer. Sie hat sich einen deftigen Spaß daraus gemacht, zum Entsetzen der Betroffenen, manchen ihr künstlich überdimensioniert erscheinenden Hosenstall inhaltlich von einer couragierten Hofdame überprüfen zu lassen. Darauf folgte fast immer eine handgreifliche Auseinandersetzung mit anderen Zuschauern, die Katharina genoss und in die ihre ebenfalls verkleidete Leibgarde dann eingreifen musste.

Die Zarin fand das Geld für unsere diplomatischen Gastfreundschaften letztlich gut angelegt, weil sie ihr Russland als friedliebendes und kunstoffenes Reich zeigen wollte.

Aber die Friedensliebe ließ sich nicht lange durchhalten. Meist waren natürlich die anderen schuld. Katharinas Militärberater lagen ihr dauernd mit Kriegsforderungen in den Ohren. Ihr schlagendes Argument war oft: „Krieg ist leichter als endlose Verhandlungen“. Zudem waren die Generäle oft mit den Herstellern von Kanonen und Gewehren verbunden, und wenn sie den Kauf von Waffen durchgesetzt hatten, wollten sie die auch bald erproben und als veraltet geltende Waffen verbrauchen. Diese Grundstruktur habe ich in mehreren Ländern erkannt; sie wäre und ist für alle leicht zu erkennen – wenn man sie überhaupt wahrnehmen will.

In Krisensituationen ließ sich die Zarin oft zu -erotisch immer aufregenden -Wutausbrüchen und zu ähnlich gefühlsbetonten Reaktionen hinreißen. Etliche Male gelang es mir, sie zu besänftigen und friedlicher zu stimmen, aber „mittlere Stürme“ musste sie offenbar alle paar Wochen austoben.

Unvergleichlich glanzvolle Festwochen gestaltete ich ab dem 1. Julisonntag, den ich der Zarin als „offiziellen Geburtstag“ empfohlen hatte; ihren echten am immer lausig kalten 2. Mai haben wir sehr privat gefeiert, zusammen mit meinem, der war schließlich nur eine Woche später. Den amtlichen Geburtstag der Zarin feierte das Volk dann annähernd zeitgleich mit einem großen musischen Programm in St. Petersburg, Moskau, Riga, Kiew und Odessa.

Berühmt wurde sogar unter den Vergnügungsreisenden die Überreichung meiner sonntäglichen Blumengebinde an die Zarin. Blumenzüchter aus Südrussland und Künstler aus vielen Ländern gestalteten den Hintergrund für die vom Staatsorchester begleiteten Ballettaufführungen, die begannen, wenn die Herrscherin mit dem Patriarchen, dem geistlichen Oberhirten, (und mir im Hintergrund) aus der Basilika trat. Auch das Volk durfte Blumen auf den Weg der Zarin werfen, das bedeutete auch den Ärmsten sichtlich viel.

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Inhalt

Am Beginn unserer Bekanntschaft
Aufbruch
Das will ich vorausschicken
Lernstunden der Liebe
Frühlingsfische
Spätes, erfreuliches Wiedersehen
Waldfee? Teufelsweib? Hexe?
Mein anderer Franziskus
Die Eroberung einer Burgherrin
Meine Reise nach Russland

Riskante Rast im Schnee
Dreiundzwanzig liebeshungrige Frauen
Hochzeitsgast in einem russischen Dorf
Endlich in St. Petersburg
Der Zarin zu Füßen
Bei Hofe knistert überall Erotik
Russische und indische Liebeskünste
Allerhöchste Schokoladengelüste
Im Hintergrund des Machtzentrums
Kaiserliche Gewinnspiele

Vertrauter und künstlerischer Berater
Wir brauchen eine Bühne und Verkleidungen
Auch ein Starker braucht Bestärkung
Un(frei)williger Kriegsheld
Tatarenleidenschaft
Beim Sultan in Konstantinopel
Ein türkisches Muss: Ein Harem für mich
Ich lebe gern mit vielen Frauen
Jeder Alltag war ein Festtag
Die Flöte des Pan

Gewöhnungsbedürftiges
Für manches weiß ich eine Lösung
Kulturaustausch mit dem Reich der Pharaonen
Im Palast des Paschas
Ägyptische Freuden und Plagen
In goldenen Käfigen
Delfine zogen mich nach Griechenland
Stille Zeit und alte Bräuche
Begegnung mit überirdischer Schönheit
In die Welt hinausgeschleudert

In weiblicher Gefangenschaft
Strafverschärfung: Lieblingsgefangener
Schöpferisches Handeln hält hellwach
Undankbare Flucht
Mediterranes Zwischenspiel
Ich erforschte den falschen Vulkan
Verblendeter und sofort bestrafter Eifer
Verlust der Erdenschwere
Auf einem andern Stern
Die Muse des Gesanges

Befreiung durch Naturgesetze
Archäologen wurden Zeugen
Eingewöhnung in irdisches Leben
Jagdverhinderung in Bayern
Im schottischen Hochmoor
Frühstück für Nessie
Eisbären sind musikalisch und tanzfreudig
Unerwartete Freuden in Polarnächten
Tigerjagd in Bengalen
Literatur als Überlebenshilfe

Nächtlicher Kampf mit Berglöwen
Liebe macht manchmal erfinderisch
Dichtertreffen
Der König mit dem Knall
Delikate Mission: Königlicher Vorkoster
…und her wider unz an Ungerland
Heilige in der Kirche, Dame im Salon und im Bett eine…
Dagmars unwiderstehliche Strategie
Mit Wanda und Ewa im Schnee
Ein erotisches Krisen-Komitee

Königlich-Niederländisches Liebesnest
Tarantella tanzen in Tarent
Irgendwo in der Südsee
Lernbereite Kannibalenkinder
Seminare unter Palmen
Manchmal hilft uns auch ein Schurke
Das Geschenk des Zauberers
An Bord eines Seeteufels
Von Bremen aus heimwärts
Hexenwerke im Harz?

Auch hierzulande gibt es Reise- Erschwernisse
Im heiligen Köln
Säulenheilige am Dom
Liebesarien
Ein Abend mit lauter Fragen
Was soll ich in Amerika?
Wiedersehen mit Mahajusha
Im Wein wird doch Wahrheit sein?
Mahajusha schenkt mir Flügel
Tiefschläge aus heiterem Himmel

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