Münchhausen
Geliebt hab ich sie  fast  alle
© Willem de Haan
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Von Bremen aus heimwärts

Im „Roten Papagei" bei meiner Freundin Madelaine in Bremen pflegte ich mich oft von einer langen Seereise einige Tage lang genussvoll zu erholen. Diesmal musste ich dort zum ersten Mal auf Kredit logieren. Hier lag unter anderen Briefschaften für mich eine fast zwei Jahre alte Einladung zur Hochzeit eines englischen Prinzen.

Einige Damen in diesem geschätzten freudenreichen Haus kannten mich noch und machten sich ein Vergnügen daraus, mich mit ihren neuen Freundinnen und deren besonderen Fähigkeiten vertraut zu machen. Madelaine sorgte wie immer dafür, dass meine Lebensgeister wieder geweckt wurden. Ich war nur traurig, Julia nicht anzutreffen. Mit dieser blonden Italienerin verbanden mich besonders herzliche Erinnerungen. Madelaine vermutete sie jetzt in Kassel oder in Köln oder irgendwo in Süddeutschland.

Bei einem unserer in Bremen schon berüchtigten frivol-fröhlichen Feste, zu denen Madelaine und ich immer auch einige Freunde des Hauses einluden, machte ich die Bekanntschaft eines jüngeren Weinhändlers aus Straßburg. Er hatte ein gewinnendes Wesen, ich, wörtlich genommen, aber auch: Bei einigen Spielchen verhalf er mir unfreiwillig zu einem befriedigendem Startkapital. Seinen älteren Kompagnon traf ich abends im Ratskeller, wohin ich Madelaine regelmäßig ausführte.

Auch Herr Patagonne war offenbar schon mehrfach Gast im "Roten Papagei“ gewesen. Ich hatte sogar den Eindruck, dass einige Damen, und übrigens auch Madelaine, eine besondere Beziehung zu ihm und seinem Kompagnon hatten. Aber damals war ich zu abgelenkt, mir darüber Gedanken zu machen; nachträglich fiel es mir aber wieder ein, als wir uns über einige Erlebnisse mit unseren Partnerinnen im "Roten Papagei“ austauschten.

Mir war aufgefallen, dass unter den bei Madelaine wohnenden Frauen aller Haut und Haarfarben der Anteil an französisch sprechenden ziemlich hoch war; ich hatte mich diesmal aber aus kulturellem Interesse nur einigen Frauen aus der Karibik gewidmet; ich fand sie prickelnd anziehend und war begeistert von ihrem Temperament.

In der Erwartung eines exzellenten Essens und vorab beim Verkosten mehrerer erlesener Weinsorten erfuhr ich an jenem Abend im Ratskeller einiges von den Straßburgern, das mich vom Fachgebiet her mäßig interessierte; mich beeindruckte aber ihre Art zu erzählen und mich amüsierte, wie selbst Madelaine und zwei weitere Damen, denen doch sicher schon viele Fahrensmänner von der großen weiten Welt erzählt hatten, an ihren Lippen hingen. Ihre Firma nannten sie nach ihrer beider Namen Lovis & Patagonne.

Die Herren hatten in Norddeutschland und in Dänemark in guten Hotels und Restaurants für ihre Wein-und Champagnermarken geworben und erwähnten befriedigende Abschlüsse und erfreuliche Geschäftsbesuche bei Weinhändler- kollegen in Lübeck und Hamburg. Sie waren ausgesprochen heiteren Sinnes und viel angenehmer, als ich erfolgreiche Pfeffersäcke sonst erlebt habe. Wir unterhielten uns gut und fanden einander anregend. So viel wie in ihrer und in Madelaines Gesellschaft hatte ich lange nicht mehr gelacht und ich spürte, dass ich in dieser heiteren und witzigen Gesellschaft guten Abstand von meinen auch bedrückenden Erlebnissen finden konnte. Hätte ich sonst ihre Einladung angenommen, sie nach Straßburg zu begleiten?

Warum nicht? Zuhause wartet keiner wirklich auf mich und eine bequeme Reise durch ansehenswerte deutsche Gegenden in unterhaltsamer Gesellschaft ist ein guter Anfang zum Wieder-Heimischwerden. Meine Seele braucht nach langen Reisen immer einige Zeit, bis sie meinem Körper nachkommen kann.

Bei vortrefflichem Rotspon im Bremer Ratskeller entwarfen wir einen Reiseverlauf über die "Himmelspforte" zu meiner Lieblingsinsel Bodenwerder (unsere Altstadt lag früher auf einer Weserinsel), Kassel, Westfalen und den Rhein entlang. Ich brachte meine rasch vorgewarnten Leute zuhause in hektische Aufregung, konnte einiges für die nächste Zeit regeln und meine Gäste ein paar Tage lang angemessen bewirten.

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Inhalt

Am Beginn unserer Bekanntschaft
Aufbruch
Das will ich vorausschicken
Lernstunden der Liebe
Frühlingsfische
Spätes, erfreuliches Wiedersehen
Waldfee? Teufelsweib? Hexe?
Mein anderer Franziskus
Die Eroberung einer Burgherrin
Meine Reise nach Russland

Riskante Rast im Schnee
Dreiundzwanzig liebeshungrige Frauen
Hochzeitsgast in einem russischen Dorf
Endlich in St. Petersburg
Der Zarin zu Füßen
Bei Hofe knistert überall Erotik
Russische und indische Liebeskünste
Allerhöchste Schokoladengelüste
Im Hintergrund des Machtzentrums
Kaiserliche Gewinnspiele

Vertrauter und künstlerischer Berater
Wir brauchen eine Bühne und Verkleidungen
Auch ein Starker braucht Bestärkung
Un(frei)williger Kriegsheld
Tatarenleidenschaft
Beim Sultan in Konstantinopel
Ein türkisches Muss: Ein Harem für mich
Ich lebe gern mit vielen Frauen
Jeder Alltag war ein Festtag
Die Flöte des Pan

Gewöhnungsbedürftiges
Für manches weiß ich eine Lösung
Kulturaustausch mit dem Reich der Pharaonen
Im Palast des Paschas
Ägyptische Freuden und Plagen
In goldenen Käfigen
Delfine zogen mich nach Griechenland
Stille Zeit und alte Bräuche
Begegnung mit überirdischer Schönheit
In die Welt hinausgeschleudert

In weiblicher Gefangenschaft
Strafverschärfung: Lieblingsgefangener
Schöpferisches Handeln hält hellwach
Undankbare Flucht
Mediterranes Zwischenspiel
Ich erforschte den falschen Vulkan
Verblendeter und sofort bestrafter Eifer
Verlust der Erdenschwere
Auf einem andern Stern
Die Muse des Gesanges

Befreiung durch Naturgesetze
Archäologen wurden Zeugen
Eingewöhnung in irdisches Leben
Jagdverhinderung in Bayern
Im schottischen Hochmoor
Frühstück für Nessie
Eisbären sind musikalisch und tanzfreudig
Unerwartete Freuden in Polarnächten
Tigerjagd in Bengalen
Literatur als Überlebenshilfe

Nächtlicher Kampf mit Berglöwen
Liebe macht manchmal erfinderisch
Dichtertreffen
Der König mit dem Knall
Delikate Mission: Königlicher Vorkoster
…und her wider unz an Ungerland
Heilige in der Kirche, Dame im Salon und im Bett eine…
Dagmars unwiderstehliche Strategie
Mit Wanda und Ewa im Schnee
Ein erotisches Krisen-Komitee

Königlich-Niederländisches Liebesnest
Tarantella tanzen in Tarent
Irgendwo in der Südsee
Lernbereite Kannibalenkinder
Seminare unter Palmen
Manchmal hilft uns auch ein Schurke
Das Geschenk des Zauberers
An Bord eines Seeteufels
Von Bremen aus heimwärts
Hexenwerke im Harz?

Auch hierzulande gibt es Reise- Erschwernisse
Im heiligen Köln
Säulenheilige am Dom
Liebesarien
Ein Abend mit lauter Fragen
Was soll ich in Amerika?
Wiedersehen mit Mahajusha
Im Wein wird doch Wahrheit sein?
Mahajusha schenkt mir Flügel
Tiefschläge aus heiterem Himmel

Nachwort
Lesungen u. Bestellungen für Buch
und CD-Fassung

Sach-, Personen und Ortsregister
Rollentauschmöglichkeiten

Ich selbst
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