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Von Bremen aus
heimwärts
Im „Roten Papagei" bei meiner Freundin Madelaine in Bremen pflegte ich
mich oft von einer langen Seereise einige Tage lang genussvoll zu
erholen. Diesmal musste ich dort zum ersten Mal auf Kredit logieren.
Hier lag unter anderen Briefschaften für mich eine fast zwei Jahre
alte Einladung zur Hochzeit eines englischen Prinzen.
Einige Damen in diesem geschätzten freudenreichen Haus kannten
mich noch und machten sich ein Vergnügen daraus, mich mit ihren
neuen Freundinnen und deren besonderen Fähigkeiten vertraut zu
machen. Madelaine sorgte wie immer dafür, dass meine Lebensgeister
wieder geweckt wurden. Ich war nur traurig, Julia nicht anzutreffen.
Mit dieser blonden Italienerin verbanden mich besonders herzliche
Erinnerungen. Madelaine vermutete sie jetzt in Kassel oder in Köln
oder irgendwo in Süddeutschland.
Bei einem unserer in Bremen schon berüchtigten
frivol-fröhlichen Feste, zu denen Madelaine und ich immer auch
einige Freunde des Hauses einluden, machte ich die Bekanntschaft eines
jüngeren Weinhändlers aus Straßburg. Er hatte ein
gewinnendes Wesen, ich, wörtlich genommen, aber auch: Bei einigen
Spielchen verhalf er mir unfreiwillig zu einem befriedigendem
Startkapital. Seinen älteren Kompagnon traf ich abends im
Ratskeller, wohin ich Madelaine regelmäßig ausführte.
Auch Herr Patagonne war offenbar schon mehrfach Gast im "Roten Papagei“
gewesen. Ich hatte sogar den Eindruck, dass einige Damen, und
übrigens auch Madelaine, eine besondere Beziehung zu ihm und
seinem Kompagnon hatten. Aber damals war ich zu abgelenkt, mir
darüber Gedanken zu machen; nachträglich fiel es mir aber
wieder ein, als wir uns über einige Erlebnisse mit unseren
Partnerinnen im "Roten Papagei“ austauschten.
Mir war aufgefallen, dass unter den bei Madelaine wohnenden Frauen
aller Haut und Haarfarben der Anteil an französisch sprechenden
ziemlich hoch war; ich hatte mich diesmal aber aus kulturellem
Interesse nur einigen Frauen aus der Karibik gewidmet; ich fand sie
prickelnd anziehend und war begeistert von ihrem Temperament.
In der Erwartung eines exzellenten Essens und vorab beim Verkosten
mehrerer erlesener Weinsorten erfuhr ich an jenem Abend im Ratskeller
einiges von den Straßburgern, das mich vom Fachgebiet her
mäßig interessierte; mich beeindruckte aber ihre Art zu
erzählen und mich amüsierte, wie selbst Madelaine und zwei
weitere Damen, denen doch sicher schon viele Fahrensmänner von der
großen weiten Welt erzählt hatten, an ihren Lippen hingen.
Ihre Firma nannten sie nach ihrer beider Namen Lovis & Patagonne.
Die Herren hatten in Norddeutschland und in Dänemark in guten
Hotels und Restaurants für ihre Wein-und Champagnermarken geworben
und erwähnten befriedigende Abschlüsse und erfreuliche
Geschäftsbesuche bei Weinhändler- kollegen in Lübeck und
Hamburg. Sie waren ausgesprochen heiteren Sinnes und viel angenehmer,
als ich erfolgreiche Pfeffersäcke sonst erlebt habe. Wir
unterhielten uns gut und fanden einander anregend. So viel wie in ihrer
und in Madelaines Gesellschaft hatte ich lange nicht mehr gelacht und
ich spürte, dass ich in dieser heiteren und witzigen Gesellschaft
guten Abstand von meinen auch bedrückenden Erlebnissen finden
konnte. Hätte ich sonst ihre Einladung angenommen, sie nach
Straßburg zu begleiten?
Warum nicht? Zuhause wartet keiner wirklich auf mich und eine bequeme
Reise durch ansehenswerte deutsche Gegenden in unterhaltsamer
Gesellschaft ist ein guter Anfang zum Wieder-Heimischwerden. Meine
Seele braucht nach langen Reisen immer einige Zeit, bis sie meinem
Körper nachkommen kann.
Bei vortrefflichem Rotspon im Bremer Ratskeller entwarfen wir einen
Reiseverlauf über die "Himmelspforte" zu meiner Lieblingsinsel
Bodenwerder (unsere Altstadt lag früher auf einer Weserinsel),
Kassel, Westfalen und den Rhein entlang. Ich brachte meine rasch
vorgewarnten Leute zuhause in hektische Aufregung, konnte einiges
für die nächste Zeit regeln und meine Gäste ein paar
Tage lang angemessen bewirten.
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