Münchhausen
Geliebt hab ich sie  fast  alle
© Willem de Haan
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Vertrauter und künstlerischer Berater

Gemälde und Skulpturen hatten mich schon als Jüngling fasziniert und ich habe mich früh für Künstler aus Italien, Frankreich, Holland, Spanien, Russland und Deutschland interessiert; ich kannte einige der noch lebenden persönlich.

Wir hatten oft einen Gedankenaustausch über künstlerische Themen, aber ich war doch sehr überrascht und begeistert, als die Zarin mich während eines intimen Frühstücks im Beisein einiger eiligst herbeigerufener Hofbeamten zu ihrem Generalkunstdirektor ernannte und mir den Auftrag erteilte, aus St. Petersburg endgültig ein künstlerisches Weltzentrum zu machen. Die Herren sahen mich verwundert an; ich küsste der Zarin beide Hände – und als die Herren sich entfernt hatten, von den Händen aufwärts einiges mehr.

Ich unterbreitete der Zarin ein umfangreiches Programm, über das sie lebhaft mit mir diskutierte und mir zuletzt voll zustimmte; sie ließ mir freie Hand. Ich war überglücklich, denn Geld spielte keine Rolle. Das hörten offenbar die Neun Musen und die von ihnen inspirierten Künstler schnell: ich wurde von allen Seiten mit Angeboten überhäuft von Baumeistern, Brückenkonstrukteuren, Musikern, Malern, Bildhauern, Sängerinnen, Komponisten, Schauspielerinnen, und einem Heer von Dichtern -und von allerlei Scharlatanen.

Besonders die Sängerinnen und die Schauspielerinnen erfanden die frappierendsten Listen, um mir in meinem prächtigen Arbeitsraum im Winterpalast Viertelstunden meiner raren freien Zeit einzutauschen gegen durchaus erwägenswerte Aufmerksamkeiten; sie boten mir einfach alles.

Katharina machte sich einen mir oft unheimlichen Spaß daraus, den meist auf Entkleidungsszenen hinauslaufenden Bemühungen und meine zwangsläufig nicht immer abwehrenden Reaktionen darauf von einem Versteck aus zuzusehen. Sehr verschieden waren die Anfangsszenen nicht. Eine bekannte italienische Schauspielerin sagte rundheraus: „Ich sehe Ihre skeptischen Blicke und ahne Ihren schlimmen Verdacht; Sie vermuten, dass mein Busen nur ausgestopft ist und dass ich nicht weiß, wie ich einen Mann innig willkommen heißen kann…“ Und dann riss sie sich alle Kleider vom Leib, warf sich auf meinen Diwan und streckte mir die Arme entgegen: „Prüfen Sie mich, Exzellenz! Sie glauben mir noch nicht! Überzeugen Sie sich selbst von meinen Möglichkeiten!“

Meine Arbeit war demnach nicht ohne Eingebungen, zuweilen auch nicht ohne Feuer, warum sollte sie das nicht sehen! Die Zarin fand übrigens, dass ich bei den durchaus üblichen Bestechungsversuchen mit Geld nur extrem hohe Beträge und die dann gespielt widerwillig annehmen sollte.

Meine unerwartete Aufgabenfülle konnte und wollte ich nicht allein bewältigen. Ich berief, das galt als neu, einen Stab von Beratern für einzelne Sachgebiete. Einige kannte ich aus deutschen Landen, aus Italien, Frankreich, Spanien und Griechenland, auch aus Russland. Die Zarin wunderte sich, dass ich auch dreizehn Frauen um mich geschart hatte. Das war wegen der allgemein für normal und gottgewollt gehaltenen weiblichen Bildungsdefizite ungewöhnlich und für viele Höflinge schwer nachvollziehbar, konnte aber gerade von meiner überaus erfolgreichen Herrscherin nicht verurteilt werden.

Katharina vertraute mir in beglückender Weise. Übrigens habe ich leider selten auf meine Beraterinnen und Berater hören können: ihre Vorschläge füllten Aktenberge, waren aber durchweg zu unseren Lebzeiten noch nicht umsetzbar.

In St. Petersburg geschah einiges, über das die Welt staunte. Wir erlebten nicht nur Ströme von Vergnügungsreisenden aus vielen Ländern, die einigen Wohlstand in die Stadtbevölkerung brachten; letztlich lästiger fanden wir die unerwartete Zahl ausländischer Könige, die uns für einige Wochen auf Staatskosten besuchten, wie im Paradies schlemmten, Juwelen und unsere technischen Neuerungen sammelten und nebenbei einen riesigen Appetit auf unsere prominenten weiblichen Schönheiten entwickelten.

Nach einiger Zeit machte ich zur nur diplomatisch verstehenden Bedingung einer Staatseinladung, dass die Könige mindestens sechs kostbare Kunstwerke für unsere prächtiger werdende „Eremitage“ mitzubringen hatten. Bald wurde sie so das Vorbild aller Kunstsammlungen in der Welt.

In viele Bilder habe ich mich verliebt. Erinnerlich ist mir zum Beispiel eine „Allegorie vom Frieden und Überfluss“ des Hans von Aachen; auf dem alten Gemälde sah eine Frau ohne Kleider so aus, als hätte Katharina selbst vor einigen Jahren für den Maler Modell gestanden. Katharina fand sich dagegen in der Figur der „Danae“ von Rembrandt wieder, die verführerisch, aber mit weit weniger hermachenden Brüsten auf einem üppigen Bett liegt; ich sah wenig Ähnlichkeit.


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Inhalt

Am Beginn unserer Bekanntschaft
Aufbruch
Das will ich vorausschicken
Lernstunden der Liebe
Frühlingsfische
Spätes, erfreuliches Wiedersehen
Waldfee? Teufelsweib? Hexe?
Mein anderer Franziskus
Die Eroberung einer Burgherrin
Meine Reise nach Russland

Riskante Rast im Schnee
Dreiundzwanzig liebeshungrige Frauen
Hochzeitsgast in einem russischen Dorf
Endlich in St. Petersburg
Der Zarin zu Füßen
Bei Hofe knistert überall Erotik
Russische und indische Liebeskünste
Allerhöchste Schokoladengelüste
Im Hintergrund des Machtzentrums
Kaiserliche Gewinnspiele

Vertrauter und künstlerischer Berater
Wir brauchen eine Bühne und Verkleidungen
Auch ein Starker braucht Bestärkung
Un(frei)williger Kriegsheld
Tatarenleidenschaft
Beim Sultan in Konstantinopel
Ein türkisches Muss: Ein Harem für mich
Ich lebe gern mit vielen Frauen
Jeder Alltag war ein Festtag
Die Flöte des Pan

Gewöhnungsbedürftiges
Für manches weiß ich eine Lösung
Kulturaustausch mit dem Reich der Pharaonen
Im Palast des Paschas
Ägyptische Freuden und Plagen
In goldenen Käfigen
Delfine zogen mich nach Griechenland
Stille Zeit und alte Bräuche
Begegnung mit überirdischer Schönheit
In die Welt hinausgeschleudert

In weiblicher Gefangenschaft
Strafverschärfung: Lieblingsgefangener
Schöpferisches Handeln hält hellwach
Undankbare Flucht
Mediterranes Zwischenspiel
Ich erforschte den falschen Vulkan
Verblendeter und sofort bestrafter Eifer
Verlust der Erdenschwere
Auf einem andern Stern
Die Muse des Gesanges

Befreiung durch Naturgesetze
Archäologen wurden Zeugen
Eingewöhnung in irdisches Leben
Jagdverhinderung in Bayern
Im schottischen Hochmoor
Frühstück für Nessie
Eisbären sind musikalisch und tanzfreudig
Unerwartete Freuden in Polarnächten
Tigerjagd in Bengalen
Literatur als Überlebenshilfe

Nächtlicher Kampf mit Berglöwen
Liebe macht manchmal erfinderisch
Dichtertreffen
Der König mit dem Knall
Delikate Mission: Königlicher Vorkoster
…und her wider unz an Ungerland
Heilige in der Kirche, Dame im Salon und im Bett eine…
Dagmars unwiderstehliche Strategie
Mit Wanda und Ewa im Schnee
Ein erotisches Krisen-Komitee

Königlich-Niederländisches Liebesnest
Tarantella tanzen in Tarent
Irgendwo in der Südsee
Lernbereite Kannibalenkinder
Seminare unter Palmen
Manchmal hilft uns auch ein Schurke
Das Geschenk des Zauberers
An Bord eines Seeteufels
Von Bremen aus heimwärts
Hexenwerke im Harz?

Auch hierzulande gibt es Reise- Erschwernisse
Im heiligen Köln
Säulenheilige am Dom
Liebesarien
Ein Abend mit lauter Fragen
Was soll ich in Amerika?
Wiedersehen mit Mahajusha
Im Wein wird doch Wahrheit sein?
Mahajusha schenkt mir Flügel
Tiefschläge aus heiterem Himmel

Nachwort
Lesungen u. Bestellungen für Buch
und CD-Fassung

Sach-, Personen und Ortsregister
Rollentauschmöglichkeiten

Ich selbst
Impressum und Kontakt




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