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Verblendeter und sofort
bestrafter Eifer
Mit den Füßen voran zwängte ich mich durch die
Öffnung. Mein letzter Blick fasste den rauchenden Ätna. Dann
rutschte ich unerwartet tief in das Dunkel der Höhle.
Beißender Rauch umgab mich; ich konnte nichts sehen, nicht einmal
die Öffnung der Höhle, die ich irgendwo schräg über
mir vermutete. Mein Mut verflog schnell.
Ich begann mich vorwärts zu tasten. Wasser umgab mich, es reichte
mir bis zu den Waden, ich fand es aber erträglich, weil es
angenehm warm war. Rechts ertastete ich Felsen, konnte mich jedoch
nicht auf sie stützen. Einen Augenblick später stürzte
ich wiederum ab. Im Stürzen kam die Gewissheit: Dies ist das Ende,
leider, und viele Jahre zu früh! Ich fiel tief, schlug gegen die
Felswände und wurde immer weiter in die dunkle Tiefe
hinuntergespült.
Es war nicht das Ende. Unendlich langsam sah ich ein Licht auf mich
zukommen; es schwankte zuweilen, als würde es jemand im Gehen
halten. Ich reagierte gleichmütig, weil ich wohl durch das
Aufschlagen meines Kopfes noch halb betäubt war. Ich blutete
heftig aus mehreren Wunden.
Das Leben kehrte erst stärker in mich zurück, als das Licht
direkt vor mir stand und eine Gestalt dahinter sich zu mir herabbeugte.
Für einen Augenblick meinte ich im mich umgebenden Nebel zwei
große Augen zu erkennen, ich richtete mich auf und sackte
stöhnend wieder zusammen.
Als wenn ich anderen zusehen würde, nahm ich verschwommen war,
dass ich hochgehoben und auf einen Sack oder etwas Derartiges gelegt
und fortgezogen wurde. Mir war es gleich. Irgendwer ging mit dem Licht
voraus und mir schwanden immer wieder die Sinne.
Wahrscheinlich wurde ich wach, weil mit Hämmern auf meinen Kopf
geschlagen wurde. Als ich meinen Kopf schützen wollte, merkte ich,
dass das schmerzhafte Geräusch aus der nächsten Nachbarschaft
kam; offenbar wurde mit rhythmischen Schlägen unaufhörlich
auf Eisen gehämmert.
Jetzt befand ich mich in einer großen, kuppelförmigen, aber
oben seitlich offenen Höhle. Oben sah ich den Ätna-Krater und
vor allem hörte ich ihn brodeln, denn ich befand mich ganz nahe an
seinem kochendem Zentrum, aber wohl außerhalb. Mich durchfuhr der
Panikgedanke: Ist dieses nun die Hölle, muss ich hier für
meine Sünden bezahlen? In dieser Ungewissheit blieb ich heilsam
lange. Dann sah ich sie kommen.
Trotz meiner Schwäche riss es mich hoch. Ich erschrak: Eine lange
Reihe kleiner Figuren trippelte lautlos vorbei, alle trugen irgendetwas
und kletterten mit gleichförmigen Bewegungen rasch in einen
schwarzen, hohen und gerundeten Behälter, der vielleicht mehrere
Stockwerke enthielt. Kaum waren sie alle darin verschwunden, erschienen
an die zwanzig in silberne Kleidung gehüllte, wesentlich
größere Gestalten, die mich auch alptraumhaft erschreckten,
ich fand sie aber doch menschenähnlicher als die vorherigen Wesen.
Ihre Gesichter verdeckten wie Masken wirkende Helme.
Ich hatte noch meine Pistole, sah aber keinen Sinn darin, sie
hervorzuziehen. Die mich umringenden Gestalten trugen gelb, grün
und rot blinkende Stöcke, die mir nicht geheuer waren. Weil mir
meine Waffe angesichts dieser Übermacht ohnehin nicht anwendbar
erschien, übergab ich ihnen meine Pistole, nachdem ich heimlich
die Patronen entfernt hatte und durch ein Loch in meiner Hosentasche
unbemerkt auf den Boden fallen ließ.
Was blieb mir zu tun? Sollte ich meinen Todesschrei versuchen? Ich
fühlte mich aber irgendwie auf diese Gestalten angewiesen und
einer unerklärbaren Eingebung folgend, schmetterte ich lauthals
eine dramatische, italienisch klingende Arie in die staunenswert
widerhallende Höhle. Ich ahmte nur einige italienische Laute nach,
denn den Originaltext konnte ich bis auf einige Worte nicht auswendig
wiedergeben. Immerhin: Die Gestalten wichen beeindruckt zurück,
staunten mich an und als ich schwieg, fingen sie an,
herumzuhüpfen. Ich nahm das als ihre Art Beifall.
Nun fand ich, dass ich mein Spiel irgendwie weiterspielen musste und
keine Angst zeigen durfte. Beim Singen hatte ich mich schon trotz
meiner Schmerzen mit einigen Operngesten im Halbrund der Fremden
bewegt. Das setzte ich fort und machte weit ausholende Gesten der
Reverenz, dann setzte ich mich in die Mitte, verschränkte Arme und
Beine und lächelte sie erwartungsvoll an.
Ich hatte den Eindruck, dass sie nicht wussten, was sie mit mir
anfangen sollten. Sie wendeten einander die Köpfe zu, sprachen
nichts, jedenfalls hörte ich nichts, aber mir war, als wären
Funken oder blinkende unterschiedlich farbige Lichtpunkte aus ihren
Helmen gekommen. Ich zwang mich zur Ruhe.
Vielleicht, hoffte ich, lassen sie mich leben und nehmen mich als eine
Art Hoffnarr mit, womöglich zu einem der Planeten, die wir unter
ähnlichen oder besseren Lebensbedingungen im Weltall vermuten;
vielleicht hat der Schöpfer dort andere Lebewesen entstehen und
sich entwickeln lassen. Vielleicht ist dort alles mehr nach seinem Plan
gelaufen als auf der Erde – und ich werde der erste Mensch sein, der
dort alles näher erleben und später beschreiben darf…
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