Münchhausen
Geliebt hab ich sie  fast  alle
© Willem de Haan
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Un(frei)williger Kriegsheld

In einem Krieg hat jeder Untertan die Kriegsbegeisterung der Oberbefehlshaber zu teilen. Germanische Adlige stehen in dem verpflichtenden Ruf, begabte Heerführer zu sein. Jedenfalls sah ich mich über Nacht in einer reich mit Gold bestickten Uniform an der Spitze des russischen Heeres in den aus „höherer Einsicht“ befohlenen Krieg ziehen. Nach meinem Einblick und Gefühl war auch dieser Krieg vermeidbar gewesen, aber nach meiner Verabschiedung in einer stürmischen und am Ende rührend zärtlichen Liebesnacht mit Katharina und zwei von ihr ausgewählten Kammerfrauen, leider gehörte die bezaubernde Doina nicht mehr zu ihrem „Inneren Kreis“, fühlte ich mich aus reinen Sachzwängen zu einem kriegerischen Erfolg „für Russland und seine geliebte Zarin“ verurteilt.

Selbstverständlich war ich bereit, mich für meine Zarin, wie man so leichtsinnig sagt, „in Stücke reißen zu lassen“, aber das gegenseitige Umbringen von Männern, die sich gar nichts Böses getan haben, war mir höchst zuwider. Ich erinnerte mich an die nur diskret geflüsterte groteske Erkenntnis: „Tötest du einen Menschen, bist du ein Mörder; wenn du Zwanzig umbringst, bist du für alle ein Massenmörder, aber wenn du Zweihunderttausend abschlachtest, kannst du als Volksheld gelten.“

Ich suchte Auswege und kam auf Außermilitärisches, auf kulinarische Erinnerungen aus Ungarn. Nach etlichen Gläschen eines feurigen Rotweins formte sich mein Plan, den die Armeeköche noch in der Nacht umsetzten.

Als Schuljunge hatte ich oft unserem Stadtapotheker Hoppenstedt mithelfend zugesehen. Ich kannte einige stark abführende Kräuter und die natürlich auch in unserem Heer mitziehenden Marketenderinnen pflückten sie und ermöglichten schnell die unbemerkbare Beimischung.

Meine Offiziere überwachten an besonders geeigneten Stellen auf dem anzunehmenden Kriegsweg der feindlichen Truppen das Kochen riesiger Mengen Gulaschsuppe. Im feindlichen Heer nahmen die ausgehungerten Kerle dann den verführerischen Geruch des scharf gewürzten Gulaschs meilenweit wahr, liefen in ungeordneter Hast hinzu und erbeuteten begeistert die Suppenkessel. Ihre unbändige Freude steigerte sich, als sie in den scheinbar fluchtartig verlassenen Zelten auch einige Fässer Wein erobern konnten.
 
Wir gönnten den Feinden sechs oder sieben Stunden Schmausen und Feiern an ihren Lagerfeuern – und das Verdauen in den Wiesen. Dann zog ich den Säbel zum Angriff.

Meinen bis dahin im Gebüsch verborgenen Truppen war es spielend leicht, anderseits zum Himmel stinkend beschwerlich, die hilflosen Soldaten des Feindes gefangen zu nehmen.

Später bot ich denen Brot und Schnaps, neue Hosen und guten Sold an und fand zu meiner Freude, dass alle mein eigenes Heer verstärken wollten. Viele Dazugewonnene übertrafen sich darin, neue Kriegslisten unblutiger Art für unsere Feinde vorzuschlagen; das belohnte ich kräftig. Es mehrte nebenbei meinen Ruhm, die Zahl und das Gewicht der Orden an meiner Brust, und viele leider nur brieflich geschickte Küsse und sehr detailliert beschriebene erotische Versprechen meiner Zarin.

Zwei ausländische Herrscher boten mir an, ihr hoch dotierter Sicherheitsberater zu werden. Mir kam der Verdacht, dass sie sich eigene Verluste ersparen, aber den Gegner doch wieder bei nächster Gelegenheit wie ewig üblich vernichten wollten. Seit meiner ersten Kriegstat hatte sich bei mir die Erkenntnis festgesetzt, dass jeder Krieg ein Scheißspiel ist, für das ich nicht geschaffen bin und das ich nicht mitmachen will.

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Inhalt

Am Beginn unserer Bekanntschaft
Aufbruch
Das will ich vorausschicken
Lernstunden der Liebe
Frühlingsfische
Spätes, erfreuliches Wiedersehen
Waldfee? Teufelsweib? Hexe?
Mein anderer Franziskus
Die Eroberung einer Burgherrin
Meine Reise nach Russland

Riskante Rast im Schnee
Dreiundzwanzig liebeshungrige Frauen
Hochzeitsgast in einem russischen Dorf
Endlich in St. Petersburg
Der Zarin zu Füßen
Bei Hofe knistert überall Erotik
Russische und indische Liebeskünste
Allerhöchste Schokoladengelüste
Im Hintergrund des Machtzentrums
Kaiserliche Gewinnspiele

Vertrauter und künstlerischer Berater
Wir brauchen eine Bühne und Verkleidungen
Auch ein Starker braucht Bestärkung
Un(frei)williger Kriegsheld
Tatarenleidenschaft
Beim Sultan in Konstantinopel
Ein türkisches Muss: Ein Harem für mich
Ich lebe gern mit vielen Frauen
Jeder Alltag war ein Festtag
Die Flöte des Pan

Gewöhnungsbedürftiges
Für manches weiß ich eine Lösung
Kulturaustausch mit dem Reich der Pharaonen
Im Palast des Paschas
Ägyptische Freuden und Plagen
In goldenen Käfigen
Delfine zogen mich nach Griechenland
Stille Zeit und alte Bräuche
Begegnung mit überirdischer Schönheit
In die Welt hinausgeschleudert

In weiblicher Gefangenschaft
Strafverschärfung: Lieblingsgefangener
Schöpferisches Handeln hält hellwach
Undankbare Flucht
Mediterranes Zwischenspiel
Ich erforschte den falschen Vulkan
Verblendeter und sofort bestrafter Eifer
Verlust der Erdenschwere
Auf einem andern Stern
Die Muse des Gesanges

Befreiung durch Naturgesetze
Archäologen wurden Zeugen
Eingewöhnung in irdisches Leben
Jagdverhinderung in Bayern
Im schottischen Hochmoor
Frühstück für Nessie
Eisbären sind musikalisch und tanzfreudig
Unerwartete Freuden in Polarnächten
Tigerjagd in Bengalen
Literatur als Überlebenshilfe

Nächtlicher Kampf mit Berglöwen
Liebe macht manchmal erfinderisch
Dichtertreffen
Der König mit dem Knall
Delikate Mission: Königlicher Vorkoster
…und her wider unz an Ungerland
Heilige in der Kirche, Dame im Salon und im Bett eine…
Dagmars unwiderstehliche Strategie
Mit Wanda und Ewa im Schnee
Ein erotisches Krisen-Komitee

Königlich-Niederländisches Liebesnest
Tarantella tanzen in Tarent
Irgendwo in der Südsee
Lernbereite Kannibalenkinder
Seminare unter Palmen
Manchmal hilft uns auch ein Schurke
Das Geschenk des Zauberers
An Bord eines Seeteufels
Von Bremen aus heimwärts
Hexenwerke im Harz?

Auch hierzulande gibt es Reise- Erschwernisse
Im heiligen Köln
Säulenheilige am Dom
Liebesarien
Ein Abend mit lauter Fragen
Was soll ich in Amerika?
Wiedersehen mit Mahajusha
Im Wein wird doch Wahrheit sein?
Mahajusha schenkt mir Flügel
Tiefschläge aus heiterem Himmel

Nachwort
Lesungen u. Bestellungen für Buch
und CD-Fassung

Sach-, Personen und Ortsregister
Rollentauschmöglichkeiten

Ich selbst
Impressum und Kontakt




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