Münchhausen
Geliebt hab ich sie  fast  alle
© Willem de Haan
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Tigerjagd in Bengalen

Wenn ich an meine ereignisreiche Zeit im Fernen Osten zurückdenke, zuletzt war das heute Mittag, als meine treue Gertrud mir einen sicher gesunden ländlichen Eintopf auftischte, fallen mir auch einige Abenteuer bei Jagden in angenehmerem Klima ein. Ein aufregendes Erlebnis verdanke ich dem Maharadscha von Bengalen.
Ich hatte auf der Rückreise von China in einem Hafen in der Nähe von Kalkutta angelegt und wollte, während mein Schiff repariert werden musste, einer lange zurückliegenden Einladung des Maharadschas von Bengalen folgen. Inzwischen saß zwar, was ich erst im letzten Augenblick erfuhr, sein ältester Sohn auf dem Thron, aber der wusste von der Einladung seines Vaters und nahm mich gastfreundlich auf.

Der Maharadscha war sichtlich nicht bereit, sich in notwendigem Umfang mit den gesellschaftlichen Zuständen in seinem unermesslich großen Reich zu befassen. Vermutlich hatte er beschlossen, die Millionen Hungernden als von den Gottheiten zu diesem Schicksal bestimmt anzusehen; er lebte in unvorstellbarem Überfluss und überließ das Regiment offenbar skrupellosen Leuten in Regierungsämtern.

Als ich dies erkannte, suchte ich möglichst bald Abschied zu nehmen, aber die unaufschiebbar gewordenen Ausbesserungsarbeiten an meinem Schiff verliefen schleppend. Bei mir verstärkte sich sogar der Eindruck, dass meine Bitte an den Herrscher, eine beschleunigte Reparatur zu befehlen, eine gegenteilige Wirkung hatte, wenn auch aus für mich schmeichelhaften Gründen.

Der Maharadscha war ein fanatischer Jäger. Er ließ sich von seinem Hauptelefanten in einem weich gepolsterten Aufsatz zum Jagen tragen. Ich „durfte“ ihn zusammen mit einem vor und einem hinter uns hockenden Jäger in diesem vergoldeten Kasten begleiten, nur wir beide, ohne die uns gesondert begleitenden Frauen.

Anfangs fühlte ich mich in der erstaunlichen Höhe ziemlich unsicher beim dauernden Schaukeln auf dem Rücken des Elefanten, besonders, wenn wir einen Fluss durchquerten, aber bald sah ich einige Vorteile, als wir im Dschungel von mehreren gefährlichen Tieren angegriffen wurden. Die Schlangen, die uns in stattlicher Zahl von Ästen herab angriffen – eine Art konnte sich sogar so breit machen, das die Nattern zu gleiten schienen -, hieben die Jäger mit ihren Säbeln mittendurch; mir waren die zuckenden Teile nicht geheuer und ich hätte auch gern einen dicken Turban gehabt. Zuweilen kamen mehrere Gefahren gleichzeitig auf uns zu.

An einem feuchtschwülen Nachmittag schoss der Maharadscha einen Tiger und freute sich wie alle Jäger, in seinem Fall königlich, über dieses Jagdglück. In seiner Freude übersah er einen anderen Tiger, der mit einem mächtigen Satz aus einem Baum in unseren Korb sprang und ihn zum Absturz brachte.

Ein Jäger schien ohnmächtig geworden zu sein, der andere lief in Panik davon. Unser Elefant stapfte ruhig weiter und der Maharadscha suchte hinter mir Deckung. Wir befanden uns neben einem Flusslauf, in dem es von Krokodilen wimmelte. Ein Riesenkrokodil versuchte an Land zu kriechen, offensichtlich, um uns zu verspeisen, und sperrte bereits gierig sein fürchterliches Maul mit den unzähligen Zähnen auf.

Ich wollte es mit einem verzweifelten Tritt auf sein Maul abwehren, da ergab sich eine andere, auch lebensgefährliche Lösung: Der mit uns herabgestürzte Tiger setzte zum erneuten Sprung auf uns an. Ich riss den Maharadscha zur Seite und drängte den Tiger mit meiner Schulter so ab, dass er über uns hinweg springen musste -genau in den weit aufgeklappten Rachen des Krokodils.

Ihr könnt euch kaum vorstellen, mit welcher Kraft ein ausgewachsener bengalischer Tiger springen kann. Das Raubtier war durch die Wucht seines Sprunges so weit in den Krokodilsschlund eingedrungen, dass es kein Zurück mehr gab. Beide Tiere wurden, ich fand das geradezu symbolhaft, ein Opfer ihrer Angriffslust: sie erstickten unter qualvollen Zuckungen.

Der geflohene Jäger wurde zur Strafe gefesselt in den Fluss geworfen; der andere, wieder erwachte Jäger, musste dem Tiger das Fell und dem Krokodil die raue Lederhaut abziehen. Ich bekam beides als Andenken geschenkt und hatte diese Erinnerungsstücke jahrelang im Reisegepäck.

Der Maharadscha belohnte mich als seinen Lebensretter mit drei herrlichen Frauen und einer mit Juwelen hochgefüllten Truhe. Die bezaubernden Inderinnen waren ein kostbares Geschenk für mich, nicht nur, weil ich seit Monaten keine Frau mehr in den Armen gehalten hatte; sie entzückten mich durch ihren exotischen Liebreiz, durch erregende Tänze und durch unerhörte und von mir nie für möglich gehaltene Liebeskünste.

Ihre Namen konnte ich trotz einiger Anstrengungen nicht behalten, deshalb gab ich ihnen neue, denn es war mir immer wichtig, meine Gefährtinnen anzusprechen und mit ihren Namen in Erinnerung zu behalten. Sie gewöhnten sich an die Namen Radja, Samutha und Amora – ich konnte sie auch im Dunkeln wiedererkennen: Amora an ihrem unglaublich sensiblem Mund und an ihren warmen und sich irgendwie „ansaugenden“ Brüsten, Radja an ihren alles erkundenden Händen und ihrem unerhört aufregendem, lustvoll erspürendem Bauch und Samutha an ihrem bis zu den Hüften reichendem Haar, ihren geschmeidigen Bewegungen und an ihrer entdeckungsfreudigen Zunge.

Glaubt mir, Ladies and Gentlemen, es gibt in der Liebe sehr erfahrene Frauen, leidenschaftliche Frauen, lustbegabte und ganz besonders feurige Frauen, es gibt uns völlig kirre machende fantasievolle Zauberinnen der Liebe - und daneben gibt es die Inderinnen, die alles in sich vereinen.

Wir waren ungewöhnlich glücklich miteinander - bis uns wenige Wochen später während einer Flaute im Arabischen Meer Seeräuber überfielen. Den Verlust der Juwelen und der Jagdtrophäen habe ich leicht verschmerzt, aber es grämt mich noch heute, dass die grobschlächtigen Piraten diese wundervollen Frauen erbeuten konnten...

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Inhalt

Am Beginn unserer Bekanntschaft
Aufbruch
Das will ich vorausschicken
Lernstunden der Liebe
Frühlingsfische
Spätes, erfreuliches Wiedersehen
Waldfee? Teufelsweib? Hexe?
Mein anderer Franziskus
Die Eroberung einer Burgherrin
Meine Reise nach Russland

Riskante Rast im Schnee
Dreiundzwanzig liebeshungrige Frauen
Hochzeitsgast in einem russischen Dorf
Endlich in St. Petersburg
Der Zarin zu Füßen
Bei Hofe knistert überall Erotik
Russische und indische Liebeskünste
Allerhöchste Schokoladengelüste
Im Hintergrund des Machtzentrums
Kaiserliche Gewinnspiele

Vertrauter und künstlerischer Berater
Wir brauchen eine Bühne und Verkleidungen
Auch ein Starker braucht Bestärkung
Un(frei)williger Kriegsheld
Tatarenleidenschaft
Beim Sultan in Konstantinopel
Ein türkisches Muss: Ein Harem für mich
Ich lebe gern mit vielen Frauen
Jeder Alltag war ein Festtag
Die Flöte des Pan

Gewöhnungsbedürftiges
Für manches weiß ich eine Lösung
Kulturaustausch mit dem Reich der Pharaonen
Im Palast des Paschas
Ägyptische Freuden und Plagen
In goldenen Käfigen
Delfine zogen mich nach Griechenland
Stille Zeit und alte Bräuche
Begegnung mit überirdischer Schönheit
In die Welt hinausgeschleudert

In weiblicher Gefangenschaft
Strafverschärfung: Lieblingsgefangener
Schöpferisches Handeln hält hellwach
Undankbare Flucht
Mediterranes Zwischenspiel
Ich erforschte den falschen Vulkan
Verblendeter und sofort bestrafter Eifer
Verlust der Erdenschwere
Auf einem andern Stern
Die Muse des Gesanges

Befreiung durch Naturgesetze
Archäologen wurden Zeugen
Eingewöhnung in irdisches Leben
Jagdverhinderung in Bayern
Im schottischen Hochmoor
Frühstück für Nessie
Eisbären sind musikalisch und tanzfreudig
Unerwartete Freuden in Polarnächten
Tigerjagd in Bengalen
Literatur als Überlebenshilfe

Nächtlicher Kampf mit Berglöwen
Liebe macht manchmal erfinderisch
Dichtertreffen
Der König mit dem Knall
Delikate Mission: Königlicher Vorkoster
…und her wider unz an Ungerland
Heilige in der Kirche, Dame im Salon und im Bett eine…
Dagmars unwiderstehliche Strategie
Mit Wanda und Ewa im Schnee
Ein erotisches Krisen-Komitee

Königlich-Niederländisches Liebesnest
Tarantella tanzen in Tarent
Irgendwo in der Südsee
Lernbereite Kannibalenkinder
Seminare unter Palmen
Manchmal hilft uns auch ein Schurke
Das Geschenk des Zauberers
An Bord eines Seeteufels
Von Bremen aus heimwärts
Hexenwerke im Harz?

Auch hierzulande gibt es Reise- Erschwernisse
Im heiligen Köln
Säulenheilige am Dom
Liebesarien
Ein Abend mit lauter Fragen
Was soll ich in Amerika?
Wiedersehen mit Mahajusha
Im Wein wird doch Wahrheit sein?
Mahajusha schenkt mir Flügel
Tiefschläge aus heiterem Himmel

Nachwort
Lesungen u. Bestellungen für Buch
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Sach-, Personen und Ortsregister
Rollentauschmöglichkeiten

Ich selbst
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