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Tigerjagd in Bengalen
Wenn ich an meine ereignisreiche Zeit im Fernen Osten zurückdenke,
zuletzt war das heute Mittag, als meine treue Gertrud mir einen sicher
gesunden ländlichen Eintopf auftischte, fallen mir auch einige
Abenteuer bei Jagden in angenehmerem Klima ein. Ein aufregendes
Erlebnis verdanke ich dem Maharadscha von Bengalen.
Ich hatte auf der Rückreise von China in einem Hafen in der
Nähe von Kalkutta angelegt und wollte, während mein Schiff
repariert werden musste, einer lange zurückliegenden Einladung des
Maharadschas von Bengalen folgen. Inzwischen saß zwar, was ich
erst im letzten Augenblick erfuhr, sein ältester Sohn auf dem
Thron, aber der wusste von der Einladung seines Vaters und nahm mich
gastfreundlich auf.
Der Maharadscha war sichtlich nicht bereit, sich in notwendigem Umfang
mit den gesellschaftlichen Zuständen in seinem unermesslich
großen Reich zu befassen. Vermutlich hatte er beschlossen, die
Millionen Hungernden als von den Gottheiten zu diesem Schicksal
bestimmt anzusehen; er lebte in unvorstellbarem Überfluss und
überließ das Regiment offenbar skrupellosen Leuten in
Regierungsämtern.
Als ich dies erkannte, suchte ich möglichst bald Abschied zu
nehmen, aber die unaufschiebbar gewordenen Ausbesserungsarbeiten an
meinem Schiff verliefen schleppend. Bei mir verstärkte sich sogar
der Eindruck, dass meine Bitte an den Herrscher, eine beschleunigte
Reparatur zu befehlen, eine gegenteilige Wirkung hatte, wenn auch aus
für mich schmeichelhaften Gründen.
Der Maharadscha war ein fanatischer Jäger. Er ließ sich von
seinem Hauptelefanten in einem weich gepolsterten Aufsatz zum Jagen
tragen. Ich „durfte“ ihn zusammen mit einem vor und einem hinter uns
hockenden Jäger in diesem vergoldeten Kasten begleiten, nur wir
beide, ohne die uns gesondert begleitenden Frauen.
Anfangs fühlte ich mich in der erstaunlichen Höhe ziemlich
unsicher beim dauernden Schaukeln auf dem Rücken des Elefanten,
besonders, wenn wir einen Fluss durchquerten, aber bald sah ich einige
Vorteile, als wir im Dschungel von mehreren gefährlichen Tieren
angegriffen wurden. Die Schlangen, die uns in stattlicher Zahl von
Ästen herab angriffen – eine Art konnte sich sogar so breit
machen, das die Nattern zu gleiten schienen -, hieben die Jäger
mit ihren Säbeln mittendurch; mir waren die zuckenden Teile nicht
geheuer und ich hätte auch gern einen dicken Turban gehabt.
Zuweilen kamen mehrere Gefahren gleichzeitig auf uns zu.
An einem feuchtschwülen Nachmittag schoss der Maharadscha einen
Tiger und freute sich wie alle Jäger, in seinem Fall
königlich, über dieses Jagdglück. In seiner Freude
übersah er einen anderen Tiger, der mit einem mächtigen Satz
aus einem Baum in unseren Korb sprang und ihn zum Absturz brachte.
Ein Jäger schien ohnmächtig geworden zu sein, der andere lief
in Panik davon. Unser Elefant stapfte ruhig weiter und der Maharadscha
suchte hinter mir Deckung. Wir befanden uns neben einem Flusslauf, in
dem es von Krokodilen wimmelte. Ein Riesenkrokodil versuchte an Land zu
kriechen, offensichtlich, um uns zu verspeisen, und sperrte bereits
gierig sein fürchterliches Maul mit den unzähligen
Zähnen auf.
Ich wollte es mit einem verzweifelten Tritt auf sein Maul abwehren, da
ergab sich eine andere, auch lebensgefährliche Lösung: Der
mit uns herabgestürzte Tiger setzte zum erneuten Sprung auf uns
an. Ich riss den Maharadscha zur Seite und drängte den Tiger mit
meiner Schulter so ab, dass er über uns hinweg springen musste
-genau in den weit aufgeklappten Rachen des Krokodils.
Ihr könnt euch kaum vorstellen, mit welcher Kraft ein
ausgewachsener bengalischer Tiger springen kann. Das Raubtier war durch
die Wucht seines Sprunges so weit in den Krokodilsschlund eingedrungen,
dass es kein Zurück mehr gab. Beide Tiere wurden, ich fand das
geradezu symbolhaft, ein Opfer ihrer Angriffslust: sie erstickten unter
qualvollen Zuckungen.
Der geflohene Jäger wurde zur Strafe gefesselt in den Fluss
geworfen; der andere, wieder erwachte Jäger, musste dem Tiger das
Fell und dem Krokodil die raue Lederhaut abziehen. Ich bekam beides als
Andenken geschenkt und hatte diese Erinnerungsstücke jahrelang im
Reisegepäck.
Der Maharadscha belohnte mich als seinen Lebensretter mit drei
herrlichen Frauen und einer mit Juwelen hochgefüllten Truhe. Die
bezaubernden Inderinnen waren ein kostbares Geschenk für mich,
nicht nur, weil ich seit Monaten keine Frau mehr in den Armen gehalten
hatte; sie entzückten mich durch ihren exotischen Liebreiz, durch
erregende Tänze und durch unerhörte und von mir nie für
möglich gehaltene Liebeskünste.
Ihre Namen konnte ich trotz einiger Anstrengungen nicht behalten,
deshalb gab ich ihnen neue, denn es war mir immer wichtig, meine
Gefährtinnen anzusprechen und mit ihren Namen in Erinnerung zu
behalten. Sie gewöhnten sich an die Namen Radja, Samutha und Amora
– ich konnte sie auch im Dunkeln wiedererkennen: Amora an ihrem
unglaublich sensiblem Mund und an ihren warmen und sich irgendwie
„ansaugenden“ Brüsten, Radja an ihren alles erkundenden
Händen und ihrem unerhört aufregendem, lustvoll
erspürendem Bauch und Samutha an ihrem bis zu den Hüften
reichendem Haar, ihren geschmeidigen Bewegungen und an ihrer
entdeckungsfreudigen Zunge.
Glaubt mir, Ladies and Gentlemen, es gibt in der Liebe sehr erfahrene
Frauen, leidenschaftliche Frauen, lustbegabte und ganz besonders
feurige Frauen, es gibt uns völlig kirre machende fantasievolle
Zauberinnen der Liebe - und daneben gibt es die Inderinnen, die alles
in sich vereinen.
Wir waren ungewöhnlich glücklich miteinander - bis uns wenige
Wochen später während einer Flaute im Arabischen Meer
Seeräuber überfielen. Den Verlust der Juwelen und der
Jagdtrophäen habe ich leicht verschmerzt, aber es grämt mich
noch heute, dass die grobschlächtigen Piraten diese wundervollen
Frauen erbeuten konnten...
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