Münchhausen
Geliebt hab ich sie  fast  alle
© Willem de Haan
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Endlich in St. Petersburg

Nach drei oder vier Tagen kam ich in St. Petersburg an. Den mit gefrorenen Schweinehälften beladenen Bauernwagen hatte ich unterwegs gegen eine Kutsche mit einem Vierergespann tauschen können; einen Burschen, der gerne in die Hauptstadt wollte, bekam ich gleichsam dazu. Ich nannte ihn Jurij und lernte ihn zu mir wichtigen Diensten an.

Einer der zwölf imponierendsten Paläste gehörte dem Großfürsten Fjodor Iwanowitsch. Er wurde mir in den Schenken als ein Greis geschildert, der mit seinen Gedanken bereits öfter im Jenseits als in der Gegenwart zu sein schien. Ich nahm allen leichtsinnigen Mut zusammen und ließ mich bei ihm als sein Groß-Cousin aus Hannover melden.

Als ich den erstaunten alten Mann, der furchtbar nach Knoblauch roch, herzhaft minutenlang abgeküsst hatte, schien er sich allmählich an mich zu erinnern. Ausmalend schilderte ich ihm in meinem Schul-Französisch -das war aber gar nicht nötig, denn er verstand und sprach wie erstaunlich viele Menschen hier Deutsch, dass es meiner Lieblingstante unvergesslich geblieben sei, wie er, der Großfürst, sie einmal in übermütiger und weinseliger Stimmung aus einem Parklabyrinth befreit und dann auf andere Art gefesselt hatte.

Es war ergreifend zu sehen: Je mehr Details ich dazu erfand, erinnerte er sich immer deutlicher und fragte mich, nachdem er sich vergewissert hatte, dass uns niemand belauschte: „Hieß sie nicht Doris? Eine immerzu lachende Frau mit herrlichen, riesigen Brüsten und solch einem Arsch?“ Er beschrieb mit seinen gichtgekrümmten Händen eine ziemlich große Fläche und steigerte sich dabei so in einen Lachkrampf hinein, dass ich trotz meines Entsetzens über die Rohheit seiner Sprache die Diener aus den Nebengemächern zu Hilfe holen musste, weil ich fürchtete, dass er ersticken könnte.

Von diesem Tag an wohnte ich selbstverständlich bei ihm und wurde bald dem Adjutanten der Zarin vorgestellt. Zuvor hatte mich mein „liebster Oheim“, so nannte ich ihn schlicht, mit einer Parade-Uniform ausgestattet, bei der mit Gold und Juwelen nicht gespart worden war. Sogar die Scheide meines Degens war dezent mit Juwelen verziert. So ausgestattet kam mir der sicher schwer widerlegbare Einfall, mich als „Großherzoglicher Marschallbaron Münchhausen“ vorzustellen. Ein wodkatrunkener Offizier umarmte und küsste mich und nannte mich „Exzellenz“.

Natürlich war mir dies unangenehm, aber diese von mir ungewollte Aufwertung schien auf alle, denen ich begegnete, etwas Glanz abzuwerfen, deshalb nahm ich es hin; meinen richtigen Namen konnte ohnehin kein Russe aussprechen.


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Inhalt

Am Beginn unserer Bekanntschaft
Aufbruch
Das will ich vorausschicken
Lernstunden der Liebe
Frühlingsfische
Spätes, erfreuliches Wiedersehen
Waldfee? Teufelsweib? Hexe?
Mein anderer Franziskus
Die Eroberung einer Burgherrin
Meine Reise nach Russland

Riskante Rast im Schnee
Dreiundzwanzig liebeshungrige Frauen
Hochzeitsgast in einem russischen Dorf
Endlich in St. Petersburg
Der Zarin zu Füßen
Bei Hofe knistert überall Erotik
Russische und indische Liebeskünste
Allerhöchste Schokoladengelüste
Im Hintergrund des Machtzentrums
Kaiserliche Gewinnspiele

Vertrauter und künstlerischer Berater
Wir brauchen eine Bühne und Verkleidungen
Auch ein Starker braucht Bestärkung
Un(frei)williger Kriegsheld
Tatarenleidenschaft
Beim Sultan in Konstantinopel
Ein türkisches Muss: Ein Harem für mich
Ich lebe gern mit vielen Frauen
Jeder Alltag war ein Festtag
Die Flöte des Pan

Gewöhnungsbedürftiges
Für manches weiß ich eine Lösung
Kulturaustausch mit dem Reich der Pharaonen
Im Palast des Paschas
Ägyptische Freuden und Plagen
In goldenen Käfigen
Delfine zogen mich nach Griechenland
Stille Zeit und alte Bräuche
Begegnung mit überirdischer Schönheit
In die Welt hinausgeschleudert

In weiblicher Gefangenschaft
Strafverschärfung: Lieblingsgefangener
Schöpferisches Handeln hält hellwach
Undankbare Flucht
Mediterranes Zwischenspiel
Ich erforschte den falschen Vulkan
Verblendeter und sofort bestrafter Eifer
Verlust der Erdenschwere
Auf einem andern Stern
Die Muse des Gesanges

Befreiung durch Naturgesetze
Archäologen wurden Zeugen
Eingewöhnung in irdisches Leben
Jagdverhinderung in Bayern
Im schottischen Hochmoor
Frühstück für Nessie
Eisbären sind musikalisch und tanzfreudig
Unerwartete Freuden in Polarnächten
Tigerjagd in Bengalen
Literatur als Überlebenshilfe

Nächtlicher Kampf mit Berglöwen
Liebe macht manchmal erfinderisch
Dichtertreffen
Der König mit dem Knall
Delikate Mission: Königlicher Vorkoster
…und her wider unz an Ungerland
Heilige in der Kirche, Dame im Salon und im Bett eine…
Dagmars unwiderstehliche Strategie
Mit Wanda und Ewa im Schnee
Ein erotisches Krisen-Komitee

Königlich-Niederländisches Liebesnest
Tarantella tanzen in Tarent
Irgendwo in der Südsee
Lernbereite Kannibalenkinder
Seminare unter Palmen
Manchmal hilft uns auch ein Schurke
Das Geschenk des Zauberers
An Bord eines Seeteufels
Von Bremen aus heimwärts
Hexenwerke im Harz?

Auch hierzulande gibt es Reise- Erschwernisse
Im heiligen Köln
Säulenheilige am Dom
Liebesarien
Ein Abend mit lauter Fragen
Was soll ich in Amerika?
Wiedersehen mit Mahajusha
Im Wein wird doch Wahrheit sein?
Mahajusha schenkt mir Flügel
Tiefschläge aus heiterem Himmel

Nachwort
Lesungen u. Bestellungen für Buch
und CD-Fassung

Sach-, Personen und Ortsregister
Rollentauschmöglichkeiten

Ich selbst
Impressum und Kontakt




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