Münchhausen
Geliebt hab ich sie  fast  alle
© Willem de Haan
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Seminare unter Palmen

Ich suchte immer einen Mittelweg zwischen den erfreulichen und den oft plötzlich aufbrechenden gefährlichen Aspekten in unserem Inselleben; dabei half mir eine unerwartete Veränderung der eingespielten Gewohnheiten: Mein Freund, der Häuptling und Zauberer, pflegte sich alle zwei Wochen von jeweils sechs Frauen in einem Einbaumboot zu einer vom Land aus unzugänglichen Bucht paddeln zu lassen. Ich vermutete anfangs, dass er den Frauen dort Unterricht in Inselgeschichte oder Grundkurse in Zauberei gab.

Als er sich bei einem mystischen Sprung böse ein Fußgelenk verstaucht hatte und trotz meiner helfenden Lehmwickel längere Zeit mit Schmerzen in seiner Hütte ruhen musste, waren einige Frauen darauf gekommen, mich als Ersatzlehrer zu diesen von mir so vermuteten Bildungsfahrten aufzufordern.

Ich verwies sie an den Zauberer und der stimmte mit einem hintergründigen Grinsen zu. Ich begriff, dass ich aus einer großen Zahl von Bewerberinnen sechs Frauen auswählen musste. Die Sechs jauchzten und bekränzten mich in ausgelassener Stimmung, nahmen Vorräte an Bord und stachen mit mir in See. Tuka Tuka war übrigens immer dabei. Ich übertrug ihr einige Aufgaben.

Die Frauen paddelten geschickt; wir kamen bald in eine reizvolle Bucht, in ein Urwaldparadies, das in eine grün überwucherte Felslandschaft eingebettet war.

Die Frauen hatten sich die ganze Strecke über auffällig frei und selbstbewusst gegeben; sie lachten unterwegs so übermütig, dass mir schon Zweifel an ihrem Lerneifer kamen; schließlich hatte ich mich auf eine Verbesserungsvariante unserer Zeichensprache vorbereitet. Die fröhlichen Frauen erwiesen sich dann doch als lern-und lustvoll lehrbereit.

Wir haben uns unter strengen, selbstverständlich auch theoretisch nachprüfbaren Bedingungen über "partnerschaftfördernde Praktiken zwischenmenschlicher Intimität bei besonderer Berücksichtigung kulturenübergreifender Überlieferung unter besonderen klimatischen Bedingungen" gründlich ausgetauscht und uns sehr, wirklich sehr befriedigende Ergebnisse erzielt, aber es war anstrengend für uns alle. Unsere gegenseitige Lernfreude wuchs so, dass wir die Rückkehr auch am nächsten Tag versäumten und am dritten Tag von einer besorgten Rettungsmannschaft zurückgeleitet werden mussten.

Dieser Intensivunterricht hat dann eine neue Tradition begründet, für deren Ausformung sich die merklich selbstbewusster werdenden Inselfrauen ganz ungewöhnlich eingesetzt haben. Wir boten zuletzt nur noch zwei-und dreitägige Lerntage an. Das Inseloberhaupt achtete darauf, dass sich alle noch nicht zu alt fühlenden Frauen für eine Fortbildungsmöglichkeit melden konnten. Tuka Tuka half mir immer bei der Feinplanung. Für die Männer überlegten wir andere Programme, sie zeigten sich aber wenig interessiert.

Eine meiner ersten „Schülerinnen“ machte sich einen Spaß daraus, vor der ganzen Inselversammlung einen improvisierten Tanz aufzuführen, in dem sie leicht für alle erkennbar mimisch und sehr komisch die Geschichte einer hingebungsvollen Empfängnis, einer immer ausgeprägter sichtbaren Austragungszeit, eine dramatische Geburt und das glückliche Herumzeigen eines schreienden Kindes zeigte.

Im Nu entstand ein ausgelassen lachender Tanzkreis von gut Hundertfünfzig Frauen, die alle wiederholten, was die Vortänzerin noch einmal und diesmal sichtlich noch übertreibender darstellte. Ich durfte von meiner Hütte aus zusehen und zuhören – es wurde ein lautes, sehr lustiges Fest. Und sie haben es alle paar Tage wiederholt. Ich musste mitlachen, aber ich kam immer stärker ins Grübeln…

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Inhalt

Am Beginn unserer Bekanntschaft
Aufbruch
Das will ich vorausschicken
Lernstunden der Liebe
Frühlingsfische
Spätes, erfreuliches Wiedersehen
Waldfee? Teufelsweib? Hexe?
Mein anderer Franziskus
Die Eroberung einer Burgherrin
Meine Reise nach Russland

Riskante Rast im Schnee
Dreiundzwanzig liebeshungrige Frauen
Hochzeitsgast in einem russischen Dorf
Endlich in St. Petersburg
Der Zarin zu Füßen
Bei Hofe knistert überall Erotik
Russische und indische Liebeskünste
Allerhöchste Schokoladengelüste
Im Hintergrund des Machtzentrums
Kaiserliche Gewinnspiele

Vertrauter und künstlerischer Berater
Wir brauchen eine Bühne und Verkleidungen
Auch ein Starker braucht Bestärkung
Un(frei)williger Kriegsheld
Tatarenleidenschaft
Beim Sultan in Konstantinopel
Ein türkisches Muss: Ein Harem für mich
Ich lebe gern mit vielen Frauen
Jeder Alltag war ein Festtag
Die Flöte des Pan

Gewöhnungsbedürftiges
Für manches weiß ich eine Lösung
Kulturaustausch mit dem Reich der Pharaonen
Im Palast des Paschas
Ägyptische Freuden und Plagen
In goldenen Käfigen
Delfine zogen mich nach Griechenland
Stille Zeit und alte Bräuche
Begegnung mit überirdischer Schönheit
In die Welt hinausgeschleudert

In weiblicher Gefangenschaft
Strafverschärfung: Lieblingsgefangener
Schöpferisches Handeln hält hellwach
Undankbare Flucht
Mediterranes Zwischenspiel
Ich erforschte den falschen Vulkan
Verblendeter und sofort bestrafter Eifer
Verlust der Erdenschwere
Auf einem andern Stern
Die Muse des Gesanges

Befreiung durch Naturgesetze
Archäologen wurden Zeugen
Eingewöhnung in irdisches Leben
Jagdverhinderung in Bayern
Im schottischen Hochmoor
Frühstück für Nessie
Eisbären sind musikalisch und tanzfreudig
Unerwartete Freuden in Polarnächten
Tigerjagd in Bengalen
Literatur als Überlebenshilfe

Nächtlicher Kampf mit Berglöwen
Liebe macht manchmal erfinderisch
Dichtertreffen
Der König mit dem Knall
Delikate Mission: Königlicher Vorkoster
…und her wider unz an Ungerland
Heilige in der Kirche, Dame im Salon und im Bett eine…
Dagmars unwiderstehliche Strategie
Mit Wanda und Ewa im Schnee
Ein erotisches Krisen-Komitee

Königlich-Niederländisches Liebesnest
Tarantella tanzen in Tarent
Irgendwo in der Südsee
Lernbereite Kannibalenkinder
Seminare unter Palmen
Manchmal hilft uns auch ein Schurke
Das Geschenk des Zauberers
An Bord eines Seeteufels
Von Bremen aus heimwärts
Hexenwerke im Harz?

Auch hierzulande gibt es Reise- Erschwernisse
Im heiligen Köln
Säulenheilige am Dom
Liebesarien
Ein Abend mit lauter Fragen
Was soll ich in Amerika?
Wiedersehen mit Mahajusha
Im Wein wird doch Wahrheit sein?
Mahajusha schenkt mir Flügel
Tiefschläge aus heiterem Himmel

Nachwort
Lesungen u. Bestellungen für Buch
und CD-Fassung

Sach-, Personen und Ortsregister
Rollentauschmöglichkeiten

Ich selbst
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