Münchhausen
Geliebt hab ich sie  fast  alle
© Willem de Haan
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Säulenheilige am Dom

Während ich wieder im gemütlicheren Teil des Gasthauses auf Gregorij wartete, sprach mich ein Gast vom Nachbartisch an. Er war ein Deutschamerikaner, der mit seiner Tochter einige europäische Städte besuchte. Seine Vaterstadt lag in der Kölner Umgebung, deshalb wollte er seiner Tochter den weltberühmten Dom zeigen; er war aber enttäuscht, dass der immer noch nicht fertiggestellt war.

„Woran liegt das?", fragte er mich, "habt ihr keine Bauleute oder keine Steine mehr?" Ich brachte ihn darauf, dass es an fehlendem Geld liegen könnte. "Well", sagte der resolute Mann, "ich habe da eine Idee. Ich gebe euch Geld und ihr nennt die Kirche nach mir."

Ich war in der ziemlich sorgenfreien Stimmung eines gut bedienten Weingastes und fand es spaßig, dass er mich als Eingeweihten ansah; ich spielte das Spiel mit. "Da kommen Sie zu spät, der Dom ist schon hochrangig vergeben. Wie wär's aber mit einer goldenen Spendertafel an einer Säule gleich neben dem Eingang?"

"Nein", sagte er, „da weiß ich etwas Besseres: Meine Tochter kommt auf eine Säule als Heiligenfigur."

Ich sah die Tochter an; sie war nett, rosig, pummelig. "Das wird nicht leicht sein", sagte ich, "aber wenn Sie sich das etwas kosten lassen, könnten Ihre Chancen steigen. Wie hoch wird Ihr Einsatz sein?"

"Werden Zweihunderttausend genügen?", fragte er. Ich bluffte spielerisch und hoffte, dass er mir meine Weinstimmung nicht anmerkte: "Das halte ich für ausgeschlossen. Unter einer halben Million wird der Erzbischof nicht mit sich reden lassen." Mit seiner Reaktion hatte ich nicht im Mindesten gerechnet: "Well, Sir, können Sie das vermitteln?" Ich brachte gute Ablehnungsgründe vor, aber er köderte mich mit dem Angebot einer Vermittlungsgebühr von satten drei Prozent.

Der Wirt holte sofort einen Notar und ließ auch einen Sekretär des Erzbischofs rufen. Der Notar bekam nur ein Viertel Prozent, aber er setzte durch, dass die Summen in amerikanischer Währung gezahlt wurden, angeblich, weil sonst zusätzliche Abgaben zu leisten seien. Ich unterzeichnete das improvisierte Dokument als Zeuge. Der Notar und der geistliche Sekretär konnten ein befriedigtes Lächeln nicht verbergen.

In der Zeitung sah ich einige Monate später die Abbildung einer neu gestifteten Heiligenfigur für den Dom; ich glaube, es war die heilige Angelika. „Et kütt, wie et kütt“, sagen die Kölner.

Etwa zwei Jahre später, ich befand mich inzwischen in einer gänzlich protestantischen Umgebung, überreichte mir ein zweifarbig gekleideter katholischer Würdenträger mit einem Dankschreiben des Kölner Erzbischofs den Päpstlichen Hausorden für eine Kulturtat, mit der ich nur etwas Wartezeit im "Vater Rhein" überbrückt hatte. In den Zeitungen wurde mein Einsatz bedeutender dargestellt.

Glaubt ja nicht alles, was irgendwo gedruckt wurde – allzu oft wird schamlos übertrieben.

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Inhalt

Am Beginn unserer Bekanntschaft
Aufbruch
Das will ich vorausschicken
Lernstunden der Liebe
Frühlingsfische
Spätes, erfreuliches Wiedersehen
Waldfee? Teufelsweib? Hexe?
Mein anderer Franziskus
Die Eroberung einer Burgherrin
Meine Reise nach Russland

Riskante Rast im Schnee
Dreiundzwanzig liebeshungrige Frauen
Hochzeitsgast in einem russischen Dorf
Endlich in St. Petersburg
Der Zarin zu Füßen
Bei Hofe knistert überall Erotik
Russische und indische Liebeskünste
Allerhöchste Schokoladengelüste
Im Hintergrund des Machtzentrums
Kaiserliche Gewinnspiele

Vertrauter und künstlerischer Berater
Wir brauchen eine Bühne und Verkleidungen
Auch ein Starker braucht Bestärkung
Un(frei)williger Kriegsheld
Tatarenleidenschaft
Beim Sultan in Konstantinopel
Ein türkisches Muss: Ein Harem für mich
Ich lebe gern mit vielen Frauen
Jeder Alltag war ein Festtag
Die Flöte des Pan

Gewöhnungsbedürftiges
Für manches weiß ich eine Lösung
Kulturaustausch mit dem Reich der Pharaonen
Im Palast des Paschas
Ägyptische Freuden und Plagen
In goldenen Käfigen
Delfine zogen mich nach Griechenland
Stille Zeit und alte Bräuche
Begegnung mit überirdischer Schönheit
In die Welt hinausgeschleudert

In weiblicher Gefangenschaft
Strafverschärfung: Lieblingsgefangener
Schöpferisches Handeln hält hellwach
Undankbare Flucht
Mediterranes Zwischenspiel
Ich erforschte den falschen Vulkan
Verblendeter und sofort bestrafter Eifer
Verlust der Erdenschwere
Auf einem andern Stern
Die Muse des Gesanges

Befreiung durch Naturgesetze
Archäologen wurden Zeugen
Eingewöhnung in irdisches Leben
Jagdverhinderung in Bayern
Im schottischen Hochmoor
Frühstück für Nessie
Eisbären sind musikalisch und tanzfreudig
Unerwartete Freuden in Polarnächten
Tigerjagd in Bengalen
Literatur als Überlebenshilfe

Nächtlicher Kampf mit Berglöwen
Liebe macht manchmal erfinderisch
Dichtertreffen
Der König mit dem Knall
Delikate Mission: Königlicher Vorkoster
…und her wider unz an Ungerland
Heilige in der Kirche, Dame im Salon und im Bett eine…
Dagmars unwiderstehliche Strategie
Mit Wanda und Ewa im Schnee
Ein erotisches Krisen-Komitee

Königlich-Niederländisches Liebesnest
Tarantella tanzen in Tarent
Irgendwo in der Südsee
Lernbereite Kannibalenkinder
Seminare unter Palmen
Manchmal hilft uns auch ein Schurke
Das Geschenk des Zauberers
An Bord eines Seeteufels
Von Bremen aus heimwärts
Hexenwerke im Harz?

Auch hierzulande gibt es Reise- Erschwernisse
Im heiligen Köln
Säulenheilige am Dom
Liebesarien
Ein Abend mit lauter Fragen
Was soll ich in Amerika?
Wiedersehen mit Mahajusha
Im Wein wird doch Wahrheit sein?
Mahajusha schenkt mir Flügel
Tiefschläge aus heiterem Himmel

Nachwort
Lesungen u. Bestellungen für Buch
und CD-Fassung

Sach-, Personen und Ortsregister
Rollentauschmöglichkeiten

Ich selbst
Impressum und Kontakt




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