Münchhausen
Geliebt hab ich sie  fast  alle
© Willem de Haan
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Russische und indische Liebeskünste

Großer Beliebtheit erfreuten sich Abbildungen aus dem Kamasutra-Lehrbuch. Katharina fand Gefallen an vielen für sie nachstellenswerten Möglichkeiten der Vereinigung, und der Hofstaat entwickelte Formen, bei denen alle in wie selbstverständlicher Offenheit den Vergnügungen der anderen zuschauen und von einander lernen konnten.

Die Zarin hatte ihre Hofdamen und einige bei ihnen beliebte Offiziere als freiwillige Schauspieler für Darstellungen aus dem Kamasutra gewonnen; das war leicht angesichts der amüsanten Spiele, die uns unter der Anleitung des Indischen Botschafters viele Übungen abverlangten und denen die Zarin nach anstrengenden Staatsgeschäften gerne zusah; auf einiges kam sie nächtens im Zusammensein mit mir manchmal zurück und mir war bei ihr immer nicht nur das „Herz voller Begier“.

Katharina fand, was ich bestätigen konnte: Im Gegensatz zu den auf den Bildern emotionsfrei wirkenden indischen Paaren unterdrückten weder unsere Männer noch unsere Frauen ihre Freude an diesen Lustformen; unsere aufgeputzten Damen fühlten sich nicht als ergeben Hinnehmende männlicher Begierden, zumal es wohl oft auch ihre waren.

Wenn ihr wollt und nicht mehr so schrecklich nüchtern seid wie heute, erzähle ich euch von den „Indischen Spielen“, etwa von dem grandiosen erotischen Schauspiel der synchron geleisteten Vereinigung von an die Tausend nackten Paaren, das Katharina und mich nie kalt ließ… Ein vom Anblick der auf den Männern lustverzückt reitenden Frauen und vom aufsteigendem Brunstgeruch überwältigter Tanzmeister war dabei einmal ohnmächtig geworden…

Übrigens trugen erstaunlich viele dieser Liebespartnerinnen als einziges „Kleidungsstück“ ein damals wieder verbreitetes Busenband dicht unter und in ihrem handbreiten bemalten Mittelstück auch zwischen ihren Brüsten. Katharina hatte mein Geschenk „rührend lieb“ gefunden und dieses reizvolle Accessoire einige Male auch „halböffentlich“ getragen. Ich hatte es auf Anfang des 17. Jahrhunderts gemalten Bildern gesehen. Dieses oft goldverzierte Brustband war meist mit Liebesszenen bemalt oder bestickt und gab beim interessierten Betrachten dieser Details Gelegenheit zum wirklich nahen Erleben des Busens.

Dieses Schmuckstück stützte nicht etwa schwerer gewordene Brüste wie manche für meinen Geschmack völlig entbehrliche Mode-Torheiten aus Frankreich, aber es unterstützte, wie nicht nur ich fand, ihre erotische Wirkung ganz wesentlich. Brüste sind für mich Symbole des Lebens – und mich beleben sie immer wieder.

Eins meiner wirkungsvollsten Geständnisse hatte ich Katharina in einer Liebesnacht zugeflüstert: „In dich hätte ich mich auch verliebt, wenn du deine Köchin wärst!“ Nachdem es sie erkennbar stark für mich eingenommen hatte, habe ich es einige Male variiert und versichert, dass mir dieser oder ein ähnlicher Beruf bei ihr noch besser gefallen hätte. Nach einiger Zeit hatte ich es selbst geglaubt, obwohl ich es mir schon vor unserer ersten Begegnung ausgedacht hatte.

Katharina war eine ungemein glutvolle Frau, aber ich konnte ihre Glut wohl auch widerspiegeln. Übrigens wollte sie nachts überhaupt keine Herrscherin mehr sein; sie ersehnte insgeheim eine ganz andere Rolle; vergebt mir, Freunde, ich übe hier ausnahmsweise einmal Selbstzensur: aus Pietät und aus inniger Dankbarkeit gegen diese einmalige und mir auch in zeitlichem Abstand noch sehr liebe Frau.

Ich will beiläufig nur ganz allgemein erwähnen, dass es mich immer abgekühlt hat, wenn eine Frau sich bei einer Umarmung so verhielt, als würde sie ein Buch lesen oder ein Konzert hören: Wenn ich einer Frau die Verrücktheiten ins Ohr raune, die wir Kerle aus reinen Brunstgründen hervorstoßen, dann ernüchtert es mich sofort und für lange, wenn sie nur regungslos daliegt und mich den Liebestollen spielen lässt. So eine war Katharina ganz und gar nicht.


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Inhalt

Am Beginn unserer Bekanntschaft
Aufbruch
Das will ich vorausschicken
Lernstunden der Liebe
Frühlingsfische
Spätes, erfreuliches Wiedersehen
Waldfee? Teufelsweib? Hexe?
Mein anderer Franziskus
Die Eroberung einer Burgherrin
Meine Reise nach Russland

Riskante Rast im Schnee
Dreiundzwanzig liebeshungrige Frauen
Hochzeitsgast in einem russischen Dorf
Endlich in St. Petersburg
Der Zarin zu Füßen
Bei Hofe knistert überall Erotik
Russische und indische Liebeskünste
Allerhöchste Schokoladengelüste
Im Hintergrund des Machtzentrums
Kaiserliche Gewinnspiele

Vertrauter und künstlerischer Berater
Wir brauchen eine Bühne und Verkleidungen
Auch ein Starker braucht Bestärkung
Un(frei)williger Kriegsheld
Tatarenleidenschaft
Beim Sultan in Konstantinopel
Ein türkisches Muss: Ein Harem für mich
Ich lebe gern mit vielen Frauen
Jeder Alltag war ein Festtag
Die Flöte des Pan

Gewöhnungsbedürftiges
Für manches weiß ich eine Lösung
Kulturaustausch mit dem Reich der Pharaonen
Im Palast des Paschas
Ägyptische Freuden und Plagen
In goldenen Käfigen
Delfine zogen mich nach Griechenland
Stille Zeit und alte Bräuche
Begegnung mit überirdischer Schönheit
In die Welt hinausgeschleudert

In weiblicher Gefangenschaft
Strafverschärfung: Lieblingsgefangener
Schöpferisches Handeln hält hellwach
Undankbare Flucht
Mediterranes Zwischenspiel
Ich erforschte den falschen Vulkan
Verblendeter und sofort bestrafter Eifer
Verlust der Erdenschwere
Auf einem andern Stern
Die Muse des Gesanges

Befreiung durch Naturgesetze
Archäologen wurden Zeugen
Eingewöhnung in irdisches Leben
Jagdverhinderung in Bayern
Im schottischen Hochmoor
Frühstück für Nessie
Eisbären sind musikalisch und tanzfreudig
Unerwartete Freuden in Polarnächten
Tigerjagd in Bengalen
Literatur als Überlebenshilfe

Nächtlicher Kampf mit Berglöwen
Liebe macht manchmal erfinderisch
Dichtertreffen
Der König mit dem Knall
Delikate Mission: Königlicher Vorkoster
…und her wider unz an Ungerland
Heilige in der Kirche, Dame im Salon und im Bett eine…
Dagmars unwiderstehliche Strategie
Mit Wanda und Ewa im Schnee
Ein erotisches Krisen-Komitee

Königlich-Niederländisches Liebesnest
Tarantella tanzen in Tarent
Irgendwo in der Südsee
Lernbereite Kannibalenkinder
Seminare unter Palmen
Manchmal hilft uns auch ein Schurke
Das Geschenk des Zauberers
An Bord eines Seeteufels
Von Bremen aus heimwärts
Hexenwerke im Harz?

Auch hierzulande gibt es Reise- Erschwernisse
Im heiligen Köln
Säulenheilige am Dom
Liebesarien
Ein Abend mit lauter Fragen
Was soll ich in Amerika?
Wiedersehen mit Mahajusha
Im Wein wird doch Wahrheit sein?
Mahajusha schenkt mir Flügel
Tiefschläge aus heiterem Himmel

Nachwort
Lesungen u. Bestellungen für Buch
und CD-Fassung

Sach-, Personen und Ortsregister
Rollentauschmöglichkeiten

Ich selbst
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