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Riskante Rast im Schnee
Zunächst geriet ich in ein nicht enden wollendes
Schneegestöber und verlor jede Orientierung. Nach einigen Stunden
überließ ich mich völlig erschöpft und ergeben
meiner Goldfuchsstute Lotte. Nur mit Hilfe eines kräftigen Seiles
hielt ich mich auf ihrem Rücken. Schließlich war ich so am
Ende meiner Kräfte, dass ich auf der Stelle Rast machen musste.
Ich band noch im Sitzen meine tief eingesunkene Lotte an einem aus dem
Schnee ragendem Pflock fest und legte mich halb an ihrem Halse
hängend und rundherum vom Schnee gestützt schlafen.
Es war ein von schweren Träumen geplagter Schlaf. Morgens weckte
mich unbändiges Gelächter. Ich rieb mir verwundert die Augen
und erkannte, dass ich an einem Seil von einem Kirchturm baumelte,
während Lotte ganz unten auf dem Friedhof im Schnee herumscharrte.
Mein Anbindepflock war also das Kreuz auf dem zugeschneiten Kirchturm
gewesen.
Ich nahm das erst einmal als gutes Omen, während ich den Leuten da
unten zuwinkte. Mir dämmerte, dass ein Sturm über Nacht die
Schneemassen fortgeweht hatte. Ich war wohl an meinem Sicherheitsseil
hängen geblieben. Es schnürte mir die Luft ab, deshalb musste
ich mich mit meinem Hirschfänger befreien und hätte mich mit
dieser Tat um ein Haar in den Abgrund gestürzt.
Die unten zusammengelaufenen Frauen und Männer hatten meine
hilflose Situation richtig gedeutet und zwei Leitern herbeigeschafft
und zusammen- gebunden, um mich zu befreien, aber ich war immer noch
ein zu großes Stück von der obersten Sprosse entfernt und
konnte auch den benachbarten Dachfirst nicht erreichen. Eine dritte
Leiter anzubinden schien auch mir zu riskant zu sein; ich musste mir
selbst helfen.
Aus meinen mühselig ausgezogenen zwei Hosen knotete ich mir eine
Seilverlängerung und als das immer noch nicht langte, musste ich
auch mein dickes Winterhemd ausziehen und zusammenbinden. Das war mit
klammen Fingern auf dem rutschigen Dach verteufelt schwierig und meine
Hoffnung auf baldige Rettung sank.
Ich hatte gehofft, dass man mir vom Nachbargebäude her helfen
würde, aber da blieb alles still. Es war zu schwierig, meine
Stiefel in der Dachrinne wieder anzuziehen, deshalb schleuderte ich sie
gegen das oberste Fenster des ansehnlichen Hauses.
Auch das brachte kein Lebenszeichen. Die Leute unten fanden das ihnen
gebotene Schauspiel unterhaltsam. Alt und Jung strömte zum Schauen
und Lachen herbei. Ihre Heiterkeit schien sich nicht nur an meiner
Person zu entzünden, aber das konnte ich noch nicht begreifen.
Unter dem Gejohle der Menge ließ ich mich über die Dachrinne
der Kirche herab und erreichte nach einigen Schwüngen mit meinem
Fuß nebenan den ersten Fenstersims. Die Leute riefen etwas wie
„Hau- Ruck“ und ich versuchte ja auch, gegen das Fenster zu
stoßen. Weil meine Arme höllisch schmerzten, blieb mir zur
Rücksichtnahme keine Zeit. Mit einem letzten Kraftakt versuchte
ich mich mit den Füßen voran durch das Fenster zu schwingen.
Das gelang nur teilweise; ich blieb mit dem Rücken an dem
Fensterrahmen hängen und es sah einen Augenblick lang so aus, als
ob ich rückwärts abstürzen würde. Aber dann griffen
irgendwelche Hände nach mir und zogen mich in das fremde Haus
hinein.
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