Münchhausen
Geliebt hab ich sie  fast  alle
© Willem de Haan
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BuchKopf



Riskante Rast im Schnee

Zunächst geriet ich in ein nicht enden wollendes Schneegestöber und verlor jede Orientierung. Nach einigen Stunden überließ ich mich völlig erschöpft und ergeben meiner Goldfuchsstute Lotte. Nur mit Hilfe eines kräftigen Seiles hielt ich mich auf ihrem Rücken. Schließlich war ich so am Ende meiner Kräfte, dass ich auf der Stelle Rast machen musste. Ich band noch im Sitzen meine tief eingesunkene Lotte an einem aus dem Schnee ragendem Pflock fest und legte mich halb an ihrem Halse hängend und rundherum vom Schnee gestützt schlafen.

Es war ein von schweren Träumen geplagter Schlaf. Morgens weckte mich unbändiges Gelächter. Ich rieb mir verwundert die Augen und erkannte, dass ich an einem Seil von einem Kirchturm baumelte, während Lotte ganz unten auf dem Friedhof im Schnee herumscharrte. Mein Anbindepflock war also das Kreuz auf dem zugeschneiten Kirchturm gewesen.

Ich nahm das erst einmal als gutes Omen, während ich den Leuten da unten zuwinkte. Mir dämmerte, dass ein Sturm über Nacht die Schneemassen fortgeweht hatte. Ich war wohl an meinem Sicherheitsseil hängen geblieben. Es schnürte mir die Luft ab, deshalb musste ich mich mit meinem Hirschfänger befreien und hätte mich mit dieser Tat um ein Haar in den Abgrund gestürzt.

Die unten zusammengelaufenen Frauen und Männer hatten meine hilflose Situation richtig gedeutet und zwei Leitern herbeigeschafft und zusammen- gebunden, um mich zu befreien, aber ich war immer noch ein zu großes Stück von der obersten Sprosse entfernt und konnte auch den benachbarten Dachfirst nicht erreichen. Eine dritte Leiter anzubinden schien auch mir zu riskant zu sein; ich musste mir selbst helfen.

Aus meinen mühselig ausgezogenen zwei Hosen knotete ich mir eine Seilverlängerung und als das immer noch nicht langte, musste ich auch mein dickes Winterhemd ausziehen und zusammenbinden. Das war mit klammen Fingern auf dem rutschigen Dach verteufelt schwierig und meine Hoffnung auf baldige Rettung sank.

Ich hatte gehofft, dass man mir vom Nachbargebäude her helfen würde, aber da blieb alles still. Es war zu schwierig, meine Stiefel in der Dachrinne wieder anzuziehen, deshalb schleuderte ich sie gegen das oberste Fenster des ansehnlichen Hauses.

Auch das brachte kein Lebenszeichen. Die Leute unten fanden das ihnen gebotene Schauspiel unterhaltsam. Alt und Jung strömte zum Schauen und Lachen herbei. Ihre Heiterkeit schien sich nicht nur an meiner Person zu entzünden, aber das konnte ich noch nicht begreifen.

Unter dem Gejohle der Menge ließ ich mich über die Dachrinne der Kirche herab und erreichte nach einigen Schwüngen mit meinem Fuß nebenan den ersten Fenstersims. Die Leute riefen etwas wie „Hau- Ruck“ und ich versuchte ja auch, gegen das Fenster zu stoßen. Weil meine Arme höllisch schmerzten, blieb mir zur Rücksichtnahme keine Zeit. Mit einem letzten Kraftakt versuchte ich mich mit den Füßen voran durch das Fenster zu schwingen. Das gelang nur teilweise; ich blieb mit dem Rücken an dem Fensterrahmen hängen und es sah einen Augenblick lang so aus, als ob ich rückwärts abstürzen würde. Aber dann griffen irgendwelche Hände nach mir und zogen mich in das fremde Haus hinein.

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Inhalt

Am Beginn unserer Bekanntschaft
Aufbruch
Das will ich vorausschicken
Lernstunden der Liebe
Frühlingsfische
Spätes, erfreuliches Wiedersehen
Waldfee? Teufelsweib? Hexe?
Mein anderer Franziskus
Die Eroberung einer Burgherrin
Meine Reise nach Russland

Riskante Rast im Schnee
Dreiundzwanzig liebeshungrige Frauen
Hochzeitsgast in einem russischen Dorf
Endlich in St. Petersburg
Der Zarin zu Füßen
Bei Hofe knistert überall Erotik
Russische und indische Liebeskünste
Allerhöchste Schokoladengelüste
Im Hintergrund des Machtzentrums
Kaiserliche Gewinnspiele

Vertrauter und künstlerischer Berater

Wir brauchen eine Bühne und Verkleidungen
Auch ein Starker braucht Bestärkung
Un(frei)williger Kriegsheld
Tatarenleidenschaft
Beim Sultan in Konstantinopel
Ein türkisches Muss: Ein Harem für mich
Ich lebe gern mit vielen Frauen
Jeder Alltag war ein Festtag
Die Flöte des Pan
Gewöhnungsbedürftiges
Für manches weiß ich eine Lösung
Kulturaustausch mit dem Reich der Pharaonen
Im Palast des Paschas
Ägyptische Freuden und Plagen
In goldenen Käfigen
Delfine zogen mich nach Griechenland
Stille Zeit und alte Bräuche
Begegnung mit überirdischer Schönheit
In die Welt hinausgeschleudert

In weiblicher Gefangenschaft
Strafverschärfung: Lieblingsgefangener
Schöpferisches Handeln hält hellwach
Undankbare Flucht
Mediterranes Zwischenspiel
Ich erforschte den falschen Vulkan
Verblendeter und sofort bestrafter Eifer
Verlust der Erdenschwere
Auf einem andern Stern
Die Muse des Gesanges

Befreiung durch Naturgesetze
Archäologen wurden Zeugen
Eingewöhnung in irdisches Leben
Jagdverhinderung in Bayern
Im schottischen Hochmoor
Frühstück für Nessie
Eisbären sind musikalisch und tanzfreudig
Unerwartete Freuden in Polarnächten
Tigerjagd in Bengalen
Literatur als Überlebenshilfe

Nächtlicher Kampf mit Berglöwen
Liebe macht manchmal erfinderisch
Dichtertreffen
Der König mit dem Knall
Delikate Mission: Königlicher Vorkoster
…und her wider unz an Ungerland
Heilige in der Kirche, Dame im Salon und im Bett eine…
Dagmars unwiderstehliche Strategie
Mit Wanda und Ewa im Schnee
Ein erotisches Krisen-Komitee

Königlich-Niederländisches Liebesnest
Tarantella tanzen in Tarent
Irgendwo in der Südsee
Lernbereite Kannibalenkinder
Seminare unter Palmen
Manchmal hilft uns auch ein Schurke
Das Geschenk des Zauberers
An Bord eines Seeteufels
Von Bremen aus heimwärts
Hexenwerke im Harz?

Auch hierzulande gibt es Reise- Erschwernisse
Im heiligen Köln
Säulenheilige am Dom
Liebesarien
Ein Abend mit lauter Fragen
Was soll ich in Amerika?
Wiedersehen mit Mahajusha
Im Wein wird doch Wahrheit sein?
Mahajusha schenkt mir Flügel
Tiefschläge aus heiterem Himmel

Nachwort
Lesungen u. Bestellungen für Buch
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Sach-, Personen und Ortsregister
Rollentauschmöglichkeiten

Ich selbst
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