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Nächtlicher Kampf mit
Berglöwen
Zeitlich verwischt sich einiges bei mir: ich weiß nicht mehr
genau, ob dies mein dritter unfreiwilliger Jagdausflug war. Ich musste
wieder einmal mit; dabei hätte ich mich auch anders gut
beschäftigen können. Unser Ziel waren entlegene
Berglandschaften im Westen des Landes. Wir hatten ein großes
Gefolge dabei, und ich hatte Amora, Radja und Samutha mitgenommen, weil
ich begierig war, sie einmal ausgiebig zu genießen und ihre
Liebeskünste angemessen zu würdigen.
Abends schlugen wir unser Biwak an einer gut zu schützenden Stelle
auf. Selbstverständlich wachten in der Nacht eine große Zahl
aufmerksamer Bewaffneter vor unseren Zelten. Wir hatten lange am Feuer
gesessen. Ich hatte ein wenig erzählt und der Maharadscha war
guter Stimmung. Vor dem Gute-Nacht-Wünschen reichte er mir eine
goldene Dose, die eine gelbliche Wurzel enthielt. Der Maharadscha hatte
einen ernsten Gesichtsausdruck, als er mich nötigte, die Wurzel
langsam und „nach innen lauschend“ zu zerkauen.
Ich habe mich bemüht, meine Gesichtsmuskeln unter Kontrolle zu
halten, denn die Wurzel schmeckte teuflisch bitter und zusammenziehend,
entfernt an unreife Quitten erinnernd. Als ich sie mit Anstrengung
verspeist und mit einem großen Schluck Wasser herunterbekommen
hatte, beglückwünschte mich der Maharadscha in mir nicht
begründeter Freude. Ich weiß bis heute nicht, welche Wirkung
dieser geheimnisvollen Wurzel zuzuschreiben ist. Seit ich meine
Inderinnen hinter dem Zeltvorhang kichern hörte, habe ich eine
bestimmte Vermutung, wage sie aber nicht auszusprechen; das könnte
den Zauber gefährden.
An jenem Abend kam ich mich spät in mein Zelt. Amora, Radja und
Samutha hatten geduldig auf mich gewartet und empfingen mich
liebeshungrig. Sie zogen mir langsam und mit vielen Liebkosungen alle
Kleider aus; Samutha tanzte mit von ihr abfallenden
Kleidungsstücken einen verführerischen Liebestanz, Amora fing
mich nackt in ihren Armen auf und Radja setzte sich mit breit
gespreizten Beinen irgendwie tupfend und dann ganz langsam auf mich ...
Ich bereute, dass der Herrscher mich so lange aufgehalten hatte, aber
ich schwamm bald in seligen Wassern.
Ein böses Raubtiergebrüll und entsetzte Schreie rissen mich
in die Wirklichkeit des Urwaldlagers zurück. Ich sprang auf und
suchte eine Waffe, fand aber in der Dunkelheit nichts. Das Brüllen
der Raubtiere und die Schmerzensschreie von Menschen verstärkten
sich, deshalb stürzte ich nackt und unbewaffnet hinaus. Ich fand
die Zelte des Maharadschas und einige seiner Frauenzelte aufgerissen
und zusammengesackt; ein Puma-Rudel wütete furchtbar unter den
Frauen; eine abgerissene Hand flog mir geradewegs gegen die
Füße.
Die in mir aufsteigende, mächtige Wut muss mir
übernatürliche Kräfte verliehen haben: ich packte einen
Berglöwen, dessen Hinterteil aus einem Zelt sichtbar geworden war,
mit beiden Händen am Schwanz und riss ihn heraus.
Wütend blickte mich das Raubtier mit dem blutverschmierten Maul
an, aber ehe es mich packen konnte, wirbelte ich das Biest am Schwanz
um mich herum, erst einmal, dann immer schneller werdend, und nach
sechs oder sieben Umdrehungen ließ ich es mit solcher Wucht gegen
einen Baum krachen, dass es mit offensichtlich gebrochenem
Rückgrat liegen blieb.
Zwei andere Pumas wollten sich auf mich stürzen. Sie stutzten, als
sie den toten Artgenossen, vielleicht ihr Oberhaupt, sahen und kamen
dann drohend fauchend auf mich zu. Ich war so außer mir vor Wut
und Rachsucht, dass ich mit einem wütenden Schrei auf die Bestien
zustürzte. Ich machte eine große Schwungbewegung mit meinem
rechten Arm und schrie sie an: „Wollt ihr auch herumgewirbelt werden,
ihr Mistviecher, dann her mit euch!“
Ich war entschlossen, zunächst eine Berglöwin am Schwanz zu
packen. Aber bevor ich zugreifen konnte, wendeten sich die beiden
Bestien jeweils zur Seite und suchten ihr Heil in der Flucht. Erst
jetzt konnte ich mich um den Maharadscha kümmern. Er war leicht
verletzt, aber völlig verstört. Vier Frauen und sechs
Wächter waren den Raubtieren zum Opfer gefallen.
Es wurde mir peinlich, dass der bald wieder genesene
Großfürst sich vor Dankbarkeit nicht fassen konnte und
fortan sein Reich mit mir teilen wollte. Seine Maharani und er wollten
mir zudem unbedingt ihre traumhaft schöne Lieblingstochter Pandua
zur Frau geben.
Mit größter Mühe und vielen diplomatischen Kunstgriffen
brachte ich ihnen nahe, dass mich das dortige Klima auf die Dauer
umbringen würde, was tatsächlich der Wahrheit entsprach. Der
wahre Grund war, dass ich ein Leben im Pomp nicht genießen
mochte, während die Volksmassen verhungern.
Diese Einstellung ist orientalischen Fürsten unmöglich zu
vermitteln. Ich machte mir andererseits keine Illusionen darüber,
dass ich als Landfremder keine Chance bekommen würde, die auch
durch Überlieferung und Religion festgefügten
Lebensbedingungen von vielen Millionen Menschen zu ändern; ich
hätte sehr wahrscheinlich die Reichen und die Armen gegen mich
gehabt.
Dank einiger großzügig gewährter Freundlichkeiten
genoss meine Schiffsmannschaft den langen Aufenthalt. Aber nach einigen
Monaten stimmte die Herrscherfamilie meinem endlich möglich
gewordenem Abschied zu. Zuvor sollte ich ihnen noch einen mich geradezu
umwerfenden Wunsch erfüllen, mit dem sie sich eine lebendige
Erinnerung an mich bewahren wollten. Sie hatten beobachtet, dass Pandua
mir beim Damespiel auffallend nahe gekommen war.
Nie zuvor habe ich den Drang, laut zu jubeln, so unterdrücken
müssen wie in jener Stunde, denn das hohe Paar sollte nicht
erfahren, dass sie damit meine sehnlichsten Wünsche in nie
erträumter Art erfüllten: Pandua und mir fielen
bedrückende Steine vom Herzen, weil ich in den nächsten
Nächten nicht mehr heimlich in ihr Gemach schleichen musste. Die
Dienerschaft hatte unser Geheimnis längst mitbekommen und wir
hatten schon eine Weile gezielte Indiskretionen befürchtet.
Ich war, da bin ich sicher, ihr erster Geliebter, aber sie hat mir
zusammen eine sehr indische Form der körperlich spürbaren
Liebe herausgefunden, die mir bereits vertraut, aber für sie
völlig neu war: Wir beglückten uns nicht in der fantasielosen
hektisch minutenlang zuckenden europäischen Art, die zudem immerzu
eine unterwürfig hinnehmende Gefährtin verlangt: Pandua nahm
mich unendlich und vollkommmen aufsaugend in ihrem Schoß auf; wir
flossen in einander und waren wirklich lange Zeit einander
erspürend „eins“.
Sie kam auf den köstlichen Einfall, mit mir das von allen Indern
hochgeschätzte Liebesidyll des Gottes Krischna mit der Hirtin
Radha „nachzulieben“; das gelang uns nach vielen immer
wunderschönen Versuchen wahrscheinlich sogar vorzeigbar.
Es musste sein: Wir öffneten ohne Hilfe anderer eine meiner
verborgenen goldenen Kapseln und ich schob ihren von der
schützenden Umgebung befreiten Inhalt auf die von der Natur
vorgedachten Weise mit innigen Wünschen und tiefen Küssen in
ihre wundervolle lebenspendende Höhle…
Diplomatische Rücksichten verbieten mir, euch Genaueres über
die Folgen des Maharadscha-Wunsches mitzuteilen. Ich darf nicht
riskieren, dass demnächst etwas darüber in den Journalen
steht.
Eines darf ich in diesem kleinen Kreis aber wohl verraten und damit ein
Geheimnis lüften, über das fanatische Edelsteinfreunde seit
Jahren rätseln: Die liebreizende Tochter des Maharadschas trug in
jenen Wochen tagsüber einen kunstvoll geschliffenen Smaragd im
Nabel und nachts einen sein verführerisches Schmuckbett ebenfalls
gut ausfüllenden, bräunlichen und nur leicht angeschliffenen
Diamanten, der im Kerzenlicht ungemein inspirierend leuchtete und in
Fachkreisen bereits einen etwas frivol klingenden Namen hatte.
Ihr könnt euch denken, dass es nicht irgendwelche Klunker waren:
sie waren unglaublich kostbar und einmalig. Nun, diese beiden Steine,
Abschiedsgeschenke von Pandua, blieben mir bis heute trotz aller
bösen Erlebnisse erhalten, weil ich sie mir in der sicheren
Erwartung, noch oft bestohlen zu werden, von den Hofärzten des
Maharadschas unsichtbar „einnähen“ ließ. Sie hatten mir
meine untere Bauchdecke als sicheren Ort empfohlen, aber, weil sie
nicht wissen durften, dass die schon „belegt“ war, ging mein Einfall
noch tiefer und zielte mehr auf ein schon von der gütigen Natur
her bei mir bereits vorhandenes Hautsäckchen.
Respektiert bitte, dass nach der zauberhaften Pandua nur Frauen, die
mir ganz besonders nahe sind, diese Kostbarkeiten ertasten und mit
ihnen zärtlich spielen dürfen. Vorsichtshalber habe ich
späteren Gespielinnen gegenüber den enormen Wert
heruntergespielt und die Kugeln „zwei schneeweiße, runde
Kieselsteine aus Kreta“ genannt, an denen ich hänge und die mir
Glück bringen sollen, Glück in der Liebe vor allem.
Unvergesslich bleibt mir unsere Abschiedsnacht, als Pandua nach langen
Liebesspielen glücklich bäuchlings auf mir lag. Ich
spürte genießerisch, wie sie sich porentief auf mich
niederließ, wie ich sie, weil wir wundervoll vereinigt waren, wie
ich sie in dieser Berührung genoss und zudem mit meinen
Händen an allen ihren wunderbaren Stellen liebkosen konnte… Wir
flüsterten uns Worte zu, die wir nicht sprachlich, aber
naturhaftmenschlich verstanden – diese Urlaute umgehen ja ohnehin
unseren Verstand.
Ach, Pandua, in wie vielen Nächten erlebe ich dich noch einmal,
wenigstens in meinen Träumen! Und du hast mir mehr als nur
angedeutet, wie das Nirwana sein wird; vielleicht habe ich es durch
dich schon vorgeschmeckt …
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