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Mit Wanda und Ewa im Schnee
Die Einladung nach Warschau kam im November an, also in der von mir so
vermuteten trostlosesten polnischen Jahreszeit, wenn dort alle Wege in
Schlamm oder Schnee versinken. Der polnische Botschafter konnte unsere
Bedenken nicht entkräften, aber wir kamen zu einem Kompromiss:
Prinzessin Wanja war bereit, mich in einem österreichischen
Schloss bei ihrer Tante Sophie-Cäcilia zu empfangen. Sie machte
dort einen ausgedehnten Besuch.
Ich fand dieses Angebot günstig und freute mich, den
beschwerlichen Weg in die polnische Hauptstadt sparen zu können.
Als ich aber bei ihrer Tante Sophie-Cäcilia ankam, war Prinzessin
Wanja schon in die Schweiz weitergereist, angeblich aus
gesundheitlichen Gründen; ich sollte ihr ins Wallis nachreisen.
Die Fürstin bat mich um Verständnis für Wanja und
schilderte sie als eine bezaubernde und liebenswerte junge Frau. Wandas
Freundin Ewa erwähnte sie gar nicht.
Auf der Reise in die Schweiz gerieten wir tief in den Schnee. Das uns
als „vier Schlittenstunden links hinter Chur“ beschriebene Dorf war
schwierig zu erreichen; ohne die uns mitgegebene detaillierte Landkarte
mit erstaunlich genauen und sinnvollen Erläuterungen hätten
wir das einsame Bergnest nie gefunden. Es lag nämlich nicht im
Wallis, sondern in Graubünden, ganz schön tief in der
Schweiz. Wir sind dem dringenden Rat gefolgt, bereits in Chur
Vorräte einzukaufen, denn ein Geschäft gäbe es „da oben“
nicht. Ich packte, natürlich auf Staatskosten, mit Hilfe meiner
Begleiter einen stattlichen Vorrat zusammen, für den wir dann
einen eigenen Schlitten mieten mussten: gut acht verschiedene
Weinsorten (drei weiße haben wir vorher gekostet, die roten
mochte ich nicht der Kälte aussetzen), Champagner eines mir noch
nicht bekannten Namens, einige feste Käsesorten, Mengen des fein
geschnittenen und luftgetrockneten Bündner Fleisches, einige
eingefrorene Rehrücken, vereistes Gemüse und Fische, darunter
meine Lieblingssorten Felchen und Forellen und natürlich
verschiedene Schokoladen.
In Chur haben wir uns noch einmal kräftig gestärkt. Weil es
früh dunkel wurde, habe ich uns noch eine Nachtruhe in
Gasthäusern der kleinen, verwinkelten Altstadt genehmigt. Diese
Rast hat uns allen gut getan. Die Gräfin und ich haben uns, weil
in der Herberge, die wir uns ausgesucht hatten, ein größeres
Fest lautstark gefeiert wurde, als Gäste in dem mächtigen
Komplex des Fürstbischöflichen Hofes eingeladen. Die Eminenz
war gerade in Rom, sein Verwalter war von unseren Dokumenten sehr
beeindruckt; es waren schließlich auch Empfehlungen unseres
Kardinals dabei.
Am nächsten Vormittag mussten wir uns das letzte Stück
unserer Strecke mit Bauernschlitten in dieses wirklich
weltabgeschiedene Dorf hinaufziehen lassen. Es schneite
unaufhörlich. Warum die Prinzessin sich in dieser zugeschneiten
Einsamkeit versteckt hielt, blieb mir dunkel. Ob sie mich und uns mit
der Wahl dieses Ortes auch auf unsere Ernsthaftigkeit hin prüfen
wollte? Meine Geduld wurde arg strapaziert. Meine Begleiter hatte ich
bis auf Eve-Marie und Chantal, eine besonders geschickte und zu allen
Arbeiten bereite Hofdame zunächst unten im Tal gelassen; sie
sollten alle nach drei Tagen nachkommen.
Wir fragten oben in einem Bauernhof nach polnischen Besucherinnen,
erhielten aber nur Hinweise auf eine deutsche Familie, die sich in
einem Chalet eingemietet hatte. Diese Familie erwies sich dann doch als
Prinzessin Wanjas Begleitung; neben ihrer Freundin Ewa waren das eine
Kammerfrau und eine Köchin.
Nicht zu vergessen war da noch Jagello, ein beeindruckend großer
Neufundländer als offensichtlicher persönlicher
Beschützer der Prinzessin, der mich gleich in den Schnee warf und
seine Rolle überzeugend bewies. Die Prinzessin rief ihn vergeblich
zurück. Ich raufte lange mit ihm und erreichte schließlich,
dass er mich akzeptierte.
„Halten Sie sich an die Gewohnheiten des Alten Fritz?“ fragte ich, als
ich aufstand und den Schnee aus meinen Kleidern klopfte. „Wie meinen
Sie das?“ wollte Prinzessin Wanda etwas unsicher lächelnd wissen.
„Nun, König Friedrich II. ließ seine Besucher gern von
seinen Hunden beschnuppern; wen sie nicht mochten, der wurde nicht
empfangen.“
Alle lachten und wir wurden jetzt unverkrampft behandelt. Ich fand bald
heraus, dass die beiden jungen Damen schon viel Spaß miteinander
gehabt hatten und bei jeder Gelegenheit gern lachten, sicher auch
über mich.
Jagello legte sich auf meine Füße; der Kamin verbreitete
bullige Wärme. Wir saßen beim Kerzenschein und die beiden
Frauen und ich kamen uns später über einem Käse-Fondue
und beim „Grünen Veltliner“ zunehmend näher.
Es ging heiter zu. Ich bemerkte natürlich, dass beide Frauen sich
so gekleidet hatten, dass ihre Brüste mehr als nur zu ahnen waren
und ihre Röcke ließen es bei einigen eigentlich
unnötigen Bewegungen zu, dass ich eine anregende Vorstellung von
ihren hinteren Rundungen bekam.
Beide Frauen fand ich überaus attraktiv und erfreulich
begehrenswert. Leider fühlte ich mich längst sehr müde.
Prinzessin Wanja fragte uns nach dem Kronprinzen aus; sie und ihre
Freundin wollten wissen, wie sein Charakter sei, ob er Erfahrung mit
Frauen habe, ob er wirklich so draufgängerisch sei, wie er auf den
mitgebrachten Porträts aussah und wann er wohl König werden
würde.
Als ich vor dem Chalet in Jagellos Gesellschaft noch eine Pfeife
rauchte, trat Wanda in einem gehäkeltem Umhang zu mir hinaus und
fragte nach meinen ungeschickten Bemerkungen zum andauernden Schneefall
unvermittelt: "Und Sie müssen jetzt herausfinden, wie ich im Bett
bin?" Was blieb mir da anders übrig, als so undramatisch wie
möglich zu sagen: "Ja, Prinzessin, das ist meine wundervolle
Aufgabe."
"Nun gut, sagte Wanja, "finden Sie es heraus; aber vorher will ich mehr
über Sie erfahren. Sie schlafen heute mit Ewa." Als ich sie
verblüfft ansah, sagte sie mit einem bezaubernden Lächeln und
schubste mich zum Abschied: "Ich komme vielleicht später auch noch
dazu."
War der „Grüne Veltliner“ schuld oder der vielleicht falsch
dosierte Himbeergeist, der zum Fondue gehört - ich wunderte mich
überhaupt nicht und fand alles völlig in Ordnung. Der Diener
und die Köchin begleiteten die Gräfin und die Hofdame in ein
Nachbarhaus.
Wir drei wollten noch vor dem Kamin miteinander plaudern und den Wein
austrinken; wir hatten Jagello zum „Anstandsverantwortlichen“ ernannt;
er erwies sich wie erwartet als großzügig, als mein Kopf in
Ewas Schoß lag und als ich Wandas Hüfte streichelte..
Wir machten uns doch bald zur Nachtruhe fertig. Als ich noch einmal von
draußen zurückkam, lag ein großer, aus sechs
Schafsfellen genähter Schlafsack vor dem Kamin. Ich legte mich
hinein und fand ihn angenehm. Oben hörte ich die beiden Frauen
lachen. Die Reise war anstrengend gewesen; das Essen und der Wein
hatten mich zum Umfallen müde gemacht; ich bin sofort
eingeschlafen. Das Kaminfeuer glühte nur noch schwach, als ich
wieder wach wurde.
Ich musste noch einmal hinaus, zog mir dafür das Nötigste an
und pinkelte draußen verdöst in den Schnee. Jagello nutzte
die Gelegenheit zu ähnlichen Erleichterungen. Ich bemühte
mich, leise zu sein, aber die schwere Türe quietschte und ich
stieß gegen einen Stuhl. Aus meinem Schlafsack kam ein
verhaltenes Kichern.
"Grüezi, Ewa", sagte ich freudig, als ich in den warmen Schlafsack
rutschte und dort eine bis zum Hals in wollene Sachen gehüllte
Gestalt antraf. Das wuschelige Wollpaket rührte sich nicht und
blieb stumm. War das nun Ewa oder Wanja? Was tut ein Mann von Welt in
solch einer Situation? Ich weiß es nicht. Ich weiß nur,
dass mir damals etwas ziemlich Verrücktes eingefallen war: Ich
begann, leise ein französisches Liedchen zu trällern:
"Auprès de ma blonde, qu'il fait bon dormir..."
Dann fiel mir ein, dass Ewa schwarze Haare hatte und Wanja eher rote.
Das wäre in dem schwachen Widerschein des Feuers aber nicht
unterscheidbar gewesen. "Sing weiter!“, flüsterte die Wollmumie
neben mir.
Während ich das Lied leise weiter sang, begann ich, die hier
völlig unnötige Verpackung der wohlriechenden Gestalt zu
lösen. Sie verhielt sich zuerst steif und passiv, kam mir unter
gutem Zusingen aber entgegen und barg ihren angenehm duftenden Kopf an
meiner Brust.
Jagello schnarchte vor unserem Schlafsack. Er wusste seine Menschen
sichtlich gut aufgehoben.
Als ich die Frau in meinen Armen von allem Entbehrlichem befreit hatte,
begann sie, während wir uns küssten, mit langsamen, aber
sicheren Bewegungen mein Hemd aufzuknöpfen und meinen Gürtel
zu öffnen. Mein Mund machte sich neugierig daran, das fremde
Gebiet näher zu erkunden. Ich tauchte schließlich in die
Tiefen des Schlafsacks und nahm mit wohligem Erschauern war, dass ein
anderer Mund auch auf Entdeckungsfahrt war.
Die beiden wohl gleichjungen Frauen hatten ungefähr die gleiche
Figur, nicht zu schlank und noch nicht füllig: ich stieß
mich bei ihnen nicht mehr an Knochen und hat durchweg Festes, bei den
Brüsten sogar Süß-Schweres in der Hand und im Mund. Die
beiden wären in diesem Halbdunkel kaum unterscheidbar gewesen,
aber ich war von der ersten Sekunde an sicher, dass Wanja zu mir
gekommen war und ein besonders reizvolles Spiel mit mir spielen wollte.
Ihr Kettchen mit dem Kreuz berührte einmal meine Nase, das gab mir
Gewissheit.
Vielleicht habe ich das schon einmal erwähnt: Ich habe reifere
Frauen immer den blutjungen vorgezogen, aber in dieser Nacht erweiterte
sich der Stand meiner Erkenntnis. Woher hat ein so junges Weib diese
fantastische Lusterfahrung oder ist dies eine herrliche,
natürliche Begabung? Das fragte ich mich staunend, als wir unsere
Lust wenigstens etwas gestillt hatten.
Ich tat weiter so, als wenn ich sie für Ewa halten würde. Ich
flüsterte in ihr duftendes Haar: "Verzeih mir, du Schöne, ich
bin todmüde, bleib in meinem Arm und dulde meine Hände, wo
sie sind. Und: Danke, dass du zu mir gekommen bist. Ich liebe deine
Haut…"
Der Schlafsack wärmte uns Unbekleidete vortrefflich. Ich blinzelte
in den schneehellen Morgen und zog die Frau neben mir vorsichtig auf
mich. Meine Hände streichelten ihren Rücken und alles
Wohlgerundete weiter unten. Ihre Haare kitzelten mich. Ich versuchte
sie wegzupusten, sie waren widerspenstig; als ich sie weg strich, sah
ich, dass sie dunkel waren, nahezu schwarz.
Ich war verwirrt: Dies war ja tatsächlich Ewa. Ich versuchte, ihr
Halskettchen zu sehen: Ja, es war da. Die auf mir Liegende küsste
mich schläfrig. "Guten Morgen, du Lieber, wo ist denn Wanja?"
"Ich bin hier, liebe Leute", sagte Wanja, die den vor ihr liegenden
Jagello mit den Füßen kraulte und uns wohl schon länger
von einem Sessel aus zugesehen hatte. Sie stand auf, ließ ihre
Decke fallen, zog ihr Nachthemd aus und schlupfte nackt zu uns in den
Schlafsack. Sie war ziemlich kalt geworden und wir hatten Arbeit damit,
sie aufzuwärmen. Was für Brüste, welch ein
streichelweicher, sanft gewölbter Bauch – und was für ein
wundervoller Schoß!
Ihre Augen lachten und mein Mund und meine Hände erkannten sie
wieder. Sie flüsterte mir Liebes ins Ohr. Ihre Stimme klang warm
und angenehm dunkel. Ewa verzog sich "mal eben" nach oben, wir hatten
einige unvergessbare Augenblicke für uns; wir klebten, nachdem wir
den uns den Atem nehmenden „kleinen Tod“ erlebt hatten, lustvoll
aneinander und dann klopfte im unpassendsten Augenblick eine
Bäuerin mit dem Frühstück an die Tür.
Wanja huschte hinauf und ich erschreckte die Bäuerin durch mein
etwas zu kurzes Hemd. Aber sie lachte nur, warf Jagello, der sie
freudig begrüßt hatte, ein Stück Schinken zu und deckte
geschickt und sehr anregend den Tisch.
Die folgende Nacht verbrachten wir gleich zu dritt, eben weil es in dem
Schlafsack so herrlich warm war. Obwohl es mir schwer fiel, trank ich
vorher keinen Wein und deshalb kann ich behaupten: Ich ließ in
diesen Stunden nichts unversucht, um meine Kenntnisse über Polen
und über Polinnen zu vertiefen.
Bisher wusste ich kaum mehr, als was alle in den verbreiteten
Vorurteilen zu wissen meinen: dass die Polen stolz und die Polinnen
charmant, elegant und improvisationsbegabt sind. Ich weiß jetzt
erheblich mehr, besonders über zwei entzückende junge
Polinnen, die mich auf viele neue Gedanken brachten.
Meine bisher gewachsene allgemeine Erkenntnis war, dass ein König,
sicher noch mehr als jeder andere Mann, eine fröhliche,
anziehende, einfühlsame Frau braucht, die ihm seine Sorgen fort
bläst, ihn klug und unaufdringlich beraten kann, ihn abschirmt
gegen allzu Lästiges und Gefährliches und nicht zuletzt
unbedingt dafür sorgt, dass er nie ungestillt und ungesättigt
ihr Bett verlässt.
An diesen Maßstäben gemessen, habe ich Prinzessin Wanja
überschwänglich empfohlen, obwohl ich beträchtliche
Mühe hatte und habe, in meiner Erinnerung zwischen ihr und Ewa zu
unterscheiden. Aber das war halt mein Problem.
An unserem dritten oder vierten Morgen hatte ich die beiden etwas
zerzaust aussehenden Frauen im Arm und ließ mich behaglich
über die Sehenswürdigkeiten von Paris ausfragen, über
die neueste Mode und über Beschaffungsmöglichkeiten für
eine ihnen einleuchtende Verhütungsmethode. In diesen wichtigen
Gesprächen unterbrach uns ein heftiges Klopfen an der
Haustüre. Jagello war empört und angriffsbereit. Diesmal war
es nicht die Frühstücksfrau, sondern die Gendarmerie: Zwei
Uniformierte besuchten uns und baten darum, Jagello zu beruhigen und an
die Leine zu nehmen. Misstrauisch knurrend hat er sich gefügt,
blieb aber sprungbereit vor seiner Herrin sitzen.
Die Männer waren amtlich neugierig und blickten häufig auf
die nur wenig und sicher absichtlich ziemlich aufreizend bekleideten
Frauen, die sich auch gar nicht bemühten, sich „untenherum“
seriöser zu zeigen, schließlich waren die Gendarme in unsere
Privatheit eingedrungen.
Unsere verschiedenen ausländischen Pässe schienen den sich
erkennbar unbehaglich fühlenden Männern eher verdächtig
zu sein und erst die von mir mit meinem griechischen Hirtenpfiff
alarmierte Gräfin fand den richtigen Ton für diese Vertreter
der Staatsgewalt.
Eve-Marie machte den Ordnungshütern klar, dass wir uns hier von
der großartigen Berglandschaft überzeugen sollten als Vorhut
für bald nachreisende hochgestellte Herrschaften des Hochadels,
die unerkannt bleiben müssten, aber den diskreten Schutz der
hiesigen Gendarmerie zu schätzen wissen würden.
Die Gendarme fuhren auf Skiern wieder ins Tal. Jagello war erleichtert
und wir vier feierten ihren Abschied übertrieben ausgelassen mit
Champagner, Katenschinken und Bergkäse.
Prinzessin Wanja bekam bald darauf eine böse Erkältung und
wir mussten mit Rücksicht auf ihre Eltern ihre vorzeitige Abreise
vorbereiten. Ich sah erschreckt meine Versäumnisse, denn
Programmpunkte wie die wichtigen Zeichnungen, die ärztlichen
Untersuchungen, die Belastungsproben, die Prüfung ihrer
Repräsentationsfähigkeiten und ihrer lebenspraktischen und
politischen Kenntnisse standen ja noch aus. Ich hatte dies alles
vergessen gehabt.
Wir wollten Wanda allein schlafen lassen, aber das hat sie mit
Tränen verhindert: „Bitte, bitte, lasst mich nahe bei euch sein.
Ich will nur dick vermummt mit meinen Halswickeln neben euch liegen!“
Das war sicher von ihr auch Jagello zuliebe so gedacht; er lag wie von
der ersten Nacht an immer unten an unserem Schlafsack, schlief dann
beruhigt fest, schnarchte zufrieden und lief im Traum sichtbar
große Strecken. Ich beriet ich mich mit den wichtigsten
Spezialisten und bat die Gräfin und Ewa dazu. Wir sahen die
Alternative, die beiden Frauen nach Polen zu begleiten, das war
allerdings für uns eine abschreckende Vorstellung angesichts der
zu befürchtenden Straßen- verhältnisse, oder unseren
Besuch auf das späte Frühjahr zu verschieben, mit dem Risiko,
dass der Hof diese Aufschiebung verurteilen könnte.
Ewa schlug mir in der folgenden Nacht, als wir herrlich ermattet neben
einander lagen, eine Variante vor: "Begleitet uns doch nach Wien, da
können wir nach Wanjas Gesundung alles nachholen; die Kaiserin
erwartet uns eh."
Wanja, die ich immer dicht hinter mir spürte und deren
fieberheiße Hand mich oft zärtlich und eifersuchtsfrei nicht
nur an der Hüfte berührte, auch wenn ich noch im lustvollen
Zauberbann von Ewa war, flüsterte mir ihre Zustimmung zu.
Wien war für mich ein lockendes Ziel; ich nahm den Vorschlag
sofort an. Vorher aber vertrat Ewa die Prinzessin weiter ernsthaft und
liebevoll; sie erzählte mir viel von ihr und ließ sich in
ihrem Auftrag von mir einige Vorlieben des Thronfolgers demonstrieren.
Die waren mir zwar nicht bekannt, aber ich hatte mir einige ausgedacht,
die zu ihm passen könnten. Ewa war beeindruckt und wir übten
einiges ernsthaft und mit Freude. Wanda schlief wie jede Nacht neben
uns, oder stellte sich manchmal auch nur schlafend und wir hatten sie
beide gern im Schlafsack und umarmten sie oft.
Unseren Arzt unten im Dorf konnten wir nicht erreichen, weil wir
meterhoch eingeschneit waren. Eve-Marie hörte sich in den
Nachbarhäusern um und fragte nach Hausmitteln für eine starke
Erkältung. Ihr wurde eine ältere Frau empfohlen, die
allerdings nicht zu unserm Chalet hinaufgelangen konnte. Wir brachten
Prinzessin Wanja deshalb auf einem Schlitten zu ihr und quartierten sie
zusammen mit Ewa bei ihrer Familie ein. Jagello schien die
Umstände zu begreifen und blieb wie selbstverständlich bei
mir.
Für den bewegungsfreudigen Hund waren unsere langen
Schneewanderungen erfreulich, aber für mich war es eine
entbehrungsreiche Zeit, denn Eve-Marie nutzte die Gelegenheit, kurz
eine Verwandte im nahen Liechtenstein zu besuchen und Ewa konnte immer
nur für höchstens zwei Stunden zu mir kommen.
Wandas Kur hat sich aber gelohnt: Nach einer Woche war sie
reisefähig. Drei Lastschlitten, die junge Burschen mit ihrer
Fußkraft steuerten, brachten uns zu unseren Begleitern ins Tal.
Jagello lief neben uns her. Fünf Tage später waren wir im
wirklich schönen Schönbrunn bei dem betagten Kaiserpaar.
Wir genossen die neun Tage der „sehr gehobenen“ österreichischen
Gastfreundschaft. Hier ergaben sich in höflicher Abgeschiedenheit
alle erwünschten Situationen. Unser begabter Maler malte Wanja mit
ihren rasant erwachten Lebensgeistern in vielen Variationen, oft auch
Wanja und Ewa und Jagello, doch vorsichtshalber nie zusammen mit mir,
denn das nächtliche Geheimnis sollte nur uns gehören.
Aber vor Kammerdienern und Zofen ist nichts zu verbergen und was sie
wissen, wissen bald alle; damit mussten wir leben. Ich behauptete
vorbeugend diskret, aber für einige mithörbar, dass ich mit
allen Handlungen gewissenhaft allerhöchste Befehle befolge.
Ja dann, werden sich (hoffentlich!) alle gesagt haben, dann wird es
schon richtig sein. War es ja auch, irgendwie. Aber
lebensgefährlich war es halt auch, doch das war es uns allen wert.
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