|
Meine Reise nach Russland
Ich hatte schon früh ein Faible für das Russische Reich und
besonders für seine aus Deutschland stammende Zarin. Früher
war ich fasziniert von solchen starken Frauen.
Freunde hatten mir geraten, im Sommer zu reisen, aber in den
Sommermonaten fand ich mich noch in meiner Heimat unentbehrlich und im
Herbst regnete es wochenlang so stark, dass uns die Weser besonders
hohes Hochwasser brachte und alles und jeder im Schlamm stecken blieb.
Ich wartete, bis die Wege und die Felder mit hartem Schnee bedeckt und
vereist waren und nahm nur leichtes Gepäck zusammengerollt und in
meinen Satteltaschen mit.
Durch Reiseberichte wusste ich, dass die Wege nach Russland noch
halsbrecherischer sind als die Wege der Tugend, und ich verließ
mich deshalb statt auf vier Räder lieber auf ein gutes Pferd.
Ich behaupte, dass dies vielerorts die bequemste Art zu reisen ist,
jedenfalls, wenn Ross und Reiter gesund sind. Wenn man auf eine
Postkutsche angewiesen ist, riskiert man freilich den Verlust jeder
offiziellen Sicherheit und kann sich nicht auf einen der stets
liebenswürdigen und sprichwörtlich hilfsbereiten Postmeister
verlassen und muss auch darauf verzichten, von einem der immer
durstigen Wagenlenker mit abenteuerlichen Schenken und Herbergen
bekannt gemacht zu werden.
Mein Pferd und ich kamen erfreulich voran. Manchmal nutzten wir einen
zugefrorenen Flusslauf, manchmal fanden wir Wege durch dichte
Wälder. Ich erinnere mich heute an keine Besonderheiten mehr, nur,
dass ich in einem polnischen Dorf auf einen zerlumpten Mann
stieß, der so vor Kälte zitterte, dass ich ihm, ungewollt
den Heiligen Martin übertreffend, meinen ungeteilten Mantel
überwerfen musste. Ich fühlte mich danach großherzig
und meinte in dem Schneesturm eine himmlische Stimme zu hören:
„Gut gemacht! Dafür hast du demnächst etwas gut!“ Vielleicht
hatte ich deshalb oft ein fabelhaftes Glück.
|
|