Münchhausen
Geliebt hab ich sie  fast  alle
© Willem de Haan
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BuchKopf



Mein anderer Franziskus

Ich habe oft kalte Füße und trage besonders gern wärmendes Gestricktes, manchmal sogar anfangs in kalten Betten. Das wird hier begonnen haben: Meine nassen Strümpfe und die wenigen Kleidungsreste schützten mich nicht vor der wehtuenden Kälte, als ich durch den kniehohen Schnee stapfte. Nach zwei, drei endlosen Stunden erreichte ich ein ärmlich aussehendes Dorf. Ich sah mich suchend um und schleppte mich zu dem Haus neben einer kleinen Kirche.

Der hier von mir vermutete geistliche Herr öffnete mir im offenen Hemd, musterte mich von oben bis unten und überlegte anscheinend, ob er die Tür vor diesem Bettler zuschlagen konnte. Ich ließ mich beim erschöpften Zusammenbrechen aber so fallen, dass er die Tür weiter öffnen und mich ins Haus ziehen musste.

Ich hatte mich mit der gespielten Ohnmacht nicht anzustrengen brauchen: Mein Zusammensacken war ziemlich echt. Als ich zu mir kam, lag ich vor dem Ofen auf einem Flickenteppich. Es duftete nach Essen und Franziskus lächelte mich an. Er hieß natürlich irgendwie anders, aber ich nannte ihn spontan so und er ließ das zu. Wir probierten einige Sprachen aus und bei Latein glaubte ich, dass es ihm bekannt vorkam, aber das täuschte wohl.

Sein Süppchen war dünn, eben ein Franziskus-Süppchen, aber es war heiß und ich schätzte den nachgeschöpften zweiten Teller. Als ich dann in den Garten hinaus musste, schob er mir Galoschen hin. Jetzt erst bemerkte ich, dass ich ein dickes helles Hemd trug und eine schwarze Hose; kurz darauf merkte ich auch, dass ich eine fremde Unterhose darunter trug. Das hatte Franziskus mir alles angezogen? Ich wusste nicht, wie ich ihm danken konnte und versuchte, seine Hand zu küssen. Franziskus lächelte. Noch ahnte ich nicht, dass der Teufel an seinem Keuschheitsgelübde fraß.

Wir tranken einen selbst gebrannten, beißenden Fusel. Schon wegen der Kälte leerten wir nicht nur die angebrochene Flasche. Und dann torkelte ich benommen durchs Zimmer und fiel auf ein Strohlager. Es war noch oder wieder dunkel, als ich das Wiehern eines Pferdes hörte. Sofort wollte ich aufspringen, aber Franziskus versuchte mich festzuhalten. Er war sehr sparsam bekleidet und er ließ mich spüren, dass eine tiefe Sehnsucht nach Lust aus ihm heraus brach.

Oh je, auch das noch, dachte ich schlaftrunken, aber alarmiert. Zunächst musste ich erst mal unbedingt hinaus in den Schnee. Wegen der Kälte nahm ich eine Decke mit. Ich hatte das Wiehern richtig gedeutet: Meine brave Stute hatte mich gefunden und schnaubte stolz und zufrieden, als ich sie in den Hof führte und ihr auch mit der ihr umgelegten Decke klarzumachen versuchte, dass wir wieder vereint sind und dass ich nebenan im Haus bin. Welch ein Glück! Ich erzählte es Franziskus mit Gesten und Worten; er lächelte und zog meinen Kopf an sein struppiges Gesicht.

Ich fand seine Nähe eklig; es würgte mich und ich hatte nicht die geringste Neigung, das Zölibat für ihn erträglicher zu machen, aber mein Verstand riet mir, ihn nicht rundweg vor den Kopf zu stoßen und nur das zu tun, was fast alle Frauen überzeugend spielen können, wenn sie von einem Mann in Ruhe gelassen werden wollen: Eine schwere Müdigkeit kam unaufhaltsam über mich…

Am nächsten Vormittag umarmte ich ihn nach einem ärmlichen Frühstück dankbar und zog mit weiteren alten und muffig riechenden Kleidern von ihm weiter. Und wunderbar: auf meinem Pferd.

Franziskus hatte kein Geld. Die winzigen Münzen, die er mir großherzig hinhielt, wollte ich nicht annehmen. Aber nach angestrengtem Nachdenken hat er mich vors Haus gezogen, auf eine Burg in den nahen Bergen gedeutet und mir einfallsreich klargemacht, dass dort oben eine Frau wohnt, die viel Geld besitzen würde und die ich unbedingt besuchen sollte. Ich musste über seine schauspielerische Bemühung lachen; wie er mir die Frau geschildert hat, das war schon ein pantomimisches Kabinettstückchen. Ich umarmte ihn noch einmal und ritt mit frisch gewonnenem Mut auf die Burg zu.

Dort trat Gloria Felicitas in mein Leben, vielleicht ich auch in ihres. Das Leben wollte es so.

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Inhalt

Am Beginn unserer Bekanntschaft
Aufbruch
Das will ich vorausschicken
Lernstunden der Liebe
Frühlingsfische
Spätes, erfreuliches Wiedersehen
Waldfee? Teufelsweib? Hexe?
Mein anderer Franziskus
Die Eroberung einer Burgherrin
Meine Reise nach Russland

Riskante Rast im Schnee
Dreiundzwanzig liebeshungrige Frauen
Hochzeitsgast in einem russischen Dorf
Endlich in St. Petersburg
Der Zarin zu Füßen
Bei Hofe knistert überall Erotik
Russische und indische Liebeskünste
Allerhöchste Schokoladengelüste
Im Hintergrund des Machtzentrums
Kaiserliche Gewinnspiele

Vertrauter und künstlerischer Berater

Wir brauchen eine Bühne und Verkleidungen
Auch ein Starker braucht Bestärkung
Un(frei)williger Kriegsheld
Tatarenleidenschaft
Beim Sultan in Konstantinopel
Ein türkisches Muss: Ein Harem für mich
Ich lebe gern mit vielen Frauen
Jeder Alltag war ein Festtag
Die Flöte des Pan
Gewöhnungsbedürftiges
Für manches weiß ich eine Lösung
Kulturaustausch mit dem Reich der Pharaonen
Im Palast des Paschas
Ägyptische Freuden und Plagen
In goldenen Käfigen
Delfine zogen mich nach Griechenland
Stille Zeit und alte Bräuche
Begegnung mit überirdischer Schönheit
In die Welt hinausgeschleudert

In weiblicher Gefangenschaft
Strafverschärfung: Lieblingsgefangener
Schöpferisches Handeln hält hellwach
Undankbare Flucht
Mediterranes Zwischenspiel
Ich erforschte den falschen Vulkan
Verblendeter und sofort bestrafter Eifer
Verlust der Erdenschwere
Auf einem andern Stern
Die Muse des Gesanges

Befreiung durch Naturgesetze
Archäologen wurden Zeugen
Eingewöhnung in irdisches Leben
Jagdverhinderung in Bayern
Im schottischen Hochmoor
Frühstück für Nessie
Eisbären sind musikalisch und tanzfreudig
Unerwartete Freuden in Polarnächten
Tigerjagd in Bengalen
Literatur als Überlebenshilfe

Nächtlicher Kampf mit Berglöwen
Liebe macht manchmal erfinderisch
Dichtertreffen
Der König mit dem Knall
Delikate Mission: Königlicher Vorkoster
…und her wider unz an Ungerland
Heilige in der Kirche, Dame im Salon und im Bett eine…
Dagmars unwiderstehliche Strategie
Mit Wanda und Ewa im Schnee
Ein erotisches Krisen-Komitee

Königlich-Niederländisches Liebesnest
Tarantella tanzen in Tarent
Irgendwo in der Südsee
Lernbereite Kannibalenkinder
Seminare unter Palmen
Manchmal hilft uns auch ein Schurke
Das Geschenk des Zauberers
An Bord eines Seeteufels
Von Bremen aus heimwärts
Hexenwerke im Harz?

Auch hierzulande gibt es Reise- Erschwernisse
Im heiligen Köln
Säulenheilige am Dom
Liebesarien
Ein Abend mit lauter Fragen
Was soll ich in Amerika?
Wiedersehen mit Mahajusha
Im Wein wird doch Wahrheit sein?
Mahajusha schenkt mir Flügel
Tiefschläge aus heiterem Himmel

Nachwort
Lesungen u. Bestellungen für Buch
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