Münchhausen
Geliebt hab ich sie  fast  alle
© Willem de Haan
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Manchmal hilft uns auch ein Schurke

Eines Nachmittags zerriss Trommelgedröhn der Inselwache unseren Inselfrieden und rief das Inselvolk zum westlichen Strand. Ein Schiff näherte sich unserer Insel. Es war ein europäischer Hochseesegler und ich erkannte mit bloßem Auge die beiden Kanonen am Bug, später auch die holländische Fahne.

Ich bereute sofort, dass ich die Inselverteidigung bisher vollkommen vernachlässigt und militärische Maßnahmen durch meine anderen Aktivitäten einfach vergessen hatte. Meine braunen Freunde sahen mich erwartungsvoll an. Ich versuchte, gleichmütig und alles vorausahnend auszusehen. Wegen der vorgelagerten Korallenriffe musste die Brigg weit draußen ankern. Als ein Beiboot langsam auf uns zusteuerte, wollten die Inselbewohner nach ihrer offenbar überkommenen Taktik die Frauen wie damals bei meiner Ankunft vorschicken. Ich winkte sie aber in die Deckung zurück und ging allein auf die Ankömmlinge zu.

Es waren sechs Weiße, von denen vier ruderten und einer die rot-weiß-blaue Fahne hielt. Ein weißbärtiger Mann stand im Boot auf und hielt ein Buch hoch. Er rief in mehreren Sprachen ein Wort, das ich als „Frieden" verstand. Ich winkte ihm erleichtert zu, als ich zu erkennen glaubte, dass er eine Bibel in der Hand hielt. Er stellte sich mir dann, durchs Wasser heran watend, als Missionar aus Utrecht vor.

Ich misstraute ihm und seinen Absichten von Anfang an, aber ich war an dem Schiff interessiert, das ihn hergebracht hatte. Wir konnten uns mit einer Mischung von Plattdeutsch und Holländisch recht gut verständigen.

Auch die ihn begleitenden Matrosen waren Holländer, aber sie waren, was unter den gegebenen Umständen sehr auffiel und meine Skepsis verstärkte, zu keiner sprachlichen Verständigung bereit.

Der Missionar wunderte sich über meine Anwesenheit und befürchtete anfangs, dass ich ein portugiesischer Missionar sein könnte. Auch daraus folgerte ich, dass sich bei ihm und seinen Auftraggebern staatliches Besitzstreben unheilig mit Bekehrungsabsichten verband.

Mein Misstrauen muss sich auf die Inselbewohner übertragen haben. Sie wichen ihm aus und ich fand es nicht verantwortbar, diese Vorsicht abzubauen.

Ich erfuhr, dass der Kapitän nach wenigen Tagen weitersegeln wollte. Die Männer aus seiner Mannschaft sollten sich auf unserer Insel umsehen und vergewissern, ob man den Missionar sich hier selbst überlassen konnte. Dann sei vorgesehen, dass das Schiff auf der Rückfahrt von Batavia in einigen Wochen wieder hier vor Anker gehen sollte.

Ich wollte diese erste Gelegenheit nicht ungenutzt lassen und bat den Missionar, mich beim Kapitän zu empfehlen: ich sei ein hier vor Jahresfrist gestrandeter Handelsherr, der über einen größeren Hafen endlich zurück in seine Heimat wolle.

Als der Missionar gewahr wurde, wie ich mich auf die Zuneigung der Inselbewohner stützen konnte, schien er es günstig zu finden, mich bald loszuwerden. Tags darauf kam der Kapitän mit dem größten Teil seiner Mannschaft auf die Insel. Weil die internationale Handelsflotte eine erstaunlich kleine Welt ist, hatte er von mir und meinem Schiff gehört und gab sich hilfsbereit. Wir feierten ein gewaltiges Begrüßungs- und Abschiedsfest und schon am übernächsten Morgen setzten sie über mir die Segel.

Noch heute koche ich, wenn ich an die Frauen und Männer meiner Südseeinsel denke, weil ich weiß, wie brutal die vorgeblich frommen, aber im unbarmherzigsten Sklavenhandel reich gewordenen Holländer auch ihnen ihre Auffassung vom Christentum übergestülpt und gleichzeitig sie und ihr Land ausgebeutet haben. Wer einige Religionen und ihre Anhänger im Alltag erlebt hat, findet wenige Gründe, auf die Entwicklungen des Christentums stolz zu sein.

Ich war ziemlich sicher, dass meine Inselfrauen dem Missionar irgendwann einige wirkungsvolle Kräuter in seinen Abendtrunk gemischt hatten, die ihn ungefährlich gemacht haben werden. Hoffentlich sind sie nicht in frühere Gewohnheiten zurückgefallen – und konnten später den ihn suchenden Seeleuten wenigstens sein Grab zeigen.

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Inhalt

Am Beginn unserer Bekanntschaft
Aufbruch
Das will ich vorausschicken
Lernstunden der Liebe
Frühlingsfische
Spätes, erfreuliches Wiedersehen
Waldfee? Teufelsweib? Hexe?
Mein anderer Franziskus
Die Eroberung einer Burgherrin
Meine Reise nach Russland

Riskante Rast im Schnee
Dreiundzwanzig liebeshungrige Frauen
Hochzeitsgast in einem russischen Dorf
Endlich in St. Petersburg
Der Zarin zu Füßen
Bei Hofe knistert überall Erotik
Russische und indische Liebeskünste
Allerhöchste Schokoladengelüste
Im Hintergrund des Machtzentrums
Kaiserliche Gewinnspiele

Vertrauter und künstlerischer Berater
Wir brauchen eine Bühne und Verkleidungen
Auch ein Starker braucht Bestärkung
Un(frei)williger Kriegsheld
Tatarenleidenschaft
Beim Sultan in Konstantinopel
Ein türkisches Muss: Ein Harem für mich
Ich lebe gern mit vielen Frauen
Jeder Alltag war ein Festtag
Die Flöte des Pan

Gewöhnungsbedürftiges
Für manches weiß ich eine Lösung
Kulturaustausch mit dem Reich der Pharaonen
Im Palast des Paschas
Ägyptische Freuden und Plagen
In goldenen Käfigen
Delfine zogen mich nach Griechenland
Stille Zeit und alte Bräuche
Begegnung mit überirdischer Schönheit
In die Welt hinausgeschleudert

In weiblicher Gefangenschaft
Strafverschärfung: Lieblingsgefangener
Schöpferisches Handeln hält hellwach
Undankbare Flucht
Mediterranes Zwischenspiel
Ich erforschte den falschen Vulkan
Verblendeter und sofort bestrafter Eifer
Verlust der Erdenschwere
Auf einem andern Stern
Die Muse des Gesanges

Befreiung durch Naturgesetze
Archäologen wurden Zeugen
Eingewöhnung in irdisches Leben
Jagdverhinderung in Bayern
Im schottischen Hochmoor
Frühstück für Nessie
Eisbären sind musikalisch und tanzfreudig
Unerwartete Freuden in Polarnächten
Tigerjagd in Bengalen
Literatur als Überlebenshilfe

Nächtlicher Kampf mit Berglöwen
Liebe macht manchmal erfinderisch
Dichtertreffen
Der König mit dem Knall
Delikate Mission: Königlicher Vorkoster
…und her wider unz an Ungerland
Heilige in der Kirche, Dame im Salon und im Bett eine…
Dagmars unwiderstehliche Strategie
Mit Wanda und Ewa im Schnee
Ein erotisches Krisen-Komitee

Königlich-Niederländisches Liebesnest
Tarantella tanzen in Tarent
Irgendwo in der Südsee
Lernbereite Kannibalenkinder
Seminare unter Palmen
Manchmal hilft uns auch ein Schurke
Das Geschenk des Zauberers
An Bord eines Seeteufels
Von Bremen aus heimwärts
Hexenwerke im Harz?

Auch hierzulande gibt es Reise- Erschwernisse
Im heiligen Köln
Säulenheilige am Dom
Liebesarien
Ein Abend mit lauter Fragen
Was soll ich in Amerika?
Wiedersehen mit Mahajusha
Im Wein wird doch Wahrheit sein?
Mahajusha schenkt mir Flügel
Tiefschläge aus heiterem Himmel

Nachwort
Lesungen u. Bestellungen für Buch
und CD-Fassung

Sach-, Personen und Ortsregister
Rollentauschmöglichkeiten

Ich selbst
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