Münchhausen
Geliebt hab ich sie  fast  alle
© Willem de Haan
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Strafverschärfung: Lieblingsgefangener

Wie der Tag endete, weiß ich nicht mehr. Ich erwachte wie in einem Traum auf einer blühenden Wiese neben einem einfachen Landhaus. Ich blinzelte in die bereits hoch stehende Sonne. Eine dicke Frau mit aufgelöstem Haar beugte sich lächelnd über mich, küsste mich auf den Mund und tätschelte mir die Wange. Erst als sie zum Haus ging, erkannte ich sie. "Dickärschchen", murmelte ich enttäuscht.

Das war mein erster und gar nicht abfällig gemeinter Name für sie, als ich versucht hatte, die vier Frauen zu unterscheiden; eigentlich hätte ich die Vorsilben „Riesen“ vor die derbe Bezeichnung setzen müssen, aber so war sie mir erträglicher. Sie trug ein buntes Wollkleid, das sie nicht anziehender machte. Lächelnd kam sie wieder aus dem Haus und brachte mir Ziegenmilch und Brot, gekochte Eier und kaltes Bratenfleisch. Sie bemerkte, dass ich mich vor Schmerzen kaum rühren konnte und wollte mich füttern, aber ich bestand darauf, mich erst einmal hinter einen Baum zu stellen und mich zu erleichtern. Sie schien nicht zu fürchten, dass ich fliehen könnte. Ich sah mich vorsichtig um, während ich dem guten Frühstück zusprach. Ich habe alles aufgegessen, was sie mir mitgebracht hatte.

Nach dem Frühstück konnte ich leicht erraten, wie sie als nächstes die Verständigungsschwierigkeiten mit mir überbrücken wollte. Sie ließ mich nicht lange im Ungewissen und streichelte eine zufällig gewölbte Stelle auf meiner Hose…

Nun, ich kann nicht behaupten, dass es mir überhaupt nicht gefallen hat: Es war alles unerwartet anders, auch mit mir war etwas anders, für das ich noch keine Erklärung fand. Ich hoffte jedenfalls, dass dies ein kurzes Intermezzo bleiben und in mir nicht alle Vorstellungen von Anmut und Liebreiz zerstören würde.

Schon bei dem Beisammensein nach diesem Frühstück wurde es mein Ziel, diese Frau auf meine Seite zu ziehen.

Ich gestehe, dass ich ihr gegenüber zum ersten Mal in meinem Leben eine Zuneigung vorgetäuscht habe. Nach unseren ersten Liebesstunden begann ich ihr den immer mehr in sie Verliebten vorzuspielen. Während ich tagsüber unzählige Zeichnungen abliefern und in den Pausen den anderen drei Frauen und einigen weiteren mannstollen Weibern zu Willen sein musste, gehörte ich ihr in den Nächten allein. Und ich gönnte ihr wenig Schlaf.

Ich habe ihr einen Namen gegeben: Rocca; das war nötig zur Verständigung in unserem engen Lebensbereich, mich nannte ich Ron, das konnte sie leicht aussprechen. Es war für mich etwas bedrückend mit anzusehen, wie ihr vorher recht nichts sagendes Gesicht aufblühte; sie strahlte Glück aus und sie sang bei der Hausarbeit und im Garten. Rocca war aber auch eine verblüffend gute Schauspielerin. Vor den anderen spielte sie die unnachsichtige Wächterin und war nicht zimperlich mit dem Stock.

Ich hatte begonnen, ihr auf Zeichnungen ein vorstellbares Paradies zu malen. In kleinen Schritten ging ich weiter: Ich zeichnete ein Schiffchen, "unser Schiffchen", das sich auf das ferne Paradies zu bewegte und schließlich uns beide in einer Hütte in einem bunten Garten und inmitten einer spielenden Kinderschar. Rocca begeisterte sich zusehends für diesen Traum. Ich hatte nicht die kleinste Vorstellung davon, wie ich mit ihr fliehen könnte. Aber ich hatte die Fantasie und den Mut eines liebenden Weibes unterschätzt. Ich hatte bei der Liebe mit ihr die Vision von zerstoßenen gebrannten Kaffeebohnen.

Unterdessen wurde mir der Lusthunger der anderen Frauen zur Qual. Ich hatte bald nahezu alle Frauen, die über mich zu Gericht gesessen hatten, privat kennenlernen müssen.

Einige hatten ihre festen Stunden mit mir untereinander abgesprochen und kamen auf ausgefallene Formen meiner Ausbeutung. Ihre Einstellung zu mir hatte sich wie durch ein Wunder verbessert, aber das konnte den wachsenden Ekel darüber nicht aufwiegen, dass ich mich ihrer Lust ausgeliefert fühlen musste. Oft fragte ich mich, ob dies zumindest ein Vorgeschmack auf die Hölle sein sollte, die mir unser Pastor im Konfirmandenunterricht in Bodenwerder so anschaulich geschildert hatte, als wenn er sich dort gründlich umgesehen hätte.

Anfangs hatte ich mich in meinen Tagträumen in die Arme meiner Aygül, der liebreizenden Gülnaz, der aparten und ihr Lustverlangen überhaupt nicht mehr zurückhaltenden Vivienne und der vielen zarten und zärtlichen Frauen meines Harems zurückgesehnt. Nach einigen Wochen dachte ich aber nur noch an die wundervolle Gemeinschaft mit meinen Klosterbrüdern.

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Inhalt

Am Beginn unserer Bekanntschaft
Aufbruch
Das will ich vorausschicken
Lernstunden der Liebe
Frühlingsfische
Spätes, erfreuliches Wiedersehen
Waldfee? Teufelsweib? Hexe?
Mein anderer Franziskus
Die Eroberung einer Burgherrin
Meine Reise nach Russland

Riskante Rast im Schnee
Dreiundzwanzig liebeshungrige Frauen
Hochzeitsgast in einem russischen Dorf
Endlich in St. Petersburg
Der Zarin zu Füßen
Bei Hofe knistert überall Erotik
Russische und indische Liebeskünste
Allerhöchste Schokoladengelüste
Im Hintergrund des Machtzentrums
Kaiserliche Gewinnspiele

Vertrauter und künstlerischer Berater
Wir brauchen eine Bühne und Verkleidungen
Auch ein Starker braucht Bestärkung
Un(frei)williger Kriegsheld
Tatarenleidenschaft
Beim Sultan in Konstantinopel
Ein türkisches Muss: Ein Harem für mich
Ich lebe gern mit vielen Frauen
Jeder Alltag war ein Festtag
Die Flöte des Pan

Gewöhnungsbedürftiges
Für manches weiß ich eine Lösung
Kulturaustausch mit dem Reich der Pharaonen
Im Palast des Paschas
Ägyptische Freuden und Plagen
In goldenen Käfigen
Delfine zogen mich nach Griechenland
Stille Zeit und alte Bräuche
Begegnung mit überirdischer Schönheit
In die Welt hinausgeschleudert

In weiblicher Gefangenschaft
Strafverschärfung: Lieblingsgefangener
Schöpferisches Handeln hält hellwach
Undankbare Flucht
Mediterranes Zwischenspiel
Ich erforschte den falschen Vulkan
Verblendeter und sofort bestrafter Eifer
Verlust der Erdenschwere
Auf einem andern Stern
Die Muse des Gesanges

Befreiung durch Naturgesetze
Archäologen wurden Zeugen
Eingewöhnung in irdisches Leben
Jagdverhinderung in Bayern
Im schottischen Hochmoor
Frühstück für Nessie
Eisbären sind musikalisch und tanzfreudig
Unerwartete Freuden in Polarnächten
Tigerjagd in Bengalen
Literatur als Überlebenshilfe

Nächtlicher Kampf mit Berglöwen
Liebe macht manchmal erfinderisch
Dichtertreffen
Der König mit dem Knall
Delikate Mission: Königlicher Vorkoster
…und her wider unz an Ungerland
Heilige in der Kirche, Dame im Salon und im Bett eine…
Dagmars unwiderstehliche Strategie
Mit Wanda und Ewa im Schnee
Ein erotisches Krisen-Komitee

Königlich-Niederländisches Liebesnest
Tarantella tanzen in Tarent
Irgendwo in der Südsee
Lernbereite Kannibalenkinder
Seminare unter Palmen
Manchmal hilft uns auch ein Schurke
Das Geschenk des Zauberers
An Bord eines Seeteufels
Von Bremen aus heimwärts
Hexenwerke im Harz?

Auch hierzulande gibt es Reise- Erschwernisse
Im heiligen Köln
Säulenheilige am Dom
Liebesarien
Ein Abend mit lauter Fragen
Was soll ich in Amerika?
Wiedersehen mit Mahajusha
Im Wein wird doch Wahrheit sein?
Mahajusha schenkt mir Flügel
Tiefschläge aus heiterem Himmel

Nachwort
Lesungen u. Bestellungen für Buch
und CD-Fassung

Sach-, Personen und Ortsregister
Rollentauschmöglichkeiten

Ich selbst
Impressum und Kontakt




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