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Strafverschärfung:
Lieblingsgefangener
Wie der Tag endete, weiß ich nicht mehr. Ich erwachte wie in
einem Traum auf einer blühenden Wiese neben einem einfachen
Landhaus. Ich blinzelte in die bereits hoch stehende Sonne. Eine dicke
Frau mit aufgelöstem Haar beugte sich lächelnd über
mich, küsste mich auf den Mund und tätschelte mir die Wange.
Erst als sie zum Haus ging, erkannte ich sie. "Dickärschchen",
murmelte ich enttäuscht.
Das war mein erster und gar nicht abfällig gemeinter Name für
sie, als ich versucht hatte, die vier Frauen zu unterscheiden;
eigentlich hätte ich die Vorsilben „Riesen“ vor die derbe
Bezeichnung setzen müssen, aber so war sie mir erträglicher.
Sie trug ein buntes Wollkleid, das sie nicht anziehender machte.
Lächelnd kam sie wieder aus dem Haus und brachte mir Ziegenmilch
und Brot, gekochte Eier und kaltes Bratenfleisch. Sie bemerkte, dass
ich mich vor Schmerzen kaum rühren konnte und wollte mich
füttern, aber ich bestand darauf, mich erst einmal hinter einen
Baum zu stellen und mich zu erleichtern. Sie schien nicht zu
fürchten, dass ich fliehen könnte. Ich sah mich vorsichtig
um, während ich dem guten Frühstück zusprach. Ich habe
alles aufgegessen, was sie mir mitgebracht hatte.
Nach dem Frühstück konnte ich leicht erraten, wie sie als
nächstes die Verständigungsschwierigkeiten mit mir
überbrücken wollte. Sie ließ mich nicht lange im
Ungewissen und streichelte eine zufällig gewölbte Stelle auf
meiner Hose…
Nun, ich kann nicht behaupten, dass es mir überhaupt nicht
gefallen hat: Es war alles unerwartet anders, auch mit mir war etwas
anders, für das ich noch keine Erklärung fand. Ich hoffte
jedenfalls, dass dies ein kurzes Intermezzo bleiben und in mir nicht
alle Vorstellungen von Anmut und Liebreiz zerstören würde.
Schon bei dem Beisammensein nach diesem Frühstück wurde es
mein Ziel, diese Frau auf meine Seite zu ziehen.
Ich gestehe, dass ich ihr gegenüber zum ersten Mal in meinem Leben
eine Zuneigung vorgetäuscht habe. Nach unseren ersten
Liebesstunden begann ich ihr den immer mehr in sie Verliebten
vorzuspielen. Während ich tagsüber unzählige Zeichnungen
abliefern und in den Pausen den anderen drei Frauen und einigen
weiteren mannstollen Weibern zu Willen sein musste, gehörte ich
ihr in den Nächten allein. Und ich gönnte ihr wenig Schlaf.
Ich habe ihr einen Namen gegeben: Rocca; das war nötig zur
Verständigung in unserem engen Lebensbereich, mich nannte ich Ron,
das konnte sie leicht aussprechen. Es war für mich etwas
bedrückend mit anzusehen, wie ihr vorher recht nichts sagendes
Gesicht aufblühte; sie strahlte Glück aus und sie sang bei
der Hausarbeit und im Garten. Rocca war aber auch eine verblüffend
gute Schauspielerin. Vor den anderen spielte sie die unnachsichtige
Wächterin und war nicht zimperlich mit dem Stock.
Ich hatte begonnen, ihr auf Zeichnungen ein vorstellbares Paradies zu
malen. In kleinen Schritten ging ich weiter: Ich zeichnete ein
Schiffchen, "unser Schiffchen", das sich auf das ferne Paradies zu
bewegte und schließlich uns beide in einer Hütte in einem
bunten Garten und inmitten einer spielenden Kinderschar. Rocca
begeisterte sich zusehends für diesen Traum. Ich hatte nicht die
kleinste Vorstellung davon, wie ich mit ihr fliehen könnte. Aber
ich hatte die Fantasie und den Mut eines liebenden Weibes
unterschätzt. Ich hatte bei der Liebe mit ihr die Vision von
zerstoßenen gebrannten Kaffeebohnen.
Unterdessen wurde mir der Lusthunger der anderen Frauen zur Qual. Ich
hatte bald nahezu alle Frauen, die über mich zu Gericht gesessen
hatten, privat kennenlernen müssen.
Einige hatten ihre festen Stunden mit mir untereinander abgesprochen
und kamen auf ausgefallene Formen meiner Ausbeutung. Ihre Einstellung
zu mir hatte sich wie durch ein Wunder verbessert, aber das konnte den
wachsenden Ekel darüber nicht aufwiegen, dass ich mich ihrer Lust
ausgeliefert fühlen musste. Oft fragte ich mich, ob dies zumindest
ein Vorgeschmack auf die Hölle sein sollte, die mir unser Pastor
im Konfirmandenunterricht in Bodenwerder so anschaulich geschildert
hatte, als wenn er sich dort gründlich umgesehen hätte.
Anfangs hatte ich mich in meinen Tagträumen in die Arme meiner
Aygül, der liebreizenden Gülnaz, der aparten und ihr
Lustverlangen überhaupt nicht mehr zurückhaltenden Vivienne
und der vielen zarten und zärtlichen Frauen meines Harems
zurückgesehnt. Nach einigen Wochen dachte ich aber nur noch an die
wundervolle Gemeinschaft mit meinen Klosterbrüdern.
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