|
Kulturaustausch mit dem
Reich der Pharaonen
Nach mehreren, teilweise recht abenteuerreichen Dienstreisen in die
entlegeneren Provinzen seines Reiches erteilte mir der Sultan einen
diplomatischen Auftrag, den ich als eine besondere Ehre empfand: In
seiner damaligen ägyptischen Provinz hatte er vor Jahren einen
Jugendfreund als Pascha eingesetzt. Diesem Freund hatte der Sultan von
"unerhört aufregenden Tänzen" berichtet, zu denen ich meine
Haremsfrauen angeregt hatte und die inzwischen den Sultan und alle
Männer an seinem Hof begeisterten.
Nun hatte der ägyptische Herrscher den Freund gebeten, mich und
meine Haremsdamen nach Kairo zu schicken, um seine Frauen in den neuen
Tänzen zu unterweisen. Dem Sultan lag an der Festigung seiner
guten Beziehung, zumal der Pascha sich in politischen Schwierigkeiten
befand, weil seine Mamelucken-Beis, eine Art Gebietsfürsten, ihm
die Oberherrschaft streitig machten.
Die hohen und höheren Würdenträger des Sultans
beratschlagten tagelang mit mir, welche Gefälligkeiten wir dem
hohen Herrn und seiner wichtigsten Umgebung bei dieser Gelegenheit noch
erweisen könnten. Selbstverständlich sollten wir im Namen des
Sultans auch viele erlesene Gastgeschenke übergeben.
Ich erhielt eine Ergänzung meines Reise-Harems um mehrere Frauen
mit ganz besonderen Begabungen: Rusha aus dem Harem des Sultans
verstand sich auf die Kunst des Traum und Zeichendeutens; Nadil und
Tulka aus dem Harem des Großwesirs konnten Vergangenes erkennen
und Zukünftiges vorhersagen, Zanuba aus dem Harem eines anderen
hohen Würdenträgers kannte sich trefflich mit allen Heil,
Gift und Zaubertränken aus und Samira aus dem 4. Ersatzharem des
Sultans hatte die Gabe, mit ihrem unvergleichlichen Lächeln auch
die verrohtesten Männer ihr völlig ergeben zu machen. Auch
die dunkelhäutige Alisha vermochte andere Menschen mit ihrem Blick
und mit geheimen Befehlen zu beherrschen und sie zu den unglaublichsten
Handlungen zu bewegen.
Der Sultan ließ uns ein großartiges Schiff herrichten. Bei
dieser Reise musste ich meinen Grundsatz fallen lassen, mich nur mit
Frauen zu umgeben: Ich nahm einige Dichter und eine Schar von
Musikanten und neben meinen Leibgardistinnen eine besonders
ausgebildete Wachtruppe mit auf die Reise. Auf Wunsch des
Großwesirs brachte ich noch an die sechzig geübte Spione
unter, die irgendwelche Besonderheiten in Kairo erkunden sollten.
Wir segelten in bester Stimmung los und freuten uns darauf,
Staatsgäste in Ägypten zu werden. Für die meisten von
uns eröffnete diese Reise zugleich eine etwas größere
Freiheit, denn das Leben am Hof des Sultans konnte man durchaus auch
mit einem goldenen Gefängnis vergleichen und golden war es auch
nur für wenige Auserwählte, zu denen ich mich zählen
durfte.
Trotz meiner drohenden Warnung an alle Männer, die meine Frauen
bedrängen würden, sie über Bord zu werfen und heim
schwimmen zu lassen, gab es an die zehn Versuche der lüsternen
Kerle; fast alle übrigens aus unserer Künstler-Clique. Ich
musste wie angekündigt durchgreifen, aber das hatte leider keine
abschreckende Wirkung, allerdings war auch mindestens eine meiner
Frauen mitschuld – vielleicht nicht nur aus Leichtsinn.
Unterwegs überfielen uns zweimal Seeräuber, aber wir konnten
ihre Angriffe mit geringen Verlusten auf unserer Seite abwehren.
|
|