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Delikate Mission:
Königlicher Vorkoster
In meiner Zeit am Hof von Frankreich hatte ein Minister seine Macht
auch dadurch enorm ausgeweitet, dass er die Hof-Etikette
reglementierte. Kleidung, Sprechweise und fast alle Bewegungen waren
genau vorgeschrieben und ein Dutzend dazu ernannter Instrukteure war
voll damit beschäftigt, allen am Hof Lebenden die neuen Regeln
einzubläuen, zwangsläufig zuletzt auch der Königlichen
Familie. Dieses Getue war mir herzlich zuwider und ich erwog meinen
baldigen Abschied von dieser gekünstelten Lebensart.
Ich war aber durch einen glücklichen Zufall mit einem
sympathischen Hofkaplan bekannt geworden, der Freude daran fand, mich
zu fördern. Nachdem ich einige kleinere Aufgaben zu seiner und
anderer Persönlichkeiten Zufriedenheit erledigt hatte, besorgte er
mir eine herausragende geheime Sonderaufgabe in direktem Auftrag des
Königs.
Es ging um nichts Geringeres, als für den Thronfolger passende
heiratsfähige Prinzessinnen genauer kennen zu lernen, sie
umfassend zu beschreiben und der Königlichen Familie die Auswahl
zu erleichtern. Nach den ersten Erfolgen weitete sich dieser Auftrag
noch etwas aus.
Mein väterlicher Freund gewann mich einfühlsam und in
behutsamen Schritten für diese unvergleichliche Aufgabe, die mir
von Anfang an wenn nicht Angst, so doch großen Respekt
einflößte und meinen Magen und meine Nerven belastete. Ich
kann mich heute nur noch ungenau daran erinnern, in welcher Verfassung
ich meine ersten geheimen Staatsbesuche durchgestanden habe. Ich will
euch nicht mit den Schwierigkeiten aus jenen Tagen beschweren, nur mit
den unterhaltsameren Ereignissen, die mir auch besser in Erinnerung
blieben.
Mein Auftrag wurde mir bei zwei getrennten Privataudienzen durch die
Königin und den König, mehr aber in unzähligen Sitzungen
durch gravitätisch einher schreitende Hofschranzen vermittelt, die
von ihrer Unentbehrlichkeit und ihrer Bedeutung allzu überzeugt
waren und oft ihre Inkompetenz hinter Formen herablassender
Demütigungen verbargen.
Leider konnte ich kein Gespräch mit dem Kronprinzen führen,
für den alle Bemühungen schließlich gedacht waren. Wie
sollte ich abschätzen, wie zuverlässig meine
Gesprächspartner die Wünsche und Aufträge dieser
Hauptperson wiedergaben? Ich war in solchen Dingen so unerfahren wie
meine Gesprächspartner und ließ mich deshalb völlig
ungeschützt auf gefährliche Abenteuer ein.
Zu meinem Glück hatte ich damals am Hof eine aufregend
anzusehende, vielseitige und lebenskluge Geliebte, Eve-Marie,
Gräfin von Solanne. Sie war mir vielleicht um ein paar
Frühlinge voraus, aber mich hat das Lebensalter von Frauen nie
interessiert. Wir hatten eine ungewöhnlich belastbare Beziehung
und ich konnte alle Einzelheiten meiner geheimen und doch delikaten
Mission mit ihr erörtern; schließlich erreichte ich sogar,
dass sie unter annähernd dreißig weiteren Frauen und
Männern in die Gruppe meiner Begleiter aufgenommen wurde. Die
meisten der mir zugedachten Helferinnen und Helfer wurden mir damals
aufgedrängt, nur wenige konnte ich auf Anraten von Eve-Marie
benennen, etwa einen für seine hinreißenden Darstellungen
von Frauenkörpern berühmten Malkünstler, einen als
Hilfsarzt getarnten erfahrenen Frauenkenner und einen Sekretär.
Ein Koch und zwei Leibwächter wurden mir beim ersten Mal noch
versagt, dafür musste ich mehrere Männer akzeptieren, die
geheimnisvolle Aufträge außerhalb meiner besonderen Mission
zu haben schienen. Die Leute von den Geheimdiensten setzen sich eben
überall durch.
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