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Kaiserliche Gewinnspiele
Meine großzügige Zarin hatte mir einen prachtvollen Palast
überlassen, mit wertvollen Möbeln, Bildern und sogar mit
Bediensteten für alle Alltagsverrichtungen, mit einem Fuhrpark und
einigen Pferden. Ich war sehr gerührt, aber leider hatte meine
Gönnerin nicht bedacht, dass sich auch in sehr ansehnlichen
Behausungen nur angenehm leben lässt, wenn die Geldschatulle
gefüllt ist.
Ich musste mir ein verlässlicheres Einkommen sichern als meine
seltenen Gewinne im abendlichen Glücksspiel. Der russische
Spieltrieb inspirierte mich zu einem Ratespiel, das sich bald
ungeahnter Beliebtheit nicht nur unter den oft gelangweilten Hofleuten
erfreute und das der verbreiteten Klatschsucht entgegen kam: Ich
ließ sie jede Woche sechs leicht wirkende Fragen beantworten.
Einige Fragen waren beispielsweise, wie oft die Gräfin Stroganowa
verheiratet war, wie viele blaue Juwelen die Krone der Zarin
enthält, welche Brücken es im Stadtgebiet gibt, wie viele
männliche Tänzer das Bolschoi-Ballett hat, woher General W.
vor zwei Jahren kam und wie die deutsche Geburtsstadt der Zarin
heißt. Für einen halben Rubel konnte jeder einen Rateschein
kaufen und der Anreiz war für die alles richtig Ratenden wahlweise
der fünfzigfache Kaufpreis oder meine Befürwortung einer
Audienzteilnahme bei der Zarin. Für fünf richtige Antworten
gab es auch ideelle Belohnungen wie eine Fahrt in einem Schlitten oder
in einer Kutsche der Zarin mit Beteiligung einer interessanten Figur in
der Hofgesellschaft.
Weil Katharina sich einige Male an diesem Spiel beteiligt hatte, nannte
ich das Ratespiel respektvoll „Kaiserliches Gewinnspiel“ und
erhöhte den Teilnahmepreis. Nach der Verbreitung des Spiels im
Reich flossen die Erlöse für mich so reichlich, dass ich
einige wohltätige Einrichtungen gründen und unterstützen
konnte, so in mehreren Städten Entbindungshäuser mit
medizinischem Personal, Heirats- vermittlungen für Soldaten und
Essenküchen für Arme. Selbstverständlich trugen alle
diese Einrichtungen den Namen der Zarin.
Übrigens habe ich, anfangs, um einige Gestalten mal für
einige Zeit in St. Petersburg loszuwerden, Reise-Agenturen
eingerichtet, die reich gewordenen Russen Reisen ins Ausland
schmackhaft machten und gegen einen guten Preis als
„Alles-Komplett-Angebot“ verkauften.
Als ich dabei war, in mehreren Städten selbständige
Annahmestellen für die Lotterie einzurichten und als es bereits
als unpatriotisch galt, weniger als zwanzig Spielscheine zu kaufen, kam
mir der nächste Krieg dazwischen.
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