Münchhausen
Geliebt hab ich sie  fast  alle
© Willem de Haan
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Jeder Alltag war ein Festtag

Ihr wollt hören, wie das Leben in einem Harem aussieht? Wer selbst so lange in und mit einem Harem gelebt hat, denkt selten daran, dass andere ja kaum etwas darüber wissen. Stellt euch den Harem nicht nur als Lustort vor. Das mag er für Herrscher sein, die rücksichtslos nur ihren Vorteil suchen. Einer wie ich nimmt die Verantwortung für die Frauen ernst und ist nun einmal auch darauf aus, das ungewohnte Gebilde auch vorzeigbar einzurichten.

Ich wäre nie darauf gekommen, dass ich einen eigenen Harem brauchte, aber wenn´s denn mit Rücksicht auf die Landessitten sein muss, kann ich vielleicht etwas Gutes daraus machen und manche Frau sogar vor einem schlimmen Schicksal bewahren. Mir war Freiwilligkeit wichtig, keine Festlegung auf eine unbegrenzte Zeit und die Freiheit, den Harem nach einer geringen Mindestzeit wieder zu verlassen. Zwei zauberhafte Frauen durften sogar vorzeitig heiraten und später ihre eigenen Säuglinge mitbringen.

Weil ich in der Umgebung des Sultans keinen Menschen fand, dem ich auch angesichts meiner vielen verführerischen Frauen einen Teil meiner Fürsorge übertragen mochte, bat ich meine heimatliche Kirchenbehörde in Hannover, mir einen tüchtigen Regionalbischof zu schicken, von mir aus einen pensionierten. Offenbar überzeugte es die Kirchenmänner, dass ich dank meiner Sonderstellung mit der gewährten Erlaubnis des Sultans zugleich die geistliche Betreuung der in Konstantinopel lebenden Christen und die Errichtung einer Kirchengemeinde anbieten konnte.

Die Kirchenoberen machten mir eine riesige Freude: Sie schickten einen prächtigen Mann, der unglaublich vielseitig und gebildet war und trotzdem einen starken Sinn fürs Praktische hatte. Für ihn war es eine willkommene Abwechslung; er kam bei uns leichter über den Tod seiner Frau hinweg und das Klima am Bosporus tat seinem Rheuma gut. Mein Völkchen liebte ihn bald und alle nannten ihn "Papa Berg". Er war die einzige Ausnahme als Mann in meinem Harem.

Neben vielen die Frauen fördernden Neuerungen führte er eine Art Schule für Erwachsene ein. Statt wie in den anderen Harems nur herumzusitzen und auf die Launen und Gelüste ihres Herrn einzugehen, lernten sie mit Begeisterung kochen, backen, Früchte trocknen, Kinder erziehen, musizieren, chorsingen und später auf ihren ausdrücklichen Wunsch hin auch lesen und schreiben.

Herr Berg konnte Lehrerinnen für Sprachen und für Künstlerisches engagieren, so eine Schweizerin, die den Frauen Gymnastik, Rudern und Schwimmen und Ballspiele beibrachte. Nach einiger Zeit kam Schauspiel-Unterricht durch eine französische Künstlerin dazu. In einer Manufaktur fertigten wir unter der Anleitung durch Künstlerinnen mehrere Kunstgegenstände.

Ausländische Zeitungen berichteten wiederholt über unsere kleinen, aber weithin als unerhört geltende Neuerungen. Papa Berg, Mahajusha und ich hatten sie fast alle über gebrochenem Fladenbrot mit ölbeträufeltem Schafskäse, Knoblaucholiven und einigen dunkelrot schimmernden Gläschen von unserem gehaltvollen Getränk aus einem „Essigfass“ in jeweils kaum einer Stunde erdacht.

Ich hörte später, dass zwei Regierungen eigens für ähnliche Überlegungen hochrangige Denkgruppen eingerichtet hatten. Die Staatsdiener sollten prüfen, ob sich vergleichbare Bildungsangebote auch für andere Bevölkerungsgruppen als staatliche Aufgabe lohnen und gut darstellen lassen würden oder ob man solche Ideen kostengünstiger christlichen Liebeswerken überlassen sollte. Die vom Volk wenig erwartungsvoll „Sesselfurzer“ genannten Fachleute beraten jetzt schon jahrelang; sie haben wegen ihrer Wichtigkeit bereits einige Ministerstürze und Regierungswechsel überlebt.

Sehr unterhaltsam fand ich die geheimen Stimmungsberichte der Kundschafter in den immer überfüllten Teestuben der Stadt, die dem Sultan an jedem Nachmittag vorgetragen und für mich eigens in einem Extrakt übersetzt wurden. Für den Sultan war die hierin erkennbare Volksmeinung interessant, aber mich fesselten die anderen Geschichten mehr: Im Land der seit Jahrhunderten hochbegabten Geschichtenerzähler kamen herrliche Erzählungen zusammen, die ich zum Teil für das deutsche Lesepublikum herausgegeben habe. Nach diesen Geschichten halte ich nebenbei vieles von uns längst für wahr Gehaltene für eine gut geschilderte Fantasie, aber ich würde nicht „nur“ sagen.

Zum Beispiel würde es mich nicht wundern, wenn „Messer Millione“, der Seefahrer Marco Polo, seine großes Aufsehen erregenden Reiseberichte zum ersten Mal in den hiesigen Teestuben erzählt hätte. Dass er hier war, steht fest, und als er wieder zuhause statt süßem Tee gehaltvollen Wein trinken durfte, konnte er alles noch viel farbiger schildern; das kann ich ihm aus mehreren Gründen nachempfinden.

Anfangs lebte ich mitten im Harem und hatte meine Behausung zum Harem gemacht. Das gilt als Fehler vieler Anfänger, denn nach alter osmanischer Gepflogenheit soll ein Harem für sich abgeschlossen sein. Der Gebieter verweilt einige Stunden oder über Nacht und verlässt dann sein Eigentum wieder. Bei mir hat sich einiges anders entwickelt, manchmal ergab es sich einfach so.

Ich schildere euch einmal einen beliebigen Tag, nun gut, euch zuliebe einen besonderen Tag, denn normalerweise schlafe ich nachts am liebsten allein. Überrascht euch das? Es ist aber wirklich so: Ich schlafe gern mit einer Frau in meinen Armen ein und wache ungern einsam auf, aber dazwischen will ich allein sein; nicht immer natürlich. Manchmal will ich auch neben bestimmten Frauen aufwachen – das ist nicht vorhersagbar: ich habe halt Gefühle und Eingebungen.
 
Mein Schlaf endet meist gegen fünf Uhr. Heute früh erwarten zwei äußerlich gegensätzliche Frauen mein Erwachen. Ich spüre schon seit einiger Zeit die warme, zärtliche Nähe einer nach überreifen Pfirsichen duftenden Frau hinter mir und freue mich an ihrer Haut und an der sachten Liebkosung. Meine Frauen wissen, dass Kuscheln für mich fast noch wichtiger ist als das meist darauf Folgende.

Ohne mich umzudrehen, versuche ich zu erraten und zu ertasten, wer es ist. Meine rechte Hand ist überfordert, ich bin nicht ganz sicher, welche meiner besonders gefällig gerundeten Frauen sich hier lockend an mich schmiegt, bis mir ihre auserlesenen Zärtlichkeiten die Gewissheit geben, dass es Amaryllis wonnige Brüste mit erregend aufgestülpten „Krönchen“ sind. Die schlanke blonde Aygül, auf Deutsch hieße sie Mondrose, die sich vor mir in meinen Arm hineingeschmiegt hat, küsst mich zart vollends wach, massiert meinen Nacken und streift von meiner Nachtkleidung ab, was ihrem zärtlichen Mund im Wege ist.

Ich schwanke zwischen den beiden verführerischen Frauen. Es reizt mich, Mondrose auf mich zu ziehen, aber auch, in die wollüstigen Schenkel der liebeerfahrenen Amaryllis zu tauchen. So kommt es wohl: Die gewichtigere Frau nimmt mich beglückt und mit einem über mich gehobenem Bein lustvoll tief in ihrem Schoß auf, während die ranke Aygül sich geduldig und spürbar erwartungsvoll auf begleitende Zärtlichkeiten beschränkt, bis ich es an der Zeit finde, mich auch ihr zuzuwenden und sie zu einem wirklich sehr erfrischendem Morgenritt rücklings auf mir einzuladen, wobei Amaryllis uns dann wohltuende, auf Erfahrung beruhende Hilfen leistet. Die Frauen lieben es, später, wenn alle Leidenschaft „zerflossen“ ist, noch genießerisch in inniger Berührung mit mir eine Weile fast regungslos liegen zu bleiben; ich liebe das sehr, sie, das wird spürbar, auch.

Die Sonne wärmt uns schon, als es mich nach dem ersten Morgentee in den Garten zieht. Mit Nonna und Sumayana, die sich trefflich aufs Gärtnern verstehen, arbeite ich dann eine Welle in den Blumenbeeten. Danach reite ich mit der Prinzessin und mit den für diesen Tag ausgewählten Frauen, den Frühstücksköchinnen und den afrikanischen Leibwächterinnen zu meiner Lieblingsbucht. Gestern Nacht haben wir hier mit allen Frauen wieder ein übermütiges „Mutabenteuer“ im Dunkeln gespielt.

In dem niedrigen Wasser spielen wir heute ein Reiterballspiel, das allen und sichtlich auch den Pferden Vergnügen macht. Wenn wir erschöpft sind, lassen wir die Pferde in einem angrenzendem Olivenhain grasen und schwimmen nackt hinüber auf eine kleine bewaldete Insel. Dort habe ich eine Schilfhütte errichten lassen, in der ich anschließend ausruhe und mit den Frauen betont lustvoll frühstücke.

Die Küchenfrauen haben unser üppiges Frühstück mit einem Boot auf die Insel gebracht und die Tafel und die Schalen geschmückt. Wenn die Palmen und Zitronenbäume uns nicht genügend Schatten spenden, wird ein großes Segeltuch aufgespannt.

Meistens gelüstet es mich um diese Zeit nach zärtlichen Spielen. Ich will erst gegen halb elf Uhr wieder in meinem kleinen Palast sein. Dann empfangen mich Kumaya und die von ihr angelernten Frauen, waschen und rasieren mich und massieren mich auf duftenden Tüchern; vor der offenen Tür spielen und singen Musikantinnen. Meine vier Frauen singen oder summen leise mit, manchmal auch ich.

Ich hatte meinen Frauen eine indische Methode zur Pflege der Manneskraft weitergegeben, die bei mir aus mir damals noch verborgenen Gründen nicht geboten war, aber die vielfältig erquickende Behandlung verbreitete sich dann stark im Osmanischen Reich und später auch in Frankreich. Der beträchtliche Erlös verstärkte den Gemeinschaftstopf, über den die Frauen selbst verfügen konnten.
 
Zu den vormittäglichen Champagner-Häppchen liest mir Gülnaz, die "sich zierende Rose", mit ihrer wundervollen Stimme Gedichte und Geschichten vor, die ich vorher ausgewählt hatte. Danach notiere ich für mich und für die Prinzessin einige Tagesaufgaben.

Wenn der Sultan, wie heute, noch nicht nach mir verlangt hat, besuche ich danach schon wegen seiner anregenden hundertfachen Gerüche manchmal den Bazar. Das bunte Leben dort zerstreut mich und regt mich zugleich angenehm an. Meine Frauen werden sich gleich nach der Hausarbeit zur Musik und Gesangstunde und danach zum Lese-und Schreibkurs mit Papa Berg treffen.

An manchen Tagen hole ich um diese Zeit einige Kinder des Sultans zu unseren auch bei den Zuschauern sehr beliebten Wasserspielen mit den Delfinen ab. Bei der Fahrt zur Bucht begleiten uns an die fünfzig Wächter; der Sultan will das so.

Eine große Menschenmenge beobachtet wie jeden Tag vom Ufer aus unsere fröhlichen Fahrten mit dem von den übermütigen Delfinen gezogenen Rennfloß. Nach etwa zwei Stunden breche ich das Spiel meist ab, weil es uns auf dem Wasser zu heiß wird. Ich geleite die Kinder heim und muss ihnen versprechen, sie am nächsten Tag früher abzuholen.

Beim leichten Mahl mit Papa Berg besprechen wir einige Haushaltsfragen und er erzählt mir wieder eine Episode aus seinem Dienst im Calenbergischen Land und weckt mir so manche Erinnerungen an altvertraute Freunde und Nachbarn. Ich kann nicht sagen, ob mein gelegentliches Heimweh dadurch angeregt oder bereits verstärkt wurde.

Übrigens hatten wir über und nach einigen Damespielen auch ernste Gespräche mit Themen, die sich als Fragen in mir angestaut hatten und die uns beide nächtelang ziemlich herausforderten, etwa: Wer schuf Gott? Warum gab es die Botschaften des Schöpfers erst zu jenen angesichts der langen Menschheitsentwicklung einerseits sehr späten, andererseits (im Blick auf die jetzt erst wachsenden technischen Fortschritte) noch erstaunlich frühen Zeitpunkte? Hatte Gott im Himmel einen Sohn, aber gab es keine Muttergöttin? Warum hat Gott seine Gebote nicht eindeutig weitergegeben und warum hat Jesus seine Lehre nicht selbst diktiert?

Warum haben sich Gottvater und Gottessohn auf Menschen verlassen, die sich beim Übermitteln der lebenswichtigen Botschaften so oft geirrt, vieles selbst ergänzt und auch eigensinnig verfälscht haben? Warum fehlen im Vaterunser die wichtigsten Lehren Jesu? Und nebenbei: Nehmen die früher und in anderen Teilen der Erde von den Menschen angebeteten Gottheiten und Geister es wehrlos hin, dass viele ihnen gewidmete Symbole und Bräuche später einfach christlich umgewandelt wurden?

Mein Haustheologe war nie um gescheite und mir meist einleuchtende Antworten um solche Fallgruben des Glaubens verlegen, nur eine Frage hat er mir unbefriedigend beantwortet: Sehr viele Grausamkeiten wurden und werden im Namen Gottes verübt; wäre unsere Erde im Rückblick nicht vorzeigbarer, wenn die Menschen auf ihr sich keine Religionen erfunden hätten?

Für Sonntagfrüh hat Generalsuperintendent Berg in Konstantinopel alle Christen in der Stadt zum Gottesdienst eingeladen. Unser Chor wird mitwirken; wir fanden Wege, die überwiegend muslimischen Frauen nur für die Minuten des Gesangvortrags an diesem Gottesdienst teilnehmen zu lassen. Viele blieben ihrer eigenen Religion treu, das war auch ein Verdienst der frommen Prinzessin. Die Moslems sind trotz böser Erfahrungen überraschend duldsam mit unserer Religion. Ich werde dabei sein, auch um diese Stunde mitsamt den Vorbereitungen abzusichern.

Übrigens hat Herr Berg nicht nur seinen Kirchenoberen in Hannover regelmäßig über seine Arbeit berichtet, sondern auch farbige und exotisch wirkende Geschichten an einige Journale geschickt. Seine Geschichte „Weihnachten im Harem“ war ein umwerfender internationaler Lesererfolg, der später noch übertroffen wurde von seinem geradezu revolutionär anmutendem Bericht „Hochzeit im Harem“, der hundertfach nachgedruckt wurde – es war seine eigene Hochzeit; davon erzähle ich euch später. Meinen Mittagsschlaf im schattigen Gartenpavillon beginne ich heute aus einer Laune heraus, denn sonst schlummere ich auch mittags lieber allein, in den Armen eines ungewöhnlich verschmusten Schnurrkätzchens. Die entzückende junge Lockenhaarige ist neu in meinem Harem. Aus irgendeinem Grund hatte ich ihr die übliche wochenlange Eingewöhnung in den Harem als „Fächerfrau“ erspart.

Ihr müsst wissen, dass die Bessergestellten in den heißen Ländern sich von Dienerinnen und Dienern immerzu und in fast allen Alltagsumständen Kühlung zufächern lassen. Ohne diese Luftkühlung hätte ich die Hitze nicht ertragen, jedenfalls nicht in Bewegung.

Die dunkelblonde Portugiesin heißt Joanna. Sie hat zauberhafte Einfälle und verleitet mich unter bezauberndem Läuten ihrer Brüste zu diesem und jenem; wir albern herzlich miteinander und werden nach vier lustvollen Damespielen auf die natürlichste Weise der Welt müde. Joanna gehorcht verhalten kichernd und erstaunlich selbstsicher langsam meinem Ruhe-Befehl und lässt mich unter leisen Zärtlichkeiten in ihrem Schoß einschlafen. Ich finde, dass sie eine glückliche Neuerwerbung ist, die ich nicht lange auf unser nächstes Beisammensein warten lassen werde.

Ein aromatischer Teeduft weckt mich am frühen Nachmittag. Meine stehlenswert schöne marokkanische Leibdienerin Yuma kleidet mich orientalisch für einen Empfang beim Sultan oder für eine Plauderei mit dem Großwesir oder mit einem anderen hohen Würdenträger. Sie hat eine samtweiche und eine mich anziehende Haut und es kommt nicht selten vor, dass ich ihr farbenfrohes Gewand öffne, meine Augen schließe und meinen Mund und meine Nase suchen lasse…

Yuma duftet immer anders, vor ein paar Tagen wie der Geruch aus dem Kistchen, in dem meine Mutter ab Anfang Dezember das Weihnachtsgebäck aufbewahrte (wir haben oft davon heimlich genascht), heute nach Orangenblüten, und mein Bekleiden macht heute wie so oft erregende Umwege über einen kulturenverbindenden Diwan…

„Yuma, ich will dich heute Nacht bei mir haben und dann bleibst du ab morgen drei Tage lang ganz nah bei mir, machst du das gern?“ „Wie kannst du das fragen, Haruni! Aber die anderen…“ „Na schön, der Wochenplan muss dann verschoben werden, aber vielleicht hat das sogar Vorteile… Außerdem bekommen es die anderen Frauen auch belohnt.“ „Ich freue mich gewaltig, Haruni. Schmecke meinen Stolz und meine Freude…“

Bevor ich aus dem Haus gehe, überreden mich meine Frauen noch zu einer wenigstens kurzen Fortsetzung unseres Dauerwettbewerbs. Ich habe vor langer Zeit begonnen, Details ihrer sehr vorzeigbaren Körper „auszuzeichnen“: das prächtigste Haar, die schönste Nase, die bezwingendsten Augen, die sinnlichsten Lippen, den anmutigsten Fuß, den verführerischsten Bauch, das meistversprechende Wäldchen, den erotischsten Hintern oder die lieblichste Brustknospe herauszufinden. Glaubt mir, es erfordert viel Fantasie, dieses Spiel über hundert und mehr Variationen durchzuhalten.

Als wir von allen wohl alles Hervorhebenswerte ausgewählt und auch mit Urkunden und goldenen Geschenken bedacht hatten, gingen wir zu Eigenschaften über, zu Begabungen... Das wurde ein unendliches Spiel, bei dem die Frauen mit ungeahnter Fantasie vieles wirkungsvoll darstellen konnten und bei dem wir übrigens auch immer wieder von vorn beginnen konnten, wenn neue Frauen in den Harem kamen.

In Konstantinopel wurden immerzu Geschenke ausgetauscht, die oft auch Gefälligkeiten erwirken sollten. Ich konnte viele Männer am Hof mit nichts Begehrterem auszeichnen als mit einer Einladung als Preisrichter zu diesen Wettbewerben. Weil ich, wie das auch allgemein üblich war, keinen anderen Mann in meinem Harem duldete, waren die immer im Dunkeln sitzenden Eingeladenen durch feste Glaswände von den Wettbewerberinnen getrennt. Das hohe Eintrittsgeld und die mitgebrachten Geschenke waren meinen Frauen sehr willkommen. Allerdings habe ich in den folgenden Nächten vorsorglich die Wachen verstärkt; das hat sich als nötig erwiesen.

Urteilen nicht immer meist unförmige und selbst kaum ansehnliche Männer am eifrigsten über weibliche Schönheit? Das hat mich oft geärgert, bis mir klar wurde, dass Frauen über andere Frauen noch schärfer, unbarmherziger und oft auch richtig gemein urteilen.

In meinen Frauen sah ich die überzeugendsten Botschafterinnen ihrer Länder; sie gestalteten gemeinsam mit uns allen jede Woche ein informatives, Kultur und Küche einschließendes „Länderprogramm“.

Die Hofleute haben mir einige Spiele beigebracht, und ich habe ihnen die meist beichtwürdigen Lieblingsbeschäftigungen der Männerrunden am Russischen Hof vorgespielt. Der Sultan schätzt Spielabende mit musikalischer Begleitung. Mir fällt das lange Sitzen dabei schwer und ich bin froh, wenn ich erfahre, dass der Herrscher abends anderes vorhat. Dann kann ich mit meinen Hunden durch die Uferwälder streifen oder Besuche machen.

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Inhalt

Am Beginn unserer Bekanntschaft
Aufbruch
Das will ich vorausschicken
Lernstunden der Liebe
Frühlingsfische
Spätes, erfreuliches Wiedersehen
Waldfee? Teufelsweib? Hexe?
Mein anderer Franziskus
Die Eroberung einer Burgherrin
Meine Reise nach Russland

Riskante Rast im Schnee
Dreiundzwanzig liebeshungrige Frauen
Hochzeitsgast in einem russischen Dorf
Endlich in St. Petersburg
Der Zarin zu Füßen
Bei Hofe knistert überall Erotik
Russische und indische Liebeskünste
Allerhöchste Schokoladengelüste
Im Hintergrund des Machtzentrums
Kaiserliche Gewinnspiele

Vertrauter und künstlerischer Berater
Wir brauchen eine Bühne und Verkleidungen
Auch ein Starker braucht Bestärkung
Un(frei)williger Kriegsheld
Tatarenleidenschaft
Beim Sultan in Konstantinopel
Ein türkisches Muss: Ein Harem für mich
Ich lebe gern mit vielen Frauen
Jeder Alltag war ein Festtag
Die Flöte des Pan

Gewöhnungsbedürftiges
Für manches weiß ich eine Lösung
Kulturaustausch mit dem Reich der Pharaonen
Im Palast des Paschas
Ägyptische Freuden und Plagen
In goldenen Käfigen
Delfine zogen mich nach Griechenland
Stille Zeit und alte Bräuche
Begegnung mit überirdischer Schönheit
In die Welt hinausgeschleudert

In weiblicher Gefangenschaft
Strafverschärfung: Lieblingsgefangener
Schöpferisches Handeln hält hellwach
Undankbare Flucht
Mediterranes Zwischenspiel
Ich erforschte den falschen Vulkan
Verblendeter und sofort bestrafter Eifer
Verlust der Erdenschwere
Auf einem andern Stern
Die Muse des Gesanges

Befreiung durch Naturgesetze
Archäologen wurden Zeugen
Eingewöhnung in irdisches Leben
Jagdverhinderung in Bayern
Im schottischen Hochmoor
Frühstück für Nessie
Eisbären sind musikalisch und tanzfreudig
Unerwartete Freuden in Polarnächten
Tigerjagd in Bengalen
Literatur als Überlebenshilfe

Nächtlicher Kampf mit Berglöwen
Liebe macht manchmal erfinderisch
Dichtertreffen
Der König mit dem Knall
Delikate Mission: Königlicher Vorkoster
…und her wider unz an Ungerland
Heilige in der Kirche, Dame im Salon und im Bett eine…
Dagmars unwiderstehliche Strategie
Mit Wanda und Ewa im Schnee
Ein erotisches Krisen-Komitee

Königlich-Niederländisches Liebesnest
Tarantella tanzen in Tarent
Irgendwo in der Südsee
Lernbereite Kannibalenkinder
Seminare unter Palmen
Manchmal hilft uns auch ein Schurke
Das Geschenk des Zauberers
An Bord eines Seeteufels
Von Bremen aus heimwärts
Hexenwerke im Harz?

Auch hierzulande gibt es Reise- Erschwernisse
Im heiligen Köln
Säulenheilige am Dom
Liebesarien
Ein Abend mit lauter Fragen
Was soll ich in Amerika?
Wiedersehen mit Mahajusha
Im Wein wird doch Wahrheit sein?
Mahajusha schenkt mir Flügel
Tiefschläge aus heiterem Himmel

Nachwort
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