Münchhausen
Geliebt hab ich sie  fast  alle
© Willem de Haan
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Jagdverhinderung in Bayern

Der Graf war ein leidenschaftlicher Jäger. Im Adelsvolk kenne ich manche sorgenfrei lebende Tagediebe oder verhinderte Helden, die sich daran ergötzen, wehrlose Tiere totzuschießen. Sie nennen diese Untaten dann schamlos „edles Waidwerk“.

Auch ich hatte in meinen jungen Jahren Freude an allerlei Waffen und es reizvoll gefunden, mich bei jeder Gelegenheit im Schießen zu üben. Die Jagd war für junge Leute von Stand die günstigste und zudem eine allgemein gebilligte Möglichkeit, auch in Friedenszeiten herumzuknallen. Damals habe ich über den Sinn und die Folgen des Jagens nicht weiter nachgedacht, aber jetzt bin ich, wie einige von euch schon missbilligend erfahren mussten, ein entschiedener Gegner jeglicher Jagd geworden.

Leider hatte ich meinen Gastgeber unbedacht durch die Erzählung einiger exotischer und wenig genossener Jagdmiterlebnisse in seiner Leidenschaft noch angestachelt und ihn ungewollt auf den Einfall gebracht, ein großes Jagdvergnügen ausgerechnet zu meinen Ehren zu veranstalten. Der Graf war nicht mehr umzustimmen. Er bestand darauf, dass wir beide seine große und von weither angereiste Jagdgesellschaft ergänzten.

Für Frauen ist eine Jagdeinladung immer noch eine ungewöhnliche Ehre; auch deshalb war Dorothee neugierig auf die vielen berühmten Jagdteilnehmer. Ich versuchte, mich durch einen vorgetäuschten Sturz auf der großen Freitreppe auszuschließen.

Graf Otto besah sich mitleidig mein von Dorothee effektvoll mit Stöcken geschientes und bandagiertes Bein und bemerkte: „Dann müssen wir Sie eben zur Jagd tragen, lieber Baron! Sie müssen unbedingt dabei sein, denn alle wissen schon von Ihren Großwildjagden in fernen Ländern.“

Er hatte meine unfreiwilligen Raubtiertötungen in Notwehr ganz anders gewertet. So blieb mir nur eine verwegene List. Ich überredete die auch kräuterkundige Dorothee, im Küchengarten heimlich bestimmte Blätter zu ernten. Und weil es alle in der Burg immerzu fror, fiel meine Bitte an meine vermeintliche Tochter, uns allen einen Schwedenpunsch zu bereiten, auf allgemeinen Beifall.

Mit entzückend anzusehendem und anzufühlendem Herzklopfen folgte Dorothee meinem Wunsch, das Rezept in einem durchschlagenden Punkt zu ergänzen. Könnt ihr euch denken, warum der Graf später schmerzlich feststellen musste, seine Jagd sei buchstäblich in die Hose gegangen? Um nicht aufzufallen, hatten wir beide auch etwas von dem Punsch getrunken und entsprechende Wirkungen nur noch wenig übertreibend zeigen müssen. Und natürlich habe ich den Damen und Herren beim fröhlichen Schmausen einige exotische Erlebnisse berichtet.

In der Jagdgesellschaft sprach man nach Tagen, als alle wieder lachen konnten, hämisch von unserem „Schwedentrunk“; wir schoben dagegen die Schuld für die verheerende Wirkung auf die fette Vorsuppe an jenem Mittag und auf das spätere sahnige Pflaumen-Dessert.

Während ich euch diese Erlebnisse wiedergebe, fällt mir auf, dass ich schon zweimal in meinem bisherigen Leben mit ähnlich friedlichen und natürlichen Methoden ein Totschießen verhindern konnte. Ihr werdet in dieser Sache nicht alle auf meiner Seite sein, aber ich wünsche mir, dass sich noch viele Menschen ermutigen lassen, ähnlich wirksame Mittel zu suchen, um Schießwütige von der Neigung abzubringen, Menschen und Tiere umzubringen.

Ich erinnere mich noch zu gern daran, wie entzückend Dorothee reagierte, wenn ich ihr ihre blauen Strümpfe auszog und danach unter bewundernden und emotional stark gefärbten Feststellungen und mit Küssen bewiesen alles andere. Ich erlebte sie als experimentierfreudige und einfallsreiche Geliebte, die mindestens zur Hälfte daran schuld war, dass wir beide wenig geschlafen haben und morgens oft spät zum Frühstück kamen. Man hielt uns für Langschläfer; dabei haben wir nur die Zeit genutzt und unsere Zweisamkeit genossen.

Wir mussten nach märchenhaft glücklich machenden drei Wochen schmerzenden Abschied von einander nehmen und in verschiedene Richtungen abreisen; Dorothee musste endlich zu ihrem längst ungeduldigen Vater. Ich habe ihn später übrigens sehr mit einer wissenschaftlichen Zusammenarbeit versöhnt, die ihm viel gebracht haben wird.

Ich bin sicher, dass seine Tochter durch das harmonische und glückliche Zusammensein mit mir auch wieder die fröhliche, freie und lebenslustige Frau ist, die sie Jahre zuvor war.

Dorothee heiratete einen Altertumsforscher in Ravenna und hat ihm sechs Kinder geschenkt. Fünf Töchter und Söhne haben klassische griechische und römische Vornamen: Olympia, Helena, Bias, Chiro und Alexander, aber ihrem Erstgeborenen hat sie, etwas verborgen, auch einen meiner Vornamen gegeben: Flavius Fridericus, der aber Frieder gerufen wird; so hat Dorothee mich genannt, wie meine Eltern und meine Geschwister. Es hat mich unwahrscheinlich gerührt – aber, bevor ich euch von den vier goldenen Samenkapseln erzählt habe, könnt ihr noch nicht ahnen, warum er so heißt. Und woher ich das alles weiß? Von ihr.

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Inhalt

Am Beginn unserer Bekanntschaft
Aufbruch
Das will ich vorausschicken
Lernstunden der Liebe
Frühlingsfische
Spätes, erfreuliches Wiedersehen
Waldfee? Teufelsweib? Hexe?
Mein anderer Franziskus
Die Eroberung einer Burgherrin
Meine Reise nach Russland

Riskante Rast im Schnee
Dreiundzwanzig liebeshungrige Frauen
Hochzeitsgast in einem russischen Dorf
Endlich in St. Petersburg
Der Zarin zu Füßen
Bei Hofe knistert überall Erotik
Russische und indische Liebeskünste
Allerhöchste Schokoladengelüste
Im Hintergrund des Machtzentrums
Kaiserliche Gewinnspiele

Vertrauter und künstlerischer Berater
Wir brauchen eine Bühne und Verkleidungen
Auch ein Starker braucht Bestärkung
Un(frei)williger Kriegsheld
Tatarenleidenschaft
Beim Sultan in Konstantinopel
Ein türkisches Muss: Ein Harem für mich
Ich lebe gern mit vielen Frauen
Jeder Alltag war ein Festtag
Die Flöte des Pan

Gewöhnungsbedürftiges
Für manches weiß ich eine Lösung
Kulturaustausch mit dem Reich der Pharaonen
Im Palast des Paschas
Ägyptische Freuden und Plagen
In goldenen Käfigen
Delfine zogen mich nach Griechenland
Stille Zeit und alte Bräuche
Begegnung mit überirdischer Schönheit
In die Welt hinausgeschleudert

In weiblicher Gefangenschaft
Strafverschärfung: Lieblingsgefangener
Schöpferisches Handeln hält hellwach
Undankbare Flucht
Mediterranes Zwischenspiel
Ich erforschte den falschen Vulkan
Verblendeter und sofort bestrafter Eifer
Verlust der Erdenschwere
Auf einem andern Stern
Die Muse des Gesanges

Befreiung durch Naturgesetze
Archäologen wurden Zeugen
Eingewöhnung in irdisches Leben
Jagdverhinderung in Bayern
Im schottischen Hochmoor
Frühstück für Nessie
Eisbären sind musikalisch und tanzfreudig
Unerwartete Freuden in Polarnächten
Tigerjagd in Bengalen
Literatur als Überlebenshilfe

Nächtlicher Kampf mit Berglöwen
Liebe macht manchmal erfinderisch
Dichtertreffen
Der König mit dem Knall
Delikate Mission: Königlicher Vorkoster
…und her wider unz an Ungerland
Heilige in der Kirche, Dame im Salon und im Bett eine…
Dagmars unwiderstehliche Strategie
Mit Wanda und Ewa im Schnee
Ein erotisches Krisen-Komitee

Königlich-Niederländisches Liebesnest
Tarantella tanzen in Tarent
Irgendwo in der Südsee
Lernbereite Kannibalenkinder
Seminare unter Palmen
Manchmal hilft uns auch ein Schurke
Das Geschenk des Zauberers
An Bord eines Seeteufels
Von Bremen aus heimwärts
Hexenwerke im Harz?

Auch hierzulande gibt es Reise- Erschwernisse
Im heiligen Köln
Säulenheilige am Dom
Liebesarien
Ein Abend mit lauter Fragen
Was soll ich in Amerika?
Wiedersehen mit Mahajusha
Im Wein wird doch Wahrheit sein?
Mahajusha schenkt mir Flügel
Tiefschläge aus heiterem Himmel

Nachwort
Lesungen u. Bestellungen für Buch
und CD-Fassung

Sach-, Personen und Ortsregister
Rollentauschmöglichkeiten

Ich selbst
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