Münchhausen
Geliebt hab ich sie  fast  alle
© Willem de Haan
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In weiblicher Gefangenschaft

Ich merkte gleich, dass es hier gelockerter zuging; sie lachten miteinander, als sie sich daran machten, mir meine blutverklebten Kleiderfetzen abzureißen. Das ging auch deshalb schwer und schmerzhaft, weil sie erst nach langer Zeit daran dachten, meine Hand-und Fußfesseln zu lösen.

Ich nahm deutlich wahr, dass sie nicht mit Wut oder Schadenfreude auf meine Wunden sahen. Ich wurde in ein dampfendes Fass gehoben, das viel zu heißes Wasser enthielt. Die Schmerzen waren jetzt so unerträglich, dass ich laute Schmerzensschreie nicht unterdrücken konnte. Und siehe da, ein Weib hatte Mitleid und schüttete mir einen Kübel kaltes Wasser dazu. Dann warfen sie mir ein Tuch über den Kopf und überließen es mir, mich in dem Fass so abzustützen, dass ich nicht ertrinken konnte.

Ich hörte eindeutig die Rufe und Geräusche von übermütig Badenden. Sie kamen schließlich wieder zu meinem Fass und zogen mich aus dem Fass heraus. Sie kamen mir irgendwie unförmiger vor als alle Frauen, die ich jemals nackt gesehen hatte. Sie legten mich auf einen Tisch und begannen, mein Blut abzuwaschen und meine Wunden zu versorgen. Sie machten das geschickt und sachlich und erstaunlich unbefangen, legten es aber überdeutlich und ohne Hemmungen darauf an, den Mann in mir zu reizen – ja, wie wohl und wo?

Ausgerechnet der Frau mit den breitesten Hüften gelang dies. Zum fast ersten Mal erlebte ich ein körperliches Verlangen ohne jede Zuneigung. Das gab mir, als der Rausch verflogen war, zu denken, deshalb blieb ich noch passiver als meine inzwischen wieder angelegten Fesseln es erforderten. Unter handgreiflicher Anteilnahme der anderen schob sich die zweite Frau auf mich und mich in sie. Immerhin lösten sie meine Handfesseln und forderten mich mit Gesten auf, ihre mir schon seit einiger Zeit bewiesenen Zärtlichkeiten zu erwidern.

Merkwürdig: obwohl diese Frauen so gestaltet waren, dass ich mich normalerweise nie nach ihnen umgedreht hätte, lösten sie etwas Neues in mir aus. Die dritte hatte gewaltige, nein, gewalttätige Brüste, die wie Glockenungetüme über mir schwebten. Ich fand es allerdings angenehm, die Hände wieder frei zu haben.

Die vierte übertraf ihre Gefährtinnen an Ausdauer und Spielfreude. Sie hatte die wuchtigsten Körperformen und erdrückte mich schier. Sie war bis dahin die einzige, die mich auf den Mund küsste, nicht nur einmal und flüchtig, sondern so schmachtend, dass es die anderen drei ansteckte...

Als sie mich, und nicht nur meine Lippen, schier wundgeküsst hatten, zogen sich die vier Frauen zurück und verabredeten offenbar kichernd, was sie als nächstes mit mir anfangen könnten. Mein Interesse an diesem Spiel war erloschen; ich blieb ihnen ausgeliefert. Sie nahmen keine Rücksicht auf meine Wunden, die inzwischen größere Schmerzen bereiteten. Ich wollte aber partout nicht um Gnade winseln.

Ich konnte mich nicht dagegen wehren, dass sie mich als Lustobjekt benutzten, und sie waren wirklich nicht sanft! Nach fast zwei Stunden überkam mich Müdigkeit und ich schlief ein, ohne mich darum zu kümmern, was die Frauen noch mit mir anstellten.

Im Traum sah ich den Gott mit den schönen Füßen wieder, der sich so freundlich meiner angenommen und mich zuletzt mit einem goldenen Stab an der meistens verborgenen Stelle berührt hatte, die anderen, zum Beispiel diesen unersättlichen Weibern, wichtiger zu sein schien als mir. Der freundliche Gott hatte mir zugelächelt -oder hat er mir zugezwinkert?

Als ich wach wurde, wusste ich, dass dieser Gott Hermes war. Erst Jahre später erklärte mir ein Kundiger, dass die Göttin mit den vielen Brüsten wirklich eine wichtige Rolle in der Götterwelt spielt und dass diese Abnormität gar nicht so einmalig ist. Seit dieser Begegnung sind mir sind die normalen Formen der irdischen Frauen noch lieber geworden. Ich erkenne in diesen "Halbkugeln einer bessern Welt“ einen zauberhaft lustvollen und, darin scheinen sich alle Gemütsdeuter einig zu sein, in seiner Tiefe gar nicht ausschöpfbaren Einfall des Schöpfers, für den wir ihn nicht genug preisen können.

Ausgerechnet bei diesen Frauen kam mir das griechische Sprichwort in den Sinn: „Wenn man die Kerze fortnimmt, sind alle Frauen gleich.“ Ich komme, weil ich viele Frauen kenne, auf eine Menge Gegenbeweise und sehe, obwohl ich Pauschalurteile ungerecht finde, mehr Anhaltspunkte dafür, dass der Spruch umgewandelt eher auf Männer zutrifft.

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Inhalt

Am Beginn unserer Bekanntschaft
Aufbruch
Das will ich vorausschicken
Lernstunden der Liebe
Frühlingsfische
Spätes, erfreuliches Wiedersehen
Waldfee? Teufelsweib? Hexe?
Mein anderer Franziskus
Die Eroberung einer Burgherrin
Meine Reise nach Russland

Riskante Rast im Schnee
Dreiundzwanzig liebeshungrige Frauen
Hochzeitsgast in einem russischen Dorf
Endlich in St. Petersburg
Der Zarin zu Füßen
Bei Hofe knistert überall Erotik
Russische und indische Liebeskünste
Allerhöchste Schokoladengelüste
Im Hintergrund des Machtzentrums
Kaiserliche Gewinnspiele

Vertrauter und künstlerischer Berater
Wir brauchen eine Bühne und Verkleidungen
Auch ein Starker braucht Bestärkung
Un(frei)williger Kriegsheld
Tatarenleidenschaft
Beim Sultan in Konstantinopel
Ein türkisches Muss: Ein Harem für mich
Ich lebe gern mit vielen Frauen
Jeder Alltag war ein Festtag
Die Flöte des Pan

Gewöhnungsbedürftiges
Für manches weiß ich eine Lösung
Kulturaustausch mit dem Reich der Pharaonen
Im Palast des Paschas
Ägyptische Freuden und Plagen
In goldenen Käfigen
Delfine zogen mich nach Griechenland
Stille Zeit und alte Bräuche
Begegnung mit überirdischer Schönheit
In die Welt hinausgeschleudert

In weiblicher Gefangenschaft
Strafverschärfung: Lieblingsgefangener
Schöpferisches Handeln hält hellwach
Undankbare Flucht
Mediterranes Zwischenspiel
Ich erforschte den falschen Vulkan
Verblendeter und sofort bestrafter Eifer
Verlust der Erdenschwere
Auf einem andern Stern
Die Muse des Gesanges

Befreiung durch Naturgesetze
Archäologen wurden Zeugen
Eingewöhnung in irdisches Leben
Jagdverhinderung in Bayern
Im schottischen Hochmoor
Frühstück für Nessie
Eisbären sind musikalisch und tanzfreudig
Unerwartete Freuden in Polarnächten
Tigerjagd in Bengalen
Literatur als Überlebenshilfe

Nächtlicher Kampf mit Berglöwen
Liebe macht manchmal erfinderisch
Dichtertreffen
Der König mit dem Knall
Delikate Mission: Königlicher Vorkoster
…und her wider unz an Ungerland
Heilige in der Kirche, Dame im Salon und im Bett eine…
Dagmars unwiderstehliche Strategie
Mit Wanda und Ewa im Schnee
Ein erotisches Krisen-Komitee

Königlich-Niederländisches Liebesnest
Tarantella tanzen in Tarent
Irgendwo in der Südsee
Lernbereite Kannibalenkinder
Seminare unter Palmen
Manchmal hilft uns auch ein Schurke
Das Geschenk des Zauberers
An Bord eines Seeteufels
Von Bremen aus heimwärts
Hexenwerke im Harz?

Auch hierzulande gibt es Reise- Erschwernisse
Im heiligen Köln
Säulenheilige am Dom
Liebesarien
Ein Abend mit lauter Fragen
Was soll ich in Amerika?
Wiedersehen mit Mahajusha
Im Wein wird doch Wahrheit sein?
Mahajusha schenkt mir Flügel
Tiefschläge aus heiterem Himmel

Nachwort
Lesungen u. Bestellungen für Buch
und CD-Fassung

Sach-, Personen und Ortsregister
Rollentauschmöglichkeiten

Ich selbst
Impressum und Kontakt




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