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In weiblicher
Gefangenschaft
Ich merkte gleich, dass es hier gelockerter zuging; sie lachten
miteinander, als sie sich daran machten, mir meine blutverklebten
Kleiderfetzen abzureißen. Das ging auch deshalb schwer und
schmerzhaft, weil sie erst nach langer Zeit daran dachten, meine
Hand-und Fußfesseln zu lösen.
Ich nahm deutlich wahr, dass sie nicht mit Wut oder Schadenfreude auf
meine Wunden sahen. Ich wurde in ein dampfendes Fass gehoben, das viel
zu heißes Wasser enthielt. Die Schmerzen waren jetzt so
unerträglich, dass ich laute Schmerzensschreie nicht
unterdrücken konnte. Und siehe da, ein Weib hatte Mitleid und
schüttete mir einen Kübel kaltes Wasser dazu. Dann warfen sie
mir ein Tuch über den Kopf und überließen es mir, mich
in dem Fass so abzustützen, dass ich nicht ertrinken konnte.
Ich hörte eindeutig die Rufe und Geräusche von
übermütig Badenden. Sie kamen schließlich wieder zu
meinem Fass und zogen mich aus dem Fass heraus. Sie kamen mir irgendwie
unförmiger vor als alle Frauen, die ich jemals nackt gesehen
hatte. Sie legten mich auf einen Tisch und begannen, mein Blut
abzuwaschen und meine Wunden zu versorgen. Sie machten das geschickt
und sachlich und erstaunlich unbefangen, legten es aber
überdeutlich und ohne Hemmungen darauf an, den Mann in mir zu
reizen – ja, wie wohl und wo?
Ausgerechnet der Frau mit den breitesten Hüften gelang dies. Zum
fast ersten Mal erlebte ich ein körperliches Verlangen ohne jede
Zuneigung. Das gab mir, als der Rausch verflogen war, zu denken,
deshalb blieb ich noch passiver als meine inzwischen wieder angelegten
Fesseln es erforderten. Unter handgreiflicher Anteilnahme der anderen
schob sich die zweite Frau auf mich und mich in sie. Immerhin
lösten sie meine Handfesseln und forderten mich mit Gesten auf,
ihre mir schon seit einiger Zeit bewiesenen Zärtlichkeiten zu
erwidern.
Merkwürdig: obwohl diese Frauen so gestaltet waren, dass ich mich
normalerweise nie nach ihnen umgedreht hätte, lösten sie
etwas Neues in mir aus. Die dritte hatte gewaltige, nein,
gewalttätige Brüste, die wie Glockenungetüme über
mir schwebten. Ich fand es allerdings angenehm, die Hände wieder
frei zu haben.
Die vierte übertraf ihre Gefährtinnen an Ausdauer und
Spielfreude. Sie hatte die wuchtigsten Körperformen und
erdrückte mich schier. Sie war bis dahin die einzige, die mich auf
den Mund küsste, nicht nur einmal und flüchtig, sondern so
schmachtend, dass es die anderen drei ansteckte...
Als sie mich, und nicht nur meine Lippen, schier wundgeküsst
hatten, zogen sich die vier Frauen zurück und verabredeten
offenbar kichernd, was sie als nächstes mit mir anfangen
könnten. Mein Interesse an diesem Spiel war erloschen; ich blieb
ihnen ausgeliefert. Sie nahmen keine Rücksicht auf meine Wunden,
die inzwischen größere Schmerzen bereiteten. Ich wollte aber
partout nicht um Gnade winseln.
Ich konnte mich nicht dagegen wehren, dass sie mich als Lustobjekt
benutzten, und sie waren wirklich nicht sanft! Nach fast zwei Stunden
überkam mich Müdigkeit und ich schlief ein, ohne mich darum
zu kümmern, was die Frauen noch mit mir anstellten.
Im Traum sah ich den Gott mit den schönen Füßen wieder,
der sich so freundlich meiner angenommen und mich zuletzt mit einem
goldenen Stab an der meistens verborgenen Stelle berührt hatte,
die anderen, zum Beispiel diesen unersättlichen Weibern, wichtiger
zu sein schien als mir. Der freundliche Gott hatte mir zugelächelt
-oder hat er mir zugezwinkert?
Als ich wach wurde, wusste ich, dass dieser Gott Hermes war. Erst Jahre
später erklärte mir ein Kundiger, dass die Göttin mit
den vielen Brüsten wirklich eine wichtige Rolle in der
Götterwelt spielt und dass diese Abnormität gar nicht so
einmalig ist. Seit dieser Begegnung sind mir sind die normalen Formen
der irdischen Frauen noch lieber geworden. Ich erkenne in diesen
"Halbkugeln einer bessern Welt“ einen zauberhaft lustvollen und, darin
scheinen sich alle Gemütsdeuter einig zu sein, in seiner Tiefe gar
nicht ausschöpfbaren Einfall des Schöpfers, für den wir
ihn nicht genug preisen können.
Ausgerechnet bei diesen Frauen kam mir das griechische Sprichwort in
den Sinn: „Wenn man die Kerze fortnimmt, sind alle Frauen gleich.“ Ich
komme, weil ich viele Frauen kenne, auf eine Menge Gegenbeweise und
sehe, obwohl ich Pauschalurteile ungerecht finde, mehr Anhaltspunkte
dafür, dass der Spruch umgewandelt eher auf Männer zutrifft.
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