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Im schottischen Hochmoor
Ihr fragtet mich nach den Jagdgeschichten, die ich dem Grafen und
seiner Jagdgesellschaft erzählt hatte. Dies ist eine aus
Schottland.
Ich hatte in Russland die Bekanntschaft des jungen Lord Huntingham
gemacht, dessen Vater zeitweise Botschafter am Hof der Zarin war. Vor
Jahren war ich schon einmal Gast auf seinem alten Schloss gewesen und
folgte gern der erneuerten Einladung, auch wegen seiner geheimnisvoll
reizvollen und seit kurzem nicht mehr liierten Schwester Muriel.
Ich genoss die herrliche Landschaft, die ungestörten Wanderungen
mit Muriel, George war ausgesprochen wanderfaul, und wir hatten viel
Spaß und Abwechslung, nicht zuletzt beim Spiel um englische
Pfunde. Ich nahm es nicht als Zufall, dass sich meine und Muriels Knie
zuweilen begegneten. Sie lächelte geheimnisvoll. Und mein Blick
hing oft an ihren Brüsten. Ich wollte, dass ihr das auffiel.
Nun bleibt ja im Spaß und im Ernst seit alten Zeiten kein
Besucher von Gruselgeschichten über Schlossgespenster und
über das weltberühmte Ungeheuer im Loch Ness verschont. Wir
hatten das Thema schon einige Male aufgewärmt, was ich mit Hilfe
eines heimischen Destillats – Wein gilt in Schottland leider als
exotisches Saftgetränk – nachsichtig mitgemacht hatte. Eines
Abends, fragt mich nicht, nach dem wievielten Glas, schlug ich vor, dem
allseits gefürchteten See-Untier auf den schuppigen Leib zu
rücken. Das brachte meine Gastgeber in beträchtliche
Verlegenheit; wahrscheinlich fürchteten sie die respektlose
Annäherung eines Landesfremden an ein Nationalheiligtum.
Die durchzechte Nacht hatte meine Fantasie beflügelt,
außerdem haben wir den scheinbar uralten Plumpudding mit einem
starken Betäubungsmittel verdünnt. George behauptete, meinen
Einfall nicht ganz mitbekommen zu haben, aber ich kam schon beim
spät eingenommenen Frühstück am nächsten Tag darauf
zurück. (Ich hatte wie ein Toter geschlafen; in jener Nacht
schlief ich noch allein.) Ich schätze das englische
Frühstück mehr als alle anderen Mahlzeiten im Tagesverlauf
und schlug deshalb immer kräftig zu. Während ich mir
Porridge, Schinken, Würstchen, Fisch, Rührei und
geröstetes Weißbrot munden ließ, formte sich in mir
eine absolut unenglische Fang-Strategie. Ich durchstach einige der
unglaublich fetten Würstchen mehrfach, befreite sie von einem Teil
ihrer Flüssigkeit und legte sie in ein abdichtbares Glas, das sich
bereits beim Aufbewahren von Gänseleber bewährt hatte. Dann
übergoss ich sie reichlich mit Whisky. Mit Vergnügen sah ich,
wie sich die Würstchen gierig vollsaugten.
Diese Vorbereitungen traf ich heimlich; das war leicht, denn George
hatte eine Magenverstimmung, die er nur mit Tee angehen wollte und
Muriel schaute nur mal in ihrem golddurchwirkten Morgenmantel herein,
hatte nur flüchtig, aber mich stark anregend, mit einer langsamen
Bewegung meine Schulter berührt und noch verschlafen im Weggehen
etwas Unverständliches gemurmelt. Zu gern hätte ich ihren
Morgenmantel weiter offen gesehen…
Stunden später ruderten wir Männer zum ersten Mal auf dem
See, den sie dort Loch Ness nennen. Es war nass und kalt und
neblig-trüb, wie meistens dort – bei diesem Hundewetter wird sich
doch kein See-Ungeheuer hervorlocken lassen. Oder doch? Aber in unserer
letzten Viertelstunde auf dem See ging ein besonders kräftiger
Regenschauer nieder, der unser Boot mit viel Wasser füllte. Wir
kamen patschnass an Land und waren es noch, als uns die Kutsche zum
Schloss brachte.
Am Abend rissen die Wolken auf, die Sonne versöhnte uns und Muriel
rezitierte mir auf einem langen Spaziergang durch die Moorheide
schottische Verse. Ich mag manches von Robert Burns und habe auch
Mitleid mit seinen Frauen, aber nach seinem dritten Poetenerguss fand
ich es an der Zeit, das romantisierende Getue zu beenden und unsere
Beziehung zu normalisieren. Ich umfasste von hinten ihre prachtvollen
Brüste und mein Mund wühlte sich durch ihr duftendes rotes
Haar zu ihrem Hals.
Meine Attacke hatte uns auf dem unebenen Weg zu Fall gebracht, das
fanden meine gierigen Hände nicht ungünstig. Merkwürdig:
Ich fand keinen Widerstand. Wir küssten uns lange und durstig und
ich gab keine Ruhe, bis ich ihren schon verhüllt bewunderten
Körper endlich genauer sehen und liebkosen konnte. Aus Muriel
brach ein aufgestauter Heißhunger auf Zärtlichkeit und Lust
auf.
Wir konnten keine Rücksicht auf schützenswerte Moorpflanzen
nehmen und mussten höheren Naturgesetzen folgen. Muriel geizte
kein bisschen mit ihren hochachtbaren Gaben; wir kamen deshalb erst
spät ins Schloss zurück und George und die Bediensteten
merkten sofort, dass sich unsere Beziehung folgenreich verändert
hatte.
Generell schien mir jetzt geregelt zu sein, dass ich in meinem Zimmer
nicht mehr allein in dem kalten Ungetüm, dem sicher
ehrwürdigen alten Bett mit einem geschnitzten Baldachin schlafen
musste. Es kam noch viel besser: Ich durfte mit sofortiger Wirkung nach
dem Spätabendtrunk Muriels wonniges Bett teilen. Dieses Bett
lernte uns von ganz anderen Seiten menschlichen Verhaltens kennen. Es
war offenbar im Unterbau nicht mehr ausreichend tragfähig; ein
Tischler musste es am nächsten Tag ausbessern.
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