Münchhausen
Geliebt hab ich sie  fast  alle
© Willem de Haan
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Im schottischen Hochmoor

Ihr fragtet mich nach den Jagdgeschichten, die ich dem Grafen und seiner Jagdgesellschaft erzählt hatte. Dies ist eine aus Schottland.

Ich hatte in Russland die Bekanntschaft des jungen Lord Huntingham gemacht, dessen Vater zeitweise Botschafter am Hof der Zarin war. Vor Jahren war ich schon einmal Gast auf seinem alten Schloss gewesen und folgte gern der erneuerten Einladung, auch wegen seiner geheimnisvoll reizvollen und seit kurzem nicht mehr liierten Schwester Muriel.

Ich genoss die herrliche Landschaft, die ungestörten Wanderungen mit Muriel, George war ausgesprochen wanderfaul, und wir hatten viel Spaß und Abwechslung, nicht zuletzt beim Spiel um englische Pfunde. Ich nahm es nicht als Zufall, dass sich meine und Muriels Knie zuweilen begegneten. Sie lächelte geheimnisvoll. Und mein Blick hing oft an ihren Brüsten. Ich wollte, dass ihr das auffiel.

Nun bleibt ja im Spaß und im Ernst seit alten Zeiten kein Besucher von Gruselgeschichten über Schlossgespenster und über das weltberühmte Ungeheuer im Loch Ness verschont. Wir hatten das Thema schon einige Male aufgewärmt, was ich mit Hilfe eines heimischen Destillats – Wein gilt in Schottland leider als exotisches Saftgetränk – nachsichtig mitgemacht hatte. Eines Abends, fragt mich nicht, nach dem wievielten Glas, schlug ich vor, dem allseits gefürchteten See-Untier auf den schuppigen Leib zu rücken. Das brachte meine Gastgeber in beträchtliche Verlegenheit; wahrscheinlich fürchteten sie die respektlose Annäherung eines Landesfremden an ein Nationalheiligtum.

Die durchzechte Nacht hatte meine Fantasie beflügelt, außerdem haben wir den scheinbar uralten Plumpudding mit einem starken Betäubungsmittel verdünnt. George behauptete, meinen Einfall nicht ganz mitbekommen zu haben, aber ich kam schon beim spät eingenommenen Frühstück am nächsten Tag darauf zurück. (Ich hatte wie ein Toter geschlafen; in jener Nacht schlief ich noch allein.) Ich schätze das englische Frühstück mehr als alle anderen Mahlzeiten im Tagesverlauf und schlug deshalb immer kräftig zu. Während ich mir Porridge, Schinken, Würstchen, Fisch, Rührei und geröstetes Weißbrot munden ließ, formte sich in mir eine absolut unenglische Fang-Strategie. Ich durchstach einige der unglaublich fetten Würstchen mehrfach, befreite sie von einem Teil ihrer Flüssigkeit und legte sie in ein abdichtbares Glas, das sich bereits beim Aufbewahren von Gänseleber bewährt hatte. Dann übergoss ich sie reichlich mit Whisky. Mit Vergnügen sah ich, wie sich die Würstchen gierig vollsaugten.

Diese Vorbereitungen traf ich heimlich; das war leicht, denn George hatte eine Magenverstimmung, die er nur mit Tee angehen wollte und Muriel schaute nur mal in ihrem golddurchwirkten Morgenmantel herein, hatte nur flüchtig, aber mich stark anregend, mit einer langsamen Bewegung meine Schulter berührt und noch verschlafen im Weggehen etwas Unverständliches gemurmelt. Zu gern hätte ich ihren Morgenmantel weiter offen gesehen…

Stunden später ruderten wir Männer zum ersten Mal auf dem See, den sie dort Loch Ness nennen. Es war nass und kalt und neblig-trüb, wie meistens dort – bei diesem Hundewetter wird sich doch kein See-Ungeheuer hervorlocken lassen. Oder doch? Aber in unserer letzten Viertelstunde auf dem See ging ein besonders kräftiger Regenschauer nieder, der unser Boot mit viel Wasser füllte. Wir kamen patschnass an Land und waren es noch, als uns die Kutsche zum Schloss brachte.
 
Am Abend rissen die Wolken auf, die Sonne versöhnte uns und Muriel rezitierte mir auf einem langen Spaziergang durch die Moorheide schottische Verse. Ich mag manches von Robert Burns und habe auch Mitleid mit seinen Frauen, aber nach seinem dritten Poetenerguss fand ich es an der Zeit, das romantisierende Getue zu beenden und unsere Beziehung zu normalisieren. Ich umfasste von hinten ihre prachtvollen Brüste und mein Mund wühlte sich durch ihr duftendes rotes Haar zu ihrem Hals.

Meine Attacke hatte uns auf dem unebenen Weg zu Fall gebracht, das fanden meine gierigen Hände nicht ungünstig. Merkwürdig: Ich fand keinen Widerstand. Wir küssten uns lange und durstig und ich gab keine Ruhe, bis ich ihren schon verhüllt bewunderten Körper endlich genauer sehen und liebkosen konnte. Aus Muriel brach ein aufgestauter Heißhunger auf Zärtlichkeit und Lust auf.

Wir konnten keine Rücksicht auf schützenswerte Moorpflanzen nehmen und mussten höheren Naturgesetzen folgen. Muriel geizte kein bisschen mit ihren hochachtbaren Gaben; wir kamen deshalb erst spät ins Schloss zurück und George und die Bediensteten merkten sofort, dass sich unsere Beziehung folgenreich verändert hatte.

Generell schien mir jetzt geregelt zu sein, dass ich in meinem Zimmer nicht mehr allein in dem kalten Ungetüm, dem sicher ehrwürdigen alten Bett mit einem geschnitzten Baldachin schlafen musste. Es kam noch viel besser: Ich durfte mit sofortiger Wirkung nach dem Spätabendtrunk Muriels wonniges Bett teilen. Dieses Bett lernte uns von ganz anderen Seiten menschlichen Verhaltens kennen. Es war offenbar im Unterbau nicht mehr ausreichend tragfähig; ein Tischler musste es am nächsten Tag ausbessern.

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Inhalt

Am Beginn unserer Bekanntschaft
Aufbruch
Das will ich vorausschicken
Lernstunden der Liebe
Frühlingsfische
Spätes, erfreuliches Wiedersehen
Waldfee? Teufelsweib? Hexe?
Mein anderer Franziskus
Die Eroberung einer Burgherrin
Meine Reise nach Russland

Riskante Rast im Schnee
Dreiundzwanzig liebeshungrige Frauen
Hochzeitsgast in einem russischen Dorf
Endlich in St. Petersburg
Der Zarin zu Füßen
Bei Hofe knistert überall Erotik
Russische und indische Liebeskünste
Allerhöchste Schokoladengelüste
Im Hintergrund des Machtzentrums
Kaiserliche Gewinnspiele

Vertrauter und künstlerischer Berater
Wir brauchen eine Bühne und Verkleidungen
Auch ein Starker braucht Bestärkung
Un(frei)williger Kriegsheld
Tatarenleidenschaft
Beim Sultan in Konstantinopel
Ein türkisches Muss: Ein Harem für mich
Ich lebe gern mit vielen Frauen
Jeder Alltag war ein Festtag
Die Flöte des Pan

Gewöhnungsbedürftiges
Für manches weiß ich eine Lösung
Kulturaustausch mit dem Reich der Pharaonen
Im Palast des Paschas
Ägyptische Freuden und Plagen
In goldenen Käfigen
Delfine zogen mich nach Griechenland
Stille Zeit und alte Bräuche
Begegnung mit überirdischer Schönheit
In die Welt hinausgeschleudert

In weiblicher Gefangenschaft
Strafverschärfung: Lieblingsgefangener
Schöpferisches Handeln hält hellwach
Undankbare Flucht
Mediterranes Zwischenspiel
Ich erforschte den falschen Vulkan
Verblendeter und sofort bestrafter Eifer
Verlust der Erdenschwere
Auf einem andern Stern
Die Muse des Gesanges

Befreiung durch Naturgesetze
Archäologen wurden Zeugen
Eingewöhnung in irdisches Leben
Jagdverhinderung in Bayern
Im schottischen Hochmoor
Frühstück für Nessie
Eisbären sind musikalisch und tanzfreudig
Unerwartete Freuden in Polarnächten
Tigerjagd in Bengalen
Literatur als Überlebenshilfe

Nächtlicher Kampf mit Berglöwen
Liebe macht manchmal erfinderisch
Dichtertreffen
Der König mit dem Knall
Delikate Mission: Königlicher Vorkoster
…und her wider unz an Ungerland
Heilige in der Kirche, Dame im Salon und im Bett eine…
Dagmars unwiderstehliche Strategie
Mit Wanda und Ewa im Schnee
Ein erotisches Krisen-Komitee

Königlich-Niederländisches Liebesnest
Tarantella tanzen in Tarent
Irgendwo in der Südsee
Lernbereite Kannibalenkinder
Seminare unter Palmen
Manchmal hilft uns auch ein Schurke
Das Geschenk des Zauberers
An Bord eines Seeteufels
Von Bremen aus heimwärts
Hexenwerke im Harz?

Auch hierzulande gibt es Reise- Erschwernisse
Im heiligen Köln
Säulenheilige am Dom
Liebesarien
Ein Abend mit lauter Fragen
Was soll ich in Amerika?
Wiedersehen mit Mahajusha
Im Wein wird doch Wahrheit sein?
Mahajusha schenkt mir Flügel
Tiefschläge aus heiterem Himmel

Nachwort
Lesungen u. Bestellungen für Buch
und CD-Fassung

Sach-, Personen und Ortsregister
Rollentauschmöglichkeiten

Ich selbst
Impressum und Kontakt




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