Münchhausen
Geliebt hab ich sie  fast  alle
© Willem de Haan
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Im Wein wird doch Wahrheit sein?

Ich wollte die meine verbleibende Zeit in Deutschland nutzen, um die kleine Abenteuergeschichte mit den Straßburger Herren noch bis zu einem wenigstens meine Neugier befriedigendem Ende zu verfolgen. Ich erzählte Rothschild von den bisher bekannten Zusammenhängen. Er fand es gut, dass ich mich auch noch eine Weile innerlich auf die neuen Aufgaben vorbereiten konnte und riet mir zu, die Prinzessin mitzunehmen. Er empfahl uns, nicht nach Straßburg zu fahren, sondern vom fast gegenüber liegenden Baden-Baden aus Kontakt mit meinem russischen Bekannten, aber auch mit den Weinhändlern aufzunehmen.

Er nannte uns einige Namen von in Baden-Baden zu erwartenden Persönlichkeiten, die und im Notfall nützlich sein könnten. Auf sein Visitenkärtchen schrieb er nur:



"Zeig das vor, wenn es Schwierigkeiten gibt."

Noch von Frankfurt aus schrieb ich unter einem anderem Namen an den Synagogendiener der Israelitischen Gemeinde zu Straßburg und bat ihn, den inliegenden Brief an meinen Freund zu übergeben, der an einem der nächsten ungraden Tage gegen drei Uhr vor der Synagoge auf mich warten wolle. In dem anderen Brief stand ungefähr dieses: "Lieber Gregorij, ich musste allein weiter reisen und kann nicht nach St. kommen. Bitte richten Sie es ein, dass wir uns bald in Baden-Baden im Badischen Hof treffen."

Damit ihn diese Nachricht überhaupt erreichen würde, schloss ich, wie alle Deutschen, nicht immer nüchtern, aber viel zu nüchtern, und selbstverständlich immer zielbewusst: "Bitte geben Sie dem Überbringer dieser Nachricht als Entgelt für seine Freundlichkeit eine großzügige Spende. Auf bald. Ihr einstmals der gleichen Herrin Verbundener."

Den Herren Lovis & Patagonne zu Straßburg teilte ich auf meinem eigenen Briefbogen mit, dass ich nach der mir unerklärlichen Trennung in Koblenz zunächst in einiger Verwirrung ohne rechtes Ziel weitergereist sei. Ich gab an, dass ich einen kurzen Kuraufenthalt in Baden-Baden plane und dort in Cottas Hotel gern die Nachricht über ihre hoffentlich gesunde Heimkehr bekommen würde, bevor ich in Kürze, das habe ich gar nicht weiter erläutert, nach Nordamerika reisen müsse.

Die Briefe schickte ich am Tag unserer Abreise, einem Donnerstag, ab; am Montag kam Gregorij pünktlich zum Mittagessen an. Er war sprachlos über meine Reisegefährtin und beglückwünschte mich später mit ehrlichem Neid.

Mahajusha ließ uns bald allein. Vielleicht war dies eine weibliche List: sie steigerte jedenfalls mein Verlangen, ihr bald in unsere miteinander verbundenen Zimmer zu folgen und die Bemühungen des täglich erscheinenden Haarkünstlers wieder zu gefährden.

Nur der schönen Erinnerung wegen erwähne ich: Am vorigen Abend war dies geschehen: Wir wollten ausgehen und die Prinzessin überlegte, nur von einem Seidentuch umhüllt, was sie anziehen könnte.

Schließlich schüttelte sie ihre Frisur, tupfte sich etwas Parfüm an einige Stellen ihres geliebten Körpers, ließ ihren Schleier fallen und fragte mich: "Bin ich so schön genug?" Ihr könnt raten, was ich geantwortet habe und vielleicht auch, dass wir auf etwas Näherliegendes als aufs Ausgehen gekommen sind.

Gregorij wunderte sich überhaupt nicht darüber, dass die Straßburger und ich unterwegs auseinander gerissen worden waren. Er nahm inzwischen an, dass die Händler und ich den ganzen Weg über beschattet worden sind, schon seit Bremen und aus mehreren Gründen.

Aus Straßburg konnte er berichten, dass es dort direkt an dem Flüsschen Ill neben der Rabenbrücke die Firma "Lovis & Patagonne, gegr. 1761" gibt. Zum Gelände der Weinhandlung zähle ein großer Gebäudekomplex und ein eigener Schiffsanlegeplatz. Die Firma sei angesehen und gelte als finanziell gesichert, allerdings hatte er bei mehreren Gesprächspartnern ein feines Lächeln bemerkt, während sie Gutes von diesen Weinhändlern berichteten, zum Beispiel, dass sie über ungewöhnlich weitreichende Geschäftsbeziehungen verfügen würden.

Nirgendwo sei er auf einen Hinweis gestoßen, dass von der Firma zusätzlich zum Wein auch Waffen verkauft werden. Wenn er sich selbst nicht so genau erinnern würde, und wenn auch die Geschichte in Koblenz nicht geschehen wäre, hätten wir keinen Grund, an der Harmlosigkeit meiner Bremer Bekanntschaft zu zweifeln. „Aber“, fügte er hinzu, "diese Herren haben eine perfekte Tarnung und sie haben mehr als eine dunkle Seite, das steht für mich fest."

Als ich mich noch nicht überzeugt zeigte, fügte Gregorij an: "Da ist noch vom `Rhinozeros' zu berichten. Wussten Sie, dass sie große Hotels in Straßburg und in Paris, Lyon und Marseille besitzen?" Ich verneinte und wunderte mich.

Gregorij hatte sich das Straßburger "Rhinozeros" von außen angesehen. Trotz der vornehmen Außenwirkung des Hotels hat ihn das von ihm während einer Viertelstunde beobachtete Kommen und Gehen irgendwie an ein Stundenhotel erinnert. Er hatte erst am späten Nachmittag des Vortages von diesem Hotel und den anderen Hotels der Partner Lovis & Patagonne erfahren und da war ihm zu wenig Zeit zur Observation geblieben.

Einige Tage später erfuhren wir, dass auch die Hotels in den drei anderen Städten denselben Namen trugen. Als ich einen aus Paris stammenden Kurgast nach dem Haus in Paris fragte, flüsterte er: „Aber, Monsieur, sind Sie sicher, dass ich im Beisein von Madame davon erzählen soll?"

Da bin ich wohl rot geworden - und nicht nur aus Verlegenheit. Der Herr aus Paris versuchte, die Situation vor Mahajusha zu retten und sagte noch: "Sie haben vielleicht vor einigen Wochen in den Zeitungen gelesen, dass ein englischer Minister trotz seines diplomatischen Schutzes in Paris verhaftet worden ist, wegen irgendwelcher dunkler Waffengeschäfte. Das war im ´Rhinozeros`. Es ist eben keine ganz harmlose Adresse..."

"Das war dann sicher eine schwierige diplomatische Situation", warf die Prinzessin ein. "Ja, das denke ich auch", sagte ich. Gescheiteres fällt uns eben oft viel zu spät ein.

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Inhalt

Am Beginn unserer Bekanntschaft
Aufbruch
Das will ich vorausschicken
Lernstunden der Liebe
Frühlingsfische
Spätes, erfreuliches Wiedersehen
Waldfee? Teufelsweib? Hexe?
Mein anderer Franziskus
Die Eroberung einer Burgherrin
Meine Reise nach Russland

Riskante Rast im Schnee
Dreiundzwanzig liebeshungrige Frauen
Hochzeitsgast in einem russischen Dorf
Endlich in St. Petersburg
Der Zarin zu Füßen
Bei Hofe knistert überall Erotik
Russische und indische Liebeskünste
Allerhöchste Schokoladengelüste
Im Hintergrund des Machtzentrums
Kaiserliche Gewinnspiele

Vertrauter und künstlerischer Berater
Wir brauchen eine Bühne und Verkleidungen
Auch ein Starker braucht Bestärkung
Un(frei)williger Kriegsheld
Tatarenleidenschaft
Beim Sultan in Konstantinopel
Ein türkisches Muss: Ein Harem für mich
Ich lebe gern mit vielen Frauen
Jeder Alltag war ein Festtag
Die Flöte des Pan

Gewöhnungsbedürftiges
Für manches weiß ich eine Lösung
Kulturaustausch mit dem Reich der Pharaonen
Im Palast des Paschas
Ägyptische Freuden und Plagen
In goldenen Käfigen
Delfine zogen mich nach Griechenland
Stille Zeit und alte Bräuche
Begegnung mit überirdischer Schönheit
In die Welt hinausgeschleudert

In weiblicher Gefangenschaft
Strafverschärfung: Lieblingsgefangener
Schöpferisches Handeln hält hellwach
Undankbare Flucht
Mediterranes Zwischenspiel
Ich erforschte den falschen Vulkan
Verblendeter und sofort bestrafter Eifer
Verlust der Erdenschwere
Auf einem andern Stern
Die Muse des Gesanges

Befreiung durch Naturgesetze
Archäologen wurden Zeugen
Eingewöhnung in irdisches Leben
Jagdverhinderung in Bayern
Im schottischen Hochmoor
Frühstück für Nessie
Eisbären sind musikalisch und tanzfreudig
Unerwartete Freuden in Polarnächten
Tigerjagd in Bengalen
Literatur als Überlebenshilfe

Nächtlicher Kampf mit Berglöwen
Liebe macht manchmal erfinderisch
Dichtertreffen
Der König mit dem Knall
Delikate Mission: Königlicher Vorkoster
…und her wider unz an Ungerland
Heilige in der Kirche, Dame im Salon und im Bett eine…
Dagmars unwiderstehliche Strategie
Mit Wanda und Ewa im Schnee
Ein erotisches Krisen-Komitee

Königlich-Niederländisches Liebesnest
Tarantella tanzen in Tarent
Irgendwo in der Südsee
Lernbereite Kannibalenkinder
Seminare unter Palmen
Manchmal hilft uns auch ein Schurke
Das Geschenk des Zauberers
An Bord eines Seeteufels
Von Bremen aus heimwärts
Hexenwerke im Harz?

Auch hierzulande gibt es Reise- Erschwernisse
Im heiligen Köln
Säulenheilige am Dom
Liebesarien
Ein Abend mit lauter Fragen
Was soll ich in Amerika?
Wiedersehen mit Mahajusha
Im Wein wird doch Wahrheit sein?
Mahajusha schenkt mir Flügel
Tiefschläge aus heiterem Himmel

Nachwort
Lesungen u. Bestellungen für Buch
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