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Im Hintergrund des
Machtzentrums
Katharina liebte es, in aller Frühe etwa zwei Stunden am
Schreibpult zu arbeiten. Nach meinen liebevollen Korrekturen ihrer
Briefvorlagen und meinen für sie ausgearbeiteten Entwürfen
unterhielt sie eine enorme Korrespondenz mit vielen von mir
vorgeschlagenen Gelehrten und Staatsmännern. Für eine eigene
Fassung hatte sie, wie ihr verstehen werdet, keine Zeit und keine Ruhe.
Aber in meinen Vorarbeiten erkannte sie ihren Stil wieder und
verließ sich voll auf das Abschreiben. Diese geistige Arbeit
erfrischte sie und erregte sie stark; sie kam danach wieder
unbändig lusthungrig zu mir ins warme Bett und vertraute sich
meiner Fantasie an.
Es war auch eine Form ihrer einmaligen Souveränität, morgens,
während wir noch im Bett aneinander geschmiegt lagen, den Obersten
des Geheimdienstes hinter Vorhängen sitzen und berichten zu
lassen. Es wird ihn anfangs irritiert haben, dass sie sich keine
Hemmung auferlegte, während unserer Morgenliebe gelegentlich
genussvoll zu stöhnen und dazwischen eine scharfsinnige Frage zu
stellen oder Befehle zu erteilen. Wir hörten den Offizier einige
Male hinter dem Vorhang erregt aufspringen…
Es ergab sich, dass sie mich manchmal mit den Augen oder sonstwie
mimisch um meine Meinung fragte. Meistens überließ ich ihr
die Entscheidung, manchmal sah sie mich auch den Kopf schütteln.
Aber darauf achtete sie nie. In gelöster Stimmung setzte sie nach
unserem Champagnerfrühstück gegen zehn Uhr die
Staatsgeschäfte fort.
Die Zarin hatte eines Nachts in meinen Armen geflüstert: „Wenn
sich doch alle meine Untertaninnen solche Lusterlebnisse gönnen
würden!“ Das hat mich inspiriert. „Herzenszarin, befiehl mir, dir
bald etwas vorzuschlagen!“ „Ich befehle es dir, gleich nach dem
nächsten Liebesbeweis!“
Zu meinen Einfällen, die Staatseinnahmen zu erhöhen,
zählte ich einen bunten Karton, den das Bild der Zarin
beherrschte. Darunter war ein immerwährender Kalender gedruckt,
und unter ihm ein bebildertes Liebesprogramm für alle Monate: Ein
ansprechendes Paar zeigte abwechselnd einzelne Möglichkeiten, sich
nahe zu kommen, mal von ihr, mal von ihm ausgehend, immer drei
zusammengehörige, aber eindeutige Ereignisse.
Dieses sehr billig kaufbare Bild hing bald in jedem Haus im weiten
Russischen Reich, denn auch Ungebildete konnten es leicht verstehen.
Die Anregung zu liebevollen Spielen ging immerhin von ihrer Herrscherin
aus, von der jeder wusste, dass keine Frau östlich von Paris mehr
von der Liebe verstand als sie. Das Schaubild war für die Massen
gedacht; es brachte vielen Freude und trotz ihres winzigen Preises
insgesamt eine millionenfache Einnahme. Für Lesekundige entwarf
ich zusätzlich eine Textfassung mit einem anspruchvollerem
Programm und an die sechzig erotischen Aufgaben, die beliebig
„gebündelt“ werden konnten; es mussten von einem Paar aber immer
mindestens vier Ansätze erfüllt werden.
Wir staunten über die unglaubliche Beliebtheit dieses neuartigen
„Regelwerks“ und über seine frappierend pingelige Befolgung, die
alsbald Mode und fast ein moralisches Gesetz geworden war: Ich werde
noch versuchen, diese Anregungen für euch zu rekonstruieren –
erinnert mich daran!
Ich hatte meinen Jurij beauftragt, in den Wirtshäusern die Meinung
des Volkes zu erkunden. Mit einem zusätzlichen Sold – den Sinn des
Begriffs „Trinkgeld“ habe ich erst bei ihm richtig erfasst – hat er das
gern und geschickt gemacht. Das Ergebnis war aber niederschmetternd:
Die Herrscherin war offenbar wenig beliebt und stärker
gefürchtet; sie galt als herrschsüchtig, als unnahbar,
abgehoben und ungerecht.
Ich sah die Notwendigkeit, gegenzusteuern und für mehr Sympathie
zu werben. Ich fand, das hatte sie verdient. Wichtig wurde mir und bald
auch ihr der Auftrag an eine Vielzahl von Malern, das Porträt der
Zarin im Festornat auf riesige Holzwände in Städten und
Dörfern malen zu lassen. Neben ihrem Gesicht standen die Worte,
die sich die Massen der Analphabeten sicher vorlesen ließen und
auswendig lernten: „Die Zarin ist eure Mutter!“
Diese Worte bekamen den Rang eines Sprichwortes und erfüllten
ihren von mir ausgedachten Zweck, dem Volk die Herrscherin ans Herz
wachsen zu lasen. In St. Petersburg und in den Orten, in denen
Katharina besonders gut bekannt war, ließ ich den Satz noch
einprägsamer verkürzen in „Ich bin eure Mutter!“ Die Zarin
fühlte sich jetzt auch verpflichtet, das Volk mit einigen „guten
Taten“ für sich einzunehmen – gegen den Widerstand einiger Berater
war das schwer genug.
Die Zarin hat ihrem Reich viel geschenkt, manchen und mir war es
längst nicht genug und wir diskutierten und stritten uns oft
darüber, welche Freiheiten und Rechte und eignen Besitz ihre
Untertanen brauchten. Sie wich selten von ihrer Ansicht ab, dass ein so
riesiges Reich mit einem so unermesslich großen Katalog von
Zukunftsaufgaben den Menschen und der „Staatsräson“ zuliebe kleine
Schritte braucht. Und außerdem rief sie zuweilen: „Meine
Nachfolger sollen sich auch noch mit großen Neuerungen
unsterblich machen können!“
Die Großaufträge sicherten unzähligen Malern für
einige Jahre ein gutes Einkommen. Einige Botschafter sollen in ihren
Ländern ähnliche Schilder zur Förderung der Beliebtheit
ihrer Herrscher angeregt haben. Ich hatte die Absicht, auch für
Waren werbende Schilder aufstellen zu lassen, aber mit diesem Einfall
wartete ich noch; vielleicht, dachte ich, ist ein anderes Land reifer
für diese Art, in den Köpfen der Menschen Kaufwünsche
entstehen zu lassen.
Ich habe die Zarin davon überzeugen können, dass Fahnen eine
fantastische Wirkung haben. Entgegen dem Rat einiger Hofbeamten habe
ich durchsetzen können, dass die bisher nur in der Umgebung der
Zarin gezeigte gelbe Kaiserstandarte mit dem Doppeladler massenhaft im
Land verteilt wurde, meist zusammen mit der alten weißblauroten
Fahne. Das kam sehr gut an und es förderte weit mehr als
Patriotismus und Zarentreue.
Habe ich euch übrigens schon berichtet, dass ich der Zarin zur
Erinnerung an unsere 100. Liebesnacht etwas besonders
Staatsförderndes geschenkt habe? Es war die Gründung der
Jugendgruppen „Kinder der Zarin“, in der Mädchen und Jungen in
mehreren Altersstufen ihre Herrscherin als leuchtendes Vorbild sahen –
und fast unmerklich zu verlässlichen Stützen ihrer Macht
heranwuchsen. Ich hatte den Ehrgeiz, die „Kinder der Zarin“ für
gesellschaftliche Aufgaben auszubilden; aber einige
Militärstrategen sahen noch weitere Möglichkeiten, als ich
ihnen nicht mehr im Wege stand…
Katharina war auf diese Mädchen und Jungen so stolz wie auf eigene
Kinder. Sie förderte die Jugendgruppen in vielen Städten,
schenkte ihnen hübsche Uniformen und besuchte einige von ihnen
abwechselnd.
Um sie zu schonen, aber auch, um einen starken Eindruck zu machen,
ließ ich jeweils zwölf Schwarze Reiter aus ihrem
Leibregiment mit einer bebilderten persönlichen Botschaft der
Zarin zu den abendlichen Treffen der Gruppen ausschwärmen; das
fanden auch unsere Sicherheitsspezialisten günstiger. Auf dem
nächsten Empfang für das Diplomatische Corps wurde das Thema
„Jugendgruppen als Herrscherfreunde“ aufgeregt diskutiert. Die Zarin
verwies die Genaueres erfragenden Botschafter an mich: „Fragen Sie doch
Minister Münchhausen, der weiß alles über die „Kinder
der Zarin“. Es war eine ihrer gekonnten Improvisationen – ich erfuhr so
beiläufig von meiner Beförderung.
Mit dieser Aufwertung war natürlich Mehrarbeit verbunden: Ich
sollte, das hatte ich einmal spielerisch angeregt, Holländer und
Deutsche zur Trockenlegung der vielen russischen Sumpfgebiete anlocken
und ihnen dafür Unerhörtes versprechen: Steuerfreiheit,
Befreiung vom Militärdienst, Erlaubnis von Sklavenhaltung,
besonders von Muslimen; etliche Vorteile und ähnlich schwer
Haltbares.
Ich lernte die Kunst des Delegierens, besonders an deutschstämmige
Offiziere, die sich dann etwa um die Ansiedlung von Mennoniten verdient
machten. Ich behielt die Oberaufsicht, vermied anstrengende
Dienstreisen in die Sumpfgebiete und ließ meine Leute die
riesigen Vorhaben zum einseitigen Erfolg führen: Die Sümpfe
wurden trocken gelegt, Weizenfelder und Siedlungen konnten darauf
angelegt werden, aber sonst wurde längst nicht alles wahr…
Der Einfall einer Weinlaune begeisterte Katharina: Ich schrieb ihr
zusätzlich zu den häufigen politischen einige philosophische
Reden, die sie dann zur allgemeinen Verwunderung vor den geistigen
Größen ihres Reiches hielt und die ausländische
Zeitungen begierig kostenpflichtig und sorgfältig redigiert
nachdrucken durften. Die Themen waren absichtlich geheimnisvoll und
schwer verständlich, jedenfalls unserer Zeit weit voraus, aber
gerade das fand seine Bewunderer.
Ich habe eine Wette gegen die Zarin „bei freier Auswahl des Gewinns“
gewonnen: Je dunkler der Sinn war und je verschwommener sie es mit
fester Stimme vortrug, desto stärker wurde sie umjubelt.
Die Kaiserin und Zarin auch als Intellektuelle! Sie war das ja
wirklich, nur war sie nicht mit diesem Attribut bekannt geworden. Das
mag auch ihre Eigenheit erschwert haben, ihre Sätze bei innerer
Erregtheit nicht zu vollenden und sich selbst oft ins Wort zu fallen.
Darüber half ein fertiges Manuskript gut hinweg – und
natürlich unser vorheriges Üben.
Wie viele geistig angestrengt Arbeitende wurden auch wir
übermütig. Warum sollten wir uns nach so vielen im In und
Ausland anerkannten Leistungen nicht einige Spitzfindigkeiten leisten
können! Katharina sprach vor Hunderten Dichtern und Denkern aus
mehreren Ländern über „Die Zeitreise zum Mittelpunkt der
Leere“, über „Die Fähigkeit des
Rückwärtsträumens“, über „Das Universum im Kopf“
und über „Die Wissenschaft als Kunst“ -ich nenne euch heute nur
die weniger spektakulären Themen, weil ich auf diesem
hochgeistigen Gebiet ausnahmsweise einmal keine Anregungen verschenken
will.
Wir riskierten schließlich globale staatswirtschaftliche
Überlegungen wie „Die Übereignung der großen
Flüsse in private Hände“ – alles, wirklich alles, auch
eindeutig Abstruses wurde hymnisch gepriesen und wie üblich
vielfältig verbal nachgeahmt.
Den überwältigendsten Erfolg erlebte die Zarin mit einem
poetischen Abend, den sie heimlich mir gewidmet hatte: „Ich liebe, also
bin ich!“ Wir mussten diese Veranstaltung in immer größere
Säle verlegen und viele Male wiederholen, weil unzählige
Liebesleute aus ganz Russland jeweils herbeigepilgert waren. Nach
ungefähr zwölf Abenden immer am letzten Sonntag eines Monats
habe ich eine Ablösung durch eine beliebte und sehr begabte
Schauspielerin durchgesetzt.
Zur Erholung plauderte Katharina in Fortsetzungen und mit
Bildbeispielen darüber, „Was wir von Katzen lernen können“;
sie bezog sich dabei auf meine schriftlich festgehaltenen Beobachtungen
in der von ihr geliebten und gehätschelten Katzenkolonie in den
Kellern der Eremitage, die Mäuse und Ratten von den dort
gelagerten Kunstwerken fernhalten sollten.
Veranstaltungsort war aus politischer Rücksichtnahme leider das
umständlich erreichbare und deshalb immer mehrere Tage Aufenthalt
erfordernde und von mir gar nicht geschätzte Moskau; die
Vorträge hießen „Moskauer Nachtgespräche“.
Übrigens überließ die Zarin mir ganz die meist nicht
enden wollenden anschließenden Nachgespräche; sie besuchte
derweil mit ihrem weiblichen Gefolge eine Oper, ein Konzert oder ein
Ballett – ich traf sie erst Stunden später in meinem Bett.
Übrigens hatte ich mit Katharinas Billigung, aber sonst streng
geheim und von mir „handverlesen“, aus vier Ländern mehrere Frauen
und Männer mit Verstand, Bildung und Fantasie in einer „Denk-und
Schreibfabrik“ vereint; wir nannten sie zur verharmlosenden Tarnung
„Petersburger Weinfreunde“. Die hochbegabten (ja, zugegeben, die
weiblichen Mitglieder waren beiläufig auch sehr ansehnlich), also
diese Mitdenker verhalfen Katharina und mir zu fabelhaften neuen Ideen
und ließen auch unseren obersten Mundschenk strahlen; ihr ahnt
vielleicht, warum.
Wir staunten über unseren nie erwarteten Erfolg auch bei einem von
uns als „anspruchsvoll“ erkanntem Publikum. Ich hatte recht behalten!
Als Wettgewinn habe ich mir zu Katharinas großen Verwunderung
etwas von ihr völlig Unerwartetes ausgesucht: Schon lange hatte
ich den Wunsch, die Herrin meines Herzens und aller Reußen einmal
ein paar Tage und Nächte ganz für mich zu haben. Mit
Schilderungen von Stränden am Baltischen oder am Schwarzen Meer
oder von einer romantischen Hütte im Kaukasus versuchte ich, sie
für diese Gedanken zu erwärmen, aber sie war skeptisch, ob
wir irgendwo in ihrem Riesenreich unbemerkt untertauchen könnten,
erst recht nicht in den Regierungslandsitzen und in den offiziellen
Datschen.
Ich habe ihr aber auch den meiner Meinung nach zu riskanten Einfall
ausgeredet, heimlich in ihre ihr kaum vertraute und eher zufällige
Geburtsstadt Stettin zu reisen und schlug ihr dafür – als
Variation zu unseren üblichen Petersburger Schlittenfahrten eine
intime Schlittenfahrt ins Finnische vor, nur mit einer Kammerfrau,
einem Offizier der Leibgarde und einem Koch im Zweitschlitten. Aber sie
fühlte sich zu sehr in der Regierungspflicht gefangen.
Außerdem fürchtete sie mit einigem Grund, dass irgendein
Machthungriger ihre Abwesenheit für einen Aufstand nutzen
könnte. Das war ja auch der geheime Grund, warum sie alle
Einladungen zu Staatsbesuchen ins Ausland ablehnte.
„Nein“, entschied sie, „mehr als zwei Tage darf ich nicht fehlen, das
ist riskant genug.“ Als ich nicht locker ließ, erreichten meine
Versuche einmal eine durch viel Wein begünstigte Stimmung.
„Welches Abenteuer schlägst du also vor, Carolus?“ fragte sie gar
nicht mehr von mir erwartet, aber offensichtlich gerade risikobereit.
Wir waren damals allerdings nicht mehr vernunftgesteuert.
„Offi-Schatz“, raunte ich („Offi“ hatte sie sich selbst als
Zweijährige genannt, und so wurde sie zeitlebens von ihren Eltern
und Geschwistern genannt; mich hatte sie eingeladen, sie auch so zu
nennen, wenn wir allein waren), „kann ich dich in drei Stunden am
östlichen Nebentor abholen?“ Sie lachte: „Das ist unmöglich,
Carolus, ich komme nie unerkannt an den Wachen vorbei. Du weißt
doch, wie eingesperrt ich hier bin.“
Jetzt wisst ihr also auch, wie sie mich nannte. „Wozu haben wir
Fantasie!“ entgegnete ich und küsste rundum ihre Handgelenke und
erlaubte meiner Zunge an diesen köstlichen Stellen eine kleine und
immer wirksame Liebkosung, der sie nie widerstehen konnte.
Schnell entwickelte ich einen Plan: Ich hatte vor einigen Tagen vor der
Stadt miterlebt, wie ein Wagen mit einer vielköpfigen Familie
einen Achsenbruch hatte. Die Frau war hochschwanger und der Mann war
schon in Geburtspanik. Ich half mit meiner Kutsche und mit Hilfe einer
gastfreundlichen Kleinbauernfamilie aus, die ich mit einem gut
gefüllten Geldbeutel dafür gewinnen konnte, die sieben oder
acht unterschiedlich großen Kinder der in Eile befindlichen
Familie zwei oder drei Tage lang zu versorgen.
Die Hochschwangere und ihr Mann waren dann mit mir zu einem wie
üblich überfüllten Hospital gefahren; wir erfuhren dort
aber nur das Haus einer Hebamme.
Mein romantischer Einfall war, meine Bekanntschaft für eine
weitere Abmachung zu nutzen: Die Leute sollten mir gegen eine
großzügige Entschädigung für zwei Nächte ihr
Häuschen überlassen und keine Fragen stellen. Jurij suchte
vorgeblich ein Liebesnest für seine Flamme und sich.
Es wäre leichter gewesen, wenn ich für alles etwas mehr Zeit
gehabt hätte, aber ich musste Katharinas Stimmung nutzen. Es
gelang auch, sogar mit einer gründlichen Reinigung der Hütte
und mit weißem Anstrich; die Bauersleute zogen derweil zu
Bekannten. Ich legte vorsorglich noch zeitgleich zwei andere,
plausiblere Spuren.
Mein Jurij besorgte Kleider eines Knechts, die Frauenkleider holte eine
Kammerfrau an einem Nebeneingang ab. Katharina überließ die
gewohnte Hauptrolle nun vorsichtshalber einer Vertrauten aus ihrem
Hofstaat, Alexandra, die meine Geliebte mimen sollte; Katharina
fungierte zum Schein als Dienerin dieser Frau.
Alles gelang gut, nur kam Katharina plötzlich auf den Gedanken,
dass ich Alexandra so wild wie möglich auf dem Strohlager lieben
sollte. Die rotblonde Frau mit einer molligen Figur, wie sie Katharina
auf einigen Bildern des Holländers Rubens erotisch ansprechend
gefunden hatte, erwies sich in vielen Liebeskünsten erfahren und
spielte diese Rolle gern und wie oft geübt. Mitten in dieser
kraftzehrenden Umarmung riss uns Katharina auseinander: „Das
genügt; Alexandra muss sich erholen!“ Ich begriff, dass sie jetzt
mit mir kämpfen wollte. Obwohl ich schon ziemlich besäuselt
war, habe ich mich gern auf sie eingestellt und ihr zukommen lassen,
was sie in dieser Stunde ersehnte.
Aber von diesen schönen Details abgesehen, war uns der Ausflug im
Ganzen nicht gelungen und ohne Wein hätten wir die eine Nacht kaum
durchgehalten. Unser ländliches Abenteuer hatte die
landesübliche Folge, dass einige Flöhe und Wanzen die
Gelegenheit zu einem Wohnungswechsel in unsere parfümierten
Kleider genutzt hatten.
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