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Ich lebe gern mit vielen
Frauen
Zusammen mit der Prinzessin habe ich eine damals in Konstantinopel noch
als undenkbar geltende Form eines liebevollen Miteinanders entwickelt.
Zum jauchzenden Entzücken meiner Frauen führten wir ein, dass
die lustvollen Spiele von allen mitgestaltet werden konnten und dass
durchweg mehrere Frauen an einem innigen Kontakt mit mir beteiligt
waren. Die wesentliche Neuerung war aber, dass wir die Frauen
ermutigten, sich zu ihren eigenen Lüsten und Gelüsten zu
bekennen und sie im Zusammenleben untereinander und in der Bindung an
mich zu erproben. Diese „Freigabe“ brachte mir unerwartet viel und ich
kann allen, denen das Leben einmal ähnliche Möglichkeiten der
Lebensgestaltung bietet, nur raten, diese Wege zu erproben.
Ich konnte es mir mit Rücksicht auf die osmanischen
Verhältnisse unmöglich leisten, meinen Frauen in den
schriftlich abgesicherten sechsunddreißig Monaten ihrer
Zugehörigkeit zum Harem äußere Freiheit zu schenken,
aber ich weiß, dass sie sich im Vergleich mit den Frauen anderer
Harems viel freier und als Persönlichkeiten gewürdigt
fühlten. Eine Verlängerungsmöglichkeit gab es auch,
ausnahmsweise freilich.
Auf einer Soiree des italienischen Botschafters wurde ich mit einem
Herrn bekannt, der mir von Erzeugnissen seiner Heimat
vorschwärmte, die mich in keiner Weise interessierten. Als ich
seinen Redeschwall unterbrechen und mich einer wesentlich
interessanteren Dame zuwenden wollte, sagte er etwas mich sehr
Verwunderndes: „Wir wünschen uns nur ein paar Zeichnungen von
Ihren Frauen – und würden uns das einiges kosten lassen.“
Der Mann hatte tatsächlich im Sinn, einige Produkte mit Bildern
meiner Schönheiten begehrenswerter zu machen. Das habe ich
empört abgelehnt. Aber Mahajusha, die mich begleitet hatte, meinte
auf dem Heimweg: „Das ist doch ein überlegenswerter Gedanke. Dass
wir viele ausgesucht aparte Frauen bei uns haben, können wir nicht
leugnen, und dass Ihr als für neue Gedanken empfänglich
geltet, auch nicht. Ich finde, wir sollten die Frauen fragen.“
Es ging so aus, dass ich den Italienischen Botschafter um Vermittlung
bitten musste. Meine Frauen begeisterten sich für den Gedanken,
etwa für italienische Badeorte und für deutsche und
französische Luxuskutschen einen vom Produkt auf den ersten Blick
ablenkenden Vordergrund zu bilden. Es folgten unzählige Absprachen
mit dem Italiener, der eigentlich ein Franzose war, Mahajusha und mir.
Wir einigten uns darauf, dass zwei Malerinnen zu uns kommen und die
Frauen in wirkungsvollen Posen malen durften; die Produkte wurden
später dazugemalt. Mit dieser Werbearbeit verdienten die Frauen
einiges Geld für ihre Gemeinschaftskasse. Aus dieser Kasse bekamen
sie beim Verlassen des Harems dann eine „Weghilfe“.
Ein übermütiger Einfall meiner Frauen löste die
größten Diskussionen am Hof aus und gefährdete anfangs
meine freundschaftliche Beziehung zum Großwesir, dem auch der
Geheimdienst unterstand: Mahajusha hatte den Frauen im Harem einen
harmlosen, viel Abwechslung versprechenden Ausweg aus ihrer relativen
Weltabgeschiedenheit erlaubt.
Unsere Frauen ließen „nur so zum Spaß“ einige
Flaschenbotschaften über unseren Bach ins Meer schwimmen. Einige
Antworten kamen – wie üblich über die amtliche
Zensurbehörde und deshalb mit ziemlicher Verspätung zu uns
zurück. Das gab wirklich eine ungeahnte Abwechslung und diese Art
der Briefbeförderung wurde sofort verboten.
Aber es wurde dann doch der Anfang eines großartigen Projektes,
mit dem wir die Osmanische Post um eine viel beachtete Beschleunigung
der Briefvermittlung bereichert haben: Unsere Frauen setzten für
alle Interessenten zugänglich ihre vorher mit großer Geduld
dressierten Brieftauben ein; so schnell hatten vorher keine
Mitteilungen zwischen einigen festgelegten Städten ausgetauscht
werden können.
Der von vielen Beratern beeinflusste Sultan fand einige unserer
Neuerungen ärgerlich und sittenverderbend, aber seine ungeahnt
einflussreiche Mutter, deren Rücken Mahajusha mit einem selbst
gemischten Duftöl in Anwesenheit ihrer Hofdamen täglich
massieren durfte, nahm mich auch hierbei in Schutz.
Ihre Majestät besuchte uns fast wöchentlich und sie fand
besondere Freude daran, meine Frauen mit einem verschwenderischem
Kleiderfundus auszustatten: Die Frauen haben sich schnell daran
gewöhnt, viele Male am Tag die farbenfrohen und kostbaren
Gewänder zu wechseln und dabei auch im passenden Schmuck und
manchmal auch mit betörenden Düften jeweils andere
Kulturländer anzudeuten. Meine Frauen waren für mich die
überzeugendsten Botschafterinnen ihrer Länder.
Natürlich brauchten wir „unbedingt“ einige französische
Modeberaterinnen. Nachts trugen die Frauen andere Umhüllungen,
wenn die drückende nächtliche Schwüle das überhaupt
zuließ.
Freunde, ist längst an der Zeit, in Erinnerung an meine
wundervollen Frauen ein Gläschen zu heben: zu allererst auf meine
bezaubernde Mahajusha – die verbannte persische Prinzessin mit den
smaragdgrünen Augen, die mir immer tief in meine Seele und in
meine Gedanken sehen konnten, und mit einem Lächeln, dem ich nie
widerstehen konnte. Sie wird noch oft in meinen Berichten vorkommen.
Aus den deutschen Münchhausen-Büchern von 1786 und 1788:
„Ich wurde von dem Großherrn überaus gnädig empfangen
und hatte die Ehre seinen Harem zu sehen, wo seine Hoheit selbst mich
hineinzuführen und so viele Damen, selbst die Weiber nicht
ausgenommen, anzubieten geruheten, als ich mir nur immer zu meinem
Vergnügen auslesen wollte. Mit meinen Liebes-Abentheuern pflege
ich nie groß zu thun, daher wünsche ich Ihnen, meine Herren,
jetzt insgesammt eine angenehme Ruhe.“
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