Münchhausen
Geliebt hab ich sie  fast  alle
© Willem de Haan
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Ich lebe gern mit vielen Frauen

Zusammen mit der Prinzessin habe ich eine damals in Konstantinopel noch als undenkbar geltende Form eines liebevollen Miteinanders entwickelt. Zum jauchzenden Entzücken meiner Frauen führten wir ein, dass die lustvollen Spiele von allen mitgestaltet werden konnten und dass durchweg mehrere Frauen an einem innigen Kontakt mit mir beteiligt waren. Die wesentliche Neuerung war aber, dass wir die Frauen ermutigten, sich zu ihren eigenen Lüsten und Gelüsten zu bekennen und sie im Zusammenleben untereinander und in der Bindung an mich zu erproben. Diese „Freigabe“ brachte mir unerwartet viel und ich kann allen, denen das Leben einmal ähnliche Möglichkeiten der Lebensgestaltung bietet, nur raten, diese Wege zu erproben.

Ich konnte es mir mit Rücksicht auf die osmanischen Verhältnisse unmöglich leisten, meinen Frauen in den schriftlich abgesicherten sechsunddreißig Monaten ihrer Zugehörigkeit zum Harem äußere Freiheit zu schenken, aber ich weiß, dass sie sich im Vergleich mit den Frauen anderer Harems viel freier und als Persönlichkeiten gewürdigt fühlten. Eine Verlängerungsmöglichkeit gab es auch, ausnahmsweise freilich.

Auf einer Soiree des italienischen Botschafters wurde ich mit einem Herrn bekannt, der mir von Erzeugnissen seiner Heimat vorschwärmte, die mich in keiner Weise interessierten. Als ich seinen Redeschwall unterbrechen und mich einer wesentlich interessanteren Dame zuwenden wollte, sagte er etwas mich sehr Verwunderndes: „Wir wünschen uns nur ein paar Zeichnungen von Ihren Frauen – und würden uns das einiges kosten lassen.“

Der Mann hatte tatsächlich im Sinn, einige Produkte mit Bildern meiner Schönheiten begehrenswerter zu machen. Das habe ich empört abgelehnt. Aber Mahajusha, die mich begleitet hatte, meinte auf dem Heimweg: „Das ist doch ein überlegenswerter Gedanke. Dass wir viele ausgesucht aparte Frauen bei uns haben, können wir nicht leugnen, und dass Ihr als für neue Gedanken empfänglich geltet, auch nicht. Ich finde, wir sollten die Frauen fragen.“

Es ging so aus, dass ich den Italienischen Botschafter um Vermittlung bitten musste. Meine Frauen begeisterten sich für den Gedanken, etwa für italienische Badeorte und für deutsche und französische Luxuskutschen einen vom Produkt auf den ersten Blick ablenkenden Vordergrund zu bilden. Es folgten unzählige Absprachen mit dem Italiener, der eigentlich ein Franzose war, Mahajusha und mir. Wir einigten uns darauf, dass zwei Malerinnen zu uns kommen und die Frauen in wirkungsvollen Posen malen durften; die Produkte wurden später dazugemalt. Mit dieser Werbearbeit verdienten die Frauen einiges Geld für ihre Gemeinschaftskasse. Aus dieser Kasse bekamen sie beim Verlassen des Harems dann eine „Weghilfe“.

Ein übermütiger Einfall meiner Frauen löste die größten Diskussionen am Hof aus und gefährdete anfangs meine freundschaftliche Beziehung zum Großwesir, dem auch der Geheimdienst unterstand: Mahajusha hatte den Frauen im Harem einen harmlosen, viel Abwechslung versprechenden Ausweg aus ihrer relativen Weltabgeschiedenheit erlaubt.

Unsere Frauen ließen „nur so zum Spaß“ einige Flaschenbotschaften über unseren Bach ins Meer schwimmen. Einige Antworten kamen – wie üblich über die amtliche Zensurbehörde und deshalb mit ziemlicher Verspätung zu uns zurück. Das gab wirklich eine ungeahnte Abwechslung und diese Art der Briefbeförderung wurde sofort verboten.

Aber es wurde dann doch der Anfang eines großartigen Projektes, mit dem wir die Osmanische Post um eine viel beachtete Beschleunigung der Briefvermittlung bereichert haben: Unsere Frauen setzten für alle Interessenten zugänglich ihre vorher mit großer Geduld dressierten Brieftauben ein; so schnell hatten vorher keine Mitteilungen zwischen einigen festgelegten Städten ausgetauscht werden können.

Der von vielen Beratern beeinflusste Sultan fand einige unserer Neuerungen ärgerlich und sittenverderbend, aber seine ungeahnt einflussreiche Mutter, deren Rücken Mahajusha mit einem selbst gemischten Duftöl in Anwesenheit ihrer Hofdamen täglich massieren durfte, nahm mich auch hierbei in Schutz.

Ihre Majestät besuchte uns fast wöchentlich und sie fand besondere Freude daran, meine Frauen mit einem verschwenderischem Kleiderfundus auszustatten: Die Frauen haben sich schnell daran gewöhnt, viele Male am Tag die farbenfrohen und kostbaren Gewänder zu wechseln und dabei auch im passenden Schmuck und manchmal auch mit betörenden Düften jeweils andere Kulturländer anzudeuten. Meine Frauen waren für mich die überzeugendsten Botschafterinnen ihrer Länder.

Natürlich brauchten wir „unbedingt“ einige französische Modeberaterinnen. Nachts trugen die Frauen andere Umhüllungen, wenn die drückende nächtliche Schwüle das überhaupt zuließ.

Freunde, ist längst an der Zeit, in Erinnerung an meine wundervollen Frauen ein Gläschen zu heben: zu allererst auf meine bezaubernde Mahajusha – die verbannte persische Prinzessin mit den smaragdgrünen Augen, die mir immer tief in meine Seele und in meine Gedanken sehen konnten, und mit einem Lächeln, dem ich nie widerstehen konnte. Sie wird noch oft in meinen Berichten vorkommen.
 
Aus den deutschen Münchhausen-Büchern von 1786 und 1788:
„Ich wurde von dem Großherrn überaus gnädig empfangen und hatte die Ehre seinen Harem zu sehen, wo seine Hoheit selbst mich hineinzuführen und so viele Damen, selbst die Weiber nicht ausgenommen, anzubieten geruheten, als ich mir nur immer zu meinem Vergnügen auslesen wollte. Mit meinen Liebes-Abentheuern pflege ich nie groß zu thun, daher wünsche ich Ihnen, meine Herren, jetzt insgesammt eine angenehme Ruhe.“

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Inhalt

Am Beginn unserer Bekanntschaft
Aufbruch
Das will ich vorausschicken
Lernstunden der Liebe
Frühlingsfische
Spätes, erfreuliches Wiedersehen
Waldfee? Teufelsweib? Hexe?
Mein anderer Franziskus
Die Eroberung einer Burgherrin
Meine Reise nach Russland

Riskante Rast im Schnee
Dreiundzwanzig liebeshungrige Frauen
Hochzeitsgast in einem russischen Dorf
Endlich in St. Petersburg
Der Zarin zu Füßen
Bei Hofe knistert überall Erotik
Russische und indische Liebeskünste
Allerhöchste Schokoladengelüste
Im Hintergrund des Machtzentrums
Kaiserliche Gewinnspiele

Vertrauter und künstlerischer Berater
Wir brauchen eine Bühne und Verkleidungen
Auch ein Starker braucht Bestärkung
Un(frei)williger Kriegsheld
Tatarenleidenschaft
Beim Sultan in Konstantinopel
Ein türkisches Muss: Ein Harem für mich
Ich lebe gern mit vielen Frauen
Jeder Alltag war ein Festtag
Die Flöte des Pan

Gewöhnungsbedürftiges
Für manches weiß ich eine Lösung
Kulturaustausch mit dem Reich der Pharaonen
Im Palast des Paschas
Ägyptische Freuden und Plagen
In goldenen Käfigen
Delfine zogen mich nach Griechenland
Stille Zeit und alte Bräuche
Begegnung mit überirdischer Schönheit
In die Welt hinausgeschleudert

In weiblicher Gefangenschaft
Strafverschärfung: Lieblingsgefangener
Schöpferisches Handeln hält hellwach
Undankbare Flucht
Mediterranes Zwischenspiel
Ich erforschte den falschen Vulkan
Verblendeter und sofort bestrafter Eifer
Verlust der Erdenschwere
Auf einem andern Stern
Die Muse des Gesanges

Befreiung durch Naturgesetze
Archäologen wurden Zeugen
Eingewöhnung in irdisches Leben
Jagdverhinderung in Bayern
Im schottischen Hochmoor
Frühstück für Nessie
Eisbären sind musikalisch und tanzfreudig
Unerwartete Freuden in Polarnächten
Tigerjagd in Bengalen
Literatur als Überlebenshilfe

Nächtlicher Kampf mit Berglöwen
Liebe macht manchmal erfinderisch
Dichtertreffen
Der König mit dem Knall
Delikate Mission: Königlicher Vorkoster
…und her wider unz an Ungerland
Heilige in der Kirche, Dame im Salon und im Bett eine…
Dagmars unwiderstehliche Strategie
Mit Wanda und Ewa im Schnee
Ein erotisches Krisen-Komitee

Königlich-Niederländisches Liebesnest
Tarantella tanzen in Tarent
Irgendwo in der Südsee
Lernbereite Kannibalenkinder
Seminare unter Palmen
Manchmal hilft uns auch ein Schurke
Das Geschenk des Zauberers
An Bord eines Seeteufels
Von Bremen aus heimwärts
Hexenwerke im Harz?

Auch hierzulande gibt es Reise- Erschwernisse
Im heiligen Köln
Säulenheilige am Dom
Liebesarien
Ein Abend mit lauter Fragen
Was soll ich in Amerika?
Wiedersehen mit Mahajusha
Im Wein wird doch Wahrheit sein?
Mahajusha schenkt mir Flügel
Tiefschläge aus heiterem Himmel

Nachwort
Lesungen u. Bestellungen für Buch
und CD-Fassung

Sach-, Personen und Ortsregister
Rollentauschmöglichkeiten

Ich selbst
Impressum und Kontakt




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