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Hochzeitsgast in einem
russischen Dorf
Tage-und nächtelang ritt ich durch heftiges Schneetreiben und fand
mich schon lange nicht mehr nach meinen Karten zurecht.
Schließlich überließ ich es wieder meinem Pferd, mich
irgendwohin zu bringen; weibliche Intuition bringt uns ja oft weiter.
Vor einem hell erleuchteten Haus blieb mein kluges und mich richtig
einschätzendes Tier endlich stehen.
Ich empfand es als unerhörtes Glück, dass es ein Gasthaus
war. Musik und Gesang schollen mir entgegen; eine ländliche
Hochzeit wurde offenbar schon seit einigen Stunden gefeiert und ich
wurde im Nu in die fröhliche Gesellschaft aufgenommen. Man
behandelte mich wie einen lange erwarteten Ehrengast. Dass ich ihre
Sprache nicht sprach, fiel nicht weiter auf, weil in dem
beträchtlichen Lärm ohnehin kaum etwas zu verstehen war.
Der bereits schwankende Bräutigam in einem Offiziersrock machte
mir einen Platz neben der Braut frei. Als ich mein Pferd versorgt
hatte, und nachdem ich mich ausgiebig gestärkt hatte und mich
wieder warm fühlte, bat mich die aparte und anziehende Frau um
einen Ehrentanz. Sie hieß Jelena; wir wurden vergnügt und
lachten, tranken und sangen, und mir wurde erst später bewusst,
dass wir uns großartig verständigt hatten, obwohl keiner von
uns des anderen gesprochene Sprache verstand.
Wir tranken etwas, das erheblich stärker war als Wein. Ich war
leichtsinnig und vertrug für russische Verhältnisse noch sehr
wenig. Die etwas füllige Braut hatte allerliebste braune
Löckchen und sie lachte wie ein Engel, vielleicht öfter und
länger und sie war auch weniger nüchtern.
Das Ende des Festes ist mir nicht mehr erinnerlich. Aber ich weiß
noch gut, dass ich ungewöhnlich unfreundlich geweckt wurde: Ein
großer Kerl stand schreiend vor meinem Bett und schlug mit einem
dicken Prügel auf mich ein. Rasch verbarg ich mich unter dem
riesigen Federbett und traf hierunter verwundert die Braut, die sich
sogleich zitternd an mich schmiegte. Mir schwante sofort, dass man mich
offenbar mit einem feindlichen Spion verwechselte. Ich bereitete unter
dem Federbett einen Angriff vor und trat dem Angreifer, immer noch
durch das dicke Federbett gegen seine Schläge geschützt, so
wuchtig mit beiden Füßen gegen den Bauch, dass er mit dem
Hinterkopf an eine Zimmerwand schlug und sofort ohnmächtig
zusammensank.
Jelena hatte ich übrigens, obwohl sie jetzt keine Brautkrone mehr
trug und das schwere Brautkleid und später, das war dann schon „in
meiner Zeit“, auch alles andere ausgezogen hatte, im Dunkeln an ihrem
Weihrauch-Parfüm erkannt. Sie half mir, den Mann, vielleicht war
es ja der wieder nüchtern gewordene Bräutigam, aus dem
Fenster in den Schnee zu werfen und unsere Kammer gut zu verriegeln.
Die Kälte zwang uns, einander unter der Bettdecke freundschaftlich
zu wärmen und uns mit einer rasch erfundenen, verblüffend
einfachen, wortlosen Verständigungs- methode über ein
angemessenes Vorgehen zu einigen.
Ich erinnere mich noch an ihre schweren Brüste, die sie lustvoll
und jauchzend meinem Mund und meinen Händen überließ,
an ihre inspirierenden Wölbungen, an ihr selbstverständliches
Greifen nach mir und an ihren fordernden Schoß. Auch im
lustvollen Aufeinanderzubewegen lachte sie immer noch; sie war
verschmust und ganz unverkrampft.
Offenbar war ihr Auserwählter viel zu oft durch Trunkenheit
gehindert, die für mich überdeutliche starke Sinnlichkeit
seiner Liebsten zu entdecken – jammerschade!
Wir wurden in unserer privaten Völkerverständigung und
gerade, als sie rücklings auf mir lag und ich während unserer
ernsthaften Liebesarbeit ihre Brüste umfassen konnte, durch eine
Horde lärmender, wildwütiger Kerle gestört, die sich
daran machten, unsere Kammertür aufzubrechen. Ich erkannte den
Ernst der Lage und konnte im letzten Augenblick mit Jelenas Hilfe durch
das Fenster entkommen, leider nur mit bloßer Haut. Die selbst
noch unbekleidete Schöne warf mir einige Kleidungsstücke
nach.
Es war unbequem, mich im tiefen Schnee anzukleiden, zumal mich einige
Kleidungsstücke in falscher Reihenfolge erreichten. Immerhin hatte
ich bereits Stiefel und meinem Mantel an, als die mit Stöcken
bewaffneten Burschen von außen auf mich zustürzten. Zu
spät war es auch, meine Pistole zu ziehen, deshalb wählte ich
instinktiv eine natürliche Waffe: Ich holte tief Luft und
stieß in die Morgenstille hinein meinen „Todesschrei“ aus, der
schon einige Male großes Entsetzen verbreitet hatte und auch
diesmal seine von mir vorbedachte Wirkung nicht verfehlte: Die Meute
hielt sich die Ohren zu und schnitt die seltsamsten Grimassen.
Ich unterdrückte meinen Lachreiz, wiederholte aber den furchtbaren
Schrei und zog ihn absichtlich in die Höhe und in die Länge.
Das konnten sie nicht ertragen; sie zogen sich ihre Jacken über
die Köpfe und schlichen wie geprügelte Hunde ins Haus
zurück.
Es war kein Zweifel: ich musste schleunigst fliehen. Ich warf der
liebenswerten Frau außer einem fliegenden Kuss alle
Goldstücke zu, die ich in meiner Rocktasche hatte. Meine treue
Lotte musste ich zu meinem Schmerz zurücklassen, aber den vor dem
Wirtshaus stehenden zweispännigen Bauernwagen konnte ich zu meiner
Flucht benutzen. Zu meiner Erleichterung wurde ich nicht verfolgt.
Die einmalige Jelena erscheint mir ab und an noch im Traum. Meistens
muss ich sie gegen irgendwelche Kerle verteidigen und sie legt sich
dann lachend mit ihren vollen Brüsten und ihrem lüsternen
Bauch auf mich und belohnt mich auf eine fröhliche und
beglückende Art.
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