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Gewöhnungsbedürftiges
Die beiden Sänftenträger sollen mich in ihrem schlimmen
Holpertrab zum Sultanspalast bringen. Die Männer staunen über
meine nasse Nacktheit; der Trompeter gibt mir seinen Umhang, die
restliche Kleidung besorgt mir am Ziel die Palastwache. Vornehm sehe
ich damit nicht aus.
Der Sultan hat Besuch aus England; er trägt die Uniform eines
Admirals. Ich werde ihm als Freund und Berater des Sultans vorgestellt,
aber der Brite ist ungewöhnlich arrogant; er sieht glatt über
mich hinweg. Das ärgert mich; ich stelle ihm eine
seemännische Fangfrage, auf die er prompt hereinfällt. Ich
erschrecke selbst über meinen Erfolg und mache dem Sultan das mit
allen Hofleuten abgesprochene Zeichen für „Gefahr für den
Herrscher“. In der folgenden Sekunde lässt ein immer wachsamer
Wächter einen dicken Baldachin über den Thron herabfallen und
die Leibwächter stürzen mit ihren Krummsäbeln herbei und
sind begierig, einen Gefährlichen notfalls auch vorbeugend
niederzumetzeln.
Nun blickt mich der angebliche Admiral entsetzt an. Aber jetzt beachte
ich ihn nicht, mache den Wachen lässig das Zeichen des
Halsabschneidens und schreite lächelnd zur Tür. Die Wachen
packen ihn laut schreiend, treten ihm in die Kniekehlen und werfen ihn
zu Boden. Da schreit er hinter mir her: "Help me, Efendi, please!" Ich
würdige ihn keiner Antwort und weise die Rachsüchtigen an,
den Spion in den untersten Turmkerker zu sperren, der wegen seiner
Rattenplage besonders gefürchtet ist. Vielleicht ist er ja
tierliebend...
Später tafle ich vergnügt mit dem Sultan und einigen
Würdenträgern. Als die Frauen aus seinem
südamerikanischen Reserve-Harem zugelassen werden und wir alle
schon von ihren anregenden Tänzen beschwingt sind, befiehlt der
Sultan, unter meiner Anleitung in Paaren zu tanzen wie an den
westlichen Höfen. Das finden alle äußerst unterhaltsam.
Nach allgemeiner Erschöpfung ruhen wir in der Kühle eines
schattigen Gartens.
Am späten Nachmittag unterhalten uns Musikanten und fernasiatische
Tänzerinnen. Wir plaudern angeregt in unserem Mehrsprachen-Gemisch
und dann begann das Fest der Süßigkeiten, das sich lange
hinzog. Ohne die herrliche arabische Erfindung, aus gerösteten
Kaffeebohnen ein sehr belebendes Getränk zu bereiten, hätte
ich manchen langen Tag beim Sultan kaum durchgestanden.
Plötzlich will der Sultan wieder tanzen. Er bewegt sich trotz
seiner beträchtlichen Körperfülle im Rhythmus der
für meinen Geschmack eintönigen Musik noch recht gelenkig.
Mit einem Wink verabschiedet er dann die größere
Gesellschaft. Wir sitzen beim opulenten süßen Schmaus an
einem großen Tisch mit goldenen Löwenfüßen. Zwei
seiner südamerikanischen Schönheiten verwöhnen uns seit
einiger Zeit auf eine äußerst kunstvolle und wahnsinnig
erregende Art nur mit ihren kleinen Füßen – unter den
Tischtüchern.
Und dann zieht der Sultan die unter ihm wirkende Frau hoch. Sie hat das
sichtlich erwartet, wirft ihr langes Haar lachend zurück und
breitet ergeben ihre Arme aus. Der Sultan wirft die Nackte über
den Tisch, hebt ihre Beine hoch und dringt in sie ein. Geschirr und
Gläser gehen rücksichtslos zu Bruch. Die Musik spielt weiter.
Die für mich schwerere Zumutung kommt noch: Mit einer energischen
Kopfbewegung fordert der Sultan mich auf, seinem Beispiel zu folgen.
Als ich zögere, verstärkt er seine mimische Aufforderung. Ich
kann mich diesem Befehl nicht verweigern, ohne ihn zu brüskieren,
aber ich will auf jeden Fall weniger Porzellan zerschlagen.
Gegen Mitternacht baden wir mit sechs oder sieben ausgewählten
Frauen im Marmorbad auf der Palast-Terrasse. Wir bewundern den
großartigen Sternenhimmel und ich finde es so romantisch – mit
zwei zärtlichen Schönheiten im Arm, dass ich ein
französisches Gedicht rezitiere.
Das ist für mich der letzte Dienst an diesem Tag und dann kann ich
mich endlich verabschieden und zu meinen Frauen eilen. Wie immer warten
sie seit Stunden auf mich; meistens, wenn ich ihnen durch einen Boten
eine Nachricht schicken konnte, empfangen sie mich dann in unserer
Abwandlung eines Türkischen Bades. Im ersten Gebäudeteil
taste ich mich nackt im Dunkeln und in den Dampfschwaden langsam voran.
Ich lasse mich genießerisch durch ihre innigen und oft
leidenschaftlichen Umarmungen aufhalten und aufsaugen, fühle ihre
weichen, duftenden und vertrauten Leiber und erkenne dabei viele der
über fünfzig Frauen – das war viel schöner als bei den
Orgien in Petersburg, denn ich muss die Frauen mit niemandem teilen.
Meine Frauen begleiten mich in das heiße salzhaltige Tauchbad,
das ein wenig bläulich beleuchtet ist. Ich habe so herrlich viele
Zärtlichkeiten zu erwidern! Im nächsten Raum liegen wir auf
den flachen heißen Steinen und ich werde bei einschmeichelnder
Musik durch einige besonders Kundige wohltuend zart geknetet; meine
Muskeln werden gelockert. Häufig schlafe ich dabei ein und meine
Frauen zaubern mich dann irgendwie in mein Schlafgemach hinein. Heute
sitzt Yuma sehnsuchtsvoll vor meinem großen Bett.
Die überlangen Abende in der äußerst ehrenvollen
Gesellschaft des Sultans habe ich später mit einer anderen
Tätigkeit wirkungsvoll abkürzen können: Ich schrieb eine
Geschichte des Osmanischen Reiches und stellte seine
Persönlichkeit besonders umfassend heraus. Und weil ich vorgeblich
am besten abends arbeiten kann, bekam ich häufiger freie Zeit
für diese wichtige Arbeit, bei der mir Graf Dodo übrigens
wertvolle Hilfe geleistet hat.
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