Münchhausen
Geliebt hab ich sie  fast  alle
© Willem de Haan
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Unerwartete Freuden in Polarnächten

Wie es uns später gelungen ist, eine Eskimosiedlung anzusteuern und dort zu ankern, kann ich nicht mehr zuverlässig berichten, nicht nur, weil wir noch in einem Teil der völlig ungewohnten Polarnacht dort ankamen. Wir waren glücklich, unser Bärenfleisch und Mengen von Fisch und vermutlichem gefrorenem Seehundfleisch endlich mit Rum flambiert zusammen mit unseren Gastgebern genießen zu können; sie schienen das großartig zu finden.

Die englische Höflichkeit, der auch ich mich verpflichtet fühlte, wurde etwas strapaziert, weil auch die Frauen der Eskimos zum Schutz gegen die Kälte ein dort bewährtes, aus Fischfett und Lebertran gewonnenes Hautöl benutzten und weil sie dort oben offenbar die Körperpflege überhaupt auf ein Minimum reduzieren. Kurzum, sie rochen alle etwas streng, aber das beleidigte unsere Nasen nur so lange, bis wir ebenso rochen, und das war bald.

Fassungslos staunten wir anfangs über die grenzenlose Gastfreundschaft der Eskimos, vor allem nachts. Die Eskimo-Frauen lachten uns herzlich an und überbrachten sich selbst als Gastgeschenk, spürbar nicht freudlos und sichtlich auch von der Abwechslung angetan, die ihnen noch lange Redestoff und Grund zum Lachen über die seltsamen weißhäutigen Fremdlinge geben würde.

Die mir zugefallene Schwarzäugige fühlte sich überhaupt nicht kalt und zurückhaltend an und verstand es ganz vorzüglich, mich bei den fürchterlich niedrigen Außentemperaturen nicht nur zu erwärmen. Zeitraubende Liebesspiele waren hier offenbar gänzlich unbekannt; ich sah einen anspruchsvollen Kulturauftrag.

Ich erfreute mich beispielsweise an ihren spitzen und festen, etwas nach außen gerichteten Brüsten, wie ich sie sonst nur von Frauen auf der anderen Seite der Weltkugel kannte. Ich hatte wieder Glück: Ihre Rosetten waren nicht oval, was, wenn ich mich richtig erinnere, nur zwei Frauen in meinem Leben mit anderen Vorzügen für meinen erotischen Geschmack mit anderen Vorzügen „überspielen“ konnten. Lanukaja schien es völlig neu zu sein, dass ihr gelb-brauner Körper mehrere Lustzentren besaß, die geben und nehmen, liebkost und geweckt werden können; auf diese Erfahrungen hat sie nach amüsiertem Staunen begeistert und geradezu explodierend lustvoll geantwortet. Und weil sie so überaus interessiert schien, versuchte ich ihr eine Vorstellung davon zu geben, dass es in anderen Ländern hinter den Eismeeren noch andere als die beiden bei ihnen üblichen Arten der Körpervereinigung gab.

Ich ahnte natürlich nicht, was ich damit bei ihr und in der Siedlung auslöste. Ich habe ihr einen riesigen Schneeball als Weltkugel geformt und versucht, ihr zu zeigen, wo wir jetzt sind und wo wir herkommen und wo andere Menschen wohnen. Sie fand meine Behauptungen wohl völlig verrückt, vor allem, weil sie unseren Planeten falsch dargestellt sah, aber unsere gezeigte Lebenseinstellung hat sie belustigt, und so sahen es auch die anderen Frauen: Sie nahmen uns nicht sehr ernst.

Während die Eskimo-Männer -bis auf einige uns gern und erkennbar lüstern zuschauende und lachend kommentierende Alte beiderlei Geschlechts -ihrem harten Alltagsgeschäft des Fischens und Jagens nachgingen und dabei oft wochenlang mit ihren Schlittenhunden unterwegs waren, führte meine gelehrige Lanukaja ihren staunenden, aber sehr lernbereiten Freundinnen aus den Nachbar-Iglus zusammen mit mir einiges einer neuen und interessanteren Art des Liebens vor: auf spanische, italienische, griechische, türkische, ägyptische, persische, indische Weise und schließlich mit den Lusterkenntnissen der Südsee-Inselbewohner, von deren Existenz sie noch nie gehört hatten, die sie sich aber als unglaublich exotische Menschen offenbar irgendwie vorstellen konnten.

Natürlich hatte ich mir das Meiste einfach ausgedacht und ich habe einleitend immer erst die Länder auf der Schneeballweltkugel gezeigt und dann das von mir überwiegend auch nur vermutete Temperament der ihnen völlig unbekannten Völker angedeutet – und meine Erinnerung einfach mit dem Kamasutra gefüllt.

Die irgendwann einmal heimkehrenden Eskimos werden ihre Frauen nicht wiedererkannt haben.

Es war ein köstliches Vergnügen, übrigens unerwartet auch für meine englischen Begleiter, die bislang nur die ihren Vorfahren vor Jahrhunderten von selbst abstinenten Missionaren verordnete, eher lustferne und vom reinen Befruchtungs- auftrag nicht weiter ablenkende Begattung zu kennen schienen: Ihnen gingen die Augen über und sie entdeckten als bald angeleitete Akteure eine neue Lust am Leben.

Die wirklich immerzu heiteren und zu vielen Späßen aufgelegten Frauen haben uns über die Stimmungsschwankungen hinweggeholfen, die die unheimliche Polarnacht bei uns auslöste: zwei Monate ohne Sonnenlicht fanden wir ziemlich bedrückend, aber wir waren nicht sehr oft draußen und haben diesen Dauernächten trotzdem viel abgewonnen.

Ich freute mich oft über unsere besonders disziplinierte Schiffsmannschaft und über die Gestaltung der Tagesstruktur, die sich die Offiziere ausgedacht und durchgesetzt haben. Der Kapitän verstand es, viele Talente unter seinen Leuten hervorzulocken und zu fördern. Die Mannschaft und der größte Teil der Offiziere schliefen weiterhin auf dem Schiff und über die übliche Arbeit an Bord hinaus hatten wir ja einen beträchtlichen Reparaturbedarf.

Aber ich staunte, dass wir der Eskimo-Bevölkerung noch wesentlich mehr bieten konnten: Es gab ein ständig besuchtes Hospital-Zelt auf dem Deck, ein täglich geöffnetes „Kinderparadies“, eine „Nautilus-Bar“, ein wöchentliches „Kapitäns- Dinner“ mit Candle-Light, Theatervorstellungen mit äußerst lustigen Darbietungen, einen sehr improvisierten „Zoo“ und häufige Schiffsführungen mit Lampen.

Die Zeit verging uns wie im Fluge, aber wir freuten uns doch über die Aufregung, die die Ankunft einiger Schiffe auslöste: Das britische Marineministerium war so umsichtig gewesen, uns eine Expedition nachzuschicken.

Das war auch notwendig, denn unsere Schiffsreparaturmöglichkeiten waren längst erschöpft und wir wären heute mit Sicherheit alle hochgeachtete Eskimos, wenn man uns nicht so freundlich in die Zivilisation zurückgeholt hätte. Und zumindest die Earls und auch Seine Lordschaft wurden in ihrer Heimat noch gebraucht. Sie brachten übrigens eine Menge Eisbärenfelle mit heim, alle mit Kopf.

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Inhalt

Am Beginn unserer Bekanntschaft
Aufbruch
Das will ich vorausschicken
Lernstunden der Liebe
Frühlingsfische
Spätes, erfreuliches Wiedersehen
Waldfee? Teufelsweib? Hexe?
Mein anderer Franziskus
Die Eroberung einer Burgherrin
Meine Reise nach Russland

Riskante Rast im Schnee
Dreiundzwanzig liebeshungrige Frauen
Hochzeitsgast in einem russischen Dorf
Endlich in St. Petersburg
Der Zarin zu Füßen
Bei Hofe knistert überall Erotik
Russische und indische Liebeskünste
Allerhöchste Schokoladengelüste
Im Hintergrund des Machtzentrums
Kaiserliche Gewinnspiele

Vertrauter und künstlerischer Berater
Wir brauchen eine Bühne und Verkleidungen
Auch ein Starker braucht Bestärkung
Un(frei)williger Kriegsheld
Tatarenleidenschaft
Beim Sultan in Konstantinopel
Ein türkisches Muss: Ein Harem für mich
Ich lebe gern mit vielen Frauen
Jeder Alltag war ein Festtag
Die Flöte des Pan

Gewöhnungsbedürftiges
Für manches weiß ich eine Lösung
Kulturaustausch mit dem Reich der Pharaonen
Im Palast des Paschas
Ägyptische Freuden und Plagen
In goldenen Käfigen
Delfine zogen mich nach Griechenland
Stille Zeit und alte Bräuche
Begegnung mit überirdischer Schönheit
In die Welt hinausgeschleudert

In weiblicher Gefangenschaft
Strafverschärfung: Lieblingsgefangener
Schöpferisches Handeln hält hellwach
Undankbare Flucht
Mediterranes Zwischenspiel
Ich erforschte den falschen Vulkan
Verblendeter und sofort bestrafter Eifer
Verlust der Erdenschwere
Auf einem andern Stern
Die Muse des Gesanges

Befreiung durch Naturgesetze
Archäologen wurden Zeugen
Eingewöhnung in irdisches Leben
Jagdverhinderung in Bayern
Im schottischen Hochmoor
Frühstück für Nessie
Eisbären sind musikalisch und tanzfreudig
Unerwartete Freuden in Polarnächten
Tigerjagd in Bengalen
Literatur als Überlebenshilfe

Nächtlicher Kampf mit Berglöwen
Liebe macht manchmal erfinderisch
Dichtertreffen
Der König mit dem Knall
Delikate Mission: Königlicher Vorkoster
…und her wider unz an Ungerland
Heilige in der Kirche, Dame im Salon und im Bett eine…
Dagmars unwiderstehliche Strategie
Mit Wanda und Ewa im Schnee
Ein erotisches Krisen-Komitee

Königlich-Niederländisches Liebesnest
Tarantella tanzen in Tarent
Irgendwo in der Südsee
Lernbereite Kannibalenkinder
Seminare unter Palmen
Manchmal hilft uns auch ein Schurke
Das Geschenk des Zauberers
An Bord eines Seeteufels
Von Bremen aus heimwärts
Hexenwerke im Harz?

Auch hierzulande gibt es Reise- Erschwernisse
Im heiligen Köln
Säulenheilige am Dom
Liebesarien
Ein Abend mit lauter Fragen
Was soll ich in Amerika?
Wiedersehen mit Mahajusha
Im Wein wird doch Wahrheit sein?
Mahajusha schenkt mir Flügel
Tiefschläge aus heiterem Himmel

Nachwort
Lesungen u. Bestellungen für Buch
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Sach-, Personen und Ortsregister
Rollentauschmöglichkeiten

Ich selbst
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