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Unerwartete Freuden in
Polarnächten
Wie es uns später gelungen ist, eine Eskimosiedlung anzusteuern
und dort zu ankern, kann ich nicht mehr zuverlässig berichten,
nicht nur, weil wir noch in einem Teil der völlig ungewohnten
Polarnacht dort ankamen. Wir waren glücklich, unser
Bärenfleisch und Mengen von Fisch und vermutlichem gefrorenem
Seehundfleisch endlich mit Rum flambiert zusammen mit unseren
Gastgebern genießen zu können; sie schienen das
großartig zu finden.
Die englische Höflichkeit, der auch ich mich verpflichtet
fühlte, wurde etwas strapaziert, weil auch die Frauen der Eskimos
zum Schutz gegen die Kälte ein dort bewährtes, aus Fischfett
und Lebertran gewonnenes Hautöl benutzten und weil sie dort oben
offenbar die Körperpflege überhaupt auf ein Minimum
reduzieren. Kurzum, sie rochen alle etwas streng, aber das beleidigte
unsere Nasen nur so lange, bis wir ebenso rochen, und das war bald.
Fassungslos staunten wir anfangs über die grenzenlose
Gastfreundschaft der Eskimos, vor allem nachts. Die Eskimo-Frauen
lachten uns herzlich an und überbrachten sich selbst als
Gastgeschenk, spürbar nicht freudlos und sichtlich auch von der
Abwechslung angetan, die ihnen noch lange Redestoff und Grund zum
Lachen über die seltsamen weißhäutigen Fremdlinge geben
würde.
Die mir zugefallene Schwarzäugige fühlte sich überhaupt
nicht kalt und zurückhaltend an und verstand es ganz
vorzüglich, mich bei den fürchterlich niedrigen
Außentemperaturen nicht nur zu erwärmen. Zeitraubende
Liebesspiele waren hier offenbar gänzlich unbekannt; ich sah einen
anspruchsvollen Kulturauftrag.
Ich erfreute mich beispielsweise an ihren spitzen und festen, etwas
nach außen gerichteten Brüsten, wie ich sie sonst nur von
Frauen auf der anderen Seite der Weltkugel kannte. Ich hatte wieder
Glück: Ihre Rosetten waren nicht oval, was, wenn ich mich richtig
erinnere, nur zwei Frauen in meinem Leben mit anderen Vorzügen
für meinen erotischen Geschmack mit anderen Vorzügen
„überspielen“ konnten. Lanukaja schien es völlig neu zu sein,
dass ihr gelb-brauner Körper mehrere Lustzentren besaß, die
geben und nehmen, liebkost und geweckt werden können; auf diese
Erfahrungen hat sie nach amüsiertem Staunen begeistert und
geradezu explodierend lustvoll geantwortet. Und weil sie so
überaus interessiert schien, versuchte ich ihr eine Vorstellung
davon zu geben, dass es in anderen Ländern hinter den Eismeeren
noch andere als die beiden bei ihnen üblichen Arten der
Körpervereinigung gab.
Ich ahnte natürlich nicht, was ich damit bei ihr und in der
Siedlung auslöste. Ich habe ihr einen riesigen Schneeball als
Weltkugel geformt und versucht, ihr zu zeigen, wo wir jetzt sind und wo
wir herkommen und wo andere Menschen wohnen. Sie fand meine
Behauptungen wohl völlig verrückt, vor allem, weil sie
unseren Planeten falsch dargestellt sah, aber unsere gezeigte
Lebenseinstellung hat sie belustigt, und so sahen es auch die anderen
Frauen: Sie nahmen uns nicht sehr ernst.
Während die Eskimo-Männer -bis auf einige uns gern und
erkennbar lüstern zuschauende und lachend kommentierende Alte
beiderlei Geschlechts -ihrem harten Alltagsgeschäft des Fischens
und Jagens nachgingen und dabei oft wochenlang mit ihren
Schlittenhunden unterwegs waren, führte meine gelehrige Lanukaja
ihren staunenden, aber sehr lernbereiten Freundinnen aus den
Nachbar-Iglus zusammen mit mir einiges einer neuen und interessanteren
Art des Liebens vor: auf spanische, italienische, griechische,
türkische, ägyptische, persische, indische Weise und
schließlich mit den Lusterkenntnissen der
Südsee-Inselbewohner, von deren Existenz sie noch nie gehört
hatten, die sie sich aber als unglaublich exotische Menschen offenbar
irgendwie vorstellen konnten.
Natürlich hatte ich mir das Meiste einfach ausgedacht und ich habe
einleitend immer erst die Länder auf der Schneeballweltkugel
gezeigt und dann das von mir überwiegend auch nur vermutete
Temperament der ihnen völlig unbekannten Völker angedeutet –
und meine Erinnerung einfach mit dem Kamasutra gefüllt.
Die irgendwann einmal heimkehrenden Eskimos werden ihre Frauen nicht
wiedererkannt haben.
Es war ein köstliches Vergnügen, übrigens unerwartet
auch für meine englischen Begleiter, die bislang nur die ihren
Vorfahren vor Jahrhunderten von selbst abstinenten Missionaren
verordnete, eher lustferne und vom reinen Befruchtungs- auftrag nicht
weiter ablenkende Begattung zu kennen schienen: Ihnen gingen die Augen
über und sie entdeckten als bald angeleitete Akteure eine neue
Lust am Leben.
Die wirklich immerzu heiteren und zu vielen Späßen
aufgelegten Frauen haben uns über die Stimmungsschwankungen
hinweggeholfen, die die unheimliche Polarnacht bei uns auslöste:
zwei Monate ohne Sonnenlicht fanden wir ziemlich bedrückend, aber
wir waren nicht sehr oft draußen und haben diesen
Dauernächten trotzdem viel abgewonnen.
Ich freute mich oft über unsere besonders disziplinierte
Schiffsmannschaft und über die Gestaltung der Tagesstruktur, die
sich die Offiziere ausgedacht und durchgesetzt haben. Der Kapitän
verstand es, viele Talente unter seinen Leuten hervorzulocken und zu
fördern. Die Mannschaft und der größte Teil der
Offiziere schliefen weiterhin auf dem Schiff und über die
übliche Arbeit an Bord hinaus hatten wir ja einen
beträchtlichen Reparaturbedarf.
Aber ich staunte, dass wir der Eskimo-Bevölkerung noch wesentlich
mehr bieten konnten: Es gab ein ständig besuchtes Hospital-Zelt
auf dem Deck, ein täglich geöffnetes „Kinderparadies“, eine
„Nautilus-Bar“, ein wöchentliches „Kapitäns- Dinner“ mit
Candle-Light, Theatervorstellungen mit äußerst lustigen
Darbietungen, einen sehr improvisierten „Zoo“ und häufige
Schiffsführungen mit Lampen.
Die Zeit verging uns wie im Fluge, aber wir freuten uns doch über
die Aufregung, die die Ankunft einiger Schiffe auslöste: Das
britische Marineministerium war so umsichtig gewesen, uns eine
Expedition nachzuschicken.
Das war auch notwendig, denn unsere Schiffsreparaturmöglichkeiten
waren längst erschöpft und wir wären heute mit
Sicherheit alle hochgeachtete Eskimos, wenn man uns nicht so freundlich
in die Zivilisation zurückgeholt hätte. Und zumindest die
Earls und auch Seine Lordschaft wurden in ihrer Heimat noch gebraucht.
Sie brachten übrigens eine Menge Eisbärenfelle mit heim, alle
mit Kopf.
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