Münchhausen
Geliebt hab ich sie  fast  alle
© von Willem de Haan
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Spätes, erfreuliches Nachspiel

Vor einigen Monaten hat es mich so spät an die Weser Heimgekehrten auch wieder nach Göttingen gezogen. Ich habe alte Freunde wiedergefunden, der schon stattlichen Universitätssammlung einige exotische Mitbringsel geschenkt und in der großartigen Bibliothek einiges nachgeschlagen und notiert; ich habe mich von einem Arzt vorsorglich untersuchen lassen und dazwischen habe ich einige mir von früher bekannte Wein- und Gaststuben wieder besucht. In der berühmten Konditorei habe ich die wunderbarsten Torten der Welt auf der Zunge zergehen lassen. Stunden später traf ich in der Nähe des Marktes in einem Restaurant Gabi wieder, meine Gabi aus Holzminden.

Ich war mit zwei alten Gefährten dort; ich hatte ausnahmsweise Durst auf Bier und ließ mir vom Schankmädchen etwas Schmackhaftes empfehlen. Sie zählte auf: „Ich kann Ihnen Kaninchenbraten bringen, oder ein Täubchen oder einen Hecht aus der Leine.“ 

Aus meiner Studentenzeit wusste ich, dass die Kaninchen die viel gejagte Plage der Bürgergärten waren und billig an die Gasthäuser abgegeben wurden und dass die „Täubchen“ oft die Opfer der Turmfalken in der Jacobikirche geworden waren, manchmal eben auch Dohlen und junge Raben. Als Vorspeise wünschte ich mir Schwarzbrot mit Butter und Göttinger Wurst; auf diesen Dreiklang hatte ich mich lange gefreut.

Zum Bier schien mir der Hecht zu passen. Ich fragte, wie die Köchin ihn zubereiten würde. Mit dieser Frage hatte ich aber das Mädchen überfordert; sie wandte sich an die Frau mit den rosigen Wangen, die das Bier zapfte. In diesem Augenblick trafen sich unsere Blicke und wir erkannten uns.

Es war wie im Traum; ich stand auf, sah sie immerzu an und ging dann marionettenhaft staksig auf sie zu und sie kam mir ebenso langsam und schwebend entgegen, und dann breitete sie die Arme aus und ich stürzte zu ihr hin und wir umarmten und küssten uns lange und innig, übrigens zur besonderen Erheiterung der Gäste: Gabi, meine lustvolle Jugendliebe in Holzminden!

Es wurde ein lustiger Abend für alle Gäste - mir war spendabel zumute; der Hecht schmeckte mir sehr und ich nahm, nachdem Gabi mir „bleib doch hier!“ zugeflüstert hatte, in ihrem Gasthaus ein Zimmer, obwohl ich mich schon anderswo eingemietet hatte. Sie hatte noch lange unten aufzuräumen, ich streckte mich schon mal aus.

Ich schlief schon fest, als sie in meine Arme schlüpfte. Sie sagte mir, als ich Stunden später erwachte: „Du hast mich umarmt wie ein schlafendes Kind seine Puppe – ausgenommen eben; da schienst du mich zu erkennen. So hatte ich dich in Erinnerung und oft herbeigesehnt Es ist einfach schön, mich an dich zu schmiegen…“

Zweimal habe ich seither Gabi wieder besucht; es hat sich vieles zwischen uns verändert und viel Wertvolles ist dazugekommen. Gabi ist eine reife und mich ungemein fesselnde Frau geworden; sie hat inzwischen etliche Frühlinge mehr gesehen, fast so viele wie ich. Sie hat mir den Kopf so nachhaltig verdreht, dass ich nach langer Zeit wieder ein Briefschreiber geworden bin und nächsten Donnerstag
wieder nach Göttingen fahren will. Wenn alles gut geht, wird sie mich bald nach Amerika begleiten. Ihre Schwester Bärbel hat mich übrigens vor 14 Tagen mit ihrem Oberkirchenrat und vier jüngeren Kindern besucht. Das war ein großartiges, ziemlich lautes und fröhliches Treffen.

Der Hecht vom ersten Abend war übrigens nicht aus der Leine, sondern aus den Fischteichen von Steertkotten jun. – aber solche Feinheiten muss man ja vor Göttinger Gästen nicht unbedingt ausplaudern. Und der Weißwein, den wir jetzt schlürfen, wird euch auf das Abendessen einstimmen; es gibt nämlich gleich einen raffiniert zubereiteten Hecht, den Gerd Steertkotten geliefert hat. Wir dürfen uns auf diesen Frühlingsfisch freuen; er will sicher in diesem herbem Wein schwimmen. Seid großzügig: nur ein paar Schlückchen wären für ihn sicher eine Beleidigung. Zum Wohl, Freunde!

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Inhalt
Am Beginn unserer Bekanntschaft
Aufbruch
Das will ich vorausschicken
Lernstunden der Liebe
Frühlingsfische
Spätes, erfreuliches Wiedersehen
Waldfee? Teufelsweib? Hexe?
Mein anderer Franziskus
Die Eroberung einer Burgherrin
Meine Reise nach Russland

Riskante Rast im Schnee
Dreiundzwanzig liebeshungrige Frauen
Hochzeitsgast in einem russischen Dorf
Endlich in St. Petersburg
Der Zarin zu Füßen
Bei Hofe knistert überall Erotik
Russische und indische Liebeskünste
Allerhöchste Schokoladengelüste
Im Hintergrund des Machtzentrums
Kaiserliche Gewinnspiele

Vertrauter und künstlerischer Berater

Wir brauchen eine Bühne und Verkleidungen
Auch ein Starker braucht Bestärkung
Un(frei)williger Kriegsheld
Tatarenleidenschaft
Beim Sultan in Konstantinopel
Ein türkisches Muss: Ein Harem für mich
Ich lebe gern mit vielen Frauen
Jeder Alltag war ein Festtag
Die Flöte des Pan
Gewöhnungsbedürftiges
Für manches weiß ich eine Lösung
Kulturaustausch mit dem Reich der Pharaonen
Im Palast des Paschas
Ägyptische Freuden und Plagen
In goldenen Käfigen
Delfine zogen mich nach Griechenland
Stille Zeit und alte Bräuche
Begegnung mit überirdischer Schönheit
In die Welt hinausgeschleudert

In weiblicher Gefangenschaft
Strafverschärfung: Lieblingsgefangener
Schöpferisches Handeln hält hellwach
Undankbare Flucht
Mediterranes Zwischenspiel
Ich erforschte den falschen Vulkan
Verblendeter und sofort bestrafter Eifer
Verlust der Erdenschwere
Auf einem andern Stern
Die Muse des Gesanges

Befreiung durch Naturgesetze
Archäologen wurden Zeugen
Eingewöhnung in irdisches Leben
Jagdverhinderung in Bayern
Im schottischen Hochmoor
Frühstück für Nessie
Eisbären sind musikalisch und tanzfreudig
Unerwartete Freuden in Polarnächten
Tigerjagd in Bengalen
Literatur als Überlebenshilfe

Nächtlicher Kampf mit Berglöwen
Liebe macht manchmal erfinderisch
Dichtertreffen
Der König mit dem Knall
Delikate Mission: Königlicher Vorkoster
…und her wider unz an Ungerland
Heilige in der Kirche, Dame im Salon und im Bett eine…
Dagmars unwiderstehliche Strategie
Mit Wanda und Ewa im Schnee
Ein erotisches Krisen-Komitee

Königlich-Niederländisches Liebesnest
Tarantella tanzen in Tarent
Irgendwo in der Südsee
Lernbereite Kannibalenkinder
Seminare unter Palmen
Manchmal hilft uns auch ein Schurke
Das Geschenk des Zauberers
An Bord eines Seeteufels
Von Bremen aus heimwärts
Hexenwerke im Harz?

Auch hierzulande gibt es Reise- Erschwernisse
Im heiligen Köln
Säulenheilige am Dom
Liebesarien
Ein Abend mit lauter Fragen
Was soll ich in Amerika?
Wiedersehen mit Mahajusha
Im Wein wird doch Wahrheit sein?
Mahajusha schenkt mir Flügel
Tiefschläge aus heiterem Himmel

Nachwort
Lesungen u. Bestellungen für Buch
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