Münchhausen
Geliebt hab ich sie  fast  alle
© Willem de Haan
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Eingewöhnung in irdisches Leben

Leider schlief der Gelehrte am folgenden Morgen lange. Ich hatte schon mit seiner Tochter gefrühstückt und intensiv geschäkert, und weil sich eine günstige Reisemöglichkeit anbot, der Postkutscher aber nicht länger warten konnte, mussten wir nach einer Briefnachricht für den Professor ohne ihn in die Residenzstadt fahren; sie ohne jedes Gepäck - das durfte ich als besonderen Sympathiebeweis werten.

Sie hatte vielleicht angenommen, abends wieder zurück zu sein. Das wollte ich unbedingt verhindern. Ich erzählte ihr ausführlich und sie stellte mir in Vertretung ihres Vaters unendlich viele Fragen. Ich berichtete gern, denn ich wusste aus meinen Studententagen, dass Göttinger Wissensdurst schwer zu stillen ist; auch nicht der von Professorentöchtern mit verführerischen Lippen und einer wohlgeformten Gestalt, die mich nach den langen Entbehrungen in der anderen Welt stark beeindruckten. Ich konnte mich an ihrem hellen Gesicht mit den fröhlichen Augen gar nicht satt sehen. Sie wird gespürt haben, dass sie mich sehr beeindruckte, aber wir plauderten leichthin über das hinweg, was sich immer stärker Bahn brach.

Als wir unterwegs einmal hielten, pflückte sie auf einer Wiese Minze und gab mir wortlos die Blätter zum Kauen. Ich roch wohl abschreckend intensiv nach Knoblauch.

Auf der hochgelegenen Burg wurden wir freundlich vom Grafen Otto empfangen, der mich, wie ich es auch erhofft hatte, in selbstverständlicher Adelssolidarität wieder menschen-und erdenwürdig ausstattete und mir am Ende die Weiterreise ermöglichen wollte. Aber, das war der Pferdefuß: er wollte mich nicht fortlassen, bevor ich ihm und seinem Freundeskreis einen stattlichen Teil meiner Erlebnisse geschildert hatte.

Der uns begrüßende Diener hatte die wenig schmeichelhafte Vermutung geäußert, meine Begleiterin sei meine Tochter. Weil ich mir in diesem Augenblick die Nase putzte, konnte ich dies nicht sofort richtig stellen und deshalb setzte er die Richtigkeit seiner Annahme voraus. Zu meinem Erstaunen protestierte aber auch die junge Frau nicht gegen den Irrtum. Außer mir sah niemand ihr Erröten, und sie genoss es sichtlich, dass ihr seit dieser familiären Zuordnung der Titel „Baroness“ zugefallen war.

Wir bekamen miteinander verbundene Burgzimmer. Diese Verbindung erwies sich als menschenfreundlich, denn Dorothee war zwar an allerlei Krankheitsbilder gewöhnt, nicht aber an ständiges Knacken und Knarren, das ihr zwei Nächte lang den Schlaf unterbrochen hatte - bis wir eine Regelung fanden, die sie wieder ausreichend müde machte und beruhigt schlafen ließ.

Wir stellten fest, dass unser Forscherdrang und unser Wissensdurst harmonierten. Wir lernten auch in nicht unbedingt wissenschaftlichen Bereichen viel Interessantes voneinander und erlebten staunend ein inniges Vertrautwerden. Ihr langer Rücken war eine Offenbarung für mich und ihre mich begeisternden Rundungen wurden übertroffen, wenn ich sie von vorn sehen und fühlen und schmecken durfte. Sie fand mich ausgedürstet und verhungert; sie fand darin übrigens keine Zumutung, im Gegenteil…

Damals galt leider ein großer Altersunterschied als unverantwortbar und ich ließ mich von dieser Volksmeinung zu sehr beeindrucken, sonst…

Ach, ich habe mich wieder heiser und durstig geredet, Freunde; ihr seid mir jetzt schon so viele Gläser Wein voraus, dass ich euch kaum noch einholen kann. Der Bratenduft weht schon herüber - ich erzähle euch zum Dessert, wie es für mich unerwartet weiterging.

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Inhalt

Am Beginn unserer Bekanntschaft
Aufbruch
Das will ich vorausschicken
Lernstunden der Liebe
Frühlingsfische
Spätes, erfreuliches Wiedersehen
Waldfee? Teufelsweib? Hexe?
Mein anderer Franziskus
Die Eroberung einer Burgherrin
Meine Reise nach Russland

Riskante Rast im Schnee
Dreiundzwanzig liebeshungrige Frauen
Hochzeitsgast in einem russischen Dorf
Endlich in St. Petersburg
Der Zarin zu Füßen
Bei Hofe knistert überall Erotik
Russische und indische Liebeskünste
Allerhöchste Schokoladengelüste
Im Hintergrund des Machtzentrums
Kaiserliche Gewinnspiele

Vertrauter und künstlerischer Berater
Wir brauchen eine Bühne und Verkleidungen
Auch ein Starker braucht Bestärkung
Un(frei)williger Kriegsheld
Tatarenleidenschaft
Beim Sultan in Konstantinopel
Ein türkisches Muss: Ein Harem für mich
Ich lebe gern mit vielen Frauen
Jeder Alltag war ein Festtag
Die Flöte des Pan

Gewöhnungsbedürftiges
Für manches weiß ich eine Lösung
Kulturaustausch mit dem Reich der Pharaonen
Im Palast des Paschas
Ägyptische Freuden und Plagen
In goldenen Käfigen
Delfine zogen mich nach Griechenland
Stille Zeit und alte Bräuche
Begegnung mit überirdischer Schönheit
In die Welt hinausgeschleudert

In weiblicher Gefangenschaft
Strafverschärfung: Lieblingsgefangener
Schöpferisches Handeln hält hellwach
Undankbare Flucht
Mediterranes Zwischenspiel
Ich erforschte den falschen Vulkan
Verblendeter und sofort bestrafter Eifer
Verlust der Erdenschwere
Auf einem andern Stern
Die Muse des Gesanges

Befreiung durch Naturgesetze
Archäologen wurden Zeugen
Eingewöhnung in irdisches Leben
Jagdverhinderung in Bayern
Im schottischen Hochmoor
Frühstück für Nessie
Eisbären sind musikalisch und tanzfreudig
Unerwartete Freuden in Polarnächten
Tigerjagd in Bengalen
Literatur als Überlebenshilfe

Nächtlicher Kampf mit Berglöwen
Liebe macht manchmal erfinderisch
Dichtertreffen
Der König mit dem Knall
Delikate Mission: Königlicher Vorkoster
…und her wider unz an Ungerland
Heilige in der Kirche, Dame im Salon und im Bett eine…
Dagmars unwiderstehliche Strategie
Mit Wanda und Ewa im Schnee
Ein erotisches Krisen-Komitee

Königlich-Niederländisches Liebesnest
Tarantella tanzen in Tarent
Irgendwo in der Südsee
Lernbereite Kannibalenkinder
Seminare unter Palmen
Manchmal hilft uns auch ein Schurke
Das Geschenk des Zauberers
An Bord eines Seeteufels
Von Bremen aus heimwärts
Hexenwerke im Harz?

Auch hierzulande gibt es Reise- Erschwernisse
Im heiligen Köln
Säulenheilige am Dom
Liebesarien
Ein Abend mit lauter Fragen
Was soll ich in Amerika?
Wiedersehen mit Mahajusha
Im Wein wird doch Wahrheit sein?
Mahajusha schenkt mir Flügel
Tiefschläge aus heiterem Himmel

Nachwort
Lesungen u. Bestellungen für Buch
und CD-Fassung

Sach-, Personen und Ortsregister
Rollentauschmöglichkeiten

Ich selbst
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