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Eingewöhnung in
irdisches Leben
Leider schlief der Gelehrte am folgenden Morgen lange. Ich hatte schon
mit seiner Tochter gefrühstückt und intensiv geschäkert,
und weil sich eine günstige Reisemöglichkeit anbot, der
Postkutscher aber nicht länger warten konnte, mussten wir nach
einer Briefnachricht für den Professor ohne ihn in die
Residenzstadt fahren; sie ohne jedes Gepäck - das durfte ich als
besonderen Sympathiebeweis werten.
Sie hatte vielleicht angenommen, abends wieder zurück zu sein. Das
wollte ich unbedingt verhindern. Ich erzählte ihr ausführlich
und sie stellte mir in Vertretung ihres Vaters unendlich viele Fragen.
Ich berichtete gern, denn ich wusste aus meinen Studententagen, dass
Göttinger Wissensdurst schwer zu stillen ist; auch nicht der von
Professorentöchtern mit verführerischen Lippen und einer
wohlgeformten Gestalt, die mich nach den langen Entbehrungen in der
anderen Welt stark beeindruckten. Ich konnte mich an ihrem hellen
Gesicht mit den fröhlichen Augen gar nicht satt sehen. Sie wird
gespürt haben, dass sie mich sehr beeindruckte, aber wir
plauderten leichthin über das hinweg, was sich immer stärker
Bahn brach.
Als wir unterwegs einmal hielten, pflückte sie auf einer Wiese
Minze und gab mir wortlos die Blätter zum Kauen. Ich roch wohl
abschreckend intensiv nach Knoblauch.
Auf der hochgelegenen Burg wurden wir freundlich vom Grafen Otto
empfangen, der mich, wie ich es auch erhofft hatte, in
selbstverständlicher Adelssolidarität wieder menschen-und
erdenwürdig ausstattete und mir am Ende die Weiterreise
ermöglichen wollte. Aber, das war der Pferdefuß: er wollte
mich nicht fortlassen, bevor ich ihm und seinem Freundeskreis einen
stattlichen Teil meiner Erlebnisse geschildert hatte.
Der uns begrüßende Diener hatte die wenig schmeichelhafte
Vermutung geäußert, meine Begleiterin sei meine Tochter.
Weil ich mir in diesem Augenblick die Nase putzte, konnte ich dies
nicht sofort richtig stellen und deshalb setzte er die Richtigkeit
seiner Annahme voraus. Zu meinem Erstaunen protestierte aber auch die
junge Frau nicht gegen den Irrtum. Außer mir sah niemand ihr
Erröten, und sie genoss es sichtlich, dass ihr seit dieser
familiären Zuordnung der Titel „Baroness“ zugefallen war.
Wir bekamen miteinander verbundene Burgzimmer. Diese Verbindung erwies
sich als menschenfreundlich, denn Dorothee war zwar an allerlei
Krankheitsbilder gewöhnt, nicht aber an ständiges Knacken und
Knarren, das ihr zwei Nächte lang den Schlaf unterbrochen hatte -
bis wir eine Regelung fanden, die sie wieder ausreichend müde
machte und beruhigt schlafen ließ.
Wir stellten fest, dass unser Forscherdrang und unser Wissensdurst
harmonierten. Wir lernten auch in nicht unbedingt wissenschaftlichen
Bereichen viel Interessantes voneinander und erlebten staunend ein
inniges Vertrautwerden. Ihr langer Rücken war eine Offenbarung
für mich und ihre mich begeisternden Rundungen wurden
übertroffen, wenn ich sie von vorn sehen und fühlen und
schmecken durfte. Sie fand mich ausgedürstet und verhungert; sie
fand darin übrigens keine Zumutung, im Gegenteil…
Damals galt leider ein großer Altersunterschied als
unverantwortbar und ich ließ mich von dieser Volksmeinung zu sehr
beeindrucken, sonst…
Ach, ich habe mich wieder heiser und durstig geredet, Freunde; ihr seid
mir jetzt schon so viele Gläser Wein voraus, dass ich euch kaum
noch einholen kann. Der Bratenduft weht schon herüber - ich
erzähle euch zum Dessert, wie es für mich unerwartet
weiterging.
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