Münchhausen
Geliebt hab ich sie  fast  alle
© Willem de Haan
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Für manches weiß ich eine Lösung

Mein Herrscher war ein unersättlicher, lustsüchtiger Genießer. Von diesem erfahrenem Frauenkenner habe ich manches gelernt und in manchem konnte auch ich ihn beraten. Leider verdarb er sich manchen Genuss dadurch, dass seine Frauen vor ihm zitterten, denn es war bekannt, dass seine Neugier viel zu schnell gestillt war. Das ließ ihn immer öfter zornig und ungerecht werden.

Ich versuchte ihm mit einigen Ratschlägen und Methoden zu helfen, aber es ergab sich, was seine Vertrauten und auch ich schon lange befürchtet hatten: dem Sultan erlahmten die Lenden. Er empfand dies als Schmach und befahl mir, es irgendwie einzurichten, dass diese Schwäche seinen Frauen und seinem Volk noch lange verborgen blieb. Das war schwierig, denn der Sultan hatte einige Gewohnheiten, die ihm bei seinen Untertanen einen gewissen Ruhm eingebracht hatten, diese etwa: Wenn er durch die Stadt getragen wurde, pflegte er aus dem Fenster der Sänfte mit seinem goldenen Stab an etliche Male auf eine Frau zu zeigen, die ihn neugierig machte. Seine Diener stürzten sich dann auf die Frauen und brachten sie unter dem Beifall der Menge in den Palast.

Es ging das leicht erklärbare Gerücht, dass es manche Frau darauf angelegt hatte, dem Herrscher aufzufallen, denn es galt als hohe Ehre, die Gunst des Sultans gefunden zu haben, abgesehen von dem stattlichen Rubin, den jede Frau später als zeitlebens erinnernden Halsschmuck erhielt. Ich sollte verhindern, dass die schließlich mit eindeutigen Erwartungen oder Befürchtungen in den Palast befohlenen Frauen delikate Erkenntnisse verbreiten konnten.

Damals erinnerte ich mich angesichts seiner Besorgnisse an ein Spiel, das ich vorzeiten für den König von Spanien erfunden hatte. Als Gast am Hof in Paris hatte der stolze Spanier mir einmal ähnliche Schwierigkeiten anvertraut. Ich wurde dann offiziell als Hof-Animateur an die spanische Krone ausgeliehen. Der damalige König war besonders zufrieden mit mir gewesen und hatte mir zum Abschied ein herrliches Handelsschiff samt seiner mit dem Handelsaustausch mit Indien und China vertrauten Besatzung geschenkt. Das war nebenbei der Grundstock zu meinem zeitweiligen Vermögen, mit dem ich später einigen durch ihre Kriege hoch verschuldeten Ländern ihre Handelsschiffe abkaufen und fortan auf meinen Namen segeln lassen konnte.

Die Geschichten mit dem Spiel in den dunklen Salons, in denen niemand erkennbar war, sind für heute zu lang. Ich will euch, um eure Fantasie anzuregen, nur soviel verraten: Den Frauen war geraten worden, bei den wechselnden Tanzpartnern auf den auch gut fühlbaren Schmuck des Sultans zu achten. Sie konnten nicht ahnen, dass mehrere Männer von ähnlicher Gestalt und Kleidung wie der Sultan Nachbildungen seiner Ringe, seiner Armreifen und seines Halsschmuckes trugen...

Das brachte dem Sultan aber keine Fortsetzung seiner ihm wichtigsten erotischen Erlebnisse; deshalb ließ ich vom Hofjuwelier eine goldene Hülle fertigen, die den Herold seiner Männlichkeit aufnahm, die wünschbare Form in gut fühlbarer Weise verstärkte und auch seine Größe etwas übertrieb. Dieses Goldstück wurde eine Sensation und es galt bei den Damen der Gesellschaft als hohe Ehre, es wenigstens einmal in seiner Funktion erlebt zu haben. Der Sultan war über die Wirkung auf Frauen begeistert und glaubte nach einiger Zeit, seine männliche Unwiderstehlichkeit wäre der eigentliche Grund dafür.

Erotische Besonderheiten verbreiten sich auch im Ausland erstaunlich schnell: Mehrere Könige, Fürsten, Feldherren und andere Mächtige, die verspürten, dass ihrem Gemächt die Mächtigkeit erkennbar verloren ging, fragten diskret bei mir an, ob ich ihnen ein ähnliches Modell anpassen könnte. Einige Interessenten hätten auch den Vatikan erstaunt, aber die geistlichen Vermittler haben sicher nur ganz anderen Persönlichkeiten einen vertraulichen Liebesdienst erfüllen wollen. Selbstverständlich wurden alle Wünsche mit Wissen des Sultans und nebenbei auch seines Geheimdienstes erfüllt, natürlich mit einem Auslandsaufschlag.

Weil der Hofjuwelier an diesen Dienstleistungen viel verdiente, hatte ich keine Scheu, einen starken Anteil zu verlangen; schließlich war auf allen goldenen „Glücksbringern“ mein Namenszug als Gütezeichen eingraviert – er war fast so gut gelungen wie einst die Widmung auf meinem vergoldeten Taufbecher, mit der mich ein Goldschmied aus Hameln beeindruckt und so spät noch angeregt hat.

Freunde und Freundesfrauen, dies waren einige Beispiele aus meinem Leben in Konstantinopel und Erinnerungen daran, wie glücklich und frei von Eifersüchteleien wir miteinander lebten. Ich habe Zweifel, ob dies zwischen Weser und Aller oder gar zwischen Weser und Oder ähnlich harmonisch verlaufen wäre.

Ich bitte euch um Geduld und Aufschub für die Fortsetzung, denn zuvor müssen wir uns den gefüllten Enten und Hasen widmen, die mein für heute Abend ausgeliehener Koch für uns zubereitet und schon aufgetragen hat. Ich habe sein Handzeichen gesehen.

Lasst eure Gläser stehn, Freunde; drüben gibt es anderen Wein und neue Gläser…

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Inhalt

Am Beginn unserer Bekanntschaft
Aufbruch
Das will ich vorausschicken
Lernstunden der Liebe
Frühlingsfische
Spätes, erfreuliches Wiedersehen
Waldfee? Teufelsweib? Hexe?
Mein anderer Franziskus
Die Eroberung einer Burgherrin
Meine Reise nach Russland

Riskante Rast im Schnee
Dreiundzwanzig liebeshungrige Frauen
Hochzeitsgast in einem russischen Dorf
Endlich in St. Petersburg
Der Zarin zu Füßen
Bei Hofe knistert überall Erotik
Russische und indische Liebeskünste
Allerhöchste Schokoladengelüste
Im Hintergrund des Machtzentrums
Kaiserliche Gewinnspiele

Vertrauter und künstlerischer Berater
Wir brauchen eine Bühne und Verkleidungen
Auch ein Starker braucht Bestärkung
Un(frei)williger Kriegsheld
Tatarenleidenschaft
Beim Sultan in Konstantinopel
Ein türkisches Muss: Ein Harem für mich
Ich lebe gern mit vielen Frauen
Jeder Alltag war ein Festtag
Die Flöte des Pan

Gewöhnungsbedürftiges
Für manches weiß ich eine Lösung
Kulturaustausch mit dem Reich der Pharaonen
Im Palast des Paschas
Ägyptische Freuden und Plagen
In goldenen Käfigen
Delfine zogen mich nach Griechenland
Stille Zeit und alte Bräuche
Begegnung mit überirdischer Schönheit
In die Welt hinausgeschleudert

In weiblicher Gefangenschaft
Strafverschärfung: Lieblingsgefangener
Schöpferisches Handeln hält hellwach
Undankbare Flucht
Mediterranes Zwischenspiel
Ich erforschte den falschen Vulkan
Verblendeter und sofort bestrafter Eifer
Verlust der Erdenschwere
Auf einem andern Stern
Die Muse des Gesanges

Befreiung durch Naturgesetze
Archäologen wurden Zeugen
Eingewöhnung in irdisches Leben
Jagdverhinderung in Bayern
Im schottischen Hochmoor
Frühstück für Nessie
Eisbären sind musikalisch und tanzfreudig
Unerwartete Freuden in Polarnächten
Tigerjagd in Bengalen
Literatur als Überlebenshilfe

Nächtlicher Kampf mit Berglöwen
Liebe macht manchmal erfinderisch
Dichtertreffen
Der König mit dem Knall
Delikate Mission: Königlicher Vorkoster
…und her wider unz an Ungerland
Heilige in der Kirche, Dame im Salon und im Bett eine…
Dagmars unwiderstehliche Strategie
Mit Wanda und Ewa im Schnee
Ein erotisches Krisen-Komitee

Königlich-Niederländisches Liebesnest
Tarantella tanzen in Tarent
Irgendwo in der Südsee
Lernbereite Kannibalenkinder
Seminare unter Palmen
Manchmal hilft uns auch ein Schurke
Das Geschenk des Zauberers
An Bord eines Seeteufels
Von Bremen aus heimwärts
Hexenwerke im Harz?

Auch hierzulande gibt es Reise- Erschwernisse
Im heiligen Köln
Säulenheilige am Dom
Liebesarien
Ein Abend mit lauter Fragen
Was soll ich in Amerika?
Wiedersehen mit Mahajusha
Im Wein wird doch Wahrheit sein?
Mahajusha schenkt mir Flügel
Tiefschläge aus heiterem Himmel

Nachwort
Lesungen u. Bestellungen für Buch
und CD-Fassung

Sach-, Personen und Ortsregister
Rollentauschmöglichkeiten

Ich selbst
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