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Für manches
weiß ich eine Lösung
Mein Herrscher war ein unersättlicher, lustsüchtiger
Genießer. Von diesem erfahrenem Frauenkenner habe ich manches
gelernt und in manchem konnte auch ich ihn beraten. Leider verdarb er
sich manchen Genuss dadurch, dass seine Frauen vor ihm zitterten, denn
es war bekannt, dass seine Neugier viel zu schnell gestillt war. Das
ließ ihn immer öfter zornig und ungerecht werden.
Ich versuchte ihm mit einigen Ratschlägen und Methoden zu helfen,
aber es ergab sich, was seine Vertrauten und auch ich schon lange
befürchtet hatten: dem Sultan erlahmten die Lenden. Er empfand
dies als Schmach und befahl mir, es irgendwie einzurichten, dass diese
Schwäche seinen Frauen und seinem Volk noch lange verborgen blieb.
Das war schwierig, denn der Sultan hatte einige Gewohnheiten, die ihm
bei seinen Untertanen einen gewissen Ruhm eingebracht hatten, diese
etwa: Wenn er durch die Stadt getragen wurde, pflegte er aus dem
Fenster der Sänfte mit seinem goldenen Stab an etliche Male auf
eine Frau zu zeigen, die ihn neugierig machte. Seine Diener
stürzten sich dann auf die Frauen und brachten sie unter dem
Beifall der Menge in den Palast.
Es ging das leicht erklärbare Gerücht, dass es manche Frau
darauf angelegt hatte, dem Herrscher aufzufallen, denn es galt als hohe
Ehre, die Gunst des Sultans gefunden zu haben, abgesehen von dem
stattlichen Rubin, den jede Frau später als zeitlebens erinnernden
Halsschmuck erhielt. Ich sollte verhindern, dass die schließlich
mit eindeutigen Erwartungen oder Befürchtungen in den Palast
befohlenen Frauen delikate Erkenntnisse verbreiten konnten.
Damals erinnerte ich mich angesichts seiner Besorgnisse an ein Spiel,
das ich vorzeiten für den König von Spanien erfunden hatte.
Als Gast am Hof in Paris hatte der stolze Spanier mir einmal
ähnliche Schwierigkeiten anvertraut. Ich wurde dann offiziell als
Hof-Animateur an die spanische Krone ausgeliehen. Der damalige
König war besonders zufrieden mit mir gewesen und hatte mir zum
Abschied ein herrliches Handelsschiff samt seiner mit dem
Handelsaustausch mit Indien und China vertrauten Besatzung geschenkt.
Das war nebenbei der Grundstock zu meinem zeitweiligen Vermögen,
mit dem ich später einigen durch ihre Kriege hoch verschuldeten
Ländern ihre Handelsschiffe abkaufen und fortan auf meinen Namen
segeln lassen konnte.
Die Geschichten mit dem Spiel in den dunklen Salons, in denen niemand
erkennbar war, sind für heute zu lang. Ich will euch, um eure
Fantasie anzuregen, nur soviel verraten: Den Frauen war geraten worden,
bei den wechselnden Tanzpartnern auf den auch gut fühlbaren
Schmuck des Sultans zu achten. Sie konnten nicht ahnen, dass mehrere
Männer von ähnlicher Gestalt und Kleidung wie der Sultan
Nachbildungen seiner Ringe, seiner Armreifen und seines Halsschmuckes
trugen...
Das brachte dem Sultan aber keine Fortsetzung seiner ihm wichtigsten
erotischen Erlebnisse; deshalb ließ ich vom Hofjuwelier eine
goldene Hülle fertigen, die den Herold seiner Männlichkeit
aufnahm, die wünschbare Form in gut fühlbarer Weise
verstärkte und auch seine Größe etwas übertrieb.
Dieses Goldstück wurde eine Sensation und es galt bei den Damen
der Gesellschaft als hohe Ehre, es wenigstens einmal in seiner Funktion
erlebt zu haben. Der Sultan war über die Wirkung auf Frauen
begeistert und glaubte nach einiger Zeit, seine männliche
Unwiderstehlichkeit wäre der eigentliche Grund dafür.
Erotische Besonderheiten verbreiten sich auch im Ausland erstaunlich
schnell: Mehrere Könige, Fürsten, Feldherren und andere
Mächtige, die verspürten, dass ihrem Gemächt die
Mächtigkeit erkennbar verloren ging, fragten diskret bei mir an,
ob ich ihnen ein ähnliches Modell anpassen könnte. Einige
Interessenten hätten auch den Vatikan erstaunt, aber die
geistlichen Vermittler haben sicher nur ganz anderen
Persönlichkeiten einen vertraulichen Liebesdienst erfüllen
wollen. Selbstverständlich wurden alle Wünsche mit Wissen des
Sultans und nebenbei auch seines Geheimdienstes erfüllt,
natürlich mit einem Auslandsaufschlag.
Weil der Hofjuwelier an diesen Dienstleistungen viel verdiente, hatte
ich keine Scheu, einen starken Anteil zu verlangen; schließlich
war auf allen goldenen „Glücksbringern“ mein Namenszug als
Gütezeichen eingraviert – er war fast so gut gelungen wie einst
die Widmung auf meinem vergoldeten Taufbecher, mit der mich ein
Goldschmied aus Hameln beeindruckt und so spät noch angeregt hat.
Freunde und Freundesfrauen, dies waren einige Beispiele aus meinem
Leben in Konstantinopel und Erinnerungen daran, wie glücklich und
frei von Eifersüchteleien wir miteinander lebten. Ich habe
Zweifel, ob dies zwischen Weser und Aller oder gar zwischen Weser und
Oder ähnlich harmonisch verlaufen wäre.
Ich bitte euch um Geduld und Aufschub für die Fortsetzung, denn
zuvor müssen wir uns den gefüllten Enten und Hasen widmen,
die mein für heute Abend ausgeliehener Koch für uns
zubereitet und schon aufgetragen hat. Ich habe sein Handzeichen
gesehen.
Lasst eure Gläser stehn, Freunde; drüben gibt es anderen Wein
und neue Gläser…
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