Münchhausen
Geliebt hab ich sie  fast  alle
© Willem de Haan
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Die Flöte des Pan

Besonders willkommen bin ich im Hause des vielbeschäftigten Hafenkommandanten. Ich ahne, dass er dem Sultan nicht alle seine Geschäfte offen legen möchte. Vielleicht wünscht er sich meine Fürsprache, wenn er einmal in Schwierigkeiten gerät. Er bat mich jedenfalls auffallend eindringlich, seiner zauberhaften, sichtlich unter Heimweh leidenden französischen Gattin Vivienne Gesellschaft zu leisten, so oft es meine Zeit erlaubt.

Dieser Einladung folgte ich gern und oft, auch weil mich die Beziehung zu einer anziehenden Frau prickelnd reizte, die mir in keiner Weise zur Ergebenheit verpflichtet war. Ich wagte es aus moralischen Sicherheitsgründen freilich nie, sie ohne die Begleitung von Prinzessin Mahajusha zu besuchen, die dort aber dann in der weitläufigen alten Burganlage mit einem eigenen kleinen Hafen meistens sofort von den beiden Töchtern der Französin beansprucht wird; auch dieses Mal wieder.
 
Heute spielen wir nicht zuerst mein Lieblingsspiel, sondern brechen improvisiert zu einem Segeltörn auf. Vivienne trägt ein besonders verführerisches, durchsichtiges Kleid, das es mir erleichtert, die Förmlichkeit zwischen uns zu überwinden. Ich habe noch wenig Übung darin, gleichzeitig beim Steuern den Wind zu nutzen und eine liebehungrige Frau zu küssen. Sie sagt es scheinbar beiläufig und sah mich gar nicht dabei an, lehnte sich aber eng an mich und ihre Hand spüre ich als Botschafterin ihres Willens: „Werde ich dich endlich in mir spüren?“

Wir landen auf einer kleinen Insel, stolpern wie betrunken und sinken bald ins hohe Gras. Wir umarmen uns ungestüm und sind uns längst einig, dass wir einander alles geben wollen. Ich entkleide sie genussvoll und begrüße diesen verführerisch duftenden Leib mit begehrenden Küssen und habe kaum das Wichtigste tun und einleiten können, da trompetet in der Ferne ein Herold des Sultans das Signal „Der Herrscher verlangt dich“.

Wir sind ein ordentliches Stück vom Ufer entfernt, aber ich erkenne, als ich mich aufrichte, ganz fern den Boten, neben ihm eine Standarte und eine Sänfte mit zwei Trägern. Sie winken, ich stehe auf und winke zögernd zurück, dass ich verstanden habe. Selbst wenn ich einmal vergesse, mein Ziel anzugeben, finden mich die Abgesandten des Sultans sofort, denn wir werden alle vom Osmanischen Geheimdienst auf Schritt und Tritt überwacht.

Vivienne flucht leise auf Französisch, ich auf Deutsch, aber dann überrascht die Frau mich noch einmal: sie zieht mich auf sich und raunt „Bleib! Auf ein paar Minuten kommt es auch nicht mehr an!“ Sie hat natürlich recht – und wir lassen uns auch durch die weiteren Hornsignale nicht ablenken von dem, was über uns hereinbricht. „Es muss sein und ist schon überfällig: Ich will dich und du willst mich! Öffne dich, hole mich heim!“

Nach diesen viel zu kurzen Liebesminuten lasse ich das Boot bei Vivienne, küsse innig dankbar ihren hinreißenden Schoß und ihre Brüste zum Abschied und schwimme zum Ufer zurück; das dauert trotz meiner in der Weser erlernten Schnellschwimmtechnik eine Weile. Schwimmend fallen mir die Verszeilen eines alten chinesischen Gedichtes ein, ungefähr wenigstens: „Nie vergess ich die Schöne, die sich mir auf der Insel gab, zwischen den brütenden Enten…“

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Inhalt

Am Beginn unserer Bekanntschaft
Aufbruch
Das will ich vorausschicken
Lernstunden der Liebe
Frühlingsfische
Spätes, erfreuliches Wiedersehen
Waldfee? Teufelsweib? Hexe?
Mein anderer Franziskus
Die Eroberung einer Burgherrin
Meine Reise nach Russland

Riskante Rast im Schnee
Dreiundzwanzig liebeshungrige Frauen
Hochzeitsgast in einem russischen Dorf
Endlich in St. Petersburg
Der Zarin zu Füßen
Bei Hofe knistert überall Erotik
Russische und indische Liebeskünste
Allerhöchste Schokoladengelüste
Im Hintergrund des Machtzentrums
Kaiserliche Gewinnspiele

Vertrauter und künstlerischer Berater
Wir brauchen eine Bühne und Verkleidungen
Auch ein Starker braucht Bestärkung
Un(frei)williger Kriegsheld
Tatarenleidenschaft
Beim Sultan in Konstantinopel
Ein türkisches Muss: Ein Harem für mich
Ich lebe gern mit vielen Frauen
Jeder Alltag war ein Festtag
Die Flöte des Pan

Gewöhnungsbedürftiges
Für manches weiß ich eine Lösung
Kulturaustausch mit dem Reich der Pharaonen
Im Palast des Paschas
Ägyptische Freuden und Plagen
In goldenen Käfigen
Delfine zogen mich nach Griechenland
Stille Zeit und alte Bräuche
Begegnung mit überirdischer Schönheit
In die Welt hinausgeschleudert

In weiblicher Gefangenschaft
Strafverschärfung: Lieblingsgefangener
Schöpferisches Handeln hält hellwach
Undankbare Flucht
Mediterranes Zwischenspiel
Ich erforschte den falschen Vulkan
Verblendeter und sofort bestrafter Eifer
Verlust der Erdenschwere
Auf einem andern Stern
Die Muse des Gesanges

Befreiung durch Naturgesetze
Archäologen wurden Zeugen
Eingewöhnung in irdisches Leben
Jagdverhinderung in Bayern
Im schottischen Hochmoor
Frühstück für Nessie
Eisbären sind musikalisch und tanzfreudig
Unerwartete Freuden in Polarnächten
Tigerjagd in Bengalen
Literatur als Überlebenshilfe

Nächtlicher Kampf mit Berglöwen
Liebe macht manchmal erfinderisch
Dichtertreffen
Der König mit dem Knall
Delikate Mission: Königlicher Vorkoster
…und her wider unz an Ungerland
Heilige in der Kirche, Dame im Salon und im Bett eine…
Dagmars unwiderstehliche Strategie
Mit Wanda und Ewa im Schnee
Ein erotisches Krisen-Komitee

Königlich-Niederländisches Liebesnest
Tarantella tanzen in Tarent
Irgendwo in der Südsee
Lernbereite Kannibalenkinder
Seminare unter Palmen
Manchmal hilft uns auch ein Schurke
Das Geschenk des Zauberers
An Bord eines Seeteufels
Von Bremen aus heimwärts
Hexenwerke im Harz?

Auch hierzulande gibt es Reise- Erschwernisse
Im heiligen Köln
Säulenheilige am Dom
Liebesarien
Ein Abend mit lauter Fragen
Was soll ich in Amerika?
Wiedersehen mit Mahajusha
Im Wein wird doch Wahrheit sein?
Mahajusha schenkt mir Flügel
Tiefschläge aus heiterem Himmel

Nachwort
Lesungen u. Bestellungen für Buch
und CD-Fassung

Sach-, Personen und Ortsregister
Rollentauschmöglichkeiten

Ich selbst
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