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Die Flöte des Pan
Besonders willkommen bin ich im Hause des vielbeschäftigten
Hafenkommandanten. Ich ahne, dass er dem Sultan nicht alle seine
Geschäfte offen legen möchte. Vielleicht wünscht er sich
meine Fürsprache, wenn er einmal in Schwierigkeiten gerät. Er
bat mich jedenfalls auffallend eindringlich, seiner zauberhaften,
sichtlich unter Heimweh leidenden französischen Gattin Vivienne
Gesellschaft zu leisten, so oft es meine Zeit erlaubt.
Dieser Einladung folgte ich gern und oft, auch weil mich die Beziehung
zu einer anziehenden Frau prickelnd reizte, die mir in keiner Weise zur
Ergebenheit verpflichtet war. Ich wagte es aus moralischen
Sicherheitsgründen freilich nie, sie ohne die Begleitung von
Prinzessin Mahajusha zu besuchen, die dort aber dann in der
weitläufigen alten Burganlage mit einem eigenen kleinen Hafen
meistens sofort von den beiden Töchtern der Französin
beansprucht wird; auch dieses Mal wieder.
Heute spielen wir nicht zuerst mein Lieblingsspiel, sondern brechen
improvisiert zu einem Segeltörn auf. Vivienne trägt ein
besonders verführerisches, durchsichtiges Kleid, das es mir
erleichtert, die Förmlichkeit zwischen uns zu überwinden. Ich
habe noch wenig Übung darin, gleichzeitig beim Steuern den Wind zu
nutzen und eine liebehungrige Frau zu küssen. Sie sagt es
scheinbar beiläufig und sah mich gar nicht dabei an, lehnte sich
aber eng an mich und ihre Hand spüre ich als Botschafterin ihres
Willens: „Werde ich dich endlich in mir spüren?“
Wir landen auf einer kleinen Insel, stolpern wie betrunken und sinken
bald ins hohe Gras. Wir umarmen uns ungestüm und sind uns
längst einig, dass wir einander alles geben wollen. Ich entkleide
sie genussvoll und begrüße diesen verführerisch
duftenden Leib mit begehrenden Küssen und habe kaum das Wichtigste
tun und einleiten können, da trompetet in der Ferne ein Herold des
Sultans das Signal „Der Herrscher verlangt dich“.
Wir sind ein ordentliches Stück vom Ufer entfernt, aber ich
erkenne, als ich mich aufrichte, ganz fern den Boten, neben ihm eine
Standarte und eine Sänfte mit zwei Trägern. Sie winken, ich
stehe auf und winke zögernd zurück, dass ich verstanden habe.
Selbst wenn ich einmal vergesse, mein Ziel anzugeben, finden mich die
Abgesandten des Sultans sofort, denn wir werden alle vom Osmanischen
Geheimdienst auf Schritt und Tritt überwacht.
Vivienne flucht leise auf Französisch, ich auf Deutsch, aber dann
überrascht die Frau mich noch einmal: sie zieht mich auf sich und
raunt „Bleib! Auf ein paar Minuten kommt es auch nicht mehr an!“ Sie
hat natürlich recht – und wir lassen uns auch durch die weiteren
Hornsignale nicht ablenken von dem, was über uns hereinbricht. „Es
muss sein und ist schon überfällig: Ich will dich und du
willst mich! Öffne dich, hole mich heim!“
Nach diesen viel zu kurzen Liebesminuten lasse ich das Boot bei
Vivienne, küsse innig dankbar ihren hinreißenden Schoß
und ihre Brüste zum Abschied und schwimme zum Ufer zurück;
das dauert trotz meiner in der Weser erlernten Schnellschwimmtechnik
eine Weile. Schwimmend fallen mir die Verszeilen eines alten
chinesischen Gedichtes ein, ungefähr wenigstens: „Nie vergess ich
die Schöne, die sich mir auf der Insel gab, zwischen den
brütenden Enten…“
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