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Delfine zogen mich nach
Griechenland
Auf meinen ersten Plan hatten mich orientalische Märchen gebracht:
In meinen Gemächern hingen einige kostbare Teppiche. Im Orient
sind fliegende Teppiche ja nicht ungewöhnlich, aber niemand wollte
mir erklären, wie man einen fliegenden Teppich steuert.
Vielleicht habe ich es euch schon einmal angedeutet: Der Sultan hielt
zur Freude seiner Kinder einige spielfreudige Delfine in einem tiefen,
künstlichen Teich. Ich erfand einige Kunststücke für die
gelehrigen Tiere und richtete sie darauf ab, ein Floß zu ziehen.
Stundenlang ließen sich die begeisterten Kinder auf dem
Floß herumziehen. Ich stachelte ihren Ehrgeiz an und sie brachten
den Sultan dazu, im Hafenbecken eine Rennstrecke für die Delfine
abzustecken. An den Floßrennen hatte der ganze Hof helle Freude.
Damit die Kinder des Sultans nicht auf den nassglatten
Floßstämmen ausgleiten konnten, hatte ich darauf einen
Teppich befestigen lassen. Alle Leute am Hof wussten und sahen, dass
ich den Kindern zuliebe abends zuweilen neue Renntechniken mit den
Delfinen und den Flößen ausprobierte. Zuletzt ließ ich
mir aus zwei behauenen Stämmen und Verbindungsbalken ein neues
Rennfloß bauen. Den Teppich ließ ich mit einem
Lattengeflecht unterlegen.
Die Delfine hatte ich inzwischen daran gewöhnt, mit am Zaumzeug
befestigten Seilen das Floß zu ziehen und mit goldverzierten,
gewachsten Zügeln gelenkt zu werden. Ich staunte oft, wie gelehrig
und willig die Tiere waren.
Eines Abends verlängerte ich die Übungsstunde bis zur
Dunkelheit, brach dann eine Lücke in die Abgrenzungspflöcke
des Übungsgebietes im Goldenen Horn und lenkte meine zwei
Lieblingsdelfine hinaus ins Marmarameer – Richtung Griechenland,
Richtung Freiheit. Die untergehende Sonne war meine einzige
Orientierung. Mir lag daran, rasch aus dem Küstenbereich
herauszukommen, denn sicher würde man bald mit Schiffen nach mir
suchen.
Der rasch durchnässte Teppich hätte mich auf der ganz auf
Geschwindigkeit gerichteten Floßkonstruktion nicht halten
können, was aber auch nicht nötig war. Ich trieb die Delfine
vielmehr mit Peitschenknallen an, löste einen Teil der Befestigung
des Teppichs und erlebte, wie er sich mit mir darauf hob und etwa eine
Armlänge hoch über dem Floß dahinschwebte, sich bei
zunehmendem Wellengang aber noch höher hob. Mein
Körpergewicht bremste somit nicht mehr die Fahrt; wir konnten die
Wellenberge überspringen und schossen durch das Marmarameer und
nach dem nächtlichem Durcheilen der Dardanellen in der
Ägäis dahin.
Mein Teppich trocknete schnell und ich genoss diese
erschütterungsfreie Art des Schwebens. Die Floßstämme
verhinderten, dass die Delfine abtauchen konnten. Es schien ihnen
Freude zu machen, mich mit meiner Erfindung zu neuen Abenteuern zu
ziehen; ich steuerte auf die in Nordwest vermutete griechische
Küste zu.
Irgendwann war ich wohl eingeschlummert und irgendwann werden die
Delfine hungrig geworden sein. Als sie meine Zügelführung
nicht mehr spürten, wollten sie vermutlich den zuweilen
vorbeischwimmenden Leckerbissen nicht länger widerstehen. Weil sie
die Fahrt plötzlich abbremsten, fiel mein Teppich auf das
Floß zurück. Hierauf waren weder ich noch meine Konstruktion
vorbereitet. Das Lattengerüst zerbrach und es gab auch bei mir
einige Blessuren und Verwünschungen.
Die See war schwach bewegt. Ich kauerte durchnässt und verzagt im
Dunkeln auf dem Floß und wartete schlotternd auf den Aufgang der
Sonne. Plötzlich hörte ich nicht weit entfernt eine Glocke
schlagen und war augenblicklich hellwach.
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