Münchhausen
Geliebt hab ich sie  fast  alle
© Willem de Haan
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Delfine zogen mich nach Griechenland

Auf meinen ersten Plan hatten mich orientalische Märchen gebracht: In meinen Gemächern hingen einige kostbare Teppiche. Im Orient sind fliegende Teppiche ja nicht ungewöhnlich, aber niemand wollte mir erklären, wie man einen fliegenden Teppich steuert.

Vielleicht habe ich es euch schon einmal angedeutet: Der Sultan hielt zur Freude seiner Kinder einige spielfreudige Delfine in einem tiefen, künstlichen Teich. Ich erfand einige Kunststücke für die gelehrigen Tiere und richtete sie darauf ab, ein Floß zu ziehen. Stundenlang ließen sich die begeisterten Kinder auf dem Floß herumziehen. Ich stachelte ihren Ehrgeiz an und sie brachten den Sultan dazu, im Hafenbecken eine Rennstrecke für die Delfine abzustecken. An den Floßrennen hatte der ganze Hof helle Freude.

Damit die Kinder des Sultans nicht auf den nassglatten Floßstämmen ausgleiten konnten, hatte ich darauf einen Teppich befestigen lassen. Alle Leute am Hof wussten und sahen, dass ich den Kindern zuliebe abends zuweilen neue Renntechniken mit den Delfinen und den Flößen ausprobierte. Zuletzt ließ ich mir aus zwei behauenen Stämmen und Verbindungsbalken ein neues Rennfloß bauen. Den Teppich ließ ich mit einem Lattengeflecht unterlegen.

Die Delfine hatte ich inzwischen daran gewöhnt, mit am Zaumzeug befestigten Seilen das Floß zu ziehen und mit goldverzierten, gewachsten Zügeln gelenkt zu werden. Ich staunte oft, wie gelehrig und willig die Tiere waren.

Eines Abends verlängerte ich die Übungsstunde bis zur Dunkelheit, brach dann eine Lücke in die Abgrenzungspflöcke des Übungsgebietes im Goldenen Horn und lenkte meine zwei Lieblingsdelfine hinaus ins Marmarameer – Richtung Griechenland, Richtung Freiheit. Die untergehende Sonne war meine einzige Orientierung. Mir lag daran, rasch aus dem Küstenbereich herauszukommen, denn sicher würde man bald mit Schiffen nach mir suchen.

Der rasch durchnässte Teppich hätte mich auf der ganz auf Geschwindigkeit gerichteten Floßkonstruktion nicht halten können, was aber auch nicht nötig war. Ich trieb die Delfine vielmehr mit Peitschenknallen an, löste einen Teil der Befestigung des Teppichs und erlebte, wie er sich mit mir darauf hob und etwa eine Armlänge hoch über dem Floß dahinschwebte, sich bei zunehmendem Wellengang aber noch höher hob. Mein Körpergewicht bremste somit nicht mehr die Fahrt; wir konnten die Wellenberge überspringen und schossen durch das Marmarameer und nach dem nächtlichem Durcheilen der Dardanellen in der Ägäis dahin.

Mein Teppich trocknete schnell und ich genoss diese erschütterungsfreie Art des Schwebens. Die Floßstämme verhinderten, dass die Delfine abtauchen konnten. Es schien ihnen Freude zu machen, mich mit meiner Erfindung zu neuen Abenteuern zu ziehen; ich steuerte auf die in Nordwest vermutete griechische Küste zu.

Irgendwann war ich wohl eingeschlummert und irgendwann werden die Delfine hungrig geworden sein. Als sie meine Zügelführung nicht mehr spürten, wollten sie vermutlich den zuweilen vorbeischwimmenden Leckerbissen nicht länger widerstehen. Weil sie die Fahrt plötzlich abbremsten, fiel mein Teppich auf das Floß zurück. Hierauf waren weder ich noch meine Konstruktion vorbereitet. Das Lattengerüst zerbrach und es gab auch bei mir einige Blessuren und Verwünschungen.

Die See war schwach bewegt. Ich kauerte durchnässt und verzagt im Dunkeln auf dem Floß und wartete schlotternd auf den Aufgang der Sonne. Plötzlich hörte ich nicht weit entfernt eine Glocke schlagen und war augenblicklich hellwach.

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Inhalt

Am Beginn unserer Bekanntschaft
Aufbruch
Das will ich vorausschicken
Lernstunden der Liebe
Frühlingsfische
Spätes, erfreuliches Wiedersehen
Waldfee? Teufelsweib? Hexe?
Mein anderer Franziskus
Die Eroberung einer Burgherrin
Meine Reise nach Russland

Riskante Rast im Schnee
Dreiundzwanzig liebeshungrige Frauen
Hochzeitsgast in einem russischen Dorf
Endlich in St. Petersburg
Der Zarin zu Füßen
Bei Hofe knistert überall Erotik
Russische und indische Liebeskünste
Allerhöchste Schokoladengelüste
Im Hintergrund des Machtzentrums
Kaiserliche Gewinnspiele

Vertrauter und künstlerischer Berater
Wir brauchen eine Bühne und Verkleidungen
Auch ein Starker braucht Bestärkung
Un(frei)williger Kriegsheld
Tatarenleidenschaft
Beim Sultan in Konstantinopel
Ein türkisches Muss: Ein Harem für mich
Ich lebe gern mit vielen Frauen
Jeder Alltag war ein Festtag
Die Flöte des Pan

Gewöhnungsbedürftiges
Für manches weiß ich eine Lösung
Kulturaustausch mit dem Reich der Pharaonen
Im Palast des Paschas
Ägyptische Freuden und Plagen
In goldenen Käfigen
Delfine zogen mich nach Griechenland
Stille Zeit und alte Bräuche
Begegnung mit überirdischer Schönheit
In die Welt hinausgeschleudert

In weiblicher Gefangenschaft
Strafverschärfung: Lieblingsgefangener
Schöpferisches Handeln hält hellwach
Undankbare Flucht
Mediterranes Zwischenspiel
Ich erforschte den falschen Vulkan
Verblendeter und sofort bestrafter Eifer
Verlust der Erdenschwere
Auf einem andern Stern
Die Muse des Gesanges

Befreiung durch Naturgesetze
Archäologen wurden Zeugen
Eingewöhnung in irdisches Leben
Jagdverhinderung in Bayern
Im schottischen Hochmoor
Frühstück für Nessie
Eisbären sind musikalisch und tanzfreudig
Unerwartete Freuden in Polarnächten
Tigerjagd in Bengalen
Literatur als Überlebenshilfe

Nächtlicher Kampf mit Berglöwen
Liebe macht manchmal erfinderisch
Dichtertreffen
Der König mit dem Knall
Delikate Mission: Königlicher Vorkoster
…und her wider unz an Ungerland
Heilige in der Kirche, Dame im Salon und im Bett eine…
Dagmars unwiderstehliche Strategie
Mit Wanda und Ewa im Schnee
Ein erotisches Krisen-Komitee

Königlich-Niederländisches Liebesnest
Tarantella tanzen in Tarent
Irgendwo in der Südsee
Lernbereite Kannibalenkinder
Seminare unter Palmen
Manchmal hilft uns auch ein Schurke
Das Geschenk des Zauberers
An Bord eines Seeteufels
Von Bremen aus heimwärts
Hexenwerke im Harz?

Auch hierzulande gibt es Reise- Erschwernisse
Im heiligen Köln
Säulenheilige am Dom
Liebesarien
Ein Abend mit lauter Fragen
Was soll ich in Amerika?
Wiedersehen mit Mahajusha
Im Wein wird doch Wahrheit sein?
Mahajusha schenkt mir Flügel
Tiefschläge aus heiterem Himmel

Nachwort
Lesungen u. Bestellungen für Buch
und CD-Fassung

Sach-, Personen und Ortsregister
Rollentauschmöglichkeiten

Ich selbst
Impressum und Kontakt




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