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Bei Hofe knistert
überall Erotik
Die Zarin mochte es sichtlich, mich liebeslustig und lüstern zu
machen. Seit ich einmal ihre Kleider brutal zerrissen, sie nackt aufs
Bett geworfen und zum Entsetzen ihrer Kammerfrauen lustvoll, aber
durchaus landesüblich mit Schlägen „gefügig“ gemacht
habe, alles natürlich gespielt, hatte sie Freude an diesem
Liebesspiel gewonnen und es sich noch viele Male in Variationen von mir
gewünscht. In meinen Amouren habe ich immer die alte
französische Weisheit beherzigt: „Was die Frau will, will der
liebe Gott.“
Die weiter beteiligten Frauen fanden diese Spiele so anregend, dass wir
alle oftmals in richtige Ekstase gerieten. Ich hörte, dass die
Hofschneider begeistert über die vielen zerrissenen
Kleidungsstücke waren, die sie dann meist gar nicht wieder
herzurichten brauchten, sondern als exquisite erotische Fetische in
viele Länder verkaufen konnten; übrigens nicht nur an
Männer.
Mindestens dreimal passierte es uns, dass die vor der Haupttüre
ihrer Gemächer postierten Leibwächter hereinstürzten,
weil sie meinten, Hilfeschreie gehört zu haben. Es waren aber nur
Katharinas ganz normalen Lustschreie. Mir war das sehr peinlich aber
Katharina lachte nur ausgelassen. Die Wachen wurden sofort
abgelöst; ich wusste, dass sie, wie es hier üblich war,
für immer verschwinden mussten.
Am Hof der Zarin lebten unter den Damen und Herren der Gesellschaft
viele Schmarotzer und Wichtigtuer, die unbeschwert von Arbeit in den
Tag hinein lebten und viel Zeit beim Glücksspiel und mit
Liebesspielen vergeudeten. Die meisten Frauen wollten hier
offensichtlich ihr Leben genießen und einen versorgungs-
fähigen Ehemann finden.
Festmahle und ausgelassene Trinkfeste mit Musik und Tanz gab es bei uns
alle paar Tage. Dabei verteilten sich die Paare für einige Zeit im
Sommer im Park und bei kühlem Wetter in den vielen
Nebensälen.
Die Zarin hatte einige Male unserer Lust zuliebe unter ihrer
prächtigen Festrobe auf alle Unterkleidung unterhalb der von ihr
„Gestell“ genannten Korsage verzichtet, weil sie keine Zeit verlieren
wollte, wenn ich, wie verabredet, in einem Nebengemach auf sie wartete.
Sie hatte mehrmals am Tage ein nicht unterdrückbares Verlangen
nach starker körperlicher Liebe; diese Besonderheit hatte bei ihr
Vorrang auch bei wichtigen Staatsgeschäften. Ich musste dann
sofort zur Stelle sein, wenn ich nicht riskieren wollte, dass sich ein
anderer Mann vordrängte. Ich wusste: Nicht selten ging bei
Katharina Lust vor Last, und das hat sie immer sofort „ausgelebt“.
Tatsächlich hat es ihre Tatkraft erheblich gefördert.
Als ich merkte, dass es sie erhitzte, wenn ich ihr das schulterfreie
Kleid herunterriss und ihre Brüste leidenschaftlich genoss, habe
ich mir diese Freiheiten einige Male erlaubt. Wir dachten beide nicht
daran, dass dies von Hofleuten bemerkt, weitergetragen und sofort Mode
wurde bei den ohnehin sich nie „nüchtern“ entwickelnden
Gesellschaften. Es wurde ein stets mit ernster Miene absolviertes
groteskes Ritual, mitten im Tanz der Dame für einige Minuten das
Kleid von den Brüsten zu streifen und die „Halbkugeln einer
bessern Welt“, wie sie unser Dichter Schiller nannte, angemessen zu
hofieren. Übrigens hatte ich einer hübschen Hofdame zuliebe
vorgegeben, dass besonders zart entwickelte Brüste als extrem
kostbar zu werten waren. Ich finde, Ausnahmen müssen immer sein.
Den Dienern war befohlen worden, bis zum Wiedereinsetzen der Musik die
Augen zu schließen. Vorher hob nämlich die Tanzpartnerin
anmutig ihren Reifrock hoch und ließ ihren Tänzer für
ein paar Sekunden unverschleiert sehen, welches Gärtlein er bald
erobern durfte, oder was dem nächsten Tanzpartner zufallen
würde. Diese Aufhebung der einstmals steifen Etikette steigerte
sich unaufhaltsam.
Bald wurde es normal, dass Paare sich während der sehr
ausgedehnten Mahlzeiten in einander verloren und danach gingen die
Damen nach dem Zuruf des Tanzmeisters einmal links, einmal rechts herum
zum nächsten Partner weiter.
Ein ähnlich beliebtes Spiel kam ohne jede Dekoration aus, weil es
im Dunkeln gespielt wurde. Besonders hierbei wurde es mir zuweilen
unheimlich, welche Hemmungslosigkeit im Zupacken und in der Hingabe die
Frauen bewiesen; bei Männern wunderte es mich nicht mehr. Es wurde
bei sehr lauter ungarischer Musik kaum gesprochen und Frauen und
Männer nahmen sich wahllos jeden Liebespartner. Dabei wurde immer
sehr viel getrunken.
Katharina mischte sich zu gern unter diese dunkle Gesellschaft. Sie
hatte angenommen, schlichte Kleider, eine zottelige Perücke und
billiger Schmuck würden sie unkenntlich machen. Sie wurde von der
Hofgesellschaft natürlich sofort erkannt, aber ich hatte einige
tonangebende Damen und Herren gebeten, sie als fremde Dame anzusehen.
Die unbändige Lebenslust ihrer Kaiserin und auch ihr manchmal
überstarkes Interesse an draufgängerischen Männern
fanden alle erheiternd und anregend, ich aber nicht, denn ich liebte
sie und wollte sie nicht mit anderen teilen. Katharina lachte über
meine Einstellung.
Allmählich ist die Bevölkerungszahl auch in diesen
geburtenarmen Kreisen gestiegen, schon, weil die rauen „Verhütlis“
aus Schafsdarm oder die lusttötende Flucht kurz vor dem
beglückendem Höhepunkt wenig verlässlich sind. Und
nüchtern sollten beide auch sein. Männer in diesem Zustand
sind mir allerdings in Russland selten begegnet.
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