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Am Beginn unserer
Bekanntschaft
Den
„Münchhausen“ kennt ihr oder meint ihr zu kennen. Ihr habt einige
der
ihm zugeschriebenen Abenteuergeschichten in Erinnerung oder von ihnen
gehört. Sie gehen auf den Baron
Münchhausen zurück, der seine
Erlebnisse in der weiten Welt erzählt und dabei fantasievoll
vieles
Alltägliche ins Abenteuerliche gehoben und einiges auch
erträumt haben
könnte. Betagte Männer nehmen sich gern genießerisch
die Zeit dafür.
Münchhausen hätte seine so erzählten Abenteuer aber
selbst aufschreiben
sollen!
Die es später ungefragt für ihn taten, haben offensichtlich
vieles
falsch verstanden und vieles nicht mehr Erinnerte oder von ihnen
für zu
unspektakulär Gehaltene einfach erfunden; vielleicht waren sie
auch nie
in Bodenwerder dabei: dazu hätte man nämlich erst einmal
eingeladen
sein müssen.
Ich finde es jetzt an der Zeit, nicht nur der Fachwelt mitzuteilen: Zu
unserem Glück hat mein zum damaligen Freundeskreis des Barons
zählender
Ur-Ahne Piet de Haan viele
Original-Münchhausen-Erzählungen in
Bodenwerder und in der Umgebung mitgeschrieben. Meines Wissens ist dies
der einzige authentische Bericht über sie und ihr werdet bald
selbst
feststellen, dass nur sie echt sein können.
Meine Tochter entdeckte das schwarze Körbchen (das wohl einmal zu
einer
Dorftracht einer Frau gehörte) mit dem vergilbtem Papierstapel vor
Jahren beim Herumstöbern auf dem Dachboden und fragte mich, ob sie
das
geheimnisvolle Körbchen mit den zwei Lederhandgriffen behalten –
und ob
sie das schimmlige Papier wegwerfen dürfe.
Nachdem ich mit einer Lupe herausgefunden hatte, welche interessanten
Aufzeichnungen dies waren, wollte ich unbedingt versuchen, alles wieder
lesbar zu machen. Ich machte mich kundig und fand heraus, wie das zu
schaffen ist: Mit Methoden der Paläografen konnten dann in
jahrelanger
Arbeit der Text rekonstruiert und die vielen darin verwendeten
Abkürzungen, Symbole und Zeichen des offensichtlich schnellen
Schreibers entschlüsselt werden.
Die beteiligten Fachleute waren sicher, dass es sich um das Manuskript
des Aufzeichners handelt; der Text wirkt nicht so, als wenn das
Manuskript so einem Drucker übergeben konnte, wahrscheinlicher
ist,
dass diese Fassung diktiert werden sollte – vielleicht ist das ja
längst geschehen, aber ein Druck ist bisher noch nicht aufgefunden
worden.
Vor einigen Jahren habe ich bereits einen Teil der leichter
entzifferbaren Kapitel in einer Kleinauflage veröffentlicht, um
das
Interesse des heutigen Lesepublikums an den
Münchhausen-Erzählungen zu
prüfen. Dabei habe ich die erotischen Stimmungen und
Beschreibungen
vorsorglich sehr zurückhaltend wiedergegeben und ausgeklammert. An
der
Resonanz dieser Veröffentlichung war bereits zu erkennen, dass der
wahre Münchhausen heute sympathischer wirkt als der vorzeiten
Erfundene.
Danach ließ ich alle rekonstruierten Texte mit Laserscannern und
Elektronenmikroskopen nochmals überprüfen und kann jetzt
vierzig vorher
nicht vollständig erkennbare Kapitel und an die siebzig
Textabschnitte
ergänzt und ersetzt veröffentlichen.
Die nun vollständig lesbaren neunzig Erzählungen zeigen
Münchhausen als
eine andere als die bisher vermutete Persönlichkeit; es wird vor
allem
erkennbar, dass Frauen sein Leben geprägt haben; sie stehen nicht
nur
am Rande seiner vielen Abenteuer.
Einige nach zweihundertdreißig Jahren verstaubte Formulierungen
musste
ich in unsere Zeit übertragen; auch für etliche
Kürzungen, für die
Rekonstruktion einiger im vielleicht rotweinbeflügeltem
Schreibfluss
meines Ur-Ahns verworrener Sätze, einiger abgerissener Abschnitte
und
für die Kapitelüberschriften (im Original standen nur
Ziffern) nehme
ich als Autor und Herausgeber jede
Anerkennung entgegen – notfalls posthum.
Lasst die Abenteuer staunend auf euch zukommen! Eure Gedanken werden,
wenn das für sie noch ungewohnt sein sollte, fliegen lernen. Die
Lektüre könnte euch überhaupt in mancher Hinsicht „auf
den Geschmack“
bringen. Münchhausen würde es freuen, mich sowieso.
Herzlichst und alles
Liebe: Euer Willem de Haan
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