Münchhausen
Geliebt hab ich sie  fast  alle
© Willem de Haan
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Am Beginn unserer Bekanntschaft

Den „Münchhausen“ kennt ihr oder meint ihr zu kennen. Ihr habt einige der ihm zugeschriebenen Abenteuergeschichten in Erinnerung oder von ihnen gehört. Sie gehen auf den Baron Münchhausen zurück, der seine Erlebnisse in der weiten Welt erzählt und dabei fantasievoll vieles Alltägliche ins Abenteuerliche gehoben und einiges auch erträumt haben könnte. Betagte Männer nehmen sich gern genießerisch die Zeit dafür. Münchhausen hätte seine so erzählten Abenteuer aber selbst aufschreiben sollen!

Die es später ungefragt für ihn taten, haben offensichtlich vieles falsch verstanden und vieles nicht mehr Erinnerte oder von ihnen für zu unspektakulär Gehaltene einfach erfunden; vielleicht waren sie auch nie in Bodenwerder dabei: dazu hätte man nämlich erst einmal eingeladen sein müssen.

Ich finde es jetzt an der Zeit, nicht nur der Fachwelt mitzuteilen: Zu unserem Glück hat mein zum damaligen Freundeskreis des Barons zählender Ur-Ahne Piet de Haan viele Original-Münchhausen-Erzählungen in Bodenwerder und in der Umgebung mitgeschrieben. Meines Wissens ist dies der einzige authentische Bericht über sie und ihr werdet bald selbst feststellen, dass nur sie echt sein können.

Meine Tochter entdeckte das schwarze Körbchen (das wohl einmal zu einer Dorftracht einer Frau gehörte) mit dem vergilbtem Papierstapel vor Jahren beim Herumstöbern auf dem Dachboden und fragte mich, ob sie das geheimnisvolle Körbchen mit den zwei Lederhandgriffen behalten – und ob sie das schimmlige Papier wegwerfen dürfe.

Nachdem ich mit einer Lupe herausgefunden hatte, welche interessanten Aufzeichnungen dies waren, wollte ich unbedingt versuchen, alles wieder lesbar zu machen. Ich machte mich kundig und fand heraus, wie das zu schaffen ist: Mit Methoden der Paläografen konnten dann in jahrelanger Arbeit der Text rekonstruiert und die vielen darin verwendeten Abkürzungen, Symbole und Zeichen des offensichtlich schnellen Schreibers entschlüsselt werden.

Die beteiligten Fachleute waren sicher, dass es sich um das Manuskript des Aufzeichners handelt; der Text wirkt nicht so, als wenn das Manuskript so einem Drucker übergeben konnte, wahrscheinlicher ist, dass diese Fassung diktiert werden sollte – vielleicht ist das ja längst geschehen, aber ein Druck ist bisher noch nicht aufgefunden worden.

Vor einigen Jahren habe ich bereits einen Teil der leichter entzifferbaren Kapitel in einer Kleinauflage veröffentlicht, um das Interesse des heutigen Lesepublikums an den Münchhausen-Erzählungen zu prüfen. Dabei habe ich die erotischen Stimmungen und Beschreibungen vorsorglich sehr zurückhaltend wiedergegeben und ausgeklammert. An der Resonanz dieser Veröffentlichung war bereits zu erkennen, dass der wahre Münchhausen heute sympathischer wirkt als der vorzeiten Erfundene.

Danach ließ ich alle rekonstruierten Texte mit Laserscannern und Elektronenmikroskopen nochmals überprüfen und kann jetzt vierzig vorher nicht vollständig erkennbare Kapitel und an die siebzig Textabschnitte ergänzt und ersetzt veröffentlichen.

Die nun vollständig lesbaren neunzig Erzählungen zeigen Münchhausen als eine andere als die bisher vermutete Persönlichkeit; es wird vor allem erkennbar, dass Frauen sein Leben geprägt haben; sie stehen nicht nur am Rande seiner vielen Abenteuer.

Einige nach zweihundertdreißig Jahren verstaubte Formulierungen musste ich in unsere Zeit übertragen; auch für etliche Kürzungen, für die Rekonstruktion einiger im vielleicht rotweinbeflügeltem Schreibfluss meines Ur-Ahns verworrener Sätze, einiger abgerissener Abschnitte und für die Kapitelüberschriften (im Original standen nur Ziffern) nehme ich als Autor und Herausgeber jede
Anerkennung entgegen – notfalls posthum.

Lasst die Abenteuer staunend auf euch zukommen! Eure Gedanken werden, wenn das für sie noch ungewohnt sein sollte, fliegen lernen. Die Lektüre könnte euch überhaupt in mancher Hinsicht „auf den Geschmack“ bringen. Münchhausen würde es freuen, mich sowieso.

Herzlichst und alles Liebe: Euer Willem de Haan

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Baron Münchhausens lustvolle Abenteuer zwischen Eismeer
und Südsee



Inhalt

Am Beginn unserer Bekanntschaft
Aufbruch
Das will ich vorausschicken
Lernstunden der Liebe
Frühlingsfische
Spätes, erfreuliches Wiedersehen
Waldfee? Teufelsweib? Hexe?
Mein anderer Franziskus
Die Eroberung einer Burgherrin
Meine Reise nach Russland

Riskante Rast im Schnee
Dreiundzwanzig liebeshungrige Frauen
Hochzeitsgast in einem russischen Dorf
Endlich in St. Petersburg
Der Zarin zu Füßen
Bei Hofe knistert überall Erotik
Russische und indische Liebeskünste
Allerhöchste Schokoladengelüste
Im Hintergrund des Machtzentrums
Kaiserliche Gewinnspiele

Vertrauter und künstlerischer Berater

Wir brauchen eine Bühne und Verkleidungen
Auch ein Starker braucht Bestärkung
Un(frei)williger Kriegsheld
Tatarenleidenschaft
Beim Sultan in Konstantinopel
Ein türkisches Muss: Ein Harem für mich
Ich lebe gern mit vielen Frauen
Jeder Alltag war ein Festtag
Die Flöte des Pan

Gewöhnungsbedürftiges
Für manches weiß ich eine Lösung
Kulturaustausch mit dem Reich der Pharaonen
Im Palast des Paschas
Ägyptische Freuden und Plagen
In goldenen Käfigen
Delfine zogen mich nach Griechenland
Stille Zeit und alte Bräuche
Begegnung mit überirdischer Schönheit
In die Welt hinausgeschleudert

In weiblicher Gefangenschaft
Strafverschärfung: Lieblingsgefangener
Schöpferisches Handeln hält hellwach
Undankbare Flucht
Mediterranes Zwischenspiel
Ich erforschte den falschen Vulkan
Verblendeter und sofort bestrafter Eifer
Verlust der Erdenschwere
Auf einem andern Stern
Die Muse des Gesanges

Befreiung durch Naturgesetze
Archäologen wurden Zeugen
Eingewöhnung in irdisches Leben
Jagdverhinderung in Bayern
Im schottischen Hochmoor
Frühstück für Nessie
Eisbären sind musikalisch und tanzfreudig
Unerwartete Freuden in Polarnächten
Tigerjagd in Bengalen
Literatur als Überlebenshilfe

Nächtlicher Kampf mit Berglöwen
Liebe macht manchmal erfinderisch
Dichtertreffen
Der König mit dem Knall
Delikate Mission: Königlicher Vorkoster
…und her wider unz an Ungerland
Heilige in der Kirche, Dame im Salon und im Bett eine…
Dagmars unwiderstehliche Strategie
Mit Wanda und Ewa im Schnee
Ein erotisches Krisen-Komitee

Königlich-Niederländisches Liebesnest
Tarantella tanzen in Tarent
Irgendwo in der Südsee
Lernbereite Kannibalenkinder
Seminare unter Palmen
Manchmal hilft uns auch ein Schurke
Das Geschenk des Zauberers
An Bord eines Seeteufels
Von Bremen aus heimwärts
Hexenwerke im Harz?

Auch hierzulande gibt es Reise- Erschwernisse
Im heiligen Köln
Säulenheilige am Dom
Liebesarien
Ein Abend mit lauter Fragen
Was soll ich in Amerika?
Wiedersehen mit Mahajusha
Im Wein wird doch Wahrheit sein?
Mahajusha schenkt mir Flügel
Tiefschläge aus heiterem Himmel

Nachwort
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