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Auch ein Starker braucht
Bestärkung
Katharinas rasche Einsichten und ihre Fähigkeit, etwas als wichtig
Eingestuftes ansprechend anzuwenden, bewies sie zu meiner Freude und
zum Erstaunen vieler auch hierin: Ich konnte sie davon überzeugen,
dass eine weithin sichtbare Geste stärker und nachhaltiger wirkt
als Worte – und das nicht nur wegen der Hörprobleme im Freien oder
in großen Räumen. Die Zarin übte gern und mit einigem
Stundenaufwand Handgesten und Körperbewegungen, die ich ihr mit
einem Schauspieler-Paar vorgeführt habe. Ich bestärkte sie in
der Überzeugung, dass ein Regent unbedingt auch ein
Staatsschauspieler sein muss.
Ich hatte reichlich in St. Petersburg zu tun, aber meine Hauptaufgabe
sah ich darin, die Zarin abends vom Regierungsärger zu befreien
und sie auf angenehmere und gesündere Gedanken zu bringen.
Bisher hatte sie nach den oft langwierigen Staatsgeschäften in
einem heißen Bad am späten Abend Entspannung gesucht und
sich dabei gern etwas vorlesen lassen. Ich gewann sie für den
Plan, uns ein prächtiges Badehaus anbauen zu lassen; es war stets
wohlig überwarm und von anregenden Wohlgerüchen erfüllt
und von der einschmeichelnden Musik des von mir gegründeten
„Zarin-Katharina-Orchesters“, das im Hintergrund für uns spielte.
Die besten oder jedenfalls die bekanntesten Autoren Europas, durften
uns hinter bemalten Seidenwänden Proben ihrer Werke vorlesen,
während wir uns nebeneinander liegend mit aromatischen Ölen
massieren ließen. Katharina liebte diese nächtlichen
Vergnügungen, zu denen wir uns vom Kochmajor etwas
Spektakuläres servieren ließen; den passenden Champagner und
die Weine hatte ich selbst in anstrengenden Verkostungen
ausgewählt.
Übrigens habe ich Champagner-Hersteller aus Frankreich dafür
angeworben, mit den Winzern auf der Krim ein russisches Gegenstück
zu ihrem weltberühmten Schaumwein zu kreieren. Ganz gelungen fand
ich diese Bemühungen nicht, ich habe sie selten getrunken, aber
sie wurden für Russland eine wirtschaftlich günstige
Alternative zu den teuren Transportkosten der französischen
Trinkerlebnisse.
Vom Gedanken des zeitweiligen Untertauchens mit der Zarin angetrieben,
hatte ich Konstrukteure beauftragt, ein Schiff zu konstruieren, das
einige Zeit unter Wasser bleiben kann. Obwohl es sogar jahrhundertealte
Vorlagen dafür gibt, kamen mir die Techniker zu langsam voran.
Wie oft im Lauf der Geschichte verdarb viele Pläne ein von den
Militärstrategen wieder tückisch eingefädelter Krieg,
der dann seine eigene Dynamik entwickelte. Die Generäle schlugen
mich mit meiner eigenen Sprachschöpfung, die Katharina
übernommen und auf einige Lebensbereiche wie auf Lustgewinn,
leider auch auf Machterweiterung ausgedehnt hatte: „Warum soll ich mich
mit einem Viertel zufrieden geben, wenn ich das Ganze haben kann!“
Wegen meiner soldatischen Grundausbildung drohte mich der Krieg wie
alle anderen Beteiligten zu einem anderen Menschen zu machen. Der Krieg
war nicht allein schuld, doch die Zarin und unser Verhältnis zu
einander -und weil einer wie ich viel zu oft meint, alles Miterlebte
auch noch mitverantworten zu müssen.
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