Münchhausen
Geliebt hab ich sie  fast  alle
© Willem de Haan
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Auch ein Starker braucht Bestärkung

Katharinas rasche Einsichten und ihre Fähigkeit, etwas als wichtig Eingestuftes ansprechend anzuwenden, bewies sie zu meiner Freude und zum Erstaunen vieler auch hierin: Ich konnte sie davon überzeugen, dass eine weithin sichtbare Geste stärker und nachhaltiger wirkt als Worte – und das nicht nur wegen der Hörprobleme im Freien oder in großen Räumen. Die Zarin übte gern und mit einigem Stundenaufwand Handgesten und Körperbewegungen, die ich ihr mit einem Schauspieler-Paar vorgeführt habe. Ich bestärkte sie in der Überzeugung, dass ein Regent unbedingt auch ein Staatsschauspieler sein muss.

Ich hatte reichlich in St. Petersburg zu tun, aber meine Hauptaufgabe sah ich darin, die Zarin abends vom Regierungsärger zu befreien und sie auf angenehmere und gesündere Gedanken zu bringen.

Bisher hatte sie nach den oft langwierigen Staatsgeschäften in einem heißen Bad am späten Abend Entspannung gesucht und sich dabei gern etwas vorlesen lassen. Ich gewann sie für den Plan, uns ein prächtiges Badehaus anbauen zu lassen; es war stets wohlig überwarm und von anregenden Wohlgerüchen erfüllt und von der einschmeichelnden Musik des von mir gegründeten „Zarin-Katharina-Orchesters“, das im Hintergrund für uns spielte.

Die besten oder jedenfalls die bekanntesten Autoren Europas, durften uns hinter bemalten Seidenwänden Proben ihrer Werke vorlesen, während wir uns nebeneinander liegend mit aromatischen Ölen massieren ließen. Katharina liebte diese nächtlichen Vergnügungen, zu denen wir uns vom Kochmajor etwas Spektakuläres servieren ließen; den passenden Champagner und die Weine hatte ich selbst in anstrengenden Verkostungen ausgewählt.

Übrigens habe ich Champagner-Hersteller aus Frankreich dafür angeworben, mit den Winzern auf der Krim ein russisches Gegenstück zu ihrem weltberühmten Schaumwein zu kreieren. Ganz gelungen fand ich diese Bemühungen nicht, ich habe sie selten getrunken, aber sie wurden für Russland eine wirtschaftlich günstige Alternative zu den teuren Transportkosten der französischen Trinkerlebnisse.

Vom Gedanken des zeitweiligen Untertauchens mit der Zarin angetrieben, hatte ich Konstrukteure beauftragt, ein Schiff zu konstruieren, das einige Zeit unter Wasser bleiben kann. Obwohl es sogar jahrhundertealte Vorlagen dafür gibt, kamen mir die Techniker zu langsam voran.

Wie oft im Lauf der Geschichte verdarb viele Pläne ein von den Militärstrategen wieder tückisch eingefädelter Krieg, der dann seine eigene Dynamik entwickelte. Die Generäle schlugen mich mit meiner eigenen Sprachschöpfung, die Katharina übernommen und auf einige Lebensbereiche wie auf Lustgewinn, leider auch auf Machterweiterung ausgedehnt hatte: „Warum soll ich mich mit einem Viertel zufrieden geben, wenn ich das Ganze haben kann!“

Wegen meiner soldatischen Grundausbildung drohte mich der Krieg wie alle anderen Beteiligten zu einem anderen Menschen zu machen. Der Krieg war nicht allein schuld, doch die Zarin und unser Verhältnis zu einander -und weil einer wie ich viel zu oft meint, alles Miterlebte auch noch mitverantworten zu müssen.

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Inhalt

Am Beginn unserer Bekanntschaft
Aufbruch
Das will ich vorausschicken
Lernstunden der Liebe
Frühlingsfische
Spätes, erfreuliches Wiedersehen
Waldfee? Teufelsweib? Hexe?
Mein anderer Franziskus
Die Eroberung einer Burgherrin
Meine Reise nach Russland

Riskante Rast im Schnee
Dreiundzwanzig liebeshungrige Frauen
Hochzeitsgast in einem russischen Dorf
Endlich in St. Petersburg
Der Zarin zu Füßen
Bei Hofe knistert überall Erotik
Russische und indische Liebeskünste
Allerhöchste Schokoladengelüste
Im Hintergrund des Machtzentrums
Kaiserliche Gewinnspiele

Vertrauter und künstlerischer Berater
Wir brauchen eine Bühne und Verkleidungen
Auch ein Starker braucht Bestärkung
Un(frei)williger Kriegsheld
Tatarenleidenschaft
Beim Sultan in Konstantinopel
Ein türkisches Muss: Ein Harem für mich
Ich lebe gern mit vielen Frauen
Jeder Alltag war ein Festtag
Die Flöte des Pan

Gewöhnungsbedürftiges
Für manches weiß ich eine Lösung
Kulturaustausch mit dem Reich der Pharaonen
Im Palast des Paschas
Ägyptische Freuden und Plagen
In goldenen Käfigen
Delfine zogen mich nach Griechenland
Stille Zeit und alte Bräuche
Begegnung mit überirdischer Schönheit
In die Welt hinausgeschleudert

In weiblicher Gefangenschaft
Strafverschärfung: Lieblingsgefangener
Schöpferisches Handeln hält hellwach
Undankbare Flucht
Mediterranes Zwischenspiel
Ich erforschte den falschen Vulkan
Verblendeter und sofort bestrafter Eifer
Verlust der Erdenschwere
Auf einem andern Stern
Die Muse des Gesanges

Befreiung durch Naturgesetze
Archäologen wurden Zeugen
Eingewöhnung in irdisches Leben
Jagdverhinderung in Bayern
Im schottischen Hochmoor
Frühstück für Nessie
Eisbären sind musikalisch und tanzfreudig
Unerwartete Freuden in Polarnächten
Tigerjagd in Bengalen
Literatur als Überlebenshilfe

Nächtlicher Kampf mit Berglöwen
Liebe macht manchmal erfinderisch
Dichtertreffen
Der König mit dem Knall
Delikate Mission: Königlicher Vorkoster
…und her wider unz an Ungerland
Heilige in der Kirche, Dame im Salon und im Bett eine…
Dagmars unwiderstehliche Strategie
Mit Wanda und Ewa im Schnee
Ein erotisches Krisen-Komitee

Königlich-Niederländisches Liebesnest
Tarantella tanzen in Tarent
Irgendwo in der Südsee
Lernbereite Kannibalenkinder
Seminare unter Palmen
Manchmal hilft uns auch ein Schurke
Das Geschenk des Zauberers
An Bord eines Seeteufels
Von Bremen aus heimwärts
Hexenwerke im Harz?

Auch hierzulande gibt es Reise- Erschwernisse
Im heiligen Köln
Säulenheilige am Dom
Liebesarien
Ein Abend mit lauter Fragen
Was soll ich in Amerika?
Wiedersehen mit Mahajusha
Im Wein wird doch Wahrheit sein?
Mahajusha schenkt mir Flügel
Tiefschläge aus heiterem Himmel

Nachwort
Lesungen u. Bestellungen für Buch
und CD-Fassung

Sach-, Personen und Ortsregister
Rollentauschmöglichkeiten

Ich selbst
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