Münchhausen
Geliebt hab ich sie  fast  alle
© Willem de Haan
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An Bord eines Seeteufels

In Batavia konnte ich bald das Schiff wechseln und weitersegeln, denn mit dieser ganz unsinnig nach dem Amsterdamer Vorbild errichteten holländischen Haupthafenstadt hatte ich mich nie anfreunden können, obwohl sich in diesem Vielvölkergemisch eine einzigartig reizvolle Atmosphäre entwickelt hat. Mir stank es immer schon, wenn ich gleich von der erfreulich sicheren Reede aus zwischen der Kaserne und dem Sitz des Bischofs den von Spazierwegen umsäumten Galgenplatz sah, an dessen Balken und Rädern einige und natürlich immer dunkelhäutige Gestalten hingen.

Tatsächlich stank es immer in den Kanälen der Stadt und viele, die hier neugierig an Land gingen, haben sich hier die Pest, die Cholera oder wenigstens die Ruhr geholt; Liebeskrankheiten gehörten sowieso dazu.

Der betagte Dreimaster war noch einigermaßen in Schuss, aber mir wurde wieder einmal klar: Die größten Risiken auf See sind neben den Stürmen die Mannschaft und der Kapitän. Schon bei einem Verholmanöver im Hafen war das Schiff auf Grund gelaufen - unguter Beginn einer großen Fahrt. Überall an Bord bemerkte ich Schlampereien.

Aber das waren nur meine ersten unbehaglichen Eindrücke. Schon nach wenigen Tagen stand es für mich fest, dass der Skipper geistig gestört war. Er hielt seine Leute wie Sklaven und hatte eine sadistische Freude an brutalen Strafen. Wer nach seiner Einschätzung bei dem unter schweren Wetterbedingungen nun einmal lebensgefährlichem Segeleinholen zu langsam sein Leben aufs Spiel setzte, wurde vor angetretener Mannschaft angebunden und bis zur Bewusstlosigkeit ausgepeitscht. Ich erlebte, wie er zwei Matrosen in den Tod getrieben hat. Auf meine Vorhaltungen reagierte er mit der kaltschnäuzigen Drohung, mich nach einer nächsten Einmischung über Bord werfen zu lassen.

Das miserable Essen und die seit langem überfällige Heuer brachten die Leute zusätzlich auf. Die Stimmung unter der misshandelten Mannschaft und unter den ständig vom Kapitän gedemütigten Offizieren war so, dass eine Meuterei unmittelbar bevorstand und offen verabredet wurde.

Als der Kapitän bei einer nächsten von ihm provozierten Gelegenheit die grausam tief geschlagenen Wunden eines jungen Matrosen mit Salz ausstreuen ließ, hielt es auch mich nicht länger. Ich griff mir ein Tamp und schlug den Schiffsführer mit drei wütenden Schlägen nieder.

Statt mich nun ordnungsgemäß festzusetzen, überwältigten seine Offiziere ihren Vorgesetzten und sperrten ihn unter Deck ein.

Die Mannschaft verlangte, diesen furchtbaren Kapitän zu Tode zu prügeln; das konnte ich gerade noch verhindern. Als wir von Colombo aus wieder in See stachen, ließen wir ihn aus fünf Meilen Entfernung in voller Kleidung an Land schwimmen. Die Männer warfen dem gewissenlosen Leuteschinder Flaschen und Hölzer nach; einige könnten ihn noch getroffen haben.

Im Logbuch hatten wir für die Beschreibung dieser Ereignisse zwei Seiten freigelassen. Auf der langen Umseglung von Afrika hatten wir oft den fälligen Bericht erörtert; dann brach eines Nachts unter Deck Feuer aus und zerstörte auch die Kajüte des Kapitäns, in der das Logbuch lag.

An Bord raffte eine tückische Krankheit ein Drittel der Mannschaft dahin. Ich lag auch lange im Fieber, aber ich hatte Glück und konnte bei den Seemannsbegräbnissen anderer helfen. Auch am Ruder mussten wir uns oft ablösen. Dennoch schafften wir die letzten der insgesamt gut Fünftausend Meilen bis Tanger mit letzter Kraft.

Dort im Hafen wurden wir gleich in der ersten Nacht ausgeraubt, offenbar von ausgebufften Piraten, die selbst meine ausgeklügelten Geldverstecke gefunden und die restliche Preisgabe mit einigen Messerstichen aus mir herausgelockt haben. Mit viel Glück fand ich nach Wochen einen mir bekannten Kapitän eines anlegenden Schiffes, das mich nach Rotterdam brachte. Mit geliehenem Geld und einigen grauen Haaren mehr gelangte ich dann glücklich nach Bremen.

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Inhalt

Am Beginn unserer Bekanntschaft
Aufbruch
Das will ich vorausschicken
Lernstunden der Liebe
Frühlingsfische
Spätes, erfreuliches Wiedersehen
Waldfee? Teufelsweib? Hexe?
Mein anderer Franziskus
Die Eroberung einer Burgherrin
Meine Reise nach Russland

Riskante Rast im Schnee
Dreiundzwanzig liebeshungrige Frauen
Hochzeitsgast in einem russischen Dorf
Endlich in St. Petersburg
Der Zarin zu Füßen
Bei Hofe knistert überall Erotik
Russische und indische Liebeskünste
Allerhöchste Schokoladengelüste
Im Hintergrund des Machtzentrums
Kaiserliche Gewinnspiele

Vertrauter und künstlerischer Berater
Wir brauchen eine Bühne und Verkleidungen
Auch ein Starker braucht Bestärkung
Un(frei)williger Kriegsheld
Tatarenleidenschaft
Beim Sultan in Konstantinopel
Ein türkisches Muss: Ein Harem für mich
Ich lebe gern mit vielen Frauen
Jeder Alltag war ein Festtag
Die Flöte des Pan

Gewöhnungsbedürftiges
Für manches weiß ich eine Lösung
Kulturaustausch mit dem Reich der Pharaonen
Im Palast des Paschas
Ägyptische Freuden und Plagen
In goldenen Käfigen
Delfine zogen mich nach Griechenland
Stille Zeit und alte Bräuche
Begegnung mit überirdischer Schönheit
In die Welt hinausgeschleudert

In weiblicher Gefangenschaft
Strafverschärfung: Lieblingsgefangener
Schöpferisches Handeln hält hellwach
Undankbare Flucht
Mediterranes Zwischenspiel
Ich erforschte den falschen Vulkan
Verblendeter und sofort bestrafter Eifer
Verlust der Erdenschwere
Auf einem andern Stern
Die Muse des Gesanges

Befreiung durch Naturgesetze
Archäologen wurden Zeugen
Eingewöhnung in irdisches Leben
Jagdverhinderung in Bayern
Im schottischen Hochmoor
Frühstück für Nessie
Eisbären sind musikalisch und tanzfreudig
Unerwartete Freuden in Polarnächten
Tigerjagd in Bengalen
Literatur als Überlebenshilfe

Nächtlicher Kampf mit Berglöwen
Liebe macht manchmal erfinderisch
Dichtertreffen
Der König mit dem Knall
Delikate Mission: Königlicher Vorkoster
…und her wider unz an Ungerland
Heilige in der Kirche, Dame im Salon und im Bett eine…
Dagmars unwiderstehliche Strategie
Mit Wanda und Ewa im Schnee
Ein erotisches Krisen-Komitee

Königlich-Niederländisches Liebesnest
Tarantella tanzen in Tarent
Irgendwo in der Südsee
Lernbereite Kannibalenkinder
Seminare unter Palmen
Manchmal hilft uns auch ein Schurke
Das Geschenk des Zauberers
An Bord eines Seeteufels
Von Bremen aus heimwärts
Hexenwerke im Harz?

Auch hierzulande gibt es Reise- Erschwernisse
Im heiligen Köln
Säulenheilige am Dom
Liebesarien
Ein Abend mit lauter Fragen
Was soll ich in Amerika?
Wiedersehen mit Mahajusha
Im Wein wird doch Wahrheit sein?
Mahajusha schenkt mir Flügel
Tiefschläge aus heiterem Himmel

Nachwort
Lesungen u. Bestellungen für Buch
und CD-Fassung

Sach-, Personen und Ortsregister
Rollentauschmöglichkeiten

Ich selbst
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