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An Bord eines Seeteufels
In Batavia konnte ich bald das Schiff wechseln und weitersegeln, denn
mit dieser ganz unsinnig nach dem Amsterdamer Vorbild errichteten
holländischen Haupthafenstadt hatte ich mich nie anfreunden
können, obwohl sich in diesem Vielvölkergemisch eine
einzigartig reizvolle Atmosphäre entwickelt hat. Mir stank es
immer schon, wenn ich gleich von der erfreulich sicheren Reede aus
zwischen der Kaserne und dem Sitz des Bischofs den von Spazierwegen
umsäumten Galgenplatz sah, an dessen Balken und Rädern einige
und natürlich immer dunkelhäutige Gestalten hingen.
Tatsächlich stank es immer in den Kanälen der Stadt und
viele, die hier neugierig an Land gingen, haben sich hier die Pest, die
Cholera oder wenigstens die Ruhr geholt; Liebeskrankheiten
gehörten sowieso dazu.
Der betagte Dreimaster war noch einigermaßen in Schuss, aber mir
wurde wieder einmal klar: Die größten Risiken auf See sind
neben den Stürmen die Mannschaft und der Kapitän. Schon bei
einem Verholmanöver im Hafen war das Schiff auf Grund gelaufen -
unguter Beginn einer großen Fahrt. Überall an Bord bemerkte
ich Schlampereien.
Aber das waren nur meine ersten unbehaglichen Eindrücke. Schon
nach wenigen Tagen stand es für mich fest, dass der Skipper
geistig gestört war. Er hielt seine Leute wie Sklaven und hatte
eine sadistische Freude an brutalen Strafen. Wer nach seiner
Einschätzung bei dem unter schweren Wetterbedingungen nun einmal
lebensgefährlichem Segeleinholen zu langsam sein Leben aufs Spiel
setzte, wurde vor angetretener Mannschaft angebunden und bis zur
Bewusstlosigkeit ausgepeitscht. Ich erlebte, wie er zwei Matrosen in
den Tod getrieben hat. Auf meine Vorhaltungen reagierte er mit der
kaltschnäuzigen Drohung, mich nach einer nächsten Einmischung
über Bord werfen zu lassen.
Das miserable Essen und die seit langem überfällige Heuer
brachten die Leute zusätzlich auf. Die Stimmung unter der
misshandelten Mannschaft und unter den ständig vom Kapitän
gedemütigten Offizieren war so, dass eine Meuterei unmittelbar
bevorstand und offen verabredet wurde.
Als der Kapitän bei einer nächsten von ihm provozierten
Gelegenheit die grausam tief geschlagenen Wunden eines jungen Matrosen
mit Salz ausstreuen ließ, hielt es auch mich nicht länger.
Ich griff mir ein Tamp und schlug den Schiffsführer mit drei
wütenden Schlägen nieder.
Statt mich nun ordnungsgemäß festzusetzen,
überwältigten seine Offiziere ihren Vorgesetzten und sperrten
ihn unter Deck ein.
Die Mannschaft verlangte, diesen furchtbaren Kapitän zu Tode zu
prügeln; das konnte ich gerade noch verhindern. Als wir von
Colombo aus wieder in See stachen, ließen wir ihn aus fünf
Meilen Entfernung in voller Kleidung an Land schwimmen. Die Männer
warfen dem gewissenlosen Leuteschinder Flaschen und Hölzer nach;
einige könnten ihn noch getroffen haben.
Im Logbuch hatten wir für die Beschreibung dieser Ereignisse zwei
Seiten freigelassen. Auf der langen Umseglung von Afrika hatten wir oft
den fälligen Bericht erörtert; dann brach eines Nachts unter
Deck Feuer aus und zerstörte auch die Kajüte des
Kapitäns, in der das Logbuch lag.
An Bord raffte eine tückische Krankheit ein Drittel der Mannschaft
dahin. Ich lag auch lange im Fieber, aber ich hatte Glück und
konnte bei den Seemannsbegräbnissen anderer helfen. Auch am Ruder
mussten wir uns oft ablösen. Dennoch schafften wir die letzten der
insgesamt gut Fünftausend Meilen bis Tanger mit letzter Kraft.
Dort im Hafen wurden wir gleich in der ersten Nacht ausgeraubt,
offenbar von ausgebufften Piraten, die selbst meine ausgeklügelten
Geldverstecke gefunden und die restliche Preisgabe mit einigen
Messerstichen aus mir herausgelockt haben. Mit viel Glück fand ich
nach Wochen einen mir bekannten Kapitän eines anlegenden Schiffes,
das mich nach Rotterdam brachte. Mit geliehenem Geld und einigen grauen
Haaren mehr gelangte ich dann glücklich nach Bremen.
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