Münchhausen
Geliebt hab ich sie  fast  alle
© Willem de Haan
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Allerhöchste Schokoladengelüste

Die Zarin hatte mir anfangs spätnachts eine Eskorte der berüchtigten Säbelreiter aus ihrer Leibgarde mitgegeben, und tatsächlich hatten neidische Kerle mir mehrmals Mördertrupps auf den Hals geschickt. Später waren die sich daraus ergebenden Blutbäder nicht mehr nötig, denn ich blieb ja über Nacht.

Wir hatten morgens einen starken Liebesdrang; ich wollte ihn nicht nur triebhaft wirken lassen. Die Zarin gewöhnte sich an meinen Einfall, jeden zweiten Tag ein besonders gehaltvolles Liebesfest zu inszenieren, das sie genossen hat, die Zuschauerinnen auch. Einige von ihnen machten überdeutliche Verführungs- versuche, die ich selbstredend abgewehrt habe, jedenfalls fast alle.

Die junge Rumänin Doina fiel unter den Kammerfrauen durch ihre ungezwungene Fröhlichkeit und ihren Charme auf. Sie hatte es sichtbar nicht ungern übernommen, der Zarin mit mir einige erotische Besonderheiten vorzuspielen, so zum Beispiel die Wirkung und den Genuss flüssig gemachter und auf die Haut gegossener Schokolade. Als wir drei einmal und gar nicht zufällig entkleidet waren, befahl Katharina: „Leg sie auf den Bauch und nimm sie von hinten.“

„Befehl ist Befehl!“ heißt es überall beim Militär; ich hatte schon schwierigere Anordnungen befolgen müssen, aber ich war verblüfft: Doina, die gewohnt war, alle Anweisungen widerspruchslos zu befolgen, wagte der Zarin zu sagen: „Vergebung, Majestät: Soll die Exzellenz das ohne jedes Vorspiel tun?“

Ich habe den Atem angehalten – Doina riskierte ihr Leben; aber Katharina lächelte beeindruckt und gab mir ein Zeichen: Sie wollte offenbar eins meiner von ihr selbst oft erlebten und von ihr mehrmals gerühmten Vorspiele einmal bei einer anderen Frau beobachten.

Doina machte es mir leicht und ich empfand diese Aufgabe auch als künstlerische und alle Fantasie ermöglichende Herausforderung. Wir küssten uns und umarmten uns in der anspruchsvollen „Hohen Kaskade“. Doina drehte sich so, dass wir beide uns gegenseitig mit Liebkosungen verwöhnen konnten. Ich spürte ihre zärtlichen Bisse und sie hat meine Zunge in ihrem Schoss willkommen geheißen. Irgendwann fiel uns auch der Befehl der Zarin wieder ein.

Katharina applaudierte uns; mir war aber trotz der ergreifenden Erlebnisse unbehaglich zumute. Nach einer Weile klingelte Katharina; eine andere Kammerfrau erschien mit einer kleinen goldenen Kanne, aus der heiße Schokolade duftete.

Wir beide unterbrachen unser Liebesspiel nicht, während Katharina selbst die Kanne auf Doinas Schultern und den Rücken ausgoss. Doina schrie auf; es war ein lustvolles Erschrecken und ich versuchte natürlich, sie meine inzwischen innige Verbundenheit spüren zu lassen.

Katharina und ich machten uns daran, von der bald fester werdenden Schokolade Stücke abzunagen. Ich setzte Doina vor mich, umfasste sie von hinten so, dass ich ihre rechte Brust halten konnte und gab ihr mit der anderen Hand Schokoladenfetzen zu kosten. Ich fand Doina richtig lieb und dazu auch sehr begehrenswert.

Katharina hatte dann den Einfall, neu bereitete Schokolade auf das reizvolle Dreieck von Doinas Schoß zu gießen; das tat sie selbst und Doina ergab sich lustbereit. Als die braune Schicht etwas fester geworden war und Doina nur noch leise wimmerte, forderte die Zarin mich auf, mit ihr zusammen die Schokolade nur mit dem Mund aufzuessen. Spätestens dabei muss ihr wohl aufgefallen sein, dass ich Doina entschieden mehr als das süße Zeug mochte, und dass Doina mich auch nicht ohne Zuneigung ansah. Doinas Zuwendung machte mir Sorgen, denn ich wollte Katharina auf keinen Fall eifersüchtig machen.

Als wir danach auf Katharinas Wunsch alle drei unter die Decken schlupften, hielt sich Doina auffällig und uns nur sachte unterstützend zurück und ich war nur noch Katharinas Liebhaber. Leider hat Katharina bemerkt, dass die junge Frau im Lustrausch mit geschlossenen Augen einen Augenblick lang mit ihren Lippen meinen Schaft umschlossen hielt. Für mich war es ein erregendes Zeichen dafür, dass wir nicht nur Darsteller von Liebesposen waren, aber vom nächsten Morgen an war Doina verschwunden. Sie sei erkältet, hieß es. Ich habe sie nie wieder gesehen, und ich fühlte mich mitschuldig an dieser Entwicklung.

Wenige Nächte danach wollte Katharina die Schokolade auf ihrem Körper spüren. Sie wollte die süße Masse und meine, später mit ihr geteilte Verzehrfreude auch an jener ihr besonders wichtigen Stelle ihres Körpers erleben. Ich genoss es, aber mir schwante, dass sie dies auch bald in einer Variation an mir nachempfinden wollte.

Bei mir musste die braune Masse dann ordentlich heiß sein; das war dann der Anfang eines neuen variantenreichen Liebesspiels, immerhin eine Abwechslung von der häufiger erlebten Variante, das bereits lustbereite Zentrum meiner Männlichkeit, sie nannte es einmal den „wahren Münchhausen“, vorher in französischen Likör zu tippen; das wirkte sich auf unsere Liebesspiele nachhaltig anregend aus.

Die Verwendung von Schokolade in erotischen Spielen verbreitete sich wie eine Mode schnell nicht nur in unserer höfischen Gesellschaft.

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Inhalt

Am Beginn unserer Bekanntschaft
Aufbruch
Das will ich vorausschicken
Lernstunden der Liebe
Frühlingsfische
Spätes, erfreuliches Wiedersehen
Waldfee? Teufelsweib? Hexe?
Mein anderer Franziskus
Die Eroberung einer Burgherrin
Meine Reise nach Russland

Riskante Rast im Schnee
Dreiundzwanzig liebeshungrige Frauen
Hochzeitsgast in einem russischen Dorf
Endlich in St. Petersburg
Der Zarin zu Füßen
Bei Hofe knistert überall Erotik
Russische und indische Liebeskünste
Allerhöchste Schokoladengelüste
Im Hintergrund des Machtzentrums
Kaiserliche Gewinnspiele

Vertrauter und künstlerischer Berater
Wir brauchen eine Bühne und Verkleidungen
Auch ein Starker braucht Bestärkung
Un(frei)williger Kriegsheld
Tatarenleidenschaft
Beim Sultan in Konstantinopel
Ein türkisches Muss: Ein Harem für mich
Ich lebe gern mit vielen Frauen
Jeder Alltag war ein Festtag
Die Flöte des Pan

Gewöhnungsbedürftiges
Für manches weiß ich eine Lösung
Kulturaustausch mit dem Reich der Pharaonen
Im Palast des Paschas
Ägyptische Freuden und Plagen
In goldenen Käfigen
Delfine zogen mich nach Griechenland
Stille Zeit und alte Bräuche
Begegnung mit überirdischer Schönheit
In die Welt hinausgeschleudert

In weiblicher Gefangenschaft
Strafverschärfung: Lieblingsgefangener
Schöpferisches Handeln hält hellwach
Undankbare Flucht
Mediterranes Zwischenspiel
Ich erforschte den falschen Vulkan
Verblendeter und sofort bestrafter Eifer
Verlust der Erdenschwere
Auf einem andern Stern
Die Muse des Gesanges

Befreiung durch Naturgesetze
Archäologen wurden Zeugen
Eingewöhnung in irdisches Leben
Jagdverhinderung in Bayern
Im schottischen Hochmoor
Frühstück für Nessie
Eisbären sind musikalisch und tanzfreudig
Unerwartete Freuden in Polarnächten
Tigerjagd in Bengalen
Literatur als Überlebenshilfe

Nächtlicher Kampf mit Berglöwen
Liebe macht manchmal erfinderisch
Dichtertreffen
Der König mit dem Knall
Delikate Mission: Königlicher Vorkoster
…und her wider unz an Ungerland
Heilige in der Kirche, Dame im Salon und im Bett eine…
Dagmars unwiderstehliche Strategie
Mit Wanda und Ewa im Schnee
Ein erotisches Krisen-Komitee

Königlich-Niederländisches Liebesnest
Tarantella tanzen in Tarent
Irgendwo in der Südsee
Lernbereite Kannibalenkinder
Seminare unter Palmen
Manchmal hilft uns auch ein Schurke
Das Geschenk des Zauberers
An Bord eines Seeteufels
Von Bremen aus heimwärts
Hexenwerke im Harz?

Auch hierzulande gibt es Reise- Erschwernisse
Im heiligen Köln
Säulenheilige am Dom
Liebesarien
Ein Abend mit lauter Fragen
Was soll ich in Amerika?
Wiedersehen mit Mahajusha
Im Wein wird doch Wahrheit sein?
Mahajusha schenkt mir Flügel
Tiefschläge aus heiterem Himmel

Nachwort
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